Enorme
Forschungskompetenz
Die Research School hat die ersten Promovenden aufgenommen
Der erste Schritt auf dem Weg zur Exzellenzhochschule
ist getan: Die Research School (RS) läuft bereits
auf Hochtouren. 137 Promovend/innen, die zuvor schon
in Labors, Versuchshallen und Bibliotheken der RUB an
ihren Dissertationen gearbeitet haben, wurden zum 1.
Februar 2007 aufgenommen.
Die Freude an der RUB war riesig, als sich das Bochumer
Konzept in der ersten Runde der Exzellenzinitiative
durchsetzen konnte. Im Oktober 2006 hatten Deutsche
Forschungsgemeinschaft (DFG) und Wissenschaftsrat ihre
für Bochum positive Entscheidung in der Förderlinie
„Graduiertenschule“ verkündet: Rund
1,5 Mio. Euro fließen fortan jährlich nach
Bochum, fünf Jahre lang.
Eine Woche später wurde der vorläufige Wissenschaftliche
Vorstand (Scientific Executive Board) der Research School
gewählt. An seiner Spitze steht als Dean (Direktor)
der Chemiker Prof. Roland A. Fischer; ebenfalls zum
Vorstand gehören Prof. Jochen Vollmann (Medizinethik),
Prof. Ralf-Peter Brinkmann (Theoretische Elektrotechnik)
und Prof. Hans Hatt (Zellphysiologie).
Anschließend wurde die erste Bewerbungsrunde für
die RS ausgeschrieben, sie richtete sich an Doktorand/innen
der RUB. Von 175 Bewerber/innen wurden 137 aufgenommen.
Bis Ende April liefen die zweite interne sowie die erste
internationale Ausschreibung. „In der Anfangsphase
wird die Research School insgesamt etwa 350 Doktoranden
aufnehmen können. Nach fünf Jahren werden
wir die Ausbauphase beginnen, dann steigt die Kapazität
auf 500 Doktoranden“, erklärt Dean Roland
Fischer.
Strukturierte Promotion
Die Idee hinter der Graduiertenschule sieht die direkte
Einbindung der Doktoranden vor. Deshalb wählten
die ersten aufgenommenen Doktoranden im Februar 2007
ihre Sprecher. Genau wie ihre Mentoren, die Doktormütter
und Doktorväter, stehen sie für je eine der
drei großen Wissenschaftsdisziplinen. Alle Sektionen
werden von einem Team vertreten, von denen jeweils eine/r
mit vollem Stimmrecht in den Vorstand der School aufgenommen
wird. Die Natur- und Ingenieurwissenschaften werden
durch Matthias Krüger und Stefan Buschhorn vertreten,
die Geistes- und Sozialwissenschaften durch Sandra Krause
und Sven-Daniel Gettys und die Lebenswissenschaften
durch Lian Gelis, Constanze Hahn und Serra Akinturk.
Komplettiert wird das Board durch ein dreiköpfiges
Koordinationsbüro (Central Coordination Office,
CCO), das im FNO untergebracht ist.
Die Doktoranden repräsentieren auch die Vielfalt
auf dem gesamten Campus – sie werden von erfahrenen
Wissenschaftlern aus 19 Fakultäten betreut. Beteiligt
sind zudem u. a. zehn Sonderforschungsbereiche (SFB)
und drei Graduiertenkollegs der RUB. Die Forschungskompetenz
ist also enorm und wird direkt an die Doktoranden weitergegeben.
Ihre Dissertationen wiederum tragen unmittelbar zum
Erfolg der Forschungsschwerpunkte der RUB bei (s. Infokasten).
Im Mittelpunkt des Promotionsprogramms der Research
School steht die vertiefte wissenschaftliche Qualifikation
und Förderung der Doktoranden. Um ihr individuelles
Profil als Forscher zu erweitern, nehmen sie an einer
strukturierten Promotion mit disziplinären und
interdisziplinären Veranstaltungen sowie Kursen
zur Vermittlung von Schlüsselqualifikationen auf
hohem Niveau teil. Dieses Programm ist so auf die eigentliche
Forschungsarbeit abgestimmt, dass sich diese nicht verzögert,
sondern die Promovenden innerhalb des festgelegten Zeitraums
ein höheres Maß an persönlicher Qualifikation
erwerben.
Elf Schwerpunkte
Die elf Forschungsschwerpunkte der Research School verteilen
sich auf drei große Wissenschaftsgebiete:
Natur- und Ingenieurwissenschaften: Systemchemie der
Grenzflächen, Plasmawissenschaften, Materialwissenschaften,
Nachhaltige Planung und Ausführung urbaner Infrastruktur,
Sicherheit in der Informations- und Kommunikationstechnik;
Lebenswissenschaften: Makromolekulare Netzwerke, Neuronale
und Kognitive Netze;
Geistes- und Gesellschaftswissenschaften: Biomedizinische
Ethik und Versorgungsforschung („Public Health“),
Religion und Säkularisierung, Semantische Räume,
Sicherheit des Menschen im Prozess der Globalisierung.
Die RS führt das Allgemeine Promotionskolleg der
RUB als Stipendienprogramm weiter. Die Stipendiaten
werden entsprechend ihres Forschungsthemas bzw. ihrer
Betreuer in eine der drei wissenschaftlichen Sektionen
aufgenommen.
Zudem fungiert die RS als integrierendes Dach für
die strukturierten Promotionsprogramme an der RUB. Die
Doktoranden dieser Programme können sich für
eine Aufnahme in die RS bewerben, sind aber nicht dazu
verpflichtet. Doch schon jetzt sind Doktoranden aus
allen strukturierten Programmen der RUB und kooperierender
Einrichtungen (z. B. Max Planck Research Schools) Mitglied
in der RS.
Bewerbung, Förderung,
Betreuung
Erste internationale Ausschreibung von Doktorandenstellen:
Bis Ende April lief die erste internationale Ausschreibung
von Doktorandenstellen, die insbesondere durch Mittel
der DFG gefördert werden. Bewerben konnten sich
hoch qualifizierte Doktorand/innen aus dem In- und Ausland,
die in einem der Forschungsschwerpunkte der RS promovieren
möchten. Die an der Ausschreibung beteiligten Wissenschaftler
aus allen Sektionen haben sich darauf verständigt,
die Stellen thematisch offen auszuschreiben. Die Entscheidung
über eine Förderung erfolgt wettbewerblich
und ausschließlich aufgrund der wissenschaftlichen
Qualifikation der Kandidat/innen.
Promotionsstipendien der RUB (Allgemeines Promotionskolleg):
Auf Beschluss des Rektorates wurden die Promotionsstipendien
2007 erstmals unter dem Dach der RS ausgeschrieben.
Bewerben konnten sich hoch qualifizierte Doktoranden
und Absolventen der RUB aus allen Fächern mit Forschungsthemen
ihrer Wahl. Die Mehrzahl der Doktoranden, die zurzeit
durch Stipendien des Allgemeinen Promotionskollegs gefördert
werden, haben sich für eine Aufnahme in die RS
beworben und sind Anfang des Jahres aufgenommen worden.
RUB-interne Aufnahme: Bis Ende April lief das zweite
interne Aufnahmeverfahren für Doktoranden, die
an der RUB promovieren und keine Finanzierung für
ihr Promotionsvorhaben benötigen. Bewerben konnten
sich hoch qualifizierte Interessenten mit Themen, die
in einen der Forschungsschwerpunkte der RS eingebunden
werden können.
Betreuung: In der Research School wird jeder Doktorand
von Anfang an von zwei Mentoren betreut, die den Promotionserfolg
aktiv fördern. Die wissenschaftliche Zusammenarbeit
wird in einer Betreuungsvereinbarung dokumentiert. Die
Betreuer von RS-Doktoranden sind zugleich Mitglieder
der School. Das Koordinationsbüro der Research
School bietet ausländischen Doktorand/innen außerdem
eine Fülle an Dienstleistungen: vom Informationspaket
über die Unterkunft bis zur Begleitung bei Behördengängen.
Kontakt
Ruhr University Research School, Central Coordination
Office, FNO 1/144
Allgemeine Infos: Maria Sprung, 0234/32-27890
Bewerbungen: Dr. Ursula Justus, 0234/32-28070
Wissenschaftliche Koordination: Dr. Christiane Wüllner,
0234/32-24840
E-Mail: ipc@rub.de
Internet: http://www.rub.de/research-school/
Was sagen die Doktorandinnen
und Doktoranden über die Research School?
Sandra Krause (31) promoviert am Institut
für Pädagogik über die Erfahrungsverarbeitung
von Akademikerinnen in männerdominierten Studienfächern
(sie trägt damit bei zum Schwerpunkt: Sicherheit
des Menschen im Prozess der Globalisierung): „Für
mich bietet die Research School vor allem die Möglichkeit,
mit anderen Promovenden und auch erfahrenen Wissenschaftlern
in Austausch zu treten. Ich baue besonders auf den Effekt
des Networkings, da ich in der Vergangenheit die besten
Erfahrungen damit gemacht habe, was aus guten Kontakten
an Ideen und Vernetzungen im Forschungsprozess neu entstehen
kann.“
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Serra Akinturk (23) promoviert in der Abteilung
für Neuroanatomie und Molekulare Hirnforschung
über die Interaktion von Zellverbindungen und Zellgerüsten
in Nervenzellen (Neuronale und Kognitive Netze): „Die
Research School unterstützt junge Forscher am Beginn
ihrer akademischen Laufbahn und sie ermöglicht
den wissenschaftlichen Diskurs verschiedener Disziplinen.
Ich bin sehr glücklich, zu dieser neuen dynamischen
Einrichtung zu gehören.“
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Sven-Daniel Gettys (30) promoviert am Lehrstuhl
Neuere Geschichte III, er untersucht den Wandel der
kirchlichen Selbstwahrnehmung in einer sich wandelnden
Umwelt (Religion und Säkularisierung): „Die
RS bietet erstmals die Gelegenheit, den Status der Doktoranden
angemessen zu repräsentieren und die spezifischen
Interessen von Promovierenden aller Fachrichtungen mit
Mehrwert zu bündeln, zu kommunizieren und wenn
nötig zu verbessern. Meine Erwartungen und die
vieler Kommilitonen an die RS sind ausgesprochen hoch.
Vor allem die Mitarbeit der Doktoranden bei der inhaltlichen
Gestaltung lässt auf eine praxisnahe Zusammenarbeit
hoffen.“
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Stefan Buschhorn (27) promoviert am Lehrstuhl
Experimentalphysik IV über die „Zeitaufgelöste
resonante Streuung an magnetischen Nanostrukturen“
(Materialwissenschaften): „Die Research School
bringt Doktoranden aus völlig verschiedenen Disziplinen
miteinander in Kontakt, was der Spezialisierung in den
einzelnen Forschungsrichtungen entgegenwirken und fächerübergreifenden
Austausch fördern kann. Die Herausforderung wird
sein, für alle Doktoranden einen einheitlichen
Rahmen zu schaffen und gleichzeitig alle Freiheiten
für die individuellen Forschungsprojekte in den
verschiedenen Fächern zu erhalten.“
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Lian Gelis (25) promoviert am Lehrstuhl für
Zellphysiologie über die „Funktion von Riechrezeptoren
in nicht-neuronalen humanen Zellen“ (Makromolekulare
Netzwerke): „Die Research School ermöglicht
uns Doktoranden durch ihr erstklassiges, interdisziplinäres
Ausbildungsangebot eine individuelle Qualifikation auf
höchstem Niveau und optimiert somit unsere Berufschancen.
Für den Forschungsstandort RUB ist die RS als Zentrum
wissenschaftlicher Exzellenz eine große Bereicherung.“
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Matthias Krüger (24) promoviert am Lehrstuhl
Physikalische Chemie II über die „Entwicklung
eines verstärkten zeitaufgelösten THz-Spektrometers
zur Spektroskopie von Biomolekülen“ (Systemchemie
der Grenzflächen): „Die Research School
bietet Promotionsstudenten die Gelegenheit eines gegenseitigen
Austauschs von Erfahrungen, Wissen und Kontakten. Aufgrund
ihrer Interdisziplinarität beugt sie dem innerfachlichen
Tunnelblick vor.“
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Constanze Hahn (27) promoviert an der Abteilung
für Biopsychologie über „Zirkadiane
Rhythmik und zerebrale Asymmetrien“ (Neuronale
und Kognitive Netze): „Ich bin begeistert
davon, wie viel Aufmerksamkeit dem direkten Input der
Promovierenden bei der Organisation der noch jungen
Research School beigemessen wird, die sich aber gerade
jetzt – so würde ich es als Neurowissenschafterin
nennen – in einer „plastischen“ und
damit sehr dynamischen Entwicklungsphase befindet. Ich
hoffe, dass die RS dazu beiträgt, die wissenschaftliche
Kommission auch im Oktober 2007 von der Exzellenzwürdigkeit
der Ruhr Uni zu überzeugen.“
md
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