Starke
Struktur
Der Research Campus
Mit dem Antrag Research Campus stellt die Ruhr-Universität
das Leitprinzip „Universitas“ in den Vordergrund:
Ein Miteinander von erfahrenen und jungen Forschern
verschiedener Disziplinen, die gleichberechtigt und
früh eigenständig an ihren Forschungsthemen
arbeiten und voneinander profitieren und lernen. „Universitas
ist alles andere als ein romantisch verklärtes
Ideal“, so Rektor Prof. Dr. Elmar Weiler. „Der
unvoreingenommene, barrierefreie Austausch zwischen
Forscher-Lehrern und Lernenden hat für uns einen
alles überragenden Stellenwert – gerade in
einer Zeit, in der das Wissen sich rasch wandelt und
in der fachübergreifendes globales Denken und Handeln
zählen.“ Dieses Konzept soll mit Hilfe verschiedener
Einrichtungen gestärkt werden:
Research Departments
Die Spitzenforschung wird jenseits der Fakultäten
in flexiblen, interdisziplinären Departments organisiert.
In den Departments arbeiten je 15 bis 25 Forscher, die
aus unterschiedlichen Fakultäten stammen können,
in einem Themenfeld. Sieben Departments sind zunächst
geplant, die die bestehenden Forschungsschwerpunkte
der Ruhr-Universität bearbeiten: „Protein
Networks“, „Center of Synergic Neurosciences“,
„Interfacial Systems Chemistry“, „Integrity
of Small Scale Systems“, „Advanced Computational
Engineering“, „Plasmas with Complex Interactions“
und „Center for Religious Studies“. Neue
Departments können gegründet werden, wenn
sie bestimmte Anforderungen erfüllen: Das Forschungsfeld
muss seine wissenschaftliche Exzellenz durch mindestens
einen Sonderforschungsbereich und drei zusätzliche,
extern begutachtete Verbundprojekte wie etwa Forschergruppen,
EU-Förderprogramme oder Graduiertenkollegs belegen.
Diese externen Mittel werden von den beteiligten Wissenschaftler
ebenso wie die eigenen Forschungsmittel in das Department
eingebracht. Ein Gleichstellungskonzept muss genauso
vorhanden sein wie ein Konzept zur Ausbildung junger
Forscher im Department in Kooperation mit der Research
School (s. S. 4). Innerhalb der Departments herrschen
flache Hierarchien ähnlich denen in Sonderforschungsbereichen;
die Mitglieder bestimmen einen Direktor aus ihrer Mitte.
Alle Forscher der Departments bleiben Mitglieder ihrer
jeweiligen Fakultät. Sie werden für die Dauer
ihrer Mitarbeit im Research Department von einem Teil
ihrer Lehrverpflichtungen entbunden, so dass sie sich
stärker auf ihre Forschungstätigkeit konzentrieren
können. Die Fakultäten, die für die Lehre
zuständig sind, erhalten Gelder, mit denen sie
Dozenten finanzieren können, die diesen Ausfall
an Lehrleistungen kompensieren.
Institute für Advanced Study
Für herausragende Projekte einzelner Forscher,
die nicht in Sonderforschungsbereichen oder anderen
strukturierten Förderprogrammen organisiert sind,
wird das Institute for Advanced Study (IFAS) eingerichtet.
Es trägt insbesondere der Arbeitsweise der Geisteswissenschaftler
Rechnung und ermöglicht es hervorragenden Wissenschaftlern,
sich als Mitglieder (Fellows) am IFAS für befristete
Zeit in optimaler Umgebung, unbelastet von anderen Aufgaben
zu konzentrieren und mit internationalen Kollegen in
einen disziplinären und interdisziplinären
Dialog zu treten. Durch die Bildung von Tandems (jeder
interne Fellow arbeitet mit einem Partner aus einer
anderen Disziplin zusammen) können Kerne künftiger
Verbundprojekte entstehen. Auch die IFAS-Mitglieder
können für die Dauer ihrer Mitgliedschaft
von einem Teil ihrer Lehrverpflichtung befreit werden.
Das Institut hat je bis zu 18 interne und externe Mitglieder
sowie Junior-Fellows. Interne Mitglieder kommen aus
der RUB, externe sollten internationale, renommierte
Forscher sein. Neue Fellows werden von der Versammlung
der Mitglieder gewählt. Darüber hinaus gibt
es die Möglichkeit eines Fellow-in-Residence, zum
Beispiel eines Künstlers oder Schriftstellers,
der aus nicht-akademischem Blickwinkel zur Arbeit des
Instituts beiträgt.
Interdisciplinary Focus Groups
Mit bis zu fünf Mitgliedern kleiner als ein Research
Department, aber ebenso interdisziplinär angelegt
sind die Focus Groups. Sie erlauben insbesondere Geisteswissenschaftlern,
in Verbünden zusammenzuarbeiten. Wie auch die Mitglieder
der Research Departments und des IFAS können sich
Teilnehmer von Focus Groups von bis zu 50 Prozent ihres
Lehrdeputats befreien lassen. Doktoranden, die in den
Focus Groups mitarbeiten, promovieren zugleich im Rahmen
der Research School. Im Rahmen der Exzellenzförderung
sind drei Gruppen geplant: „Biomedical Ethics
and Public Health”, „The Organisation and
Transformation of Semantic Spaces” und „Human
Security in the Process of Globalisation”.
Junior-Senior Research Groups
Der generationenübergreifende Wissenstransfer steht
im Mittelpunkt der Junior-Senior Research Groups. Innerhalb
von Research Departments oder auch zentral sollen sich
Juniorprofessoren und Doktoranden zusammenfinden, die
gleichberechtigt als Team zusammenarbeiten. Der Clou
ist, dass ihnen bei ihrer Forschungsarbeit ein erfahrener
Emeritus, den sie selbst vorschlagen können, als
Ratgeber und Partner zur Seite steht. „Der Vorteil
ist evident: Die Erfahrensten, unbelastet von täglicher
Routine, arbeiten mit den Jüngsten auf einem Niveau
partnerschaftlich zusammen, geben Erfahrung –
auch Lebenserfahrung – weiter, können raten
und motivieren“, so Prof. Weiler. Auf diese Weise
geht wertvolles Wissen nicht mit „in Rente“;
hoch qualifizierte ältere Forscher, die in Deutschland
bislang zum Rückzug aus der aktiven Forschung gezwungen
waren und häufig ins Ausland abgewandert sind,
erhalten so die Möglichkeit, weiterhin in ihren
Forschungsgebiet tätig zu sein.
Research School
Wichtiger Bestandteil des Research Campus ist die Research
School, die bereits in der ersten Förderlinie der
Exzelleninitiative bewilligt worden ist und ihre Arbeit
schon aufgenommen hat.
Ob ein Mitglied der Ruhr-Universität in einer
oder mehreren dieser Einrichtungen zur Exzellenz-Förderung
aktiv ist, hängt von seinem eigenen Engagement
und seinen Leistungen ab. „Wir zwingen der Ruhr-Universität
nicht von oben eine neue Richtung auf, sondern vertrauen
darauf, dass die Mitglieder selbst daran mitarbeiten“,
erklärt Prof. Weiler. „Wir wollen den Besten
die besten Möglichkeiten bieten.“
Starke Unterstützung: Optimierter Service
Um den reibungslosen Betrieb des Research Campus
zu sichern, muss das Drumherum stimmen. Deshalb wird
optimiert, was das Leben leichter macht: der Service.
International: Campus Residence
Zusätzliche Wohnmöglichkeiten für ausländische
Forscher sollen dem wachsenden Bedarf begegnen, der
sich etwa aus der Attraktivität der Research School
für ausländische Doktoranden ergibt. Die „International
Campus Residence“, die im Grünen, aber zu
Fuß vom Campus aus erreichbar gelegen ist, bietet
Wohnraum für die Dauer eines Forschungsaufenthalts
oder eine erste Bleibe für den Start in Bochum.
Interkulturelle Tutoren vor Ort, die die Orientierung
erleichtern, gehören zum Service, ebenso wie kostenfreier
Internetzugang zur Uni.
Unterstützung: Marketing und Fundraising
Unterstützung für Forschung und Lehre kann
es nicht genug geben – und darum muss man sich
professionell bemühen. Die vorhandenen Marketing-Aktivitäten
werden gebündelt und zu einem schlagkräftigen
Netzwerk ausgebaut, das die „Marke“ Ruhr-Universität
bundesweit stark macht. Mit vereinten Kräften werden
Fundraiser und Forscher sowie das Rektorat die Leistungen
der RUB bekannter machen und große Unternehmen
ins Boot holen, die zum beiderseitigen Vorteil die Forschung
an der RUB unterstützen. Stiftungsprofessuren,
Stipendien oder neue Forschungsfelder sollen so entstehen.
Effizient: Virtuelle Bibliotheken
Größere Effizienz und Benutzerfreundlichkeit
will die Universitätsbibliothek erreichen, indem
sie die Zentralbibliothek und die 40 Fachbereichsbibliotheken
virtuell integriert. In einem neuen Portal werden sämtliche
Medien über eine einzige Suchmaschine zu finden
sein, die an individuelle Bedürfnisse des Nutzers
angepasst werden kann. So lassen sich elektronische
Zeitschriften und Bücher genauso an einem Platz
finden wie Bestände, die früher noch im Zettelkasten
gesucht werden mussten.
Die wichtigste Ressource: Die Menschen
Das größte Pfund der RUB und ihre wichtigste
Ressource sind die Menschen. In ihren Händen liegt
der Erfolg der ehrgeizigen Pläne der Universität,
und ihnen gilt künftig noch größere
Aufmerksamkeit. Coaching-Programme für Führungskräfte,
spezielle Angebote für Nachwuchswissenschaftler
und Neuberufene gehören ebenso zum Angebot der
Personalentwicklung wie das „Dual Career“-Konzept:
Sind beide Partner in einer Familie hoch qualifiziert,
soll bei einer Berufung des einen an die Ruhr-Universität
der Ehepartner nicht auf sein berufliches Fortkommen
verzichten oder in der Ferne bleiben müssen. Von
Beginn der Berufungsverhandlungen an sorgt die RUB dafür,
auch dem Partner eine Perspektive zu geben.
Direkt vor Ort: Uni-KiTa
Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf soll auch eine
neue Kindertagesstätte auf dem Campus verbessern,
die Kinder aller Altersstufen versorgt und deren Öffnungszeiten
es Forscherinnen und Forschern erlauben, Familie und
Karriere zu verbinden. Auch Ferienangebote für
Schulkinder sollen ausgebaut werden.
Geld ausgeben – aber richtig
Berufungen sind einerseits teuer, andererseits das wesentliche
Instrument zur Profilierung der Universität. Ein
optimiertes Berufungsverfahren soll sicherstellen, dass
die RUB im Wettbewerb um die besten Köpfe gewinnt.
So werden mehrere Professuren, die im Laufe einiger
Jahre frei werden, gebündelt betrachtet und freigegeben
– das dient der konzertierten Ausrichtung auf
die Forschungsschwerpunkte der Universität.
Für die interne Mittelverteilung sollen im Rahmen
eines Projekts neue Konzepte entwickelt werden: Dabei
wird es darum gehen, für die beiden Töpfe
für Forschung und Lehre unterschiedliche Verteilungsmodi
zu erarbeiten. Mittel für die Lehre fließen
in die Fakultäten und werden von den Dekanen verwaltet.
Forschungsmittel fließen direkt an die einzelnen
Wissenschaftler. Die Vergabe der Mittel erfolgt leistungsorientiert.
Auf Knopfdruck: Wichtige Daten
Die strategische Mittelvergabe setzt natürlich
ein detailliertes Wissen um die Leistungen der einzelnen
Bereiche der Ruhr-Universität voraus. Die vorhandenen
Instrumente werden daher zu einem integrierten Berichtswesen
weiterentwickelt, damit Entscheidungsträger auf
Knopfdruck die Daten abrufen können, die sie brauchen.
In die Praxis: Transfer-Konzept
Ein neues Transfer-Konzept soll sicherstellen, dass
Forschungsergebnisse schnell und reibungslos in die
Praxis gelangen. Das Konzept basiert auf zwei Kernelementen:
Applied Competence Clusters (ACC) und Coaching/Businessplan-Wettbewerb.
ACCs schließen an die Forschungsschwerpunkte der
RUB an, die zugleich ein hohes Anwendungspotenzial haben,
etwa Materialwissenschaften, Proteinforschung, Plasmatechnologie,
Bildgebung oder Energietechnik. Die ACCs werden mit
Strukturhilfemitteln und weiteren öffentlichen
Förderungen sowie mit Mitteln der Wirtschaft arbeiten
und von der RUB zusammen mit örtlichen Akteuren
wie Stadt und IHK organisiert. ACCs sollen sowohl Know-how
als auch Infrastruktur in Form von Gerätetechnik
und Räumen für Start-Up-Firmen bereitstellen.
Den Start-Ups steht ein erfahrener Coach zur Seite,
der ihre Produkt- und Geschäftsideen überprüft
und sie als kritischer Ratgeber begleitet. Schließlich
muss das Start-Up-Unternehmen sich vor einer Jury präsentieren,
die bei positiver Bewertung ein Label vergibt, welches
internationalen Mustern – insbesondere dem Schweizer
Vorbild – folgt und das Unternehmen für Risikokapital-Geber
qualifiziert.
Ein umfassendes Konzept der Öffentlichkeitsarbeit
garantiert die breite Wahrnehmung von Forschungsergebnissen
national und international.
md
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