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RUBENS 115

2. Mai 2007

Starke Struktur


Der Research Campus

 

Mit dem Antrag Research Campus stellt die Ruhr-Universität das Leitprinzip „Universitas“ in den Vordergrund: Ein Miteinander von erfahrenen und jungen Forschern verschiedener Disziplinen, die gleichberechtigt und früh eigenständig an ihren Forschungsthemen arbeiten und voneinander profitieren und lernen. „Universitas ist alles andere als ein romantisch verklärtes Ideal“, so Rektor Prof. Dr. Elmar Weiler. „Der unvoreingenommene, barrierefreie Austausch zwischen Forscher-Lehrern und Lernenden hat für uns einen alles überragenden Stellenwert – gerade in einer Zeit, in der das Wissen sich rasch wandelt und in der fachübergreifendes globales Denken und Handeln zählen.“ Dieses Konzept soll mit Hilfe verschiedener Einrichtungen gestärkt werden:

Research Departments
Die Spitzenforschung wird jenseits der Fakultäten in flexiblen, interdisziplinären Departments organisiert. In den Departments arbeiten je 15 bis 25 Forscher, die aus unterschiedlichen Fakultäten stammen können, in einem Themenfeld. Sieben Departments sind zunächst geplant, die die bestehenden Forschungsschwerpunkte der Ruhr-Universität bearbeiten: „Protein Networks“, „Center of Synergic Neurosciences“, „Interfacial Systems Chemistry“, „Integrity of Small Scale Systems“, „Advanced Computational Engineering“, „Plasmas with Complex Interactions“ und „Center for Religious Studies“. Neue Departments können gegründet werden, wenn sie bestimmte Anforderungen erfüllen: Das Forschungsfeld muss seine wissenschaftliche Exzellenz durch mindestens einen Sonderforschungsbereich und drei zusätzliche, extern begutachtete Verbundprojekte wie etwa Forschergruppen, EU-Förderprogramme oder Graduiertenkollegs belegen. Diese externen Mittel werden von den beteiligten Wissenschaftler ebenso wie die eigenen Forschungsmittel in das Department eingebracht. Ein Gleichstellungskonzept muss genauso vorhanden sein wie ein Konzept zur Ausbildung junger Forscher im Department in Kooperation mit der Research School (s. S. 4). Innerhalb der Departments herrschen flache Hierarchien ähnlich denen in Sonderforschungsbereichen; die Mitglieder bestimmen einen Direktor aus ihrer Mitte. Alle Forscher der Departments bleiben Mitglieder ihrer jeweiligen Fakultät. Sie werden für die Dauer ihrer Mitarbeit im Research Department von einem Teil ihrer Lehrverpflichtungen entbunden, so dass sie sich stärker auf ihre Forschungstätigkeit konzentrieren können. Die Fakultäten, die für die Lehre zuständig sind, erhalten Gelder, mit denen sie Dozenten finanzieren können, die diesen Ausfall an Lehrleistungen kompensieren.

Institute für Advanced Study
Für herausragende Projekte einzelner Forscher, die nicht in Sonderforschungsbereichen oder anderen strukturierten Förderprogrammen organisiert sind, wird das Institute for Advanced Study (IFAS) eingerichtet. Es trägt insbesondere der Arbeitsweise der Geisteswissenschaftler Rechnung und ermöglicht es hervorragenden Wissenschaftlern, sich als Mitglieder (Fellows) am IFAS für befristete Zeit in optimaler Umgebung, unbelastet von anderen Aufgaben zu konzentrieren und mit internationalen Kollegen in einen disziplinären und interdisziplinären Dialog zu treten. Durch die Bildung von Tandems (jeder interne Fellow arbeitet mit einem Partner aus einer anderen Disziplin zusammen) können Kerne künftiger Verbundprojekte entstehen. Auch die IFAS-Mitglieder können für die Dauer ihrer Mitgliedschaft von einem Teil ihrer Lehrverpflichtung befreit werden.
Das Institut hat je bis zu 18 interne und externe Mitglieder sowie Junior-Fellows. Interne Mitglieder kommen aus der RUB, externe sollten internationale, renommierte Forscher sein. Neue Fellows werden von der Versammlung der Mitglieder gewählt. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit eines Fellow-in-Residence, zum Beispiel eines Künstlers oder Schriftstellers, der aus nicht-akademischem Blickwinkel zur Arbeit des Instituts beiträgt.

Interdisciplinary Focus Groups
Mit bis zu fünf Mitgliedern kleiner als ein Research Department, aber ebenso interdisziplinär angelegt sind die Focus Groups. Sie erlauben insbesondere Geisteswissenschaftlern, in Verbünden zusammenzuarbeiten. Wie auch die Mitglieder der Research Departments und des IFAS können sich Teilnehmer von Focus Groups von bis zu 50 Prozent ihres Lehrdeputats befreien lassen. Doktoranden, die in den Focus Groups mitarbeiten, promovieren zugleich im Rahmen der Research School. Im Rahmen der Exzellenzförderung sind drei Gruppen geplant: „Biomedical Ethics and Public Health”, „The Organisation and Transformation of Semantic Spaces” und „Human Security in the Process of Globalisation”.

Junior-Senior Research Groups
Der generationenübergreifende Wissenstransfer steht im Mittelpunkt der Junior-Senior Research Groups. Innerhalb von Research Departments oder auch zentral sollen sich Juniorprofessoren und Doktoranden zusammenfinden, die gleichberechtigt als Team zusammenarbeiten. Der Clou ist, dass ihnen bei ihrer Forschungsarbeit ein erfahrener Emeritus, den sie selbst vorschlagen können, als Ratgeber und Partner zur Seite steht. „Der Vorteil ist evident: Die Erfahrensten, unbelastet von täglicher Routine, arbeiten mit den Jüngsten auf einem Niveau partnerschaftlich zusammen, geben Erfahrung – auch Lebenserfahrung – weiter, können raten und motivieren“, so Prof. Weiler. Auf diese Weise geht wertvolles Wissen nicht mit „in Rente“; hoch qualifizierte ältere Forscher, die in Deutschland bislang zum Rückzug aus der aktiven Forschung gezwungen waren und häufig ins Ausland abgewandert sind, erhalten so die Möglichkeit, weiterhin in ihren Forschungsgebiet tätig zu sein.

Research School
Wichtiger Bestandteil des Research Campus ist die Research School, die bereits in der ersten Förderlinie der Exzelleninitiative bewilligt worden ist und ihre Arbeit schon aufgenommen hat.

Ob ein Mitglied der Ruhr-Universität in einer oder mehreren dieser Einrichtungen zur Exzellenz-Förderung aktiv ist, hängt von seinem eigenen Engagement und seinen Leistungen ab. „Wir zwingen der Ruhr-Universität nicht von oben eine neue Richtung auf, sondern vertrauen darauf, dass die Mitglieder selbst daran mitarbeiten“, erklärt Prof. Weiler. „Wir wollen den Besten die besten Möglichkeiten bieten.“


Starke Unterstützung: Optimierter Service
Um den reibungslosen Betrieb des Research Campus zu sichern, muss das Drumherum stimmen. Deshalb wird optimiert, was das Leben leichter macht: der Service.

International: Campus Residence
Zusätzliche Wohnmöglichkeiten für ausländische Forscher sollen dem wachsenden Bedarf begegnen, der sich etwa aus der Attraktivität der Research School für ausländische Doktoranden ergibt. Die „International Campus Residence“, die im Grünen, aber zu Fuß vom Campus aus erreichbar gelegen ist, bietet Wohnraum für die Dauer eines Forschungsaufenthalts oder eine erste Bleibe für den Start in Bochum. Interkulturelle Tutoren vor Ort, die die Orientierung erleichtern, gehören zum Service, ebenso wie kostenfreier Internetzugang zur Uni.

Unterstützung: Marketing und Fundraising
Unterstützung für Forschung und Lehre kann es nicht genug geben – und darum muss man sich professionell bemühen. Die vorhandenen Marketing-Aktivitäten werden gebündelt und zu einem schlagkräftigen Netzwerk ausgebaut, das die „Marke“ Ruhr-Universität bundesweit stark macht. Mit vereinten Kräften werden Fundraiser und Forscher sowie das Rektorat die Leistungen der RUB bekannter machen und große Unternehmen ins Boot holen, die zum beiderseitigen Vorteil die Forschung an der RUB unterstützen. Stiftungsprofessuren, Stipendien oder neue Forschungsfelder sollen so entstehen.

Effizient: Virtuelle Bibliotheken
Größere Effizienz und Benutzerfreundlichkeit will die Universitätsbibliothek erreichen, indem sie die Zentralbibliothek und die 40 Fachbereichsbibliotheken virtuell integriert. In einem neuen Portal werden sämtliche Medien über eine einzige Suchmaschine zu finden sein, die an individuelle Bedürfnisse des Nutzers angepasst werden kann. So lassen sich elektronische Zeitschriften und Bücher genauso an einem Platz finden wie Bestände, die früher noch im Zettelkasten gesucht werden mussten.

Die wichtigste Ressource: Die Menschen
Das größte Pfund der RUB und ihre wichtigste Ressource sind die Menschen. In ihren Händen liegt der Erfolg der ehrgeizigen Pläne der Universität, und ihnen gilt künftig noch größere Aufmerksamkeit. Coaching-Programme für Führungskräfte, spezielle Angebote für Nachwuchswissenschaftler und Neuberufene gehören ebenso zum Angebot der Personalentwicklung wie das „Dual Career“-Konzept: Sind beide Partner in einer Familie hoch qualifiziert, soll bei einer Berufung des einen an die Ruhr-Universität der Ehepartner nicht auf sein berufliches Fortkommen verzichten oder in der Ferne bleiben müssen. Von Beginn der Berufungsverhandlungen an sorgt die RUB dafür, auch dem Partner eine Perspektive zu geben.

Direkt vor Ort: Uni-KiTa
Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf soll auch eine neue Kindertagesstätte auf dem Campus verbessern, die Kinder aller Altersstufen versorgt und deren Öffnungszeiten es Forscherinnen und Forschern erlauben, Familie und Karriere zu verbinden. Auch Ferienangebote für Schulkinder sollen ausgebaut werden.

Geld ausgeben – aber richtig
Berufungen sind einerseits teuer, andererseits das wesentliche Instrument zur Profilierung der Universität. Ein optimiertes Berufungsverfahren soll sicherstellen, dass die RUB im Wettbewerb um die besten Köpfe gewinnt. So werden mehrere Professuren, die im Laufe einiger Jahre frei werden, gebündelt betrachtet und freigegeben – das dient der konzertierten Ausrichtung auf die Forschungsschwerpunkte der Universität.
Für die interne Mittelverteilung sollen im Rahmen eines Projekts neue Konzepte entwickelt werden: Dabei wird es darum gehen, für die beiden Töpfe für Forschung und Lehre unterschiedliche Verteilungsmodi zu erarbeiten. Mittel für die Lehre fließen in die Fakultäten und werden von den Dekanen verwaltet. Forschungsmittel fließen direkt an die einzelnen Wissenschaftler. Die Vergabe der Mittel erfolgt leistungsorientiert.

Auf Knopfdruck: Wichtige Daten
Die strategische Mittelvergabe setzt natürlich ein detailliertes Wissen um die Leistungen der einzelnen Bereiche der Ruhr-Universität voraus. Die vorhandenen Instrumente werden daher zu einem integrierten Berichtswesen weiterentwickelt, damit Entscheidungsträger auf Knopfdruck die Daten abrufen können, die sie brauchen.

In die Praxis: Transfer-Konzept
Ein neues Transfer-Konzept soll sicherstellen, dass Forschungsergebnisse schnell und reibungslos in die Praxis gelangen. Das Konzept basiert auf zwei Kernelementen: Applied Competence Clusters (ACC) und Coaching/Businessplan-Wettbewerb.
ACCs schließen an die Forschungsschwerpunkte der RUB an, die zugleich ein hohes Anwendungspotenzial haben, etwa Materialwissenschaften, Proteinforschung, Plasmatechnologie, Bildgebung oder Energietechnik. Die ACCs werden mit Strukturhilfemitteln und weiteren öffentlichen Förderungen sowie mit Mitteln der Wirtschaft arbeiten und von der RUB zusammen mit örtlichen Akteuren wie Stadt und IHK organisiert. ACCs sollen sowohl Know-how als auch Infrastruktur in Form von Gerätetechnik und Räumen für Start-Up-Firmen bereitstellen.
Den Start-Ups steht ein erfahrener Coach zur Seite, der ihre Produkt- und Geschäftsideen überprüft und sie als kritischer Ratgeber begleitet. Schließlich muss das Start-Up-Unternehmen sich vor einer Jury präsentieren, die bei positiver Bewertung ein Label vergibt, welches internationalen Mustern – insbesondere dem Schweizer Vorbild – folgt und das Unternehmen für Risikokapital-Geber qualifiziert.
Ein umfassendes Konzept der Öffentlichkeitsarbeit garantiert die breite Wahrnehmung von Forschungsergebnissen national und international.






md
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Letzte Änderung: 2.5.2007| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik