Deutsche Wurzeln
US-Historiker Mark Ruff forscht an der RUB über
die Katholische Kirche
Seine deutschen Wurzeln haben ihn hierher geführt:
Mark Edward Ruff, Professor für Moderne Europäische
Geschichte, forscht ein Jahr lang als Humboldtstipendiat
an der Katholisch-Theologischen Fakultät zum Thema
„Deutsche Katholiken, Kirchenkritiker und der
Umgang mit der NS-Vergangenheit“.
Mark Ruff, geboren in Detroit, lehrt an der Saint Louis
University in Missouri. Seine Familie ist deutschstämmig,
die Urgroßeltern wanderten aus und die nachfolgenden
Generationen blieben in den USA. Als Historiker tanzt
Ruff aus der Reihe: Sein Großvater, sein Vater,
seine Onkel und Cousins waren und sind allesamt lutherische
Pfarrer. „Ich selbst wollte aber an die Universität,
und ich habe es nicht bereut.“
Deutsch spricht niemand mehr in der Familie; Mark Ruff
hat die Sprache in der Schule und in Sprachkursen gelernt.
„Mein Professor an der University of Buffalo,
Georg Iggers, der 1938 als Jude aus Hamburg ausgewandert
war, hat mein Interesse an Deutschland geweckt und mich
ermutigt, über ein deutsches Thema zu promovieren.“
Vor allem hat sich der Historiker mit der Vergangenheitsbewältigung
der Kirche im NS-Staat und der Jugendarbeit in katholischen
Milieus während und nach dem Zweiten Weltkrieg
beschäftigt. In St. Louis gibt er Seminare zu Themen
wie „Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert“
oder „Deutschland in der Nazi-Ära“.
Drei Jahre schneller
Eine Besonderheit aus deutscher Sicht ist Ruffs Verhältnis
zu seinen Studenten. Um in den USA Professor werden
zu können, muss man sich einer siebenjährigen
Bewährungsprobe unterziehen, in der man lehrt,
publiziert und von den Studenten evaluiert wird. „Die
Studenten stehen den Professoren auch viel näher.
Ich habe beispielsweise – wie andere Professoren
es auch tun – Kontakte zu den Studenten aufgebaut
und gepflegt, sie abends zum Essen eingeladen und auch
nach den Seminaren über historische Themen diskutiert.“
Das zahlt sich aus. Mark Ruffs Bewährungsprobe
wurde um drei Jahre verkürzt, Anfang April wurde
er zum „Associate Professor for Modern European
History“ befördert. In Deutschland ist dieser
Status mit dem eines „außerordentlichen
Professors“ zu vergleichen.
Für seine Forschungsarbeit hat Ruff sich für
ein Stipendium der Humboldt-Stiftung beworben. „Es
läuft Ende Juli aus, aber ich hoffe auf eine Verlängerung
bis Ende Dezember.“ Die Arbeit in Bochum macht
ihm Spaß und mit den Mitarbeitern des Lehrstuhls
für Kirchengeschichte des Mittelalters und der
Neuzeit hat er sich gut angefreundet. Prof. Wilhelm
Damberg kennt er ohnehin seit über zehn Jahren.
„Uns verbindet Freundschaft“, erklärt
Ruff.
In seinem aktuellen Forschungsprojekt untersucht Ruff
die Debatte über das Verhalten der katholischen
Kirche in der NS-Zeit. „Es gibt viel Kritik an
der Kirche, was sie im Dritten Reich hätte tun
sollen und nicht tun sollen“, erläutert er.
„Ich verfolge den Verlauf dieser Diskussionen
bis in die Gegenwart und versuche herauszufinden, was
die Kritiker mit der Debatte erreichen wollen und wie
sie ihre Meinungen begründen.“
Wenn Ruff wieder in die USA zurückkehrt, ob nun
im Sommer oder im Winter, wird er seine Lehre in der
St. Louis fortsetzen und den amerikanischen Studenten
die Sozialgeschichte Deutschlands näher bringen.
Sheila
Patel
|