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RUBENS 115

2. Mai 2007

Deutsche Wurzeln


US-Historiker Mark Ruff forscht an der RUB über die Katholische Kirche

Seine deutschen Wurzeln haben ihn hierher geführt: Mark Edward Ruff, Professor für Moderne Europäische Geschichte, forscht ein Jahr lang als Humboldtstipendiat an der Katholisch-Theologischen Fakultät zum Thema „Deutsche Katholiken, Kirchenkritiker und der Umgang mit der NS-Vergangenheit“.

Mark Ruff, geboren in Detroit, lehrt an der Saint Louis University in Missouri. Seine Familie ist deutschstämmig, die Urgroßeltern wanderten aus und die nachfolgenden Generationen blieben in den USA. Als Historiker tanzt Ruff aus der Reihe: Sein Großvater, sein Vater, seine Onkel und Cousins waren und sind allesamt lutherische Pfarrer. „Ich selbst wollte aber an die Universität, und ich habe es nicht bereut.“
Deutsch spricht niemand mehr in der Familie; Mark Ruff hat die Sprache in der Schule und in Sprachkursen gelernt. „Mein Professor an der University of Buffalo, Georg Iggers, der 1938 als Jude aus Hamburg ausgewandert war, hat mein Interesse an Deutschland geweckt und mich ermutigt, über ein deutsches Thema zu promovieren.“
Vor allem hat sich der Historiker mit der Vergangenheitsbewältigung der Kirche im NS-Staat und der Jugendarbeit in katholischen Milieus während und nach dem Zweiten Weltkrieg beschäftigt. In St. Louis gibt er Seminare zu Themen wie „Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert“ oder „Deutschland in der Nazi-Ära“.

Drei Jahre schneller

Eine Besonderheit aus deutscher Sicht ist Ruffs Verhältnis zu seinen Studenten. Um in den USA Professor werden zu können, muss man sich einer siebenjährigen Bewährungsprobe unterziehen, in der man lehrt, publiziert und von den Studenten evaluiert wird. „Die Studenten stehen den Professoren auch viel näher. Ich habe beispielsweise – wie andere Professoren es auch tun – Kontakte zu den Studenten aufgebaut und gepflegt, sie abends zum Essen eingeladen und auch nach den Seminaren über historische Themen diskutiert.“
Das zahlt sich aus. Mark Ruffs Bewährungsprobe wurde um drei Jahre verkürzt, Anfang April wurde er zum „Associate Professor for Modern European History“ befördert. In Deutschland ist dieser Status mit dem eines „außerordentlichen Professors“ zu vergleichen.
Für seine Forschungsarbeit hat Ruff sich für ein Stipendium der Humboldt-Stiftung beworben. „Es läuft Ende Juli aus, aber ich hoffe auf eine Verlängerung bis Ende Dezember.“ Die Arbeit in Bochum macht ihm Spaß und mit den Mitarbeitern des Lehrstuhls für Kirchengeschichte des Mittelalters und der Neuzeit hat er sich gut angefreundet. Prof. Wilhelm Damberg kennt er ohnehin seit über zehn Jahren. „Uns verbindet Freundschaft“, erklärt Ruff.
In seinem aktuellen Forschungsprojekt untersucht Ruff die Debatte über das Verhalten der katholischen Kirche in der NS-Zeit. „Es gibt viel Kritik an der Kirche, was sie im Dritten Reich hätte tun sollen und nicht tun sollen“, erläutert er. „Ich verfolge den Verlauf dieser Diskussionen bis in die Gegenwart und versuche herauszufinden, was die Kritiker mit der Debatte erreichen wollen und wie sie ihre Meinungen begründen.“
Wenn Ruff wieder in die USA zurückkehrt, ob nun im Sommer oder im Winter, wird er seine Lehre in der St. Louis fortsetzen und den amerikanischen Studenten die Sozialgeschichte Deutschlands näher bringen.






Sheila Patel
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Letzte Änderung: 2.5.2007| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik