Editorial
Wissenstransfer
Wissenstransfer – was für ein sperriges Wort!
Alle Berichte über die derzeitige Situation an
deutschen Hochschulen belegen: Der Begriff ist an den
Universitäten bekannt, die tatsächliche Umsetzung
ist eher schwach ausgeprägt. Doch es gibt Unterschiede:
Die Universität Dortmund, die TU München,
um nur einige zu nennen, sind den steinigen Weg schon
ein Stück weit gegangen. An der Ruhr-Universität
gibt es einige hoffnungsvolle Beispiele, auch wenn die
entstandenen Firmen teilweise nicht mehr in Bochum angesiedelt
sind.
Was wollen wir tun, um die derzeitige Lage deutlich
zu verbessern? Zunächst einmal wollen wir das Bewusstsein
aller Mitarbeiter dafür schärfen, dass gute
Ideen nicht nur erforscht werden können und sollten,
um ein Paper zu schreiben, sondern dass es auch die
Möglichkeit gibt, zuerst über eine mögliche
Anwendung, also über ein Patent, nachzudenken und
das Paper ein wenig später zu verfassen.
Auf welchen Gebieten sollten wir uns engagieren? Zunächst
sind natürlich alle Bereiche der Forschung und
Entwicklung an der Ruhr-Universität von Interesse,
gute Ideen sind ja kaum planbar. Und damit sind wir
beim Kern. Wir müssen auf der Basis unserer Kompetenzen
diejenigen Projekte identifizieren, die in absehbarer
Zeit eine Umsetzung in ein Produkt oder eine Dienstleistung
wahrscheinlich werden lassen.
Im Klartext: Dort wo gute Forschung und Entwicklung
gemacht wird, ist auch Transfer möglich. Wir wollen
also versuchen auf den Gebieten unserer Forschungsstärken
eine Struktur aufzubauen, die den oben erwähnten
Weg „From Science to Market“ etwas weniger
steinig macht.
Wie kann das gehen? Im ersten Schritt sollen angewandte
Kompetenzcluster (applied centers of competence, ACC)
dort aufgebaut werden, wo wir besonders stark sind.
Unsere Bewerbung zur Exzelleninitiative hat diese Stärken
zum größten Teil schon herausgearbeitet.
Diese ACCs – das für Medizinische Bildgebung
existiert bereits – bieten neuen Firmen und natürlich
auch bereits bestehenden Firmen die Möglichkeit,
sich Labors und Geräte zu mieten, die ohne weiteres
kaum zugänglich sind. Auch die Expertise der beteiligten
Wissenschaftler kann auf diese Weise mit eingebracht
werden.
Das Management eines ACC wird sich um Marketing, Akquisition
sowie Veranstaltungen wie Workshops, Konferenzen und
Symposien kümmern. An dem bereits in Planung befindlichen
ACC „Zentrum für Plasmatechnik Ruhr“
werden sich auch die Stadt Bochum und die rubitec GmbH
beteiligen. Auf diese Weise sollen sich an der Ruhr-Universität
zu unseren wissenschaftlichen Stärken auch wirtschaftliche
gesellen. Denn nur auf Basis guter Grundlagenforschung
können nachhaltige Hightech-Produkte entstehen.
Prof.
Dr.-Ing. Peter Awakowicz, Prorektor für Forschung
und Wissenstransfer
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