Geldsegen für
die Slawistik
Russischer Konzern Vodaprom „kauft“ Lotman-Institut
Was dem Bundesligisten Schalke 04 recht ist,
ist der Ruhr-Universität nur billig: Nach dem Vorbild
des unlängst geschlossenen Deals „Gazprom
– Schalke 04“ erklärte sich nun der
Moskauer Wasserkonzern Vodaprom bereit, das Lotman-Institut
für russische und sowjetische Kultur der RUB spektakulär
zu fördern: mit viel Geld und mit Wasser aus dem
Baikalsee.
„Natürlich wollen wir das Lotman-Institut
nicht direkt erwerben“, verkündete Vodaprom-Vorstandsvorsitzender
Alexander Schutnikow, „aber wir werden es jährlich
mit einer halben Million Euro in der Forschung unterstützen,
und das mindestens zehn Jahre lang“. Man investiere
in die „besten Köpfe“, und die säßen
bei der Russlandforschung nun einmal in Bochum.
Vodaprom ist Nummer Eins der russischen Wasserwirtschaft.
Die Förderung Bochums ist unmittelbar mit einem
weiteren Sponsoringvertrag verknüpft, von dem nicht
nur die Wissenschaftler profitieren, sondern auch Mitarbeiter
und Studierende: Vodaprom beliefert in den kommenden
zwei Jahren die Bochumer Mensa kostenlos mit ökologisch
reinem Mineralwasser aus dem Baikalsee und stellt dafür
20.000 unzerbrechliche Becher mit dem Logo des Konzerns
zur Verfügung.
„Europäische Normalität“
Russisches Mäzenatentum in Deutschland hat Tradition.
Schon die Zaren im 18. Jahrhundert haben ausländische
Wissenschaftler unterstützt, besonders deutsche.
So sind manche Akademien der Wissenschaften in Russland
nach deutschem und in Deutschland zuletzt wiederum manche
nach russischem Vorbild entstanden. „Wir erwarten
von dieser Förderung eine klare Verbesserung der
Forschungsbedingungen vor Ort; Kultur ist immerhin die
Basis unserer Beziehungen“, so Schutnikow, der
gleichzeitig jegliche Spekulation eines Ausverkaufs
der deutschen Wissenschaft zurückwies: Die massive
Hilfe für das Lotman-Institut bedeute schließlich
auch ein Stück „europäischer Normalität,
angesichts einer zunehmenden finanziellen Krise der
kleinen Fächer in Deutschland“. Er erhoffe
sich, dass diese Förderung Vorbild für andere
Partner werde, weitere wissenschaftliche Institute in
Bochum und Umgebung zu fördern und damit die deutsche
Wissenschaft weltweit wieder an die Spitze zu führen.
Das Potenzial dafür sei da.
Die Ruhr-Universität begrüßt die Förderung
gerade für ein kleines Fach, das selbst im Jahr
der Geisteswissenschaften nur wenig Chancen hat, Drittmittel
einzuwerben. Das Lotman-Institut will mit diesem Geldsegen
die deutsch-russischen Kulturbeziehungen noch stärker
aufarbeiten und zur Verständigung mit dem europäischen
Nachbarn im Osten beitragen. Gerade in einer Zeit, in
der der Argwohn gegenüber den „russischen
Bären“ wieder wächst, ist es Zeit, für
ein stärkeres Miteinander zu arbeiten und zu werben.
Schutzgebühr
Der russische Konzern Vodaprom hat sich in den vergangenen
Jahren insbesondere mit der Vermarktung ökologisch
reinen Wassers aus dem Baikalsee einen Namen gemacht.
Das von ihm fast ausschließlich im eigenen Land
sowie in Osteuropa und Asien vertriebene Wasser gehört
zu dem besten, das Russland zu bieten hat. Langfristig
will der Konzern nun auch im Westen Fuß fassen,
und hat das Revier als Ausgangspunkt einer strategischen
Partnerschaft für seine internationalen Wissenschafts-
und Wirtschaftsbeziehungen gewählt.
In Bochum begrüßt man sehr das russische
Engagement und erhofft sich auch einen Profit für
den Stadtsäckel. Aber als erstes profitieren die
Mitarbeiter und Studierenden der Ruhr-Uni vom Deal:
Mit Beginn des Sommersemesters am 1. April wird in der
Mensa und den Cafeterien nur noch ökologisch reines
russisches Mineralwasser aus dem Baikalsee ausgeschenkt.
Da die Uni zudem das Wasser kostenlos bezieht, selbst
aber laut Sponsoringvertrag 20 Cent „Schutzgebühr“
kassieren darf, freut sich das Finanzdezernat über
den zusätzlichen Geldsegen von jedem getrunkenem
Glas Wasser.
jk
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