Seitenwechsel
eTutoring: Studierende beraten Lehrende
Einmal Dozenten unterrichten und Seminare mitbestimmen
– davon träumen wohl viele Studierende. An
der Ruhr-Uni bekamen im letzten Wintersemester 14 von
ihnen diese Chance: Zunächst lernten sie, eLearning-Veranstaltungen
zu planen und durchzuführen; anschließend
unterstützten die Studierenden ihre Dozenten bei
der Realisierung. „eTutoring“ nennt sich
das Projekt, das im August 2006 zum ersten Mal an der
RUB stattfand und nun weitergeführt wird.
In der Blockveranstaltung erklären Mitarbeiter
der Stabsstelle eLearning den Studierenden technische
Werkzeuge und didaktische Methoden des eLearning: Worin
liegt deren Nutzen für Studierende und vor allem:
Wie müssen Lehrende vorgehen, wenn sie die Lernplattform
Blackboard in ihre Veranstaltungen integrieren oder
Seminarinhalte online stellen wollen? Haben die Studierenden
den Kurs erfolgreich abgeschlossen, kommen sie mit ihren
Praktikums-Dozenten zusammen – in der Regel aus
der eigenen Fakultät – und erarbeiten in
Zweier- oder Dreierteams, wie sie Seminare durch elektronische
Lernmöglichkeiten noch abwechslungsreicher gestalten
können.
Dabei wird Gängiges wie Blackboard eingesetzt,
aber auch Neues erprobt, z.B. Podcasting oder die Entwicklung
von WBTs (Web based Trainings, also multimediale Lernmaterialien).
Je nach Bedarf gibt es entweder feste wöchentliche
Treffen, oder die Dozenten wenden sich mit speziellen
Problemen oder Aufgaben an „ihr“ Expertenteam.
Falls vom Dozenten gewünscht, können die eTutoren
auch Teile von Präsenzveranstaltungen mitgestalten,
für viele ein spannender „Seitenwechsel“,
bei dem sie zum ersten Mal vor einem Kurs stehen und
in die Rolle des Lehrenden schlüpfen. „Ein
wichtiges Anliegen ist uns bei dem Projekt, Studierende
aktiv in die Planung und Gestaltung von Veranstaltungen
einzubeziehen und ihnen zu zeigen, dass sie etwas bewirken
können, von dem andere Studierende profitieren“,
erklärt Anne Thillosen. Sie ist stellvertretende
Leiterin der Stabsstelle eLearning und verantwortlich
für das Projekt eTutoring.
Zehn Punkte zu erwerben
Bevor der erste Kurs starten konnte, mussten alle Beteiligten
viel Abstimmungsarbeit leisten. Die Stabsstelle arbeitet
eng mit dem Studienbüro, dem Optionalbereich, dem
Zentrum für Lehrerbildung, der Unibibliothek und
der Stabsstelle Interne Fortbildung und Beratung zusammen.
Das ist nötig, um die Ausbildung zum eTutoren ins
reguläre Studium zu integrieren und anerkennen
zu lassen. Schließlich erhalten die Teilnehmer
zehn Kreditpunkte im Optionalbereich – entweder
in „Informationstechnologie“ oder den „Schulpraktischen
Studien“, einer Zugangsvoraussetzung für
den Master of Education.
Zurzeit läuft der zweite Ausbildungskurs, den die
Stabsstelle eLearning zusammen mit dem Zentrum für
Fremdsprachenausbildung (ZFA) speziell zum Fremdsprachenerwerb
entwickelt hat. „In der ersten Phase haben wir
durch das eTutoren-Team, das im Bereich Deutsch als
Fremdsprache eingesetzt war, gemerkt, dass beim Sprachenlernen
andere Methoden und Werkzeuge eingesetzt werden als
in Chemie, Jura oder Maschinenbau, zum Beispiel Audio-Elemente
zum Hörverstehen. Obwohl der nächste Durchgang
erst fürs Wintersemester 07/08 geplant war, haben
wir dieses Projekt eingeschoben, um den Anforderungen
des Fremdsprachenerwerbs besser gerecht zu werden“,
erläutert Thillosen. Auch in Zukunft sind regelmäßige
eTutoring-Kurse geplant.
Ende März erhielten zwei Gruppen des Pilot-Moduls
die Gelegenheit, ihre Ergebnisse (samt Projektgeschichte)
aus den Bereichen Maschinenbau und Evangelische Theologie
dem Rektorat zu präsentieren. „Es ist ein
sehr schönes Erlebnis, Kurse selbst mitentwickeln
und die Resultate vorstellen zu können“ sagt
Joana Seiffert. Sie studiert im vierten Semester Geschichte
und Evangelische Theologie und hat 2006 am Pilotprojekt
eTutoring teilgenommen.
Im Wintersemester 07/08 hat Joana Seiffert zusammen
mit einem Kommilitonen zwei Dozenten der Evangelischen
Theologie beraten, Prof. Dr. Traugott Jähnichen
und André Witte-Karp. Sie halfen, einen abwechslungsreichen
Seminarverlauf mit interessanten Onlinebestandteilen
zu gestalten. Innerhalb der Fakultät stieß
die Aktion auf derart positive Resonanz, dass die beiden
ihr Projekt im Januar dem Fakultätsrat vorstellen
durften – mit dem Ergebnis, dass die Fakultät
im Sommersemester 2007 die Betreuung dreier Kurse durch
eTutoren finanzieren will. Dann wird auch Joana Seiffert
wieder dabei sein.
Info: Lehrende und Studierende, die
sich für diese neuartige Lern- und Lehrform interessieren,
können sich an Anne Thillosen (Stabsstelle eLearning)
wenden: Tel. -25817
eLearning an der RUB
Blackboard: Blackboard ist die zentrale internetbasierte
Lernplattform der RUB, die Materialien und Infos von
Veranstaltungen bereitstellt. Lehrende stellen Vorlesungsskripte,
Präsentationen und Arbeitsaufgaben auf die Plattform,
um ihre Präsenzlehre zu unterstützen. Studierende
laden diese von zu Hause aus herunter. Blackboard gibt
es seit 2000 an der RUB, pro Semester sind dort etwa
12,5 Prozent aller Veranstaltungen verzeichnet, http://e-learning.ruhr-uni-bochum.de/
bzw. http://www.rubel.rub.de/
Podcasting: Lehrende können ihre
Veranstaltungen mitschneiden und die Inhalte als Podcasts
(selbst aufgezeichnete Audiodateien) in MP3-Format ins
Internet stellen, z. B. auf die Homepage ihrer Fakultät
oder ins Blackboard. Verpassen Studierende eine Veranstaltung,
können sie diese nachträglich am PC hören.
Podcasting gibt es seit dem WS 06/07 an der RUB, bis
jetzt nutzen Germanistik, Kriminologie und Medienwissenschaft
das Angebot.
VSPL: VSPL ist ein internetbasiertes
System zur Verwaltung von Studien- und Prüfungsleistungen.
Studierende sehen Lehrveranstaltungen übers Internet
ein und melden sich online an. Das System dokumentiert
den Studienverlauf und macht ihn für Studierende,
Dozenten und Prüfungsämter transparent. Zurzeit
wird VSPL im Rahmen von Probebetrieben und einem sog.
Rollout sukzessive an der Ruhr-Uni eingeführt,
http://www.rub.de/rubicon/
Julia
Brosig
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