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RUBENS 114

1. April 2007

Der Student als Kunde


Meinung


Die Diskussion über Studiengebühren und ihre Verwendung dauert an. Zum Thema erreichte uns aktuell der folgende Beitrag, den wir in der Rubrik „Meinung“ abdrucken.

Vom 1. April 2007 an erhebt die RUB Studiengebühren, von diesem Tag an werden aus den Studierenden Kunden und aus Univerwaltung und Lehrenden werden Dienstleister. Wirklich? Und was ändert sich oder muss sich ändern?
Wenn wir über Studiengebühren reden, reden wir über durchaus beträchtliche Summen. Selbst wenn man davon ausgeht, dass nur etwa zwei Drittel der Studierenden die Gebühren entrichten muss, sind es pro Jahr rund 20 Mio. Euro, die RUB-weit zur Verfügung stehen. Das klingt für die gesamte Uni mit einem Jahresetat von knapp 300 Mio. Euro nicht umwerfend; allerdings entsprechen diese 20 Mio. Euro Studiengebühren etwa 25 Prozent der sachbezogenen Verwaltungsausgaben der RUB.
Noch deutlicher wird die Dimension, wenn man sich einzelne Fakultäten ansieht. So kann (oder soll man besser sagen muss?) die Juristische Fakultät rund 1,2 Mio. Euro pro Semester an Einnahmen aus Studiengebühren erwarten. Wie wird diese Summe ausgegeben, wer verwaltet sie und wie erfolgt die Haushaltskontrolle? Viele offene Fragen, denn eigentlich sollte niemand erwarten, dass Mitglieder von Haushaltsausschüssen, die bislang vor allem Mangel zu verwalten hatten, nun plötzlich und über Nacht zu kompetenten Finanzmanagern werden. Das Gleiche gilt auch für die Studierenden, deren Veto-Recht auf Fakultätsebene ausgeübt und sinnvoll eingesetzt werden kann und muss.

Nachhaltigkeit verlangen

Vor allem aber muss sich die Diskussion unter den Studierenden jetzt ganz schnell von dem „Ob“ der Studiengebühren dem „Wie“ zuwenden. Wenn diejenigen Recht behalten (und vieles spricht dafür), die das Ohr an der Landespolitik haben, dann bleiben zwei, vielleicht drei Jahre des ungewollten und unverhofften Wohlstandes, um etwas zu ändern. Bis dahin, so vermutet man, werden die Landeszuschüsse weiterhin so gekürzt, dass vielleicht der Status Quo von 2002 erreicht wird, allerdings dann inklusive der Studiengebühren.
Bereits jetzt sind beispielsweise die Etats der einzelnen Lehrstühle seit diesem Zeitpunkt um rund 40 Prozent reduziert worden. Änderungen, finanziert durch Studiengebühren, müssen daher wohlbedacht und auf ihre Nachhaltigkeit hin überprüft werden. So kann es durchaus Sinn machen, neue, besser gepolsterte Stühle für die Bibliothek zu beschaffen; vielleicht sollte man aber auch einmal darüber nachdenken, wie die didaktischen und inhaltlichen Grundbedingungen eines Studiums geändert werden können. Denn in vielen Fachgebieten hinken wir in der Lehre didaktisch und inhaltlich um Meilen hinter ausländischen Standards hinterher – trotz Exzellenzinitiative.
Zudem bleiben bei uns viel zu viele Studierende auf der Strecke und opfern damit Lebenszeit und häufig auch Nerven (und meist nicht nur ihre eigenen) und vergeuden staatliche und ab April eben auch studentische Mittel. Die Verantwortlichkeiten hierfür müssen endlich festgelegt, Zielvereinbarungen zwischen Studierenden und Lehrenden geschlossen werden. Wer ein Auto kauft, erwartet nicht nur beim Kaufabschluss ein schönes, prächtiges Gefährt, sondern es soll auch möglichst lange halten. Im gewerblichen Verkehr kennt man dazu Garantiebestimmungen – und an der Universität?

Qualitätsstandards

Im Moment scheint noch vielen vollkommen unklar zu sein, wie sich der Funktionswandel vom Studenten als staatlich subventionierten Almosenempfänger zum entsprechend anspruchsvollen Kunden vollziehen soll. Qualitätskontrolle und Qualitätssicherung, wie sie heutzutage in jedem guten Unternehmen selbstverständlich sind und daher auch an einer Universität sein sollten, erfordern erst einmal die Festlegung von Qualitätsstandards – und da liegt in vielen Fachgebieten manches im Argen oder ist umstritten. Ist gute Lehre die, die die wenigsten Durchfallquoten produziert? Oder die, bei der die Studierenden mit einem Lächeln im Gesicht den Hörsaal verlassen? Oder hat auch und gerade universitäre Ausbildung etwas mit späterem Erfolg im Beruf zu tun? Fragen, die bislang zu selten ernsthaft gestellt und noch seltener beantwortet wurden. Warum nicht einen Teil der Studiengebühren für (wirkliche, extern durchgeführte) Evaluation ausgeben? Warum nicht für eine Langzeitstudie zum Erfolg oder Misserfolg der RUB-Absolventen?
Auch die Studierendenselbstverwaltung muss vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen an Bedeutung gewinnen. Sicherlich, der Asta selbst wird mit der Verwendung der Studiengebühren unmittelbar nichts zu tun haben. Aber Studentenparlament und Asta haben die Möglichkeit und auch die Pflicht, fakultätsübergreifende Strategien zu entwickeln und die Studierenden in den Fakultätsgremien entsprechend zu unterstützen.
Dies setzt eine breite, repräsentative Basis der Studierendenvertretung voraus. Mit Wahlbeteiligungen von zehn Prozent ist eine solche nicht gewährleistet. Hier kann man fragen, ob in der Vergangenheit alles getan wurde, um diesem Manko abzuhelfen. Warum erfolgt beispielsweise kein Aufruf des Rektors, sich an den Wahlen zu beteiligen? Wenn man Politik und Demokratie ernst nehmen will, dann muss man auch hier vielleicht andere Wege gehen. Warum gibt es keine schriftlichen Wahlbenachrichtigungen für die Studierenden, mit Wahlkarten und der Möglichkeit der Briefwahl? Bislang, so könnte man einwenden, war dies auf dem demokratischen Spielplatz RUB nicht nötig. Nun aber ist aus dem Spielplatz ein Unternehmen geworden, in dem die Studierenden gleichermaßen Kunden und Vorstandsmitglieder sind. Es wird Zeit, dass dies alle begreifen!



 

 

Prof. Dr. Thomas Feltes, Lehrstuhl für Kriminologie
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Letzte Änderung: 30.3.2007| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik