Gegen
Autoimmunkrankheiten
Projekt
der Neurologischen Klinik im St. Josef Hospital
Wenn die körpereigene Abwehr sich gegen den falschen
Feind wendet, hat das mitunter schlimme Folgen. Werden
eigene Zellen fälschlich als fremd erkannt, greifen
Immunzellen sie an und zerstören sie. So geht z.
B. bei der Multiplen Sklerose die Isolierschicht der
Nervenzellen zugrunde, ähnliche Abläufe sind
Ursache des sog. Guillain-Barré-Syndroms, das
durch rasch ausbreitende Lähmungserscheinungen
gekennzeichnet ist.
Hilfe bieten Immunglobuline, die die krankmachenden
Bestandteile des körpereigenen Abwehrsystems neutralisieren
können. Leitlinien zum Einsatz dieses wirksamen,
aber auch teuren Wirkstoffs stellten im Januar Bochumer
Forscher um Prof. Dr. Ralf Gold (Neurologische Klinik
der Ruhr-Universität im St. Josef Hospital) vor.
Die Autoren haben in den letzten 15 Jahren intensiv
über Mechanismen von Immunglobulinen in Grundlagen-
und klinischer Forschung gearbeitet und präsentieren
den aktuellen Stand der Wissenschaft und therapeutischen
Anwendung.
In den letzten zehn Jahren haben sich die Erfolge in
der Behandlung neurologischer Autoimmunerkrankungen
stark verbessert. „Das beruht vor allem auch darauf,
dass unsere Therapieoptionen durch den Einsatz intravenöser
Immunglobulin-Präparate verbessert wurden“,
sagt Prof. Gold. Immunglobuline sind körpereigene
Eiweiße, die mit einem Ende an ganz bestimmte
Fremdkörper andocken können. Andere Zellen
des Immunsystems erkennen so den markierten Eindringling
und machen ihn unschädlich. Mit dem anderen Molekülende
werden Elemente des angeborenen Immunsystems moduliert.
Bei Autoimmunkrankheiten angewandt, erkennen und neutralisieren
die Immunglobuline krankmachende Antikörper und
unterdrücken entzündungsfördernde Stoffe
im Gewebe. Die zur Therapie verwendeten Immunglobuline
werden aus dem Blutplasma von 5.000 bis 10.000 gesunder
Spender gewonnen. Ein und dasselbe Präparat eignet
sich daher zur Behandlung unterschiedlicher (Autoimmun-)Krankheiten,
z.B. Guillain-Barré-Syndrom, Myasthenie (eine
Form von Muskelschwäche) oder in bestimmten Lebensabschnitten
von Patienten mit Multipler Sklerose.
„Das breite Repertoire an Immunmechanismen zusammen
mit dem hervorragenden Sicherheitsprofil hat dazu geführt,
dass das Medikament immer großzügiger eingesetzt
wurde, sogar bei solchen Erkrankungen, für die
nur eine schwache Datenlage existiert“, stellt
Prof. Gold fest. Das führt nicht nur zu einer zunehmenden
Verknappung des Wirkstoffs, sondern auch zu einem immensen
Kostenanstieg für Immunglobuline. „Deshalb
müssen beim therapeutischen Einsatz neben Kostenaspekten
auch praktische Aspekte, unter Berücksichtigung
möglicher Wirkmechanismen bedacht werden“,
so Gold. Verschiedene Erkrankungen bedürfen unterschiedlicher
Dosierungen und unterschiedlich häufiger Behandlungen.
md
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