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RUBENS 113

1. Februar 2007

Gegen Autoimmunkrankheiten

Projekt der Neurologischen Klinik im St. Josef Hospital





Wenn die körpereigene Abwehr sich gegen den falschen Feind wendet, hat das mitunter schlimme Folgen. Werden eigene Zellen fälschlich als fremd erkannt, greifen Immunzellen sie an und zerstören sie. So geht z. B. bei der Multiplen Sklerose die Isolierschicht der Nervenzellen zugrunde, ähnliche Abläufe sind Ursache des sog. Guillain-Barré-Syndroms, das durch rasch ausbreitende Lähmungserscheinungen gekennzeichnet ist.
Hilfe bieten Immunglobuline, die die krankmachenden Bestandteile des körpereigenen Abwehrsystems neutralisieren können. Leitlinien zum Einsatz dieses wirksamen, aber auch teuren Wirkstoffs stellten im Januar Bochumer Forscher um Prof. Dr. Ralf Gold (Neurologische Klinik der Ruhr-Universität im St. Josef Hospital) vor. Die Autoren haben in den letzten 15 Jahren intensiv über Mechanismen von Immunglobulinen in Grundlagen- und klinischer Forschung gearbeitet und präsentieren den aktuellen Stand der Wissenschaft und therapeutischen Anwendung.
In den letzten zehn Jahren haben sich die Erfolge in der Behandlung neurologischer Autoimmunerkrankungen stark verbessert. „Das beruht vor allem auch darauf, dass unsere Therapieoptionen durch den Einsatz intravenöser Immunglobulin-Präparate verbessert wurden“, sagt Prof. Gold. Immunglobuline sind körpereigene Eiweiße, die mit einem Ende an ganz bestimmte Fremdkörper andocken können. Andere Zellen des Immunsystems erkennen so den markierten Eindringling und machen ihn unschädlich. Mit dem anderen Molekülende werden Elemente des angeborenen Immunsystems moduliert. Bei Autoimmunkrankheiten angewandt, erkennen und neutralisieren die Immunglobuline krankmachende Antikörper und unterdrücken entzündungsfördernde Stoffe im Gewebe. Die zur Therapie verwendeten Immunglobuline werden aus dem Blutplasma von 5.000 bis 10.000 gesunder Spender gewonnen. Ein und dasselbe Präparat eignet sich daher zur Behandlung unterschiedlicher (Autoimmun-)Krankheiten, z.B. Guillain-Barré-Syndrom, Myasthenie (eine Form von Muskelschwäche) oder in bestimmten Lebensabschnitten von Patienten mit Multipler Sklerose.
„Das breite Repertoire an Immunmechanismen zusammen mit dem hervorragenden Sicherheitsprofil hat dazu geführt, dass das Medikament immer großzügiger eingesetzt wurde, sogar bei solchen Erkrankungen, für die nur eine schwache Datenlage existiert“, stellt Prof. Gold fest. Das führt nicht nur zu einer zunehmenden Verknappung des Wirkstoffs, sondern auch zu einem immensen Kostenanstieg für Immunglobuline. „Deshalb müssen beim therapeutischen Einsatz neben Kostenaspekten auch praktische Aspekte, unter Berücksichtigung möglicher Wirkmechanismen bedacht werden“, so Gold. Verschiedene Erkrankungen bedürfen unterschiedlicher Dosierungen und unterschiedlich häufiger Behandlungen.



 


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