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RUBENS 113

1. Februar 2007

Simuliertes Feuer


Die Berufsfeuerwehr Bochum probt regelmäßig die Brandbekämpfung an der Ruhr-Uni



Grau ist nicht nur jede Theorie, grau ist auch der Rauch, wenn es brennt. Bricht an der Ruhr-Uni ein Feuer aus, sollte – theoretisch – folgendes geschehen: Feueralarm wird ausgelöst, die Berufsfeuerwehr hört es, rückt aus, bekämpft das Feuer und alles ist gut. Aber was ist, wenn das Feuer am Dampferzeuger auf Ebene 04 des Mensagebäudes ausbricht? Woher soll der Feuerwehrmann wissen, wo das zu finden ist? Damit er es im Ernstfall auch ohne fremde Hilfe weiß, wird kontinuierlich geprobt.


Samstagmorgen, halb zehn: Während sich die Ruhr-Uni verwaist im Frühnebel ausbreitet, ist der Besprechungsraum der Infozentrale am Besucherparkplatz rappelvoll. 20 Männer der Berufsfeuerwehr Bochum treffen sich mit einer Handvoll Mitarbeiter des Technischen Hochschulbetriebes (THB). Reinhard Zacharias vom THB beschreibt den Feuerwehrleuten anhand von Plänen und Fotos die Unwegsamkeiten des Mensagebäudes: warum es zum Beispiel nicht möglich ist, im ein und demselben Treppenhaus von Ebene 06 bis Ebene 00 hinaufzukommen und auf welcher Ebene man wie das Treppenhaus wechseln muss, um doch auf 00 zu kommen.

Alarmmeldung

Die Feuerwehrmänner machen eifrig Notizen („Treppenhauswechsel auf Ebene 03“, „Schlüssel nicht vergessen“) und hören konzentriert zu. Viele von ihnen sind bereits zum zweiten Mal zur Theorie an der RUB. Beim ersten Mal informierten sie sich allgemein über die Uni, heute dreht sich alles ums Mensagebäude. Zwei weitere Termine werden folgen, u.a. zum Versorgungskanal.
Nach einer halben Stunde ist die Vorbesprechung vorbei. Nun wird die Probe ernst. Reinhard Zacharias simuliert eine Alarmmeldung. Sie kommt aus dem „Alarmdrucker“ im Besprechungsraum: Feuer im Mensagebäude, Ebene 01, Nord, Foyer, ein Verkaufsstand brennt.
Den „Alarmdruck“ würde der Einsatzleiter der Feuerwehr auch im Ernstfall an der Infozentrale abholen – zusammen mit den wichtigsten Uni-Schlüsseln. Auf dem Ausdruck findet sich eine Skizze der Brandumgebung sowie die hoffentlich unmissverständliche Anweisung: „Anfahrt über südliche Umfahrt bis Mensa Süd.“
Diese Anweisung gilt auch in der Simulation, Schlüssel werden ebenfalls ausgehändigt. Fünf Löschfahrzeuge, ein Rettungswagen sowie das Auto des Einsatzleiters jagen durchs Parkhaus, halten draußen vor der Brandmeldezentrale auf Ebene 06. Kurz darauf jagen 20 Feuerwehrmänner durchs Treppenhaus („Mann, ist das eng hier!“). Auf 03 wird trotz vieler verwinkelter Gänge erfolgreich das Treppenhaus gewechselt, auch alle Schlüssel passen, und nach wenigen Minuten steht der Trupp vor dem Verkaufsstand, der natürlich nicht brennt.

Allzeit griffbereit

Zum Glück, denn die Feuerwehrmänner haben keinen Schlauch dabei. „Brauchen wir nicht extra mitzunehmen.“ Brandmeister Drees zeigt auf den Abgang zum Mensasaal. Aha, neben der Treppe hängt ein Löschschlauch. Allzeit griffbereit. Für kleinere Brände baumelt ein paar Zentimeter entfernt ein Feuerlöscher. Über der Treppe wartet der Rauchschutzvorhang auf seinen Einsatz, er wird von einem Rauchmelder flankiert. Sicherheit und Brandschutz sind hier sehr plakativ.
So ähnlich sieht es überall auf dem Campus aus. „Wir haben allein 900 Rauchmelder“, erklärt André Müller vom THB. Zusammen mit Reinhard Zacharias leitet er die Unterweisung der Feuerwehrleute. Beide gehören zur Brandmelde-Fachgruppe der RUB. Für Müller und Zacharias sind die Samstage mit der Feuerwehr wichtig für die Qualitätssicherung. „Bei der Feuerwehr gibt's einen Generationswechsel und Personal, das noch nie an der Ruhr-Uni war“, erklärt Zacharias.
Gute Ortskenntnis verringert im Ernstfall auch die Risiken für die Feuerwehrmänner. Die haben davon auch so mehr als genug: bei über 40.000 Einsätzen pro Jahr. An einige Einsätze erinnern sich die Beschäftigten in den Gebäuden NA und NB nur zu gut: Im Frühjahr 2005 waren bei Sanierungsarbeiten gleich zweimal Brände auf dem Flachdach zwischen den Gebäuden ausgebrochen.
Der Hauptsicherheitsingenieur der RUB ist an diesem Samstag auch mit von der Partie. Bernhard Sieder hält das Mensagebäude für wenig brandgefährdet: „Es ist technisch auf dem allerneusten Stand und es gibt auf jeder Ebene genügend Fluchtwege.“ Ebenso sicher sei der übrige Campus, auch wenn Sieder einräumt: „Theoretisch können überall Brände ausbrechen.“ Diese ließen sich allerdings unterschiedlich gut bekämpfen. „Etwas komplizierter würde das im unterirdischen Versorgungskanal werden“, so Sieder. Deshalb steht der Kanal weit oben auf der Liste der Übungsobjekte.

Noch ein Alarm

Beim Rundgang durchs Mensagebäude sind die Feuerwehrmänner mit großem Ernst bei der Sache. Sie öffnen neugierig verschlossene Türen („Nichts!“), linsen in Ecken („Schön sauber hier!“), testen ihre Funkgeräte und Mobiltelefone („Hörst du mich?“) und die Schlüssel der Ruhr-Uni ("Passt!"). Nur einmal wird geflachst, als im Veranstaltungszentrum unten im Mensagebäude noch die Reste der Feier des Vorabends herumstehen: Salate, Wurstplatten, Bierkästen usw. („Was für eine Verschwendung!“). Gleich darauf gilt das Interesse wieder der Mensatechnik: Küche, Dampferzeuger, Lüftungszentrale, Brandfallsteuerung, Gebäudefunkanlage, Heizzentrale usw.
Zwei Stunden sind nun vergangen, eigentlich reicht das für einen simulierten Samstagvormittag. Dem Technischen Hochschulbetrieb und der Berufsfeuerwehr reicht es allerdings noch nicht ganz. Man trifft sich zur Abschlussbesprechung in der Brandmeldezentrale unter der Mensa. Auch dort steht so ein Alarmdrucker, wie wir ihn schon in der Infozentrale gesehen haben. Und siehe da, kaum haben wir das bemerkt, da spuckt er auch schon eine weitere Meldung aus. Jetzt soll es in der Campussportanlage im Mensagebäude brennen, auf Ebene 05 in der Herrenumkleidekabine. Also noch mal rauf auf die Wagen und los. Sicher ist sicher. ad

Übungen im Überblick
„Unterweisungen für Einsatzkräfte der Feuerwehr Bochum“ heißen die Übungen in der offiziellen Fachsprache des Technischen Hochschulbetriebs (Dezernat 5). Zwölf dieser Unterweisungen gibt es zwischen Herbst 2006 und Frühjahr 2007, stets am Samstagvormittag und je drei zum selben Thema: „Allgemeiner Teil“, „Mensa“, „Versorgungskanal“ und „Gebäude mit CO-2 Löschanlagen“ (z. B. Chemikalienlager, Ingenieurwerkstätten und Kältewerk). Rund 20 Feuerwehrmänner (inkl. Einsatzleiter) nehmen pro Übung teil, hinzu kommen Experten der Ruhr-Uni.






 


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