Simuliertes
Feuer
Die Berufsfeuerwehr Bochum probt regelmäßig
die Brandbekämpfung an der Ruhr-Uni
Grau ist nicht nur jede Theorie, grau ist auch der Rauch,
wenn es brennt. Bricht an der Ruhr-Uni ein Feuer aus,
sollte – theoretisch – folgendes geschehen:
Feueralarm wird ausgelöst, die Berufsfeuerwehr
hört es, rückt aus, bekämpft das Feuer
und alles ist gut. Aber was ist, wenn das Feuer am Dampferzeuger
auf Ebene 04 des Mensagebäudes ausbricht? Woher
soll der Feuerwehrmann wissen, wo das zu finden ist?
Damit er es im Ernstfall auch ohne fremde Hilfe weiß,
wird kontinuierlich geprobt.
Samstagmorgen, halb zehn: Während sich die Ruhr-Uni
verwaist im Frühnebel ausbreitet, ist der Besprechungsraum
der Infozentrale am Besucherparkplatz rappelvoll. 20
Männer der Berufsfeuerwehr Bochum treffen sich
mit einer Handvoll Mitarbeiter des Technischen Hochschulbetriebes
(THB). Reinhard Zacharias vom THB beschreibt den Feuerwehrleuten
anhand von Plänen und Fotos die Unwegsamkeiten
des Mensagebäudes: warum es zum Beispiel nicht
möglich ist, im ein und demselben Treppenhaus von
Ebene 06 bis Ebene 00 hinaufzukommen und auf welcher
Ebene man wie das Treppenhaus wechseln muss, um doch
auf 00 zu kommen.
Alarmmeldung
Die Feuerwehrmänner machen eifrig Notizen („Treppenhauswechsel
auf Ebene 03“, „Schlüssel nicht vergessen“)
und hören konzentriert zu. Viele von ihnen sind
bereits zum zweiten Mal zur Theorie an der RUB. Beim
ersten Mal informierten sie sich allgemein über
die Uni, heute dreht sich alles ums Mensagebäude.
Zwei weitere Termine werden folgen, u.a. zum Versorgungskanal.
Nach einer halben Stunde ist die Vorbesprechung vorbei.
Nun wird die Probe ernst. Reinhard Zacharias simuliert
eine Alarmmeldung. Sie kommt aus dem „Alarmdrucker“
im Besprechungsraum: Feuer im Mensagebäude, Ebene
01, Nord, Foyer, ein Verkaufsstand brennt.
Den „Alarmdruck“ würde der Einsatzleiter
der Feuerwehr auch im Ernstfall an der Infozentrale
abholen – zusammen mit den wichtigsten Uni-Schlüsseln.
Auf dem Ausdruck findet sich eine Skizze der Brandumgebung
sowie die hoffentlich unmissverständliche Anweisung:
„Anfahrt über südliche Umfahrt bis Mensa
Süd.“
Diese Anweisung gilt auch in der Simulation, Schlüssel
werden ebenfalls ausgehändigt. Fünf Löschfahrzeuge,
ein Rettungswagen sowie das Auto des Einsatzleiters
jagen durchs Parkhaus, halten draußen vor der
Brandmeldezentrale auf Ebene 06. Kurz darauf jagen 20
Feuerwehrmänner durchs Treppenhaus („Mann,
ist das eng hier!“). Auf 03 wird trotz vieler
verwinkelter Gänge erfolgreich das Treppenhaus
gewechselt, auch alle Schlüssel passen, und nach
wenigen Minuten steht der Trupp vor dem Verkaufsstand,
der natürlich nicht brennt.
Allzeit griffbereit
Zum Glück, denn die Feuerwehrmänner haben
keinen Schlauch dabei. „Brauchen wir nicht extra
mitzunehmen.“ Brandmeister Drees zeigt auf den
Abgang zum Mensasaal. Aha, neben der Treppe hängt
ein Löschschlauch. Allzeit griffbereit. Für
kleinere Brände baumelt ein paar Zentimeter entfernt
ein Feuerlöscher. Über der Treppe wartet der
Rauchschutzvorhang auf seinen Einsatz, er wird von einem
Rauchmelder flankiert. Sicherheit und Brandschutz sind
hier sehr plakativ.
So ähnlich sieht es überall auf dem Campus
aus. „Wir haben allein 900 Rauchmelder“,
erklärt André Müller vom THB. Zusammen
mit Reinhard Zacharias leitet er die Unterweisung der
Feuerwehrleute. Beide gehören zur Brandmelde-Fachgruppe
der RUB. Für Müller und Zacharias sind die
Samstage mit der Feuerwehr wichtig für die Qualitätssicherung.
„Bei der Feuerwehr gibt's einen Generationswechsel
und Personal, das noch nie an der Ruhr-Uni war“,
erklärt Zacharias.
Gute Ortskenntnis verringert im Ernstfall auch die Risiken
für die Feuerwehrmänner. Die haben davon auch
so mehr als genug: bei über 40.000 Einsätzen
pro Jahr. An einige Einsätze erinnern sich die
Beschäftigten in den Gebäuden NA und NB nur
zu gut: Im Frühjahr 2005 waren bei Sanierungsarbeiten
gleich zweimal Brände auf dem Flachdach zwischen
den Gebäuden ausgebrochen.
Der Hauptsicherheitsingenieur der RUB ist an diesem
Samstag auch mit von der Partie. Bernhard Sieder hält
das Mensagebäude für wenig brandgefährdet:
„Es ist technisch auf dem allerneusten Stand und
es gibt auf jeder Ebene genügend Fluchtwege.“
Ebenso sicher sei der übrige Campus, auch wenn
Sieder einräumt: „Theoretisch können
überall Brände ausbrechen.“ Diese ließen
sich allerdings unterschiedlich gut bekämpfen.
„Etwas komplizierter würde das im unterirdischen
Versorgungskanal werden“, so Sieder. Deshalb steht
der Kanal weit oben auf der Liste der Übungsobjekte.
Noch ein Alarm
Beim Rundgang durchs Mensagebäude sind die Feuerwehrmänner
mit großem Ernst bei der Sache. Sie öffnen
neugierig verschlossene Türen („Nichts!“),
linsen in Ecken („Schön sauber hier!“),
testen ihre Funkgeräte und Mobiltelefone („Hörst
du mich?“) und die Schlüssel der Ruhr-Uni
("Passt!"). Nur einmal wird geflachst, als
im Veranstaltungszentrum unten im Mensagebäude
noch die Reste der Feier des Vorabends herumstehen:
Salate, Wurstplatten, Bierkästen usw. („Was
für eine Verschwendung!“). Gleich darauf
gilt das Interesse wieder der Mensatechnik: Küche,
Dampferzeuger, Lüftungszentrale, Brandfallsteuerung,
Gebäudefunkanlage, Heizzentrale usw.
Zwei Stunden sind nun vergangen, eigentlich reicht das
für einen simulierten Samstagvormittag. Dem Technischen
Hochschulbetrieb und der Berufsfeuerwehr reicht es allerdings
noch nicht ganz. Man trifft sich zur Abschlussbesprechung
in der Brandmeldezentrale unter der Mensa. Auch dort
steht so ein Alarmdrucker, wie wir ihn schon in der
Infozentrale gesehen haben. Und siehe da, kaum haben
wir das bemerkt, da spuckt er auch schon eine weitere
Meldung aus. Jetzt soll es in der Campussportanlage
im Mensagebäude brennen, auf Ebene 05 in der Herrenumkleidekabine.
Also noch mal rauf auf die Wagen und los. Sicher ist
sicher. ad
Übungen im Überblick
„Unterweisungen für Einsatzkräfte
der Feuerwehr Bochum“ heißen die Übungen
in der offiziellen Fachsprache des Technischen Hochschulbetriebs
(Dezernat 5). Zwölf dieser Unterweisungen gibt
es zwischen Herbst 2006 und Frühjahr 2007, stets
am Samstagvormittag und je drei zum selben Thema: „Allgemeiner
Teil“, „Mensa“, „Versorgungskanal“
und „Gebäude mit CO-2 Löschanlagen“
(z. B. Chemikalienlager, Ingenieurwerkstätten und
Kältewerk). Rund 20 Feuerwehrmänner (inkl.
Einsatzleiter) nehmen pro Übung teil, hinzu kommen
Experten der Ruhr-Uni.
ad
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