Auf dem Sprung
zur Elite
Exzellenzinitiative:
Ruhr-Uni kommt bei zwei Förderlinien ins Finale
Eine weitere Hürde ist genommen: Die Projektskizzen
zur Elite-Universität und zum Protein-Exzellenzcluster
konnten die Gutachter überzeugen. Somit bleibt
die Ruhr-Uni bei zwei Förderlinien der Exzellenzinitiative
im Rennen. Bis Mitte April müssen die Skizzen ausgearbeitet
werden. Am 19. Oktober 2007 fällt die Entscheidung,
welche Projekte ab November 2007 von Bund und Ländern
gefördert werden.
Nachmittags gegen halb vier knistert am 12. Januar die
Spannung auf dem Flur vor dem Büro des Rektors
hörbar: Wie wurde über die Projektskizzen
der RUB entschieden? Wann endlich kommt die erlösende
E-Mail von der DFG? In der Pressestelle laufen die Telefone
heiß – gibt es schon Nachricht von der DFG?
Der Server der Forschungsgemeinschaft reagiert aufreizend
langsam: Noch keine neue Mitteilung um vier...
Erst um kurz nach vier verbreitet sich die frohe Botschaft
wie ein Lauffeuer und die Anspannung weicht kollektivem
Freudentaumel, Prorektoren liegen sich in den Armen,
Korken knallen: Die RUB darf sich mit einem Vollantrag
als Elite-Uni bewerben!
Bei der Förderlinie Elite (offiziell „Zukunftskonzepte
zum projektbezogenen Ausbau der universitären Spitzenforschung“)
konkurriert sie mit sieben anderen Universitäten:
TH Aachen, FU Berlin, HU Berlin, Uni Göttingen,
Uni Freiburg, Uni Heidelberg und Uni Konstanz. Noch
ist unklar, wie viele dieser Unis letztlich ausgewählt
und fünf Jahre lang mit mindestens 20 Mio. Euro
jährlich gefördert werden. In der ersten Runde
der Exzellenzinitiative setzten sich drei Hochschulen
durch: Uni München, TU München und TH Karlsruhe.
Alles hängt nun vom Vollantrag ab, der die DFG,
den Wissenschaftsrat sowie internationale Experten für
sich gewinnen muss. „Wir werden alles dafür
tun, überzeugende Anträge zu den ausgewählten
Projekten vorzulegen“, verspricht Rektor Prof.
Elmar Weiler.
Protein-Projekt
Auch die Bewerbung für den Exzellenzcluster „PROTEINinteractions:
From molecular Mechanism to cellular NETWORKS“
weiter im Rennen. Er baut auf dem interdisziplinären
Bochumer Proteincenter auf und soll dieses Zentrum,
die Chemische Biologie des Max-Planck-Institutes und
der Uni Dortmund und das CeBiTec an der Uni Bielefeld
zusammenführen. Koordiniert wird das Projekt von
Prof. Klaus Gerwert (Lehrstuhl für Biophysik der
RUB). „Die jahrelange Aufbauarbeit – begonnen
mit dem Proteincenter im Jahre 2002 und weitergeführt
mit dem SFB 642 zu GTP- und ATP-abhängigen Membranprozessen
– hat sich jetzt bezahlt gemacht“, freut
sich Gerwert. „Wichtig war, den Schulterschluss
mit den anderen sehr erfolgreichen Initiativen in der
Region hinzubekommen. Erst diese Kooperation brachte
eine genügend große Zahl an internationalen
Spitzenforschern zusammen und machte die Initiative
so stark“, so Gerwert.
Biophysiker, Chemiker, Biochemiker, Biologen und Mediziner
ergründen die Frage, wie Proteine in lebenden Zellen
in Netzwerken interagieren. Es geht darum, die Dynamik
des Zellgeschehens praktisch in Echtzeit und wo immer
möglich mit atomarer Genauigkeit aufzulösen.
Defekte in diesem Zusammenwirken der Makromoleküle
in der Zelle sind verantwortlich für Erkrankungen
wie z.B. Krebs. Daher ist eine enge Kooperation mit
klinischen Forschern und Pharmafirmen geplant, um die
Erkenntnisse sehr schnell in Anwendungen umzusetzen.
Das Forscherkonsortium deckt sowohl grundlagenwissenschaftliche
als auch medizinische Fragestellungen ab.
Die Auswahl dieses Clusters von einem hochkarätigen
internationalen Expertengremium im nationalen Wettbewerb
mit 278 anderen Initiativen stellt bereits jetzt eine
hohe Auszeichnung für die beteiligten Wissenschaftler
dar. Von den jetzt deutschlandweit und über alle
Disziplinen ausgewählten 40 Exzellenzclustern für
die Finalrunde werden etwa 19 nach einer weiteren Begutachtung
eines detaillierten Antrages von Bund und Ländern
mit bis zu 6,5 Mio. Euro jährlich fünf Jahre
lang gefördert.
Hoffnungsträger
Für die Ruhr-Uni hat die Bewilligung des Excellenzclusters
eine besondere Bedeutung. Um als Elite-Universität
anerkannt zu werden, müssen mindestens eine Graduiertenschule
und ein Cluster im Wettbewerb erfolgreich sein. Eine
Graduiertenschule ist in der ersten Runde bewilligt
worden. Die campusweite Research School arbeitet bereits
und wird mit etwa 1,5 Mio. Euro jährlich gefördert.
Von den Bochumer Anträgen für Excellenzcluster
hat nur das Cluster für Proteinforschung die Finalrunde
erreicht und trägt jetzt alle Hoffnungen der Bochumer.
Die Ruhr-Uni wird allerdings auch die Themen der fünf
anderen Cluster weiter bearbeiten. „Unsere Anträge
bleiben Leitlinie für eine gute Zukunft unserer
Universität“, erklärt Rektor Weiler.
„Wir werden den geplanten Weg stellenweise zwar
langsamer gehen müssen, weil wir die Mittel dazu
aus dem eigenen Budget mobilisieren müssen, aber
wir bleiben konsequent dabei.“
ad/md
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