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RUBENS 112

4. Januar 2007

Wie geschmiert

Dekan Prof. Viktor Scherer zur erfolgreichen Strategie der Fakultät für Maschinenbau



Ein jährliches Exportvolumen von 90 Mrd. Euro macht den deutschen Maschinenbau zum Weltmarktführer. Er ist außerdem ein zuverlässiger Motor der deutschen Wirtschaft – und benötigt stetig gut ausgebildeten Nachwuchs. Für ihn sorgt auch die Fakultät für Maschinenbau der Ruhr-Uni. Nachdem es in den Neunziger Jahren kontinuierlich bergab gegangen war, werden Studienplätze in Bochum nun wieder stark nachgefragt, die Auslastungsquote stieg auf über 100 Prozent. Fürs Wintersemester 2006/07 haben sich rund 600 Studierende für die Studiengänge der Fakultät eingeschrieben. Mehr Neuimmatrikulierte gab es nur an der Fakultät für Philologie. Es läuft also wie geschmiert. Über die Hintergründe der Erfolge in Lehre und Forschung sprach Arne Dessaul mit Dekan Prof. Dr.-Ing. Viktor Scherer.


RUBENS: Herr Prof. Scherer, können Sie sich noch an die schlechteren Tage Ihrer Fakultät erinnern?
Prof. Scherer: Ja, als ich im März 2000 nach Bochum kam, lag die Auslastungsquote bei etwa 40 Prozent. Bei so einer großen Fakultät konnte das natürlich nicht so bleiben, das musste dringend geändert werden.

Krisensicher aufgestellt

RUBENS: Wie hat die Fakultät den Negativtrend gestoppt?
Prof. Scherer: Mit drei Maßnahmen. Zum einen wurde die Attraktivität des Maschinenbaustudiums mit drei neuen Vertiefungsrichtungen erhöht: Ingenieur-Informatik, Kraftfahrzeug-Antriebstechnik und Micro-Engineering. Außerdem haben wir zwei neue Studiengänge sehr erfolgreich eingeführt: Umwelttechnik & Ressourcenmanagement und Sales Engineering & Product Management, mit je 150 Studierenden. Damit haben wir zugleich neue Klientelen gefunden: Frauen, die in den neuen Studiengängen zu 40 bzw. 30 Prozent vertreten sind, sowie Studierende weit außerhalb des für die Ruhr-Universität üblichen Umkreises von etwa 50 Kilometern. Damit sind wir wesentlich breiter und sehr krisensicher aufgestellt. Drittens hat die Fakultät eine PR-Kommission eingerichtet, die gezielt Aktionen durchgeführt hat, um Schüler anzusprechen. Wir haben Assistenten und Hilfskräfte in Schulen geschickt, wir haben einen Konstruktionswettbewerb für Schüler ausgeschrieben, Werbespots in Kinos gezeigt und Sponsoren gefunden, die in einem Semester den Sozialbeitrag für alle Maschinenbaustudierenden übernommen haben. Man darf aber auch nicht vergessen, dass uns momentan die Wirtschaftskonjunktur hilft.

RUBENS: Apropos Konjunktur: Trauen Sie dem Maschinenbau zu, auch in fünf, sechs Jahren so stark zu sein wie heute? Dann werden viele der jetzigen Erstsemester auf den Arbeitsmarkt strömen.
Prof. Scherer: Ich bin da sehr zuversichtlich. Der Maschinenbau ist einer der größten deutschen Arbeitgeber. Hinzukommen Automobilindustrie, Verfahrenstechnik und Energiewirtschaft, für die wir ebenfalls Ingenieure ausbilden. Darüber hinaus haben viele Unternehmen einen Nachholbedarf bei Einstellungen, vielerorts steht auch ein Generationenwechsel an.

RUBENS: Zurück zu den Verbesserungsmaßnahmen: Nun gilt es, das Erreichte zu sichern und auszubauen. Wissen Sie schon, wie?
Prof. Scherer: Wir müssen die Qualität des Studiums weiter verbessern, dabei helfen uns auch die Einnahmen aus den Studienbeiträgen. Bei der anstehenden Umwandlung vom Diplom auf Bachelor und Master müssen wir sehr auf die Studierbarkeit achten und sicherstellen, dass die Regelstudienzeiten für den Bachelor und für den Master eingehalten werden können. Dazu gehört beispielsweise, nach jedem Semester modulweise zu prüfen und mehrere Prüfungstermine anzubieten.

Bachelor/Master statt Diplom

RUBENS: Wann wird auf Bachelor und Master umgestellt?
Prof. Scherer: Zum Wintersemester 2007/2008. Das ist eine Landesvorgabe, ab diesem Semester darf man sich in ganz NRW nicht mehr für Diplomstudiengänge einschreiben.

RUBENS: Gerade jetzt, wo das Maschinenbau-Diplom derart nachgefragt wird. Macht es aus Ihrer Sicht überhaupt Sinn, es durch Bachelor und Master zu ersetzen?
Prof. Scherer: Diese Diskussion ist längst abgeschlossen. Einige Kollegen hätten das Diplom gerne behalten. Jetzt aber geht es darum, aus der neuen Situation das Optimale herauszuholen. Ich denke auch, dass man mit einem Master genauso gut ausgebildet ist wie mit einem Diplom.

RUBENS: Wir sind aber ganz vom Thema abgekommen.
Prof. Scherer: Ja, es gibt noch weitere Ideen, das Studium zu verbessern. Das eine ist die Internationalisierung. Wenn man daran denkt, dass die Exportquote des deutschen Maschinenbaus etwa 90 Prozent beträgt, liegt es auf der Hand, das Studium internationaler zu machen und unseren Studierenden Praktika und Studienaufenthalte im Ausland anzubieten. Zurzeit entsteht ein gemeinsamer Internetauftritt der drei Ingenieurfakultäten, wo wir über unsere bestehenden Austauschprogramme etc. informieren. Ab Frühjahr 2007 wird es zudem einen Doppelmaster geben, gemeinsam von unserer Fakultät und dem Chinesisch-Deutschen Hochschulkolleg an der Tongji Universität Shanghai.

RUBENS: Neben den Erfolgen in der Lehre machen die Bochumer Maschinenbauer auch in der Forschung von sich reden. 2006 startete zum Beispiel ein neuer Sonderforschungsbereich.
Prof. Scherer: Ja, der Transregio Engineering Hybrider Leistungsbündel, an dem auch die Wirtschaftswissenschaftler beteiligt sind. Diese Art von Verbundforschung wird es auch sein, die die Zukunft der Fakultät maßgeblich mitprägen wird. In dem SFB geht es übrigens um dynamische Wechselwirkungen von Sach- und Dienstleistungen in der Produktion. Deshalb profitiert davon auch der Studiengang Sales Engineering & Product Management.
Product and Service Engineering ist einer der vier Forschungsschwerpunkte der Fakultät. Ein anderer ist die Materialwissenschaft, zu der unser SFB Formgedächtnistechnik gehört. Der dritte Schwerpunkt ist Energie und Umwelt. Hier entsteht zurzeit das Kompetenzzentrum Thermodynamik der Gase, das von E.on Ruhrgas und dem Land NRW mit zwei Millionen Euro gefördert wird. Dann haben wir noch den Schwerpunkt Micro-Engineering, ein interdisziplinäres Thema, das wir nur in Kooperation mit anderen Fakultäten stemmen können.

Jährliche Klausurtagung

RUBENS: Kooperationen sind bei den Ingenieuren ja nicht ungewöhnlich.
Prof. Scherer: Genau. Sie sind vielfältig. Für Ingenieure ist die DFG als Drittmittelgeber zwar wichtig und wir werden uns diesem Wettbewerb verstärkt stellen, aber für uns sind Industriekooperationen ebenso wichtig. 30 Prozent meiner Lehrstuhl-Einnahmen stammen aus der Wirtschaft. Natürlich profitieren auch die Studierenden von Industriekontakten: nicht zuletzt bei Diplom- oder Doktorarbeiten.
Darüber hinaus arbeiten wir intensiv mit benachbarten Forschungseinrichtungen zusammen, unter anderem mit dem Max Planck Institut für Eisenforschung in Düsseldorf, dem Forschungszentrum Jülich und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln. Wichtig für uns ist auch die Partnerschaft mit dem Oberhausener Fraunhofer Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik, das seit 2004 von einem meiner Fakultätskollegen geleitet wird, Prof. Eckhard Weidner.
Nicht zu vergessen ist die enge Kooperation mit den Maschinenbauern der Uni Dortmund. Hier existiert ein reger Austausch in Lehre und Forschung, der künftig strukturiert und konsequent ausgebaut wird.

RUBENS: Insgesamt blickt die Fakultät für Maschinenbau also in eine rosige Zukunft?
Prof. Scherer: Wir sind auf einem sehr guten Weg. Wir haben in den letzten fünf Jahren das Studium zukunftssicher gemacht, jetzt optimieren wir die Forschung. Wir planen unsere Zukunft sehr viel strategischer als in der Vergangenheit, so führen wir z.B. seit 2001 jedes Jahr eine zweitägige Klausurtagung durch, um voraus zu denken, Strategien in Ruhe abzustimmen. Das ist auch notwendig, denn uns steht ein Generationenwechsel bevor: Bis 2012 werden neun unserer 20 Professoren ausscheiden.

Maschinenbau Profile

STUDIUM:
An der Fakultät für Maschinenbau sind im laufenden Semester 2.214 Studierende eingeschrieben: 1.230 im Diplomstudiengang Maschinenbau, 86 im Ergänzungsstudiengang Maschinenbau, 543 für Umwelttechnik & Ressourcenmanagement (zählen zur Hälfte zur Fakultät für Bauingenieurwesen) und 355 für Sales Engineering & Product Management.
Die Studienschwerpunkte im Diplomstudiengang Maschinenbau sind: Angewandte Mechanik, Energie- und Verfahrenstechnik, Ingenieur-Informatik, Konstruktions- und Automatisierungstechnik, Kraftfahrzeug-Antriebstechnik, Micro-Engineering sowie Werkstoffe.
Umwelttechnik & Ressourcenmanagement (UTRM) ist ein interdisziplinärer, international ausgerichteter Diplomstudiengang der Fakultäten Bauingenieurwesen und Maschinenbau. Er vermittelt seit 2000 einen Überblick der Bereiche Umwelttechnik und produktionsintegrierter Umweltschutz und zeigt praxisnah, wie durch optimales Management Rohstoffe und Energie gespart werden können.
Im 2004 eingeführten Studiengang Sales Engineering & Product Management (Bachelor/Master) werden Vertriebsingenieure ausgebildet. Im Gegensatz zu klassischen Maschinenbauern stellen sie technische Produkte nicht selbst her, sondern bringen diese an die Kunden. Vertriebsingenieure überwachen die Produktentstehung und betreuen den Kunden auch nach der Lieferung.

FORSCHUNG:
Die Fakultät für Maschinenbau konzentriert sich auf vier strategische Forschungsfelder: Biomedizinische und Mikro-Ingenieurwissenschaft, Energie und Umwelt, Materialwissenschaft sowie Produkte und Dienstleistungen. An der Fakultät sind zwei DFG-Sonderforschungsbereiche angesiedelt (Formgedächtnistechnik; Engineering Hybrider Leistungsbündel), außerdem die Max Planck Research School for Surface and Interface Engineering in Advanced Materials. Etwa 8,5 Mio. Euro Drittmittel wirbt die Fakultät jährlich ein. Sie ist auch am Zentrum für Werkstoffsimulation (ICAMS) beteiligt (RUBENS 111).

 

 


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