Elite
à la Bochum
Ziele und Lebensläufe der drei neuen Prorektoren
Der Senat hat am 14. Dezember die drei vom
Rektor vorgeschlagenen Prorektor-Kandidaten mit großer
Mehrheit gewählt. Ihre Amtszeit begann direkt nach
der Wahl. Zusammen mit Rektor Prof. Elmar Weiler und
Kanzler Gerhard Möller bilden die drei Prorektoren
das neue Rektorat der Ruhr-Uni.
Peter Awakowicz
Prof. Dr.-Ing. Peter Awakowicz (Fakultät für
Elektrotechnik und Informationstechnik) ist der neue
Prorektor für Forschung und Wissenstransfer. Er
möchte die erfolgreiche Arbeit des alten Rektorats
beim Einwerben von Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft
(DFG) fortsetzen. Der Elektrotechniker wird sich zudem
für die Forschungsschwerpunkte der RUB stark machen:
Materialwissenschaften, Proteinforschung, Religionswissenschaften,
Neurowissenschaften, Chemie und Plasmaphysik/Plasmatechnik,
mit denen sich die Ruhr-Uni in der Exzellenzinitiative
bewirbt. Weiteres Potenzial sieht er in der Medizintechnik
und in den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften.
Awakowicz möchte die Kooperation zwischen Wissenschaft
und Industrie fördern: „Forschungsergebnisse,
die früher in Schubladen verstaubten, sollen rasch
zu industriellen, marktreifen Produkt werden“,
konkretisiert er sein Ziel, das mit dem Schlagwort „Science
to Market“ beschrieben wird.
Der neue Forschungs-Prorektor ist sich bewusst, dass
seine Vorhaben von den finanziellen Gegebenheiten abhängen.
„Aufwändige experimentgestützte Forschung
kann nur stattfinden, wenn in ausreichendem Maße
staatlich unterstützte und industriebezogene Projektfinanzierung
möglich und vorhanden ist. So fremd es für
Außenstehende klingen mag, aber eine Einheit von
Forschung und Lehre kann es nur geben, wenn das nötige
Kleingeld in harter täglicher Arbeit erwirtschaftet
wird, da oftmals auch gute Lehre, wie z.B. die Übungen
in kleinen Gruppen, auf Drittmittelstellen basiert“,
erläutert Peter Awakowicz.
VITA: Peter Awakowicz wurde am 30.
Juni 1956 in München geboren, ist verheiratet und
hat zwei Kinder. Ab 1978 studierte er an der RWTH Aachen
und der TU München Elektrotechnik und Elektrophysik.
1984 bis 1990 war er Wissenschaftlicher Assistent in
München. 1990 wurde Awakowicz promoviert. Danach
arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter und
habilitierte sich 1999 in Plasmatechnik. Von 2000 bis
2003 arbeitete er als Privatdozent an der TU München.
Während seiner Habilitationszeit gründete
Awakowicz die Haaga GmbH, die der Umsetzung moderner
plasmatechnischer Methoden in industrielle Anwendungen
und Prozesse diente. Unter seiner Mitwirkung entstanden
über 20 Patente. Zum April 2003 folgte er dem Ruf
auf den Lehrstuhl „Allgemeine Elektrotechnik und
Plasmatechnik“ der Fakultät für Elektrotechnik
und Informationstechnik an der Ruhr Uni. Seit 2005 ist
Awakowicz Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft
für Plasmatechnik. 2006 gründete er die Koldsteril
AG mit Sitz in der Schweiz. Er ist zudem Mitglied des
Vorstandes des Universitätszentrums für Medizintechnik
der RUB und des Centers for Plasma Science and Technology.
Tibor Kiss
Neuer Prorektor für Planung, Struktur und Finanzen
ist Prof. Dr. Tibor Kiss (Fakultät für Philologie).
Als wichtigste Aufgabe sieht er die Konsolidierung des
Haushalts der RUB an. „Die Ruhr-Uni muss mittelfristig
die Freiheiten des Hochschulfreiheitsgesetzes auch ausnützen
können, ohne unter dem konstanten Forderungsdruck
der Landesregierung zu stehen“, erklärt er.
Sparmaßnahmen hält Kiss für unvermeidlich.
Diese dürften aber nicht nach dem „Rasenmäherprinzip“
erfolgen. „Sinnvoll ist vielmehr die Definition
von Prioritäten in allen Bereichen, verbunden mit
der Einsicht, dass Sparmaßnahmen, auch wenn sie
natürlich zunächst dieses Institut oder jene
Fakultät treffen, notwendig sind, um der gesamten
Universität Zukunftsperspektiven und Spielräume
in Forschung und Lehre zu ermöglichen.“
Zunächst möchte der neue Planungs-Prorektor
die Haushaltssituation der RUB mit allen notwendigen
Details innerhalb der Uni kommunizieren und alle Angehörigen
dafür sensibilisieren, Einsparpotentiale zu erkennen.
Auch im weiteren Prozess möchte Prof. Kiss stets
den Dialog mit den Angehörigen der Uni suchen:
„Ich wünsche mir insbesondere, dass die Einsicht
auf dem gesamten Campus entsteht, dass einerseits Sparen
unumgänglich ist, andererseits strukturelle Änderungen
dann besonders erfolgreich sein werden, wenn sie aus
den Instituten, Fakultäten und Einrichtungen aus
einer spezifischen inhaltlichen Konzeption entwickelt
wurden und im Zusammenwirken aller Uni-Angehörigen
zu klaren Entscheidungen führen, die unserer Universität
eine Perspektive für die nächsten 15 bis 20
Jahre eröffnen und den Instituten, Fakultäten
und Einrichtungen wieder zugute kommen werden.“
VITA: Tibor Kiss wurde am 25. September
1962 in Wuppertal geboren, ist verheiratet und hat drei
Kinder aus erster Ehe. Er hat in Wuppertal und Stuttgart
Theoretische Linguistik, Philosophie und germanistische
Linguistik studiert. Nach dem Studium arbeitete Kiss
neun Jahre lang bei IBM Deutschland. Dort entwickelte
er linguistische Ressourcen für unterschiedliche
Bereiche der Sprachverarbeitung. Während seiner
Zeit bei IBM promovierte (1993) und habilitierte sich
(1996) Kiss an der Uni Wuppertal. Seit Mai 1999 hat
er den Lehrstuhl für theoretische Linguistik und
multimediale Computerlinguistik am Sprachwissenschaftlichen
Institut der Ruhr-Uni inne. Hier wirkte er seit 2000
an der Einrichtung und Umsetzung des fakultätsübergreifenden
Studiengangs Angewandte Informatik mit. Als Vorsitzender
der Lehrkommission der Fakultät für Philologie
hat er 2001 die Einführung der gestuften Studiengänge
begleitet. Aktuell erforscht Prof. Kiss u. a. die Nutzbarmachung
elektronischer Ressourcen für eine empirisch fundierte
formale Grammatikschreibung.
Bernhard Stöckhert
Das Amt des Prorektors für Lehre, Weiterbildung
und Medien übernimmt Prof. Dr. Bernhard Stöckhert
(Fakultät für Geowissenschaften). Als übergeordnete
Ziele seiner Arbeit sieht er z. B. die Identifikation
aller Studierenden und Mitarbeiter mit der Ruhr-Uni
als Forschungs- und Ausbildungsstätte und die Exzellenz
in Forschung und Lehre. „Diese Ziele wären
in meinen Augen das Merkmal einer Elite-Universität,
die sich einem Maximum an Qualität bei einem Minimum
an innerer Reibung verschrieben hat. Hier hat die Ruhr-Uni
eine große Chance, Vorbild und Modell zu sein“,
meint Stöckhert.
Zu seinen Handlungsfeldern in der Lehre gehört
– neben dem Bochumer Modell der Lehrerausbildung,
der Einrichtung eines Service-Zentrums oder der Ausstattung
der Hörsäle – die Optimierung der gestuften
Studiengänge und ihrer möglichst einfachen
Prüfungs- und Studienordnungen: „Die Energie
sollte in die Vermittlung der Inhalte gelegt werden,
nicht in Formalismen. Hier denke ich auch an die umständlichen
Verfahren bei der Anmeldung zur Prüfung. Auch Einschränkungen
bei der Wiederholbarkeit von Prüfungen und dergleichen
können weitgehend entfallen“, so Stöckhert.
Der neue Lehre-Prorektor setzt weiterhin die Verwendung
der Studiengebühren auf die Agenda. Die Einnahmen
daraus sollen zu einer spürbaren Steigerung in
der Qualität und Effektivität der Ausbildung
führen. Sie sollen den Studierenden unmittelbar
zu Gute kommen. „Wenn durch die Verbesserungen
eine Verkürzung der Studiendauer um nur ein Semester
erreichbar ist und damit ein um sechs Monate vorgezogener
Einstieg in die Erwerbstätigkeit, dann kompensiert
dies in etwa die Gebühren für ein 8-semestriges
Studium, und das schon bei bescheidener studentischer
Lebensweise“, rechnet Stöckhert vor.
VITA: Bernhard Stöckhert wurde am 12.
April 1953 in Erlangen geboren, ist verheiratet und
hat vier Kinder. Nach dem Abitur (1972) ging er drei
Jahre lang verschiedenen Tätigkeiten nach, u. a.
als Bauarbeiter, Wachmann und Chemielaborant. 1975-79
studierte Stöckhert in Erlangen Geologie. Bis Herbst
1981 arbeitete Stöckhert als Doktorand am Institut
de Minéralogie der Université de Fribourg.
Im Februar 1982 wurde er in Erlangen promoviert. Nach
weiteren Stationen in Bern und Köln wurde er zum
Oktober 1986 auf den Lehrstuhl für Endogene Geologie
an der RUB berufen. Prof. Stöckhert war und ist
Mitglied in verschiedenen nationalen und internationalen
Forschungsgremien, er war Koordinator in zwei Schwerpunktprogrammen
der DFG sowie Initiator und Sprecher des derzeit im
dritten Antragszeitraum laufenden Sonderforschungsbereichs
526 „Rheologie der Erde“. An der Ruhr-Uni
war er u. a. Mitglied des Konvents und des Senats sowie
Dekan und Prodekan der Fakultät für Geowissenschaften.
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