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RUBENS 112

4. Januar 2007

Elite à la Bochum


Ziele und Lebensläufe der drei neuen Prorektoren

Der Senat hat am 14. Dezember die drei vom Rektor vorgeschlagenen Prorektor-Kandidaten mit großer Mehrheit gewählt. Ihre Amtszeit begann direkt nach der Wahl. Zusammen mit Rektor Prof. Elmar Weiler und Kanzler Gerhard Möller bilden die drei Prorektoren das neue Rektorat der Ruhr-Uni.

Peter Awakowicz

Prof. Dr.-Ing. Peter Awakowicz (Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik) ist der neue Prorektor für Forschung und Wissenstransfer. Er möchte die erfolgreiche Arbeit des alten Rektorats beim Einwerben von Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) fortsetzen. Der Elektrotechniker wird sich zudem für die Forschungsschwerpunkte der RUB stark machen: Materialwissenschaften, Proteinforschung, Religionswissenschaften, Neurowissenschaften, Chemie und Plasmaphysik/Plasmatechnik, mit denen sich die Ruhr-Uni in der Exzellenzinitiative bewirbt. Weiteres Potenzial sieht er in der Medizintechnik und in den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften.
Awakowicz möchte die Kooperation zwischen Wissenschaft und Industrie fördern: „Forschungsergebnisse, die früher in Schubladen verstaubten, sollen rasch zu industriellen, marktreifen Produkt werden“, konkretisiert er sein Ziel, das mit dem Schlagwort „Science to Market“ beschrieben wird.
Der neue Forschungs-Prorektor ist sich bewusst, dass seine Vorhaben von den finanziellen Gegebenheiten abhängen. „Aufwändige experimentgestützte Forschung kann nur stattfinden, wenn in ausreichendem Maße staatlich unterstützte und industriebezogene Projektfinanzierung möglich und vorhanden ist. So fremd es für Außenstehende klingen mag, aber eine Einheit von Forschung und Lehre kann es nur geben, wenn das nötige Kleingeld in harter täglicher Arbeit erwirtschaftet wird, da oftmals auch gute Lehre, wie z.B. die Übungen in kleinen Gruppen, auf Drittmittelstellen basiert“, erläutert Peter Awakowicz.

VITA: Peter Awakowicz wurde am 30. Juni 1956 in München geboren, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Ab 1978 studierte er an der RWTH Aachen und der TU München Elektrotechnik und Elektrophysik. 1984 bis 1990 war er Wissenschaftlicher Assistent in München. 1990 wurde Awakowicz promoviert. Danach arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter und habilitierte sich 1999 in Plasmatechnik. Von 2000 bis 2003 arbeitete er als Privatdozent an der TU München.
Während seiner Habilitationszeit gründete Awakowicz die Haaga GmbH, die der Umsetzung moderner plasmatechnischer Methoden in industrielle Anwendungen und Prozesse diente. Unter seiner Mitwirkung entstanden über 20 Patente. Zum April 2003 folgte er dem Ruf auf den Lehrstuhl „Allgemeine Elektrotechnik und Plasmatechnik“ der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik an der Ruhr Uni. Seit 2005 ist Awakowicz Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Plasmatechnik. 2006 gründete er die Koldsteril AG mit Sitz in der Schweiz. Er ist zudem Mitglied des Vorstandes des Universitätszentrums für Medizintechnik der RUB und des Centers for Plasma Science and Technology.

Tibor Kiss

Neuer Prorektor für Planung, Struktur und Finanzen ist Prof. Dr. Tibor Kiss (Fakultät für Philologie). Als wichtigste Aufgabe sieht er die Konsolidierung des Haushalts der RUB an. „Die Ruhr-Uni muss mittelfristig die Freiheiten des Hochschulfreiheitsgesetzes auch ausnützen können, ohne unter dem konstanten Forderungsdruck der Landesregierung zu stehen“, erklärt er. Sparmaßnahmen hält Kiss für unvermeidlich. Diese dürften aber nicht nach dem „Rasenmäherprinzip“ erfolgen. „Sinnvoll ist vielmehr die Definition von Prioritäten in allen Bereichen, verbunden mit der Einsicht, dass Sparmaßnahmen, auch wenn sie natürlich zunächst dieses Institut oder jene Fakultät treffen, notwendig sind, um der gesamten Universität Zukunftsperspektiven und Spielräume in Forschung und Lehre zu ermöglichen.“
Zunächst möchte der neue Planungs-Prorektor die Haushaltssituation der RUB mit allen notwendigen Details innerhalb der Uni kommunizieren und alle Angehörigen dafür sensibilisieren, Einsparpotentiale zu erkennen. Auch im weiteren Prozess möchte Prof. Kiss stets den Dialog mit den Angehörigen der Uni suchen: „Ich wünsche mir insbesondere, dass die Einsicht auf dem gesamten Campus entsteht, dass einerseits Sparen unumgänglich ist, andererseits strukturelle Änderungen dann besonders erfolgreich sein werden, wenn sie aus den Instituten, Fakultäten und Einrichtungen aus einer spezifischen inhaltlichen Konzeption entwickelt wurden und im Zusammenwirken aller Uni-Angehörigen zu klaren Entscheidungen führen, die unserer Universität eine Perspektive für die nächsten 15 bis 20 Jahre eröffnen und den Instituten, Fakultäten und Einrichtungen wieder zugute kommen werden.“

VITA: Tibor Kiss wurde am 25. September 1962 in Wuppertal geboren, ist verheiratet und hat drei Kinder aus erster Ehe. Er hat in Wuppertal und Stuttgart Theoretische Linguistik, Philosophie und germanistische Linguistik studiert. Nach dem Studium arbeitete Kiss neun Jahre lang bei IBM Deutschland. Dort entwickelte er linguistische Ressourcen für unterschiedliche Bereiche der Sprachverarbeitung. Während seiner Zeit bei IBM promovierte (1993) und habilitierte sich (1996) Kiss an der Uni Wuppertal. Seit Mai 1999 hat er den Lehrstuhl für theoretische Linguistik und multimediale Computerlinguistik am Sprachwissenschaftlichen Institut der Ruhr-Uni inne. Hier wirkte er seit 2000 an der Einrichtung und Umsetzung des fakultätsübergreifenden Studiengangs Angewandte Informatik mit. Als Vorsitzender der Lehrkommission der Fakultät für Philologie hat er 2001 die Einführung der gestuften Studiengänge begleitet. Aktuell erforscht Prof. Kiss u. a. die Nutzbarmachung elektronischer Ressourcen für eine empirisch fundierte formale Grammatikschreibung.

Bernhard Stöckhert

Das Amt des Prorektors für Lehre, Weiterbildung und Medien übernimmt Prof. Dr. Bernhard Stöckhert (Fakultät für Geowissenschaften). Als übergeordnete Ziele seiner Arbeit sieht er z. B. die Identifikation aller Studierenden und Mitarbeiter mit der Ruhr-Uni als Forschungs- und Ausbildungsstätte und die Exzellenz in Forschung und Lehre. „Diese Ziele wären in meinen Augen das Merkmal einer Elite-Universität, die sich einem Maximum an Qualität bei einem Minimum an innerer Reibung verschrieben hat. Hier hat die Ruhr-Uni eine große Chance, Vorbild und Modell zu sein“, meint Stöckhert.
Zu seinen Handlungsfeldern in der Lehre gehört – neben dem Bochumer Modell der Lehrerausbildung, der Einrichtung eines Service-Zentrums oder der Ausstattung der Hörsäle – die Optimierung der gestuften Studiengänge und ihrer möglichst einfachen Prüfungs- und Studienordnungen: „Die Energie sollte in die Vermittlung der Inhalte gelegt werden, nicht in Formalismen. Hier denke ich auch an die umständlichen Verfahren bei der Anmeldung zur Prüfung. Auch Einschränkungen bei der Wiederholbarkeit von Prüfungen und dergleichen können weitgehend entfallen“, so Stöckhert.
Der neue Lehre-Prorektor setzt weiterhin die Verwendung der Studiengebühren auf die Agenda. Die Einnahmen daraus sollen zu einer spürbaren Steigerung in der Qualität und Effektivität der Ausbildung führen. Sie sollen den Studierenden unmittelbar zu Gute kommen. „Wenn durch die Verbesserungen eine Verkürzung der Studiendauer um nur ein Semester erreichbar ist und damit ein um sechs Monate vorgezogener Einstieg in die Erwerbstätigkeit, dann kompensiert dies in etwa die Gebühren für ein 8-semestriges Studium, und das schon bei bescheidener studentischer Lebensweise“, rechnet Stöckhert vor.

VITA:
Bernhard Stöckhert wurde am 12. April 1953 in Erlangen geboren, ist verheiratet und hat vier Kinder. Nach dem Abitur (1972) ging er drei Jahre lang verschiedenen Tätigkeiten nach, u. a. als Bauarbeiter, Wachmann und Chemielaborant. 1975-79 studierte Stöckhert in Erlangen Geologie. Bis Herbst 1981 arbeitete Stöckhert als Doktorand am Institut de Minéralogie der Université de Fribourg. Im Februar 1982 wurde er in Erlangen promoviert. Nach weiteren Stationen in Bern und Köln wurde er zum Oktober 1986 auf den Lehrstuhl für Endogene Geologie an der RUB berufen. Prof. Stöckhert war und ist Mitglied in verschiedenen nationalen und internationalen Forschungsgremien, er war Koordinator in zwei Schwerpunktprogrammen der DFG sowie Initiator und Sprecher des derzeit im dritten Antragszeitraum laufenden Sonderforschungsbereichs 526 „Rheologie der Erde“. An der Ruhr-Uni war er u. a. Mitglied des Konvents und des Senats sowie Dekan und Prodekan der Fakultät für Geowissenschaften.

 


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