Geklautes
Bild – große Ehre
Forschung landet auf der Kaffeetasse
Dr. Elke Weiler (Neurophysiologie) staunte nicht schlecht,
als sie über Umwege erfuhr, dass das Department
of Neurobiology and Physiology an der Northwestern University
in Evanston (Chicago) sich ungefragt an einer ihrer
Abbildungen bedient hatte, um ein neues Logo und ein
Design für eine Kaffeetasse zu entwerfen. Die Abbildung,
die einen Querschnitt durch die Nase mit dem Riechepithel
zeigt, hatte es zuvor schon auf den Titel des renommierten
Journal of Neuroscience geschafft.
Die dazugehörige wissenschaftliche Publikation
war Bahn brechend: Elke Weiler konnte nachweisen, dass
sich im Riechepithel der Nase auch bei Erwachsenen noch
neue Nervenzellen entwickeln. Diese Erkenntnis bedeutet
Hoffnung für Patienten, die an Krankheiten leiden,
die mit der Degeneration von Nervenzellen einhergehen,
wie etwa Alzheimer oder Morbus Parkinson. „Die
so genannten Basalzellen im Riechepithel sind eine Art
Stammzellen, aus denen neue Nervenzellen entstehen können“,
erklärt die Biologin.
"Fühle mich sehr geehrt"
Natürlich darf dieser Prozess nicht unkontrolliert
ablaufen: Wichtig ist das Gleichgewicht zwischen Zellgeburt
und Zelltod. Würden sich Zellen unkontrolliert
bilden und wachsen, entstünden Tumore. Deswegen
ist ein weiterer Fund wichtig: Dr. Weiler konnte neben
der Zellneubildung einen Faktor nachweisen, der die
Zellteilung hemmt (Aprin). „Das ist äußerst
wichtig im Hinblick auf die Krebsbekämpfung“,
unterstreicht sie. „Bei unserer Arbeit handelt
es sich um einen Kampf für das Leben. Die Grundlagenforschung
beinhaltet immer auch einen angewandten Aspekt.“
Böse über den „Bilderklau“ ist
Elke Weiler natürlich nicht, ganz im Gegenteil:
„Ich fühle mich sehr geehrt“, sagt
sie stolz. Als sie in diesem Jahr die Northwestern University
besuchte, an der sie vier Jahre lang gearbeitet hat,
schenkte man ihr eine der Kaffeetassen, die ihre Abbildung
in den Farben der Uni – lila und weiß –
ziert. „Ich war zu Tränen gerührt“,
blickt sie zurück. Das Exemplar steht seither auf
ihrem Bochumer Schreibtisch, von dem aus sie nicht nur
seit sieben Jahren in ihrer eigenen Arbeitsgruppe die
Entwicklung von Nervenzellen erforscht, sondern auch
an der Ausbildung der Medizinstudenten beteiligt ist.
Wenn sie nicht an der Ruhr-Uni arbeitet, pendelt sie
nach Tübingen, wo sie studiert hat und noch immer
zumindest zeitweise wohnt.
md
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