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RUBENS 112

4. Januar 2007

Kaum bemerkt


Nach sieben Monaten kennen nur wenige Studierende die Freie Universität Bochum



Viele erinnern sich noch an die Tumulte in der öffentlichen Senatssitzung im Audimax. Am 22. Mai 2006 hatten dort die Senatoren den Weg für die Einführung von Studiengebühren an der Ruhr-Uni geebnet. Als direkte Konsequenz riefen einige Studenten die sog. Freie Universität Bochum (FUB) aus und besetzten das leer stehende Querforum West. In den letzten sieben Monaten erprobten sie dort eine alternative Universität: mit Seminaren, Workshops und Kultur. Bislang allerdings blieb die "Freie Universität" vielen Studierenden auf dem Campus unbekannt.

Die "Freie Uni" hat ihre Wurzeln großteils in der Protestbewegung gegen Studiengebühren und versteht sich als „Protestprojekt gegen gebührenfinanzierte Bildung“. Aber auch das im Herbst 2006 vom NRW-Landtag verabschiedete so genannte Hochschulfinanzierungsgesetz ist den Machern der "FUB" ein Dorn im Auge. Sie kritisieren beispielsweise den „Rückzug des Landes aus der finanziellen Verantwortung für Bildungsangebot, Forschung und Lehre.“ Zudem sehen die Gründer die "UB" als Plattform für Studierende und für Mitglieder aus anderen Teilen der Gesellschaft, um gemeinsam an neuen Ideen und Utopien zu arbeiten. Bereits unmittelbar nach der Gründung füllten die Verantwortlichen ihr Konzept mit Inhalten. Noch im Sommersemester 06 wurden Seminare veranstaltet, Filme gezeigte und traten Musikgruppen in der ehemaligen Ersatzmensa auf. Im August lud die "FUB" zu einem Sommercamp ein und für das Wintersemester 06/07 wurde ein komplettes alternatives Vorlesungsverzeichnis erstellt: mit Vorträgen, Seminaren, mit der Ringvorlesung „Ware Bildung“ und der Filmreihe „Venezuela bolivarisch.“

Keine Erfolgsaussichten

Trotz ihres breiten Angebots und ihrer medialen Präsenz ist die "Freie Uni" vielen Studierenden unbekannt geblieben. Das gilt selbst für die Studierenden in der G-Reihe, die als direkte Nachbarn täglich am Querforum West vorbei gehen. So hat Sofia, die im ersten Semester Kunstgeschichte studiert, noch nie etwas von der "Freien Uni" gehört. Der Name ist Simon (Pädagogik und Linguistik) zwar ein Begriff und er hatte auch schon mal einen Flyer der "FUB" in der Hand, aber über den Grund ihrer Entstehung weiß er nichts. Diejenigen Studierenden, die die "Freie Uni" kennen, begrüßen vor allem das Engagement gegen Studiengebühren. Zu ihnen gehört Laura, die Germanistik und Pädagogik studiert. Sie war sogar schon einmal spontan im Querforum West. An diesem Tag fand dort allerdings kein Programm statt. „Meiner Meinung nach macht die "Freie Uni" zu wenig Werbung und so kriegt man von den Veranstaltungen gar nichts mit“, meint sie. Ähnlich wie Laura begrüßt auch Juliane, dass sich Leute gegen Studiengebühren engagieren. Was den Erfolg der Protestbewegung anbelangt, ist sie jedoch skeptisch: „Ich glaube nicht, dass das im Endeffekt was bringen wird“, sagt die Studentin (Medienwissenschaft und Anglistik).
Ein anderes Kapitel ist die illegale Besetzung des Querforums West, für die einzelne Mitglieder der "FUB" verantwortlich sind. Im Mai stand das Gebäude zwar leer, denn als Ersatzmensa hatte es – mit Wiedereröffnung der Mensa – ausgedient. Doch das Querforum ist kein geschlossenes Gebäude. An der Rückwand gibt es Aussparungen im Mauerwerk, hier waren mobile Küchen und Sanitäranlagen angedockt. Das bedeutet: Wenn das Gebäude winterfest gemacht wird, muss das Wasser abgestellt werden, und dann kann das Gebäude nicht mehr beheizt und bei Kälte nicht mehr benutzt werden. Weitere Probleme kamen hinzu: Bei nächtlichen (falschen) Feueralarmen Mitte Dezember stellte die Feuerwehr fest, dass jeweils bis zu 20 Personen im Querforum auf Matratzen schliefen. Der Einsatzleiter beurteilte diese Situation als „nicht zu vertretende Brandlast“. Aus Sorge und Verantwortung um die Studierenden, aber auch, weil der Kanzler im Schadensfall strafrechtlich haftet, hatten Rektor und Kanzler die Besetzer am 15. Dezember aufgefordert, das Querforum zu räumen.

Matratzenlager

Bereits zuvor hatte Kanzler Gerhard Möller der "Freien Uni" mehrfach angeboten, sich als studentische Initiative eintragen zu lassen. Von Anfang an hatte das Rektorat zwischen den legitimen und unterstützenswerten Anliegen der "Freien Uni" und der illegalen Hausbesetzung differenziert.
Den Antrag stellte die "FUB" am 18. Dezember. Im Gegenzug bot Rektor Prof. Elmar Weiler der Initiative einen 73 Quadratmeter großen Raum in GA an. Weitere Räume für Veranstaltungen könnten die Mitglieder der "Freien Uni" beantragen.
Vorab müssten die Besetzer jedoch das Querforum West räumen. Bis zum Redaktionsschluss (21.12.06) war das – trotz eines Ultimatums des Rektors – nicht geschehen. Zuletzt hatte Prof. Weiler Strafantrag gegen die Hausbesetzer gestellt und damit die Angelegenheit der Polizei übertragen.





 


Verena Grimm/ad
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