Warum
Austin Powers so schlechte Zähne hat
Sonderausgabe von RUBIN zum „Globalen Wandel“
ist erschienen
„Wenn wir unsere Anstrengungen statt auf
ein Imperium des Bösen auf Starbucks-Kaffee konzentrieren,
könnten wir unseren Gewinn verfünffachen“,
rät Vizeschuft „Nummer 2“ seinem Chef
Dr. Evil im Film „Austin Powers 2“: Die
Einleitung zu einem geschickten Product Placement in
einer für den weltweiten Markt produzierten Kinokomödie,
deren Gewinne übrigens tatsächlich alle Rekorde
brachen. Die Auswirkungen der Globalisierung auf den
Film als ein Beispiel kulturellen Textes untersuchen
Forscher am Lehrstuhl für Amerikastudien (Prof.
Dr. Kornelia Freitag). Sie zeigen, dass der „Transnationalismus“
dem Film eingeschrieben ist, er also Ländergrenzen
und Kulturunterschiede überwindet, aber das Wissen
darum voraussetzt. Über ihren Ansatz berichten
sie in RUBIN „Globaler Wandel“, der soeben
erschienenen Sonderausgabe des Wissenschaftsmagazins
der Ruhr-Uni.
Die Sonderausgabe stellt Forschungsprojekte aus verschiedenen
geisteswissenschaftlichen Fachbereichen vor, die die
Auswirkungen der Globalisierung aus unterschiedlichen
Blickwinkeln beleuchten. „Global Change“
ist einer der Forschungsschwerpunkte, für den sich
die Ruhr-Uni in der zweiten Runde der Exzellenzinitiative
des Bundes und der Länder um einen Exzellenzcluster
bewirbt. Das Heft erscheint pünktlich zu Beginn
des „Jahres der Geisteswissenschaften“,
das das Bundesforschungsministerium 2007 ausgerufen
hat.
Jahr der Geisteswissenschaften
Untersuchungsgegenstand von Prof. Freitag sind Texte
aller Art, neben Literatur auch Filme, T-Shirt-Aufdrucke,
Markenzeichen und vieles mehr. „Man hat nachweisen
können, dass kulturelle Norm- und Wertvorstellungen
– das heißt auch deren negative Ausprägungen
wie Ängste, Stereotype und Vorurteile – in
allen kulturellen Texten zu finden sind, wenn sie auch
unterschiedlich differenziert und komplex zum Ausdruck
kommen“, erklärt Prof. Freitag. So hat etwa
Austin Powers, britischer Spion im Film, auffallend
schlechte Zähne – weil in den USA das Vorurteil
herrscht, Briten hätten schlechte Zähne.
Die Einbeziehung von Starbucks, ein weltbekannter „Global
Player“, als Hauptquartier des Bösen, der
sich beim Trinken eines Bechers Starbucks Kaffee allerdings
lächerlich macht, womit das Image der Kaffeemarke
wieder hergestellt ist, zeigt, wie sehr der Film auf
das kulturelle Vorwissen der Zuschauer baut. Nur so
können sie den komplexen Witz der Szene verstehen.
Ebenfalls ein Zeichen für die Globalisierung ist
die mühelose Überschreitung von Ländergrenzen
– Szenen des Films spielen übergangslos mal
in England, mal in Amerika. Auch verschiedene Zeiten,
mittels Zeitmaschine bereist, dienen als Hintergrund,
wobei wiederum das Wissen der Zuschauer über die
1960er und die 1990er Jahre vorausgesetzt wird.
Der Film setzt sich also nicht nur über kulturelle
Unterschiede hinweg, sondern rechnet fest mit ihnen,
spielt ironisch darauf an und baut darauf, dass das
Publikum sie kennt – eine Tatsache, die als Transnationalism
bezeichnet wird. Wie dünn das Eis ist, auf dem
sich die nationale Sinnstiftung bewegt, zeigt wiederum
Starbucks: Der Maat aus Moby Dick, nach dem die Kaffeehaus-Kette
benannt ist, und bei dem man zunächst an Reisen
über alle Weltmeere denkt, war bei näherem
Hinsehen nicht nur eine schwache Figur, sondern ist
auch am Ende jämmerlich untergegangen.
Alle Themen
Weitere Themen in der Sonderausgabe RUBIN Globaler
Wandel sind: Von den Anstrengungen des staatlichen Gewaltmonopols:
Recht und Gewalt; Katholizismus von außen betrachtet:
Hinter dem europäischen Horizont; Geschlechtergleichheit
und Globalisierung: „Frauenfrühling“
oder modernisierte Ungleichheit?; Globaler Wandel und
das Entstehen transnationaler Migration: Zwischen den
Welten zu Hause; Die Rolle der Medien im „Globalen
Anti-Terror-Krieg“: Verändern die Medien
das Völkerrecht?; Literatur und Vielsprachigkeit:
Die Heimat ist die Fremde; Globalisierung der Finanzmärkte:
Wer liest schon die Bilanzen?; „Lokale Agenda
21“ im Nord-Süd- und Ost-West-Vergleich:
Weg frei fürs Ehrenamt; Die Gelehrtennetzwerke
des Murtada al-Zabidi: „Global Player“ des
18. Jahrhunderts.
Info: RUBIN „Globaler Wandel“
ist für 5 Euro in der Pressestelle erhältlich,
Tel. -22830, und steht im Internet: www.rub.de/rubin.
md
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