Stachelmann
3
Historiker
ermittelt in Heidelberg
Der promovierte Historiker Josef Stachelmann schlüpft
zum dritten Mal in die Rolle des Detektivs und stochert
in der neueren deutschen Geschichte herum. Nach Alt-Nazis
(„Mann ohne Makel“) und Alt-Stasi („Mit
Blindheit geschlagen“) geht es diesmal um Alt-Linke.
Stachelmanns Freund Kommissar Ossi Winter ist tot. Ob
durch Mord oder Selbstmord, das kann offenbar nur durch
genaue Kenntnis von Geschehnissen in den späten
Siebzigern geklärt werden. Seinerzeit studierten
Stachelmann und Winter gemeinsam in Heidelberg und engagierten
sich vehement in der linken Studentenbewegung. Es gab
Demos, Besetzungen, Verhaftungen und den ungeklärten
Mord an einem linken Aktivisten. Stachelmann fragt sich:
Gibt es da etwa einen Zusammenhang zu Winters Tod? Jedenfalls
hat dieser unmittelbar vor seinem Dahinscheiden in einem
Aktenordner gewühlt, der Dokumente der Heidelberger
Zeit und des Mordes enthält.
Stachelmann legt also los, reist von Lübeck nach
Heidelberg und nach Italien, dringt immer tiefer in
die Vergangenheit ein, findet Personen, nähert
sich Lösungen, bringt nebenbei seine Habilschrift
entscheidend voran, kümmert sich um seine frisch
operierte Mutter, tröstet Winters Freundin und
verkracht sich mit seiner eigenen Lebensgefährtin.
Dabei wächst er einem immer weiter ans Herz: ein
echter Typ, kein Held, kein Antiheld, einfach nur authentisch.
Leider kann man das von der Lösung, die uns der
Autor auf den letzten 15 Seiten hektisch unterjubeln
will, nicht behaupten. Es ist ja immer ärgerlich,
wenn am Ende auch guter Krimis der große Unbekannte
aus dem Hut gezaubert und als einzig denkbarer Mörder
präsentiert wird. Hier läuft es etwas anders,
wenn sich eine der Figuren auf einmal um 180 Grad dreht,
ganz ohne Vorwarnung und kaum nachvollziehbar.
Wenn jemand auf Seite 389 „irre“ sein soll,
hätte man gern auf den 388 Seiten davor die eine
oder andere vage Andeutung gelesen. So aber ist ein
bisschen so, als würde am Ende Bambi aus Futterneid
seinen Hasenfreund Klopfer tot beißen und alle
würden sagen: Das hat sich angedeutet, am Anfang
der Geschichte wurde doch mal ein schönes Kleeblatt
erwähnt.
Info: Christian von Ditfurth: „Schatten
des Wahns. Stachelmanns dritter Fall“, Kiepenheuer
& Witsch, Köln 2006, 392 S., 19,90 Euro.
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