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RUBENS 112

4. Januar 2007

Stachelmann 3

Historiker ermittelt in Heidelberg


Der promovierte Historiker Josef Stachelmann schlüpft zum dritten Mal in die Rolle des Detektivs und stochert in der neueren deutschen Geschichte herum. Nach Alt-Nazis („Mann ohne Makel“) und Alt-Stasi („Mit Blindheit geschlagen“) geht es diesmal um Alt-Linke.
Stachelmanns Freund Kommissar Ossi Winter ist tot. Ob durch Mord oder Selbstmord, das kann offenbar nur durch genaue Kenntnis von Geschehnissen in den späten Siebzigern geklärt werden. Seinerzeit studierten Stachelmann und Winter gemeinsam in Heidelberg und engagierten sich vehement in der linken Studentenbewegung. Es gab Demos, Besetzungen, Verhaftungen und den ungeklärten Mord an einem linken Aktivisten. Stachelmann fragt sich: Gibt es da etwa einen Zusammenhang zu Winters Tod? Jedenfalls hat dieser unmittelbar vor seinem Dahinscheiden in einem Aktenordner gewühlt, der Dokumente der Heidelberger Zeit und des Mordes enthält.
Stachelmann legt also los, reist von Lübeck nach Heidelberg und nach Italien, dringt immer tiefer in die Vergangenheit ein, findet Personen, nähert sich Lösungen, bringt nebenbei seine Habilschrift entscheidend voran, kümmert sich um seine frisch operierte Mutter, tröstet Winters Freundin und verkracht sich mit seiner eigenen Lebensgefährtin. Dabei wächst er einem immer weiter ans Herz: ein echter Typ, kein Held, kein Antiheld, einfach nur authentisch.
Leider kann man das von der Lösung, die uns der Autor auf den letzten 15 Seiten hektisch unterjubeln will, nicht behaupten. Es ist ja immer ärgerlich, wenn am Ende auch guter Krimis der große Unbekannte aus dem Hut gezaubert und als einzig denkbarer Mörder präsentiert wird. Hier läuft es etwas anders, wenn sich eine der Figuren auf einmal um 180 Grad dreht, ganz ohne Vorwarnung und kaum nachvollziehbar.
Wenn jemand auf Seite 389 „irre“ sein soll, hätte man gern auf den 388 Seiten davor die eine oder andere vage Andeutung gelesen. So aber ist ein bisschen so, als würde am Ende Bambi aus Futterneid seinen Hasenfreund Klopfer tot beißen und alle würden sagen: Das hat sich angedeutet, am Anfang der Geschichte wurde doch mal ein schönes Kleeblatt erwähnt.

Info: Christian von Ditfurth: „Schatten des Wahns. Stachelmanns dritter Fall“, Kiepenheuer & Witsch, Köln 2006, 392 S., 19,90 Euro.





 


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Letzte Änderung: 4.1.2007| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik