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RUBENS 112

4. Januar 2007

Vom Opfer zum Trainer


Absolvent der Ruhr-Uni möchte Kinder für den Alltag stark machen





Als Schüler am Selmer Gymnasium war Björn Germek noch selbst das Opfer. Auch das Studium an der Ruhr-Uni war nicht immer leicht. Aus dem Mobbing und den Hänseleien, denen er als Stotterer ausgesetzt war, zog er als Erwachsener eine Konsequenz: Kinder wehrhaft machen, auf ganz neue Weise.

Kids Defense heißt das Angebot, mit dem Björn Germek Kindern beibringen möchte, wie sie sich gegen Mobbing, Ausgrenzung und Angriffe wehren können. Dabei geht es weniger um klassischen Kampfsport, den der Trainer auf Ausbilder-Level beherrscht, sondern vor allem um Wahrnehmung. „Viele Kids merken nicht einmal, wenn sie beleidigt und ausgegrenzt werden“, weiß er. „Oder sehen den Angriff als irgendwie berechtigt an.“ Wie Landvermesser K. aus Franz Kafkas „Schloss“, der zwar selbst aggressiv agiert, am Ende aber alles mit sich machen lässt und Chancen zur Befreiung gezielt verpasst. Diese Psychologie des Scheiterns hat Germek in seiner Magisterarbeit untersucht, als Germanist, der die Theorie-Symbiose aus Transaktionsanalyse, Systemtheorie und Wing Tsun wagte. Anwendungsorientierung einmal anders gedacht.
Wenn Björn Germek die Kinder in den Seminaren fragt, wie es ihnen heute geht, erhält er manchmal ein „Warum fragst du?“ als Gegenfrage. „Weil das entscheidend ist“, sagt er dann. Im Stress zwischen Schulnoten, Sportverein, Gitarrenunterricht und dem Mitmachen aller Trends vergessen die Kinder das Wichtigste: das Gefühl für den eigenen Körper und die Verfassung von sich selbst und anderen. Was passiert hier gerade? Wie fühle ich mich dabei? Wie fühlt der andere sich?

Magische Wirkung

Bei Kids Defense sollen die Kinder lernen, sich selbst und die Situation zu erfühlen, eigene Bedürfnisse zu formulieren und potenziellen Angriffen ein klares inneres „Nein!“ entgegenzusetzen. Eine neue Erfahrung, die schnell zu einer selbstsicheren Haltung führen kann. Probleme in der Schule sind danach häufig wie weggeblasen. „Sie sind keine Opfer mehr“, erklärt Germek und das bemerken die anderen.
Björn Germek konnte dieses Phänomen an der eigenen Entwicklung ablesen. Über Jahre betreuten seine Eltern ihn als Stotterer in unzähligen Sprachtrainings – unwissend, dass dies nur seine Rolle als „Behinderter“ festschreiben würde. Bis Germek eines Tages durch innovative Methoden wie Atemtherapie, Bioenergetik und die psychologische Schule der Transaktionsanalyse verstand: Ich bin kein Stotterer, ich muss nicht betreut werden.
Studiert hat Björn Germek an der Ruhr-Uni; Kids Defense ist zurzeit in Köln stationiert. Doch das Unternehmen expandiert, da sein Training „magische Wirkung“ zeigt (wie manche Eltern erstaunt feststellen) und da die Kinder ihm schnell vertrauen. „Durch meine eigene Biografie spüren sie, dass ich weiß, wovon ich rede“, sagt er.

 

 

 

 




 


Oliver Uschmann
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Letzte Änderung: 4.1.2007| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik