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RUBENS 112

4. Januar 2007

Bollwerke gegen Späher


Förderpreise in der IT-Sicherheit gehen an Diplomanden der Ruhr-Uni



Den ersten und den zweiten Förderpreis des Darmstädter Competence Center for Applied Security Technology (CAST) haben Diplomanden der Ruhr-Uni abgeräumt: Timo Kasper und Axel Poschmann, beide Mitarbeiter am Lehrstuhl für Kommunikationssicherheit (Prof. Christof Paar) wurden für ihre herausragenden Diplomarbeiten in der IT-Sicherheit ausgezeichnet.

Im Mittelpunkt beider Arbeiten stehen RFID-Chips: Diese Funkchips, die kabellos ausgelesen werden können, werden z.B. für kontaktlose Kreditkarten, in Studentenausweisen (zum Bezahlen in der Mensa), auf Eintrittskarten oder im elektronischen Reisepass eingesetzt. Sie geben ihre Informationen an ein Lesegerät ab, wenn dieses eine Abfrage macht. Mischt sich allerdings jemand in diese Kommunikation ein, hört sie ab, zeichnet sie auf oder startet unbemerkt eine eigene Abfrage, können im Chip gespeicherte Informationen leicht in falsche Hände geraten oder manipuliert werden. Genauso wichtig wie die Informationen selbst ist daher ihre sichere Übermittlung, die nach einer ISO-Norm abläuft.

Forscher als Hacker

Der hat Timo Kasper auf den Zahn gefühlt. Um die Sicherheit der Chips zu analysieren, schlüpfte er in die Rolle des Hackers. „Einem RFID-Lesegerät kann vorgetäuscht werden, dass sich der Besitzer einer kontaktlosen Kreditkarte oder eines so genannten RFID-Tags in direkter Nähe von fünf bis zehn Zentimetern befindet, obwohl er sich möglicherweise in mehreren hundert Metern Entfernung aufhält und gar nichts davon ahnt, dass gerade mit der Karte, die sich in seiner Handtasche befindet, eine Bratwurst nebenan bezahlt wird“, erklärt er das Sicherheitsproblem. Um die Kommunikation sicherer zu machen, entwickelte und testete Kasper z.B. mehrere verschiedene Antennen, für deren Einsatz er viele Möglichkeiten sieht. Außerdem empfiehlt er, den Chip abzuschirmen, etwa mittels Alufolie, damit Lauscher es nicht so leicht haben.
Ein andere Bollwerk gegen das Ausspähen von RFID-Chips hat Axel Poschmann entwickelt: Eine sog. Blockchiffre, die sicherstellen kann, dass nur authorisierte Lesegeräte die Informationen von RFID-Chips abrufen können. Der Chip erfragt vom Lesegerät eine Art Parole, die das Lesegerät nur dann richtig angeben kann, wenn es über einen geheimen Schlüsselcode verfügt. Kann es die Anfrage parieren, darf es die Informationen des Chips auslesen. Das ganze ist möglichst einfach gehalten, denn die Kommunikation zwischen Lesegerät und Chip darf nicht zu viel Strom verbrauchen (light weight Kryptographie). Die Chips selbst verfügen über keine eigene Energieversorgung, sondern werden über die Funkwelle mit Strom versorgt. Der von ihm entwickelte Code ist daher klein in Hardware realisierbar und trotzdem sicher.

CAST
Das Darmstädter Competence Center for Applied Security Technology hat 2006 zum sechsten Mal Förderpreise (insgesamt: 16.000 Euro) für herausragende Abschlussarbeiten in der IT-Sicherheit vergeben. Für die Kategorien „Universität“ und „Fachhochschulen und Berufsakademien“ hatten sich 34 Nachwuchsforscher aus Deutschland und Österreich beworben. Die beiden Bochumer nahmen in der Kategorie „Universität“ teil und belegten dort Platz 1 (Timo Kasper, 4.000 Euro) bzw. Platz 2 (Axel Poschmann, 2.500 Euro).

 


md
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