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RUBENS 112

4. Januar 2007

Gefährliche Risse


Das Studienbüro sieht sich mit einem veränderten Beratungsbedarf konfrontiert



In einem Monat stehen bei Nina* wichtige Prüfungen an. Aber sie kann sich einfach nicht aufs Lernen konzentrieren. Stress mit ihrem Freund und die Sorge, ob das Geld für diesen Monat reicht, lenken sie ab. Zweifel, ob das Studium wirklich die richtige Wahl für sie ist, plagen sie schon das ganze Semester. Aber einfach so aufgeben will Nina nicht: Sie wendet sich an die Psychologische Beratung des Studienbüros.

Hier kennt man Fälle wie den von Nina gut. „Früher kamen die Studenten größtenteils mit konstruktiven Identitätsfragen“, erinnert sich Diplom-Psychologe Michael Egeri, Mitarbeiter des Beratungsteams. „Sie wollten herausfinden, wo ihre Stärken liegen und welche Wege ihnen im Leben offen stehen.“ Heute dagegen kommen nicht nur wesentlich mehr Studierende zur psychologische Beratung, sie kommen vor allem mit Sorgen und Selbstzweifeln. Viele schaffen es nicht mehr, den Anforderungen eines straffen Stundenplans in den gestuften Studiengängen gerecht zu werden. Das Tempo ist für sie zu hoch – vor allem, wenn sie sich ihren Lebensunterhalt durch einen Nebenjob finanzieren müssen.
Kleinere Nöte, wie sie wohl jeder von Zeit zu Zeit kennt, verschärfen sich dann schnell, wenn die Betroffenen keine Auszeit nehmen können. Stattdessen müssen sie weiter nach außen hin funktionieren. Daraus können sich Depressionen und Angsterkrankungen entwickeln, die seit einigen Jahren in der Beratungsstelle die häufigsten - der jährlich bis zu 500 - Fälle darstellen.

Ursachen finden

Im ersten Beratungsgespräch kann Nina über ihre Sorgen sprechen. „Dass einfach jemand da ist, der zuhört, tut den meisten Studenten in dieser Situation bereits sehr gut“, berichtet Michael Egeri aus langjähriger Erfahrung. In weiteren Sitzungen wird geklärt, in welchem Bereich die Ursache der Probleme liegt, denn oft sind die augenscheinlichen Sorgen nur Symptome.
Warum es wichtig ist, bei jedem Ratsuchenden ganz konkret und persönlich die Ursachen seiner Sorgen zu suchen, erklärt Egeri so: „Unser seelisches Wohlbefinden ruht auf den fünf Säulen Familie/Freunde, Arbeit, Wohnung, Gesundheit und Werten. Gibt es in einer dieser Säulen Risse, können die übrigen Säulen ihre Stützfunktion mit übernehmen.“ Aber in je mehr Säulen sich Schwächen zeigen, desto labiler wird das seelische Gleichgewicht. Deshalb reicht es nicht, die Symptome zu kurieren, vielmehr muss das gesamte Fundament wieder tragfähig gemacht werden.
Bei Nina überschneiden sich mehrere Sorgen. Zum einen die Angst vor der wichtigen Prüfung, zum anderen private Sorgen. Sobald diese Kernprobleme identifiziert worden sind, sucht der Berater nach Lösungsmöglichkeiten. Bei realistischen Ängsten, etwa der Furcht vor einer Prüfung bei einem besonders strengen Professor, können Bewältigungsstrategien hinterfragt und neu entwickelt werden. Auch die Simulation der gefürchteten Situation kann viel helfen: Je öfter man sich dieser Situation aussetzt, desto routinierter kann man damit umgehen. Wichtig ist auch, die eigenen Ängste zu akzeptieren, denn nur dann können sie auch geändert werden.
Nina will es noch einmal versuchen mit dem Studium. Sie wird einen Kurs über Lernstrategien besuchen, die Probleme mit ihrem Freund angehen und sich langfristig nach einem anderen Nebenjob umsehen. „Viele Studenten können wir vor einem Studienabbruch bewahren“, sagt Michal Egeri. Aber auch denen, die ihr Studium nicht mehr weiterführen wollen, kann die Beratungsstelle helfen. Sie arbeitet u. a. eng mit dem Arbeitsamt und dem Career Service der Uni zusammen.
Die Psychologische Beratung des Studienbüros wird auch von Studierenden aus Dortmund und Essen in Anspruch genommen. Dort gibt es nur eine Studienberatung ohne psychologische Betreuung. Vor diesem Hintergrund spricht Michael Egeri der Uni-Leitung ein Lob dafür aus, dass sie sich „ einen fürsorglichen Blick auf ihre Studenten“ leistet.
* Name von der Redaktion geändert

INFO: Das Studienbüro hat seine Räume im Studierendenhaus (2. Etage). Eine offene Sprechstunde als erste Anlaufstelle findet Mo-Do jeweils vormittags (10-12 h, außer dienstags) und nachmittags (14-16) in Raum 206


Gestiegener Bedarf
Die Beobachtungen des Studienbüros decken sich mit denen des Deutschen Studentenwerkes (DSW), das ebenfalls Psychologische Beratungsstellen betreibt. 2005 fanden dort bundesweit 130.000 soziale und psychologische Beratungsgespräche statt – über 20.000 mehr als 2004. „Dieser Anstieg zeigt, dass Studenten in Deutschland angesichts der Vielzahl von Hochschulreformen unter Druck stehen“, erklärte DSW-Geschäftsführer Achim Meyer auf der Heide.



 


Mareike Begemann
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