Belebte Partnerschaft
Krakauer
Jura-Dekan zu Gast in Bochum
Nur ein Kurzbesuch war es, der Prof. dr hab.
Tadeusz Wudyka nach Bochum führte – aber
er könnte die Partnerschaft zwischen der Jagiellonen
Universität Krakau und der Ruhr-Uni kräftig
voranbringen. Tadeusz Wudyka ist Dekan der
Juristischen Fakultät in Krakau. Er kennt Bochum
von früheren Reisen. Damals war der Austausch zwischen
den Fakultäten der Rechtswissenschaft weitaus lebendiger.
Die offiziellen Wurzeln der deutsch-polnischen Partnerschaft
reichen bis ins Jahr 1979 zurück. Karol Józef
Wojtya besuchte Polen zum ersten Mal als Papst Johannes
Paul II., da vereinbarten die Rektoren beider Universitäten,
Mieczyslaw Hess und Knut Ipsen, einen wissenschaftlichen
und kulturellen Austausch. In der folgenden Zeit gab
es einen regen Kontakt der Wissenschaftler; aber auch
der Unichor reiste mehrfach nach Krakau. Kurz: Die Partnerschaft
lebte. Daran konnten weder General Jaruzelski und das
von ihm verhängte Kriegsrecht über Polen noch
der eiserne Vorhang etwas ändern. Im Gegenteil,
die Schwierigkeiten schweißten zusammen.
Als 1990 die Grenzen durchlässiger wurden, änderte
sich manches. In Bochum verabschiedeten sich viele Protagonisten
in den Ruhestand, Krakau orientierte sich über
Bochum hinweg noch weiter nach Westen. „Die Ruhr-Uni
hat es nach dem Fall der Mauer versäumt, die Partnerschaft
zu pflegen“, resümiert mit Bedauern Knut
Ipsen. Natürlich gibt es noch Kontakte, etwa bei
den Juristen im Steuer- und Völkerrecht. Doch das
sind Einzelfälle, getragen von persönlichem
Engagement.
Der spontane Besuch von Tadeusz Wudyka könnte an
der Singularität etwas ändern. Abgesehen davon,
dass er Rektor Prof. Elmar Weiler eine offizielle Einladung
des Krakauer Rektors angekündigt hat, gab es konstruktive
und herzliche Gespräche mit dem Dekan der Juristischen
Fakultät, Professor Dr. Peter A. Windel, und weiteren
Mitgliedern der Fakultät. Geplant sind der Austausch
von Professoren, Doktoranden, Assistenten und Studenten.
Nun gilt es, die Chance zu nutzen und die Partnerschaft
mit Leben zu erfüllen.
Denn beide Universitäten verbindet wesentlich mehr,
als auf den ersten Blick scheint. Zwar ist die Uni in
Krakau, gegründet 1364, etwas älter als die
RUB. Aber dafür war Bochum die erste westdeutsche
Hochschule, die trotz aller Widrigkeiten mit Krakau
den Austausch pflegte. Und nirgendwo sonst in Deutschland
leben derart viele Menschen mit polnischen Wurzeln wie
im Ruhrgebiet. Es gibt also durchaus eine Tradition,
die fortzusetzen sich unbedingt lohnt. Im Jahr
2009 wird die Partnerschaft 30 Jahre bestehen. Dieses
Jubiläum sollten die Universitäten nicht als
bloßen feierlichen Akt verstehen, sondern als
Auftrag, die Partnerschaft zu beleben und auszubauen.
Dr.
Holm Putzke
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