Dienstreise
mit Annette Schavan
Zwei Professoren der Ruhr-Uni begleiteten die Ministerin
in Asien
Drei deutsche Wissenschaftler waren im November
mit Annette Schavan in Asien unterwegs, allein zwei
davon von der Ruhr-Uni. Prof. Matthias Rögner (Biochemie
der Pflanzen) und Prof. Uwe Czarnetzki (Experimentalphysik)
unterstützen die Forschungsministerin beispielsweise
bei der Suche nach Kooperationspartnern in Japan und
Korea. Nach Ende der Reise sprach Arne Dessaul mit Prof.
Rögner.
RUBENS: Herr Professor Rögner, wie kam es zu
dieser für die Ruhr-Uni erfreulichen Quote?
Prof. Rögner: Das liegt zum Großteil an den
einschlägigen Erfahrungen von Herrn Czarnetzki
und mir. Wir sind aufgrund unserer Forschungsgebiete
beide regelmäßig in Japan. Darauf wurde man
im Bundesforschungsministerium (BMBF) aufmerksam und
lud uns ein. Wir haben auch schon vorher zu einem Beraterkreis
beim BMBF gehört, wo es um die Intensivierung der
deutsch-japanischen Beziehungen geht.
RUBENS: Sie sprechen sogar Japanisch?
Prof. Rögner: Ja, nicht perfekt, aber es reicht
aus, um zum Beispiel japanische Kontakte zu pflegen.
Zurzeit sind an meinem Lehrstuhl zwei Japaner, ein Masterstudent
und ein Postdoktorand. Und eine meiner Studentinnen
ist momentan an der Eliteuniversität Japans, der
Tokyo University.
RUBENS: Haben Sie sie auf der Reise zufällig getroffen?
Prof. Rögner: Ja, in der Tat, bei der Besichtigung
der beeindruckenden Stammzellenlabore. Es scheint ihr
dort sehr gut zu gehen.
Hochkarätige Delegation
RUBENS: Noch mal kurz zurück zur Bochum-Quote:
Haben Sie den Eindruck, dass Ministerin Schavan die
Ruhr-Uni jetzt anders wahrnimmt?
Prof. Rögner: Wir Wissenschaftler hatten infolge
des engen Terminplans leider immer nur kurz Gelegenheit,
mit ihr zu sprechen. Wir haben ihr aber die Einladung
des Rektors überbracht, die Ruhr-Uni zu besuchen
und hoffen, dass sie das realisiert. In der Delegation,
zu der auch der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft
(DFG) und die Spitzen weiterer Forschungseinrichtungen
wie Humboldtstiftung, Fraunhofer-Gesellschaft, Leibniz-
sowie Helmholtzgemeinschaft gehörten, wurde natürlich
wahrgenommen, wie präsent die Ruhr-Uni auf dieser
Reise war.
RUBENS: Können Sie kurz den Hintergrund der Reise
erläutern?
Prof. Rögner: Für Japan gab es drei Gründe.
Zum einen ging dort das Deutschland-Jahr zu Ende und
die Ministerin wollte sich bei den Beteiligten bedanken.
Dann galt es, einen neuen, vom DAAD geförderten
Europa-Studiengang an der Tokyo University zu eröffnen.
Der wichtigste Programmpunkt war aber ein Abkommen mit
der Japan Science und Technology Agency (JST), dem japanischen
Pendant zur DFG. Dank dieses neuen Vertrages ist es
nun endlich auch deutschen Einrichtungen möglich,
binationale Kooperationen mit japanischen Einrichtungen
fördern zu lassen. In Korea fiel der Startschuss
für das Projekt „Deutschland und Korea: Partner
in Forschung und Entwicklung“. Außerdem
gab es die feierliche Eröffnung eines internationalen
DFG-Graduiertenkollegs zwischen der Uni Mainz und der
Seoul National University.
Blick nach Nagoya
RUBENS: Insbesondere vom Abkommen mit der JST könnte
auch die Ruhr-Uni profitieren?
Prof. Rögner: Das ist richtig. Mit der Tokyo University
hat die Ruhr-Uni zwar ein Partnerschaftsabkommen, aber
das ruht momentan mehr oder weniger. Für viel sinnvoller
halte ich ohnehin fachbezogene Partnerschaften. Eine
solche kann ich mir sehr gut mit meinen japanischen
Kollegen an der Nagoya University vorstellen. Wir haben
sehr ähnliche Forschungsansätze im Bereich
Bio-Energie. Hier könnte es auch Verbundprojekte
mit Ingenieuren und Physikern geben. Prof. Czarnetzki
arbeitet in der Plasmaforschung bereits intensiv mit
Nagoya zusammen.
Man muss sich allerdings sehr um japanische Kooperationspartner
bemühen. Von dort geht der Blick normalerweise
zunächst in die USA und nicht nach Deutschland.
Gleichwohl werden gerade in Bochum viele Weichen in
die richtige Richtung gestellt. Ich denke da an die
Research School, an das geplante Welcome Center oder
an das Bemühen des Rektorats, die Stadt Bochum
dazu zu bewegen, auf dem Campus eine Außenstelle
der Ausländerbehörde einzurichten. Gerade
für Japaner ist es sehr befremdlich, in die Mühlen
der deutschen Bürokratie und an manchmal wenig
hilfreiche und freundliche Beamte zu geraten.
Natürlich sollten sich auch Bochumer Studierende
und Wissenschaftler um Aufenthalte in Japan bemühen.
Die Voraussetzungen sind gut, es gibt genügend
Stipendien. Dank der Kooperation des Zentrums für
Fremdsprachenausbildung mit dem Landesspracheninstitut
wird man an der Ruhr-Uni in Kursen sprachlich und kulturell
bestens für einen Japanaufenthalt präpariert.
RUBENS: Und wie sieht es mit koreanischen Kooperationen
aus?
Prof. Rögner: Es zählt zu den gefühlten
Ergebnissen dieser Asienreise, dass die Zusammenarbeit
mit Korea insgesamt unkomplizierter erscheint. Korea
bewegt sich zurzeit wohl eher in Richtung Deutschland,
als es Japan tut. Mit Korea existiert ein langjähriger
reger Austausch von Studierenden und Wissenschaftlern
mit sehr konstanten Zahlen. Und natürlich sind
Kooperationen im Bereich Energie und speziell in meinen
Feldern Bioenergetik und Biotechnologie auch mit koreanischen
Forschungsinstitutionen denkbar. Das gilt sicher ebenso
für viele weitere Gebiete.
ad
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