Mehr Arbeit
für alle
Lehrerausbildung: Bewährt sich der Master of Education
Als eine der ersten Unis in Deutschland hat
die RUB im Wintersemester 2002/03 in einem Modellversuch
die Lehrerausbildung auf das Bachelor/Master-Modell
umgestellt – mit dem Abschluss Master of Education
(M.Ed.). Aktuell sind ca. 200 Studierende eingeschrieben.
2007 wird über die Einführung eines einheitlichen
Modells für NRW beraten. Zeit für eine Bestandsaufnahme.
Die Umstrukturierung des Lehramts-Studiums beschränkt
sich nicht auf neue Bezeichnungen für Studieninhalte.
Die Auswirkungen sind im Uni-Alltag deutlich zu spüren.
„Das Modell verlangt mehr Arbeit – von Studierenden
und Lehrenden“ sagt Andreas Luh, bis vor kurzem
„Prodekan Lehre“ an der Sportfakultät.
Im neuen Studienmodell erwerben Studierende in jeder
Veranstaltung sog. Credit Points, mit denen u. a. Referate
und die mündliche Mitarbeit bewertet werden. Dadurch
sei die Qualität der Seminare deutlich gestiegen,
betont Luh. Jedoch müssen die Lehrenden die Leistungen
der Studenten öfter bewerten als im alten Lehramtsstudium
und die Veranstaltungen so umgestalten, dass aus ihnen
Lernmodule mit stärkerer Beteiligung der Studierenden
werden.
Die höhere Arbeitsbelastung hat auch zu Problemen
geführt: Für eine intensive Betreuung der
Studierenden ist die Zahl der Lehrenden zu gering. Eine
Zulassungsbeschränkung zwischen Bachelor- und Master-Phase
sieht die Geschäftsführerin des Zentrums für
Lehrerbildung, Dr. Luzia Vorspel, allerdings nicht als
Lösung an. Sie schlägt stattdessen vor: „Wir
sollten den Studentinnen und Studenten wieder etwas
mehr an Eigenverantwortung zugestehen und nicht alles
zu kontrollieren versuchen“.
Entscheidung fällt 2007
Den Studierenden soll der Master of Education-Studiengang
aber nicht nur mehr Leistung abverlangen. Ein Ziel ist
es auch, die Studienzeiten zu verkürzen. Bachelor-
und Masterphase umfassen zusammen zehn Semester, also
ein Semester mehr als das alte Lehramtstudium. Durch
eine stärkere Verschulung soll es für die
Studierenden jetzt aber eher möglich sein, ihr
Studium in der Regelzeit zu absolvieren. Zudem laufen
viele abschlussrelevante Prüfungen Studien begleitend,
die lange Prüfungsphase am Ende des Studiums entfällt.
Ihre Erfahrungen mit der Studienzeitverkürzung
fasst Luzia Vorspel so zusammen: Für viele ermöglicht
das neue Modell tatsächlich ein schnelleres Studium.
Für Studierende jedoch, die neben dem Studium viel
arbeiten müssen und/oder Kinder haben, ist die
Regelstudienzeit kaum einzuhalten. Der hohe Arbeitsaufwand
neben den Veranstaltungen ist für sie nicht immer
zu bewältigen. Hier sollte die Möglichkeit
eines geregelten Teilzeitstudiums geschaffen werden.
Im kommenden Frühjahr berät eine Expertenkommission
über die endgültige Gestalt der neuen Lehrerausbildung
in NRW. Dabei fließen die Erfahrungen der Universitäten,
die den M.Ed.-Studiengang bereits als Reformprojekt
umgesetzt haben, entscheidend mit ein. „Unser
Modell ist auf jeden Fall zu empfehlen“, sagt
Dr. Vorspel, und stellt zwei wesentliche Stärken
des Bochumer Modells heraus: die späte Entscheidung
für den Lehramtsstudiengang und den Bachelor-Abschluss
mit einem gehaltvollen Studium in zwei Fächern.
An der Ruhr-Uni müssen sich die Studierenden erst
nach der Bachelor-Prüfung endgültig für
einen Lehramtsabschluss entscheiden, und vor der Einschreibung
ein Schulpraktikum absolvieren. Wer sich gegen den M.Ed.
entscheidet, kann sich entsprechend seiner Fächer
in einen Master-of-Science bzw. Master-of-Arts-Studiengang
einschreiben. Zum Teil müssen hierfür aber
noch einzelne Teilgebiete nachstudiert werden.
Sollte die Landesregierung 2007 ein Modell beschließen,
das sich von dem der RUB unterscheidet, muss das M.Ed.-Studium
entweder durch Veränderungen angepasst oder völlig
neu konzipiert werden. Die bereits im aktuellen Studiengang
eingeschriebenen Studenten können ihr Studium trotzdem
wie geplant beenden.
Mareike
Begemann
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