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RUBENS 111

1. Dezember 2006

Mehr Arbeit für alle


Lehrerausbildung: Bewährt sich der Master of Education

Als eine der ersten Unis in Deutschland hat die RUB im Wintersemester 2002/03 in einem Modellversuch die Lehrerausbildung auf das Bachelor/Master-Modell umgestellt – mit dem Abschluss Master of Education (M.Ed.). Aktuell sind ca. 200 Studierende eingeschrieben. 2007 wird über die Einführung eines einheitlichen Modells für NRW beraten. Zeit für eine Bestandsaufnahme.

Die Umstrukturierung des Lehramts-Studiums beschränkt sich nicht auf neue Bezeichnungen für Studieninhalte. Die Auswirkungen sind im Uni-Alltag deutlich zu spüren. „Das Modell verlangt mehr Arbeit – von Studierenden und Lehrenden“ sagt Andreas Luh, bis vor kurzem „Prodekan Lehre“ an der Sportfakultät. Im neuen Studienmodell erwerben Studierende in jeder Veranstaltung sog. Credit Points, mit denen u. a. Referate und die mündliche Mitarbeit bewertet werden. Dadurch sei die Qualität der Seminare deutlich gestiegen, betont Luh. Jedoch müssen die Lehrenden die Leistungen der Studenten öfter bewerten als im alten Lehramtsstudium und die Veranstaltungen so umgestalten, dass aus ihnen Lernmodule mit stärkerer Beteiligung der Studierenden werden.
Die höhere Arbeitsbelastung hat auch zu Problemen geführt: Für eine intensive Betreuung der Studierenden ist die Zahl der Lehrenden zu gering. Eine Zulassungsbeschränkung zwischen Bachelor- und Master-Phase sieht die Geschäftsführerin des Zentrums für Lehrerbildung, Dr. Luzia Vorspel, allerdings nicht als Lösung an. Sie schlägt stattdessen vor: „Wir sollten den Studentinnen und Studenten wieder etwas mehr an Eigenverantwortung zugestehen und nicht alles zu kontrollieren versuchen“.

Entscheidung fällt 2007

Den Studierenden soll der Master of Education-Studiengang aber nicht nur mehr Leistung abverlangen. Ein Ziel ist es auch, die Studienzeiten zu verkürzen. Bachelor- und Masterphase umfassen zusammen zehn Semester, also ein Semester mehr als das alte Lehramtstudium. Durch eine stärkere Verschulung soll es für die Studierenden jetzt aber eher möglich sein, ihr Studium in der Regelzeit zu absolvieren. Zudem laufen viele abschlussrelevante Prüfungen Studien begleitend, die lange Prüfungsphase am Ende des Studiums entfällt.
Ihre Erfahrungen mit der Studienzeitverkürzung fasst Luzia Vorspel so zusammen: Für viele ermöglicht das neue Modell tatsächlich ein schnelleres Studium. Für Studierende jedoch, die neben dem Studium viel arbeiten müssen und/oder Kinder haben, ist die Regelstudienzeit kaum einzuhalten. Der hohe Arbeitsaufwand neben den Veranstaltungen ist für sie nicht immer zu bewältigen. Hier sollte die Möglichkeit eines geregelten Teilzeitstudiums geschaffen werden.
Im kommenden Frühjahr berät eine Expertenkommission über die endgültige Gestalt der neuen Lehrerausbildung in NRW. Dabei fließen die Erfahrungen der Universitäten, die den M.Ed.-Studiengang bereits als Reformprojekt umgesetzt haben, entscheidend mit ein. „Unser Modell ist auf jeden Fall zu empfehlen“, sagt Dr. Vorspel, und stellt zwei wesentliche Stärken des Bochumer Modells heraus: die späte Entscheidung für den Lehramtsstudiengang und den Bachelor-Abschluss mit einem gehaltvollen Studium in zwei Fächern. An der Ruhr-Uni müssen sich die Studierenden erst nach der Bachelor-Prüfung endgültig für einen Lehramtsabschluss entscheiden, und vor der Einschreibung ein Schulpraktikum absolvieren. Wer sich gegen den M.Ed. entscheidet, kann sich entsprechend seiner Fächer in einen Master-of-Science bzw. Master-of-Arts-Studiengang einschreiben. Zum Teil müssen hierfür aber noch einzelne Teilgebiete nachstudiert werden.
Sollte die Landesregierung 2007 ein Modell beschließen, das sich von dem der RUB unterscheidet, muss das M.Ed.-Studium entweder durch Veränderungen angepasst oder völlig neu konzipiert werden. Die bereits im aktuellen Studiengang eingeschriebenen Studenten können ihr Studium trotzdem wie geplant beenden.

Mareike Begemann
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Letzte Änderung: 30.11.2006| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik