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RUBENS 111

1. Dezember 2006

Bachelor reicht aus



Aktuelle Studie belegt sinkenden Frauenanteil in der Masterphase


So hatten sich das die Planer der gestuften Studiengänge nicht vorgestellt: Bachelor und Master sollten doch auch die Geschlechtergerechtigkeit erhöhen. Eine vom NRW-Wissenschaftsministerium in Auftrag gegebene Studie liefert jedoch ganz andere Ergebnisse: Frauen beginnen nach Abschluss eines Bachelor-Studiums seltener als ihre männliche Kommilitonen ein Master-Studium.

Bereits 1993 führte die Ruhr-Uni mit dem sog. Magisterreformmodell gestufte Studiengänge ein. Sie gehörte damit zu den absoluten Vorreitern in Deutschland. Erst sechs Jahre später wurde von den europäischen Bildungsministern ein Abkommen zur Harmonisierung des Hochschulwesens unterzeichnet. Die „Bologna-Erklärung“ führte zu einem Reformprozess im deutschen Hochschulsystem. Die Vorteile von gestuften Studiengängen lagen auf der Hand: Flexibilität durch Modularisierung, mehr Wettbewerb und kurze Studienzeiten durch ein zweistufiges Systems von Studienabschlüssen.
Gleich zu Beginn der Reform hat das NRW-Wissenschaftsministerium die Studie „Gender-Aspekte bei der Einführung und Akkreditierung gestufter Studiengänge“ in Auftrag gegeben. Sie sollte die Geschlechtergerechtigkeit bei der Reformumsetzung beleuchten – und zeigt nun ein geschlechterspezifisches Ungleichgewicht. Anstatt Gerechtigkeit zu fördern, scheinen die gestuften Studiengänge genau das Gegenteil herbeizuführen mit dem Ergebnis, dass viele Frauen ihre wissenschaftliche Karriere mit dem Bachelor-Abschluss beenden.

Curricula für 47 Studienfächer

Das Phänomen, dass Frauen in Diplomstudiengängen seltener als Männer den Weg über die Promotion bis hin zur Habilitation bestreiten, ist bekannt. Umso überraschender ist es, dass es auch bei gestuften Studiengängen in Erscheinung tritt. Schließlich versprachen sich die Bildungsminister davon den Abbau sozialer und geschlechterspezifischer Unterschiede. Gerade für Frauen erschien das zweistufige System ideal, sie könnten zwischen BA und MA prima eine Familienphase einlegen und danach an die Uni zurückkehren. Genau das geschieht offenbar nicht. In der Masterphase sind Männer überproportional vertreten. Dieser Trend zeigt sich selbst in Studiengängen, in denen Frauen seit jeher überdurchschnittlich vertreten sind wie in den Sprach- und Kulturwissenschaften. Liegt der Frauenanteil hier in der Bachelorphase noch bei 71,1 Prozent, so sinkt er in der Masterphase auf 64,1 Prozent. Noch ausgeprägter ist die Differenz in den Gesundheitswissenschaften: Gerade einmal 49,5 Prozent der Frauen schließen mit einem Master ab, obwohl 76,4 Prozent bereits einen Bachelor ihn der Tasche haben.
An der Studie maßgeblich beteiligt war Dr. Gudrun Schäfer. Sie war von 1993 bis 1995 Frauenbeauftragte an der Ruhr-Uni und mehrere Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Publizistik beschäftigt. „Man gewinnt den Eindruck, dass Frauen bei der ersten Gelegenheit die Hochschule verlassen und sich mit einer niedrigeren Qualifikation zufrieden geben“, erläutert sie.
Aber die Studie weist nicht nur auf Probleme hin, sondern zeigt konkrete Strategien zu ihrer Behebung auf. So haben die Verfasserinnen Empfehlungen entwickelt, wie in gestuften Studiengängen in Zukunft geschlechtsspezifische Ungleichheiten abgebaut werden und damit mehr Frauen die Karriereleiter erklimmen können. Außerdem wurden für 47 Studienfächer Curricula zur Genderforschung entwickelt, darunter befinden sich auch die Ingenieurwissenschaften.

Info: R. Becker, B. Jansen-Schulz, B. Kortendiek, G. Schäfer: Gender-Aspekte bei der Einführung und Akkreditierung gestufter Studiengänge – eine Handreichung. Studien Netzwerk Frauenforschung NRW Nr. 7. Weitere Infos: Gudrun Schäfer, Transresearch, Tel. 0234-7090744, www.transresearch.de.

Tina Käpernick
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Letzte Änderung: 30.11.2006| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik