Bachelor reicht
aus
Aktuelle Studie belegt sinkenden Frauenanteil in der
Masterphase
So hatten sich das die Planer der gestuften
Studiengänge nicht vorgestellt: Bachelor und Master
sollten doch auch die Geschlechtergerechtigkeit erhöhen.
Eine vom NRW-Wissenschaftsministerium in Auftrag gegebene
Studie liefert jedoch ganz andere Ergebnisse: Frauen
beginnen nach Abschluss eines Bachelor-Studiums seltener
als ihre männliche Kommilitonen ein Master-Studium.
Bereits 1993 führte die Ruhr-Uni mit dem sog. Magisterreformmodell
gestufte Studiengänge ein. Sie gehörte damit
zu den absoluten Vorreitern in Deutschland. Erst sechs
Jahre später wurde von den europäischen Bildungsministern
ein Abkommen zur Harmonisierung des Hochschulwesens
unterzeichnet. Die „Bologna-Erklärung“
führte zu einem Reformprozess im deutschen Hochschulsystem.
Die Vorteile von gestuften Studiengängen lagen
auf der Hand: Flexibilität durch Modularisierung,
mehr Wettbewerb und kurze Studienzeiten durch ein zweistufiges
Systems von Studienabschlüssen.
Gleich zu Beginn der Reform hat das NRW-Wissenschaftsministerium
die Studie „Gender-Aspekte bei der Einführung
und Akkreditierung gestufter Studiengänge“
in Auftrag gegeben. Sie sollte die Geschlechtergerechtigkeit
bei der Reformumsetzung beleuchten – und zeigt
nun ein geschlechterspezifisches Ungleichgewicht. Anstatt
Gerechtigkeit zu fördern, scheinen die gestuften
Studiengänge genau das Gegenteil herbeizuführen
mit dem Ergebnis, dass viele Frauen ihre wissenschaftliche
Karriere mit dem Bachelor-Abschluss beenden.
Curricula für 47 Studienfächer
Das Phänomen, dass Frauen in Diplomstudiengängen
seltener als Männer den Weg über die Promotion
bis hin zur Habilitation bestreiten, ist bekannt. Umso
überraschender ist es, dass es auch bei gestuften
Studiengängen in Erscheinung tritt. Schließlich
versprachen sich die Bildungsminister davon den Abbau
sozialer und geschlechterspezifischer Unterschiede.
Gerade für Frauen erschien das zweistufige System
ideal, sie könnten zwischen BA und MA prima eine
Familienphase einlegen und danach an die Uni zurückkehren.
Genau das geschieht offenbar nicht. In der Masterphase
sind Männer überproportional vertreten. Dieser
Trend zeigt sich selbst in Studiengängen, in denen
Frauen seit jeher überdurchschnittlich vertreten
sind wie in den Sprach- und Kulturwissenschaften. Liegt
der Frauenanteil hier in der Bachelorphase noch bei
71,1 Prozent, so sinkt er in der Masterphase auf 64,1
Prozent. Noch ausgeprägter ist die Differenz in
den Gesundheitswissenschaften: Gerade einmal 49,5 Prozent
der Frauen schließen mit einem Master ab, obwohl
76,4 Prozent bereits einen Bachelor ihn der Tasche haben.
An der Studie maßgeblich beteiligt war Dr. Gudrun
Schäfer. Sie war von 1993 bis 1995 Frauenbeauftragte
an der Ruhr-Uni und mehrere Jahre als wissenschaftliche
Mitarbeiterin in der Publizistik beschäftigt. „Man
gewinnt den Eindruck, dass Frauen bei der ersten Gelegenheit
die Hochschule verlassen und sich mit einer niedrigeren
Qualifikation zufrieden geben“, erläutert
sie.
Aber die Studie weist nicht nur auf Probleme hin, sondern
zeigt konkrete Strategien zu ihrer Behebung auf. So
haben die Verfasserinnen Empfehlungen entwickelt, wie
in gestuften Studiengängen in Zukunft geschlechtsspezifische
Ungleichheiten abgebaut werden und damit mehr Frauen
die Karriereleiter erklimmen können. Außerdem
wurden für 47 Studienfächer Curricula zur
Genderforschung entwickelt, darunter befinden sich auch
die Ingenieurwissenschaften.
Info: R. Becker, B. Jansen-Schulz,
B. Kortendiek, G. Schäfer: Gender-Aspekte bei der
Einführung und Akkreditierung gestufter Studiengänge
– eine Handreichung. Studien Netzwerk Frauenforschung
NRW Nr. 7. Weitere Infos: Gudrun Schäfer, Transresearch,
Tel. 0234-7090744, www.transresearch.de.
Tina
Käpernick
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