Schöne
Bescherung
24 Mio. Euro für ein neues Materialforschungszentrum
Der Jubel über den Erfolg in der Exzellenzinitiative
war noch nicht verklungen, da gab es schon den nächsten
Grund zu großer Freude: Mit 24,2 Mio. Euro fördert
ein Industriekonsortium unter Federführung von
ThyssenKrupp gemeinsam mit dem Land NRW die Einrichtung
eines Zentrums für Werkstoffsimulation an der Ruhr-Uni.
Die Entscheidung wurde am 10. November in Düsseldorf
verkündet, gemeinsam von NRW-Forschungsminister
Prof. Andreas Pinkwart, Dr. Karl-Ulrich Köhler,
Vorstand der ThyssenKrupp Steel AG, und Rektor Prof.
Gerhard Wagner.
Das neue Zentrum umfasst drei Stiftungsprofessuren,
die im Interdisciplinary Centre of Advanced Materials
Simulations organisiert sind. Das auf fünf Jahre
angelegte Anschubprogramm wird nach Ablauf der Gründungsphase
von der Ruhr-Uni weitergeführt. Mit dem Zentrum
erfährt die seit Jahren erfolgreiche Materialforschung
an der RUB eine weitere Stärkung. Seine Einrichtung
unterstützt auch die Bewerbung um je einen Exzellenzcluster
in Materialwissenschaft und Systemchemie in der Exzellenzinitiative
des Bundes und der Länder. „Die Erfolgstory
könnte jetzt weitergehen, denn das neue Institut
verbessert die Chancen der Ruhr-Uni erheblich, in der
zweiten Runde des Exzellenzwettbewerbs auch für
ein Forschungscluster den Zuschlag zu erhalten“,
sagte Minister Pinkwart.
Maßgeschneiderte Eigenschaften
Ziel des Instituts, in dem Natur- und Ingenieurwissenschaftler
eng zusammen arbeiten werden, ist die Entwicklung neuartiger
Verfahren für die Computersimulation moderner Werkstoffe
und ihr Transfer in die industrielle Forschung. Bei
der Entwicklung neuer Produkte werden Materialien und
Werkstoffe mit spezifischen, maßgeschneiderten
Eigenschaften immer wichtiger. Die Autoindustrie etwa
braucht zur Reduktion des Treibstoffverbrauchs und zur
Erhöhung der Sicherheitsstandards hochfeste Stähle
für leichtere Bauweisen. Ein Problem bei der Beschreibung
von realen Werkstoffen ist die hohe räumliche und
chemische Komplexität dieser Strukturen auf verschiedensten
Längen-, Zeit- und Energieskalen. Simulationen
ermöglichen es, neue Werkstoffe zu entwickeln und
die Eigenschaften neuer metallischer Legierungen, Keramiken,
Gläser oder Kunststoffe realistisch vorherzusagen
und besser zu verstehen.
Hinter dem Zentrum steht die Idee, dass Fortschritt
in der Werkstoffmodellierung heute nur durch skalenübergreifende
Arbeit möglich ist: Früher waren atomistische
Überlegungen (0,1 bis 10 Nanometer) eher in den
Naturwissenschaften angesiedelt, während Ingenieure
mehr an makroskopischen Eigenschaften interessiert waren
(ab 0,1 mm). „Heute ist eine neue Art von interdisziplinärer
Forschung notwendig“, erklärt Prof. Gunther
Eggeler (Institut für Werkstoffe), Mitinitiator
des Projekts. Die soll das neue Zentrum unterstützen.
So sind z.B. experimentelle Bereiche eingebunden, die
die notwendigen Daten für die Modellierung liefern
und zwingend erforderliche Validierungsexperimente bereitstellen.
Das internationale Zentrum wird an der RUB von den Fakultäten
für Chemie, Mathematik, Maschinenbau und Physik
gemeinsam getragen.
International sichtbares Zeichen
Der Vorstand von ThyssenKrupp hat das Institut als
international sichtbares und wettbewerbsfähiges
Forschungszentrum für Werkstoffmodellierung konzipiert.
Es wird es in einem neuen Gebäude (ID) untergebracht,
das 2007 in Bau gehen soll. Rektor Gerhard Wagner, der
damit zum Ende seiner Amtszeit (November 2006) einen
weiteren großen Erfolg verzeichnet, hat eine Arbeitsgruppe
eingesetzt, die einen Gründungsdirektor berufen
wird. Neben den drei neu zu gründenden Einheiten
soll das Zentrum weitere Forscher der RUB sowie der
Nachbarunis und umliegenden Institute integrieren. „Damit
wollen wir künftig auf der Master- und auf der
Promotionsebene einen neuen Typ von Werkstoffwissenschaftler
bzw. Werkstoffingenieur mit breiter interdisziplinärer
Kompetenz ausbilden, für den in der Industrie in
den kommenden Jahren größter Bedarf besteht“,
sagte Wagner.
md
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