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RUBENS 111

1. Dezember 2006

Schöne Bescherung


24 Mio. Euro für ein neues Materialforschungszentrum


Der Jubel über den Erfolg in der Exzellenzinitiative war noch nicht verklungen, da gab es schon den nächsten Grund zu großer Freude: Mit 24,2 Mio. Euro fördert ein Industriekonsortium unter Federführung von ThyssenKrupp gemeinsam mit dem Land NRW die Einrichtung eines Zentrums für Werkstoffsimulation an der Ruhr-Uni. Die Entscheidung wurde am 10. November in Düsseldorf verkündet, gemeinsam von NRW-Forschungsminister Prof. Andreas Pinkwart, Dr. Karl-Ulrich Köhler, Vorstand der ThyssenKrupp Steel AG, und Rektor Prof. Gerhard Wagner.

Das neue Zentrum umfasst drei Stiftungsprofessuren, die im Interdisciplinary Centre of Advanced Materials Simulations organisiert sind. Das auf fünf Jahre angelegte Anschubprogramm wird nach Ablauf der Gründungsphase von der Ruhr-Uni weitergeführt. Mit dem Zentrum erfährt die seit Jahren erfolgreiche Materialforschung an der RUB eine weitere Stärkung. Seine Einrichtung unterstützt auch die Bewerbung um je einen Exzellenzcluster in Materialwissenschaft und Systemchemie in der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder. „Die Erfolgstory könnte jetzt weitergehen, denn das neue Institut verbessert die Chancen der Ruhr-Uni erheblich, in der zweiten Runde des Exzellenzwettbewerbs auch für ein Forschungscluster den Zuschlag zu erhalten“, sagte Minister Pinkwart.

Maßgeschneiderte Eigenschaften

Ziel des Instituts, in dem Natur- und Ingenieurwissenschaftler eng zusammen arbeiten werden, ist die Entwicklung neuartiger Verfahren für die Computersimulation moderner Werkstoffe und ihr Transfer in die industrielle Forschung. Bei der Entwicklung neuer Produkte werden Materialien und Werkstoffe mit spezifischen, maßgeschneiderten Eigenschaften immer wichtiger. Die Autoindustrie etwa braucht zur Reduktion des Treibstoffverbrauchs und zur Erhöhung der Sicherheitsstandards hochfeste Stähle für leichtere Bauweisen. Ein Problem bei der Beschreibung von realen Werkstoffen ist die hohe räumliche und chemische Komplexität dieser Strukturen auf verschiedensten Längen-, Zeit- und Energieskalen. Simulationen ermöglichen es, neue Werkstoffe zu entwickeln und die Eigenschaften neuer metallischer Legierungen, Keramiken, Gläser oder Kunststoffe realistisch vorherzusagen und besser zu verstehen.
Hinter dem Zentrum steht die Idee, dass Fortschritt in der Werkstoffmodellierung heute nur durch skalenübergreifende Arbeit möglich ist: Früher waren atomistische Überlegungen (0,1 bis 10 Nanometer) eher in den Naturwissenschaften angesiedelt, während Ingenieure mehr an makroskopischen Eigenschaften interessiert waren (ab 0,1 mm). „Heute ist eine neue Art von interdisziplinärer Forschung notwendig“, erklärt Prof. Gunther Eggeler (Institut für Werkstoffe), Mitinitiator des Projekts. Die soll das neue Zentrum unterstützen. So sind z.B. experimentelle Bereiche eingebunden, die die notwendigen Daten für die Modellierung liefern und zwingend erforderliche Validierungsexperimente bereitstellen. Das internationale Zentrum wird an der RUB von den Fakultäten für Chemie, Mathematik, Maschinenbau und Physik gemeinsam getragen.

International sichtbares Zeichen

Der Vorstand von ThyssenKrupp hat das Institut als international sichtbares und wettbewerbsfähiges Forschungszentrum für Werkstoffmodellierung konzipiert. Es wird es in einem neuen Gebäude (ID) untergebracht, das 2007 in Bau gehen soll. Rektor Gerhard Wagner, der damit zum Ende seiner Amtszeit (November 2006) einen weiteren großen Erfolg verzeichnet, hat eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die einen Gründungsdirektor berufen wird. Neben den drei neu zu gründenden Einheiten soll das Zentrum weitere Forscher der RUB sowie der Nachbarunis und umliegenden Institute integrieren. „Damit wollen wir künftig auf der Master- und auf der Promotionsebene einen neuen Typ von Werkstoffwissenschaftler bzw. Werkstoffingenieur mit breiter interdisziplinärer Kompetenz ausbilden, für den in der Industrie in den kommenden Jahren größter Bedarf besteht“, sagte Wagner.

 


md
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Letzte Änderung: 30.11.2006| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik