Hartmuts Rückkehr
Neues aus
Bochums bekannter WG
Sie sind einfach zu gut: Hartmut hat den Grund für
die Arbeitslosigkeit unter hoch qualifizierten Geisteswissenschaftlern
haarscharf erkannt, und Hartmut wäre nicht Hartmut,
wenn er nicht auf der Stelle aktiv würde und ein
Institut für die Dequalifizierung von Akademikern
gründete. Aus Byzantinisten werden Paketsortierer
und aus Ingenieuren Mofaschrauber. 3Sat wird verboten
und durch Computerspiele ersetzt und ein Bierchen am
Morgen ist Ehrensache – Hartmut macht keine halben
Sachen.
Der Nachfolger des ersten „Hartmut und ich“-Romans
von Oliver Uschmann „Voll beschäftigt“
liest sich wie ein Wiedersehen mit alten Bekannten.
Der Erzähler und Hartmut wohnen immer noch in ihrer
baufälligen Wiemelhauser WG, in der ungezählte
Freunde und Kunden ein- und ausgehen, und um die sich
skurrile Geschichten ranken. Wer sich in Bochum auskennt,
wird allerhand wieder erkennen, inklusive der Ruhr-Uni,
der Schmiede jener überqualifizierten Geistes-
und anderer -wissenschaftler, die Hartmuts Institut
bevölkern.
Auch abseits ihres bald florierenden Dequalifzierungsgeschäfts
durchleben Hartmut & Co. haarsträubende Abenteuer,
schlagen sich mit Leichen in Kofferräumen oder
hauptamtlichen Schlafwagenbewohnern herum. Lauter schräge,
manchmal allzu schräge Ideen und Figuren und eine
knapp am Kitsch vorbeischrammende, herzerwärmende
Liebesgeschichte hat der Roman zu bieten: Leichte Kost
im besten Sinne und in mancher Hinsicht durchaus hellsichtig.
Info: Oliver Uschmann: „Voll
beschäftigt“. Fischer Taschenbuch Verlag
Frankfurt 2006, 320 S. 8,95 Euro.
md
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