Förster
auf der Schulbank
Projektgruppe
„Industriewald“ der Ruhr-Uni erweitert ihr
Angebot
Nur wer ganz genau hinsah, entdeckte die in der Klasse
versprengten größeren Köpfe: 35 Förster
aus ganz NRW waren auf Einladung der Projektgruppe „Industriewald“
der Ruhr-Uni (Leiter: Prof. Dr. Karl-Heinz Otto, Geographisches
Institut) im Herbst an die Grundschule Deininghausen
in Castrop-Rauxel gekommen und hatten sich zunächst
einmal unter die Schüler gemischt. Als Teilnehmer
einer ganz normalen Schulstunde schauten sie sich an,
was Grundschulunterricht heute heißt.
„Da waren einige schon überrascht zu sehen,
wie frei sich die Schüler im Unterricht bewegen,
dass sie sich ihre Materialen zum Beispiel selbst holen“,
erzählt Kornelia Kors vom Projektteam. Sie freute
sich über die rege Teilnahme der Förster am
Projekt. Diese haben beim Industriewaldprojekt, das
vom Umweltministerium NRW (MUNLV) finanziert wird, große
Bedeutung, sind jedoch zu nichts verpflichtet.
Das Konzept des Projekts (RUBENS
94) sieht vor, Schulklassen im Rahmen der Offenen
Ganztagsgrundschule regelmäßig „Raus
ins Vergnügen“ zu schicken, so das Motto.
Im Wald sollen sie sich in der Natur erfahren, sich
austoben, aber auch etwas lernen. Das Projektteam hat
Spielanleitungen und -materialien entwickelt und gibt
Lehrern und Betreuern in einer Broschüre Tipps,
wie sich ein Tag im Wald gestalten lässt.
Lehrer, Förster, Kinder
Vom Bau eines Waldsofas aus Ästen und Zweigen über
die Modellierung von Baumgesichtern mit Ton bis hin
zur Insektenbeobachtung und zum Waldquiz ist alles erlaubt,
was Spaß macht. Die Förster sind eingeladen,
als Fachkundige Kindern und Betreuern in ihrem Arbeitsgebiet
Wald mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. „Vielen
Förstern liegt das sehr am Herzen, sie begreifen
die Arbeit mit den Kindern als Bestandteil ihrer Öffentlichkeitsarbeit“,
so Kornelia Kors. „Deswegen war es uns wichtig,
nach den Lehrern auch die Förster über das
Projekt zu informieren.“ Gerade Försterinnen
und Förster, die sich bereits im Grundschulbereich
engagieren oder Interesse haben, mit einer Grundschule
eine kontinuierliche Zusammenarbeit aufzubauen, waren
eingeladen, an der Entwicklung und Erprobung eines praxisorientierten
Fortbildungsbausteins mitzuwirken.
Bei der Tagung in der Deininghausener Grundschule lernten
die Förster zum Beispiel, wie Kinder ihre Umwelt
wahrnehmen, wie die Wege des Lernens verlaufen, wie
man Kinder dazu anleitet, selbständig auf Entdeckungsreise
zu gehen und dabei spielerisch Wissen zu erwerben. „Sie
sollten bei uns das didaktisch-methodische Rüstzeug
bekommen, das ihnen im Wald mit den Kindern helfen kann“,
erklärt Prof. Otto.
Der Leitsatz, den das Projektteam den Teilnehmern an
die Hand gegeben hat, lautet: „Forschen lassen
statt führen“. „Ein Grundsatz, der
vielen bereits am Herzen liegt, aber zurzeit noch nicht
umfassend genug realisiert wird“, fasst Otto zusammen.
Das Projektteam hofft, mit der Tagung den Grundstein
gelegt zu haben für eine dauerhaft gute Zusammenarbeit
zwischen Förstern und Grundschulen in NRW, damit
der Wald als Lern- und Erlebnisraum für Kinder
zunehmend in der Offenen Ganztagsgrundschule verankert
wird.
md
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