Präzise
Landwirte
BMBF-Projekt:
Precision Farming in Deutschland
Über 6.300 Interviews hat die Bochumer
Diplomgeografin Maike Reichardt durchgeführt, um
herauszufinden, ob und wie deutsche Landwirte das rechnergestütze
„Precision Farming“ nutzen. Die wichtigsten
Ergebnisse stellt sie im folgenden Beitrag dar.
Unter „Precision Farming“ werden neue Produktions-
und Managementtechniken in der Landwirtschaft zusammengefasst.
Mit Hilfe eines GPS-Systems bestimmt der Landwirt seine
Position auf dem Feld und steuert seine Landmaschine
mit einem Bordcomputer. Das System erfasst Standortunterschiede
in einem Feld und wertet die Daten unter Berücksichtigung
der Lagekoordinaten aus, um mit Hilfe von sog. Applikationskarten
die Bodenbearbeitung an die Standortunterschiede anzupassen.
Neben dem effizienten Einsatz der Ressourcen und verbesserten
Betriebsergebnissen wird auch die Umwelt geschont.
Inwieweit diese Technik in der Praxis eingesetzt wird
und welche Perspektiven sie hat, sollte beim BMBF-Verbundprojekt
„preagro II“ per Langzeitstudie untersucht
werden. Dabei wurden mit Hilfe eines digitalen, standardisierten
Fragebogens und mit studentischer Unterstützung
dreimal Besucher der Agrartechnikfachmesse Agritechnica
befragt: 2001 (1.693 auswertbare Interviews), 2003 (2.596)
und 2005 (2.094).
Besonders beliebt im Osten
Vorab lässt sich sagen: Precision Farming hat
sich in Deutschland zwar langsam verbreitet, der Einsatz
nimmt aber stetig zu. Der Anteil der Nutzer und der
beginnenden Nutzer (die bisher erst eine Methode anwenden)
ist zwischen 2001 und 2005 auf 12,5 % gewachsen (2001
waren es 10 %). Der Anteil der potentiellen Nutzer liegt
2005 bei 8,7 %. Diese Landwirte geben an, Precision
Farming demnächst einzusetzen.
Ein weiteres spannendes Ergebnis zeigt, dass Precision
Farming in Ostdeutschland wesentlich häufiger genutzt
wird als im Westen. Die Ost-Betriebe sind meist aus
LPG-Flächen (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften)
hervorgegangen und weisen größere Betriebsflächen
(durchschnittlich 188,4 Hektar) auf als im Westen (43,1
Hektar). Zum Vergleich: Die durchschnittliche Betriebsgröße
von Precision Farming-Nutzern beträgt momentan
345 Hektar.
Andererseits steigt die Zahl der westdeutschen Landwirte
unter den Nutzern zwischen 2001 und 2005. Zeitgleich
ist der Anteil von Nutzern mit Betrieben unter 300 Hektar
angestiegen. Hier liegt zugleich das größte
Potential, denn die meisten der potentiellen Nutzer
bewirtschaften „kleinere“ Betriebe.
Einstiegsschwierigkeiten
Am weitesten verbreitet sind Precision Farming-Methoden,
die der Datenerfassung dienen: GPS-Flächenvermessung,
GPS-Bodenbeprobung und GPS-Ertragkartierung. Erst wenige
Landwirte setzen die gewonnenen Daten und Erkenntnisse
um, z.B. durch differenzierte/n Aussaat, Stickstoff-Düngung
oder Pflanzenschutz.
Viele potentielle Nutzer zögern mit dem Einstieg
in Precision Farming. Hauptgründe sind die hohen
Investitionskosten sowie die geringe Rentabilität
bei kleinen Flächen. Zudem möchten viele abwarten,
bis sich die neue Technik bewährt hat. Daher war
in allen drei Umfragen eine Hauptvoraussetzung für
einen Einstieg die Senkung der Anschaffungskosten und
eine allgemeine Aussage zur Rentabilität von Precision
Farming. Zusätzlich hoffen einige Landwirte auf
eine finanzielle Förderung durch den Staat und
eine bessere Beratung insbesondere während der
Einstiegsphase.
Erste Ergebnisse der Studie wurden, dank eines Reisekostenzuschusses
der Rheinisch-Westfälischen Gesellschaft für
Landeskunde und Regionalforschung sowie der Gesellschaft
der Freunde der RUB, im Sommer auf dem 4th World Congress
on Computers in Agriculture (Orlando) sowie der 8th
International Conference on Precision Agriculture (Minneapolis)
vorgestellt. Die positive Resonanz verdeutlicht die
Bedeutung der Studie. In puncto Stichproben-Größe
und Tiefe der Befragung unterscheidet sie sich deutlich
von anderen internationalen Studien zum Thema.
Maike
Reichardt (Lehrstuhl Geographie)
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