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RUBENS 110

1. November 2006

Präzise Landwirte

BMBF-Projekt: Precision Farming in Deutschland



Über 6.300 Interviews hat die Bochumer Diplomgeografin Maike Reichardt durchgeführt, um herauszufinden, ob und wie deutsche Landwirte das rechnergestütze „Precision Farming“ nutzen. Die wichtigsten Ergebnisse stellt sie im folgenden Beitrag dar.

Unter „Precision Farming“ werden neue Produktions- und Managementtechniken in der Landwirtschaft zusammengefasst. Mit Hilfe eines GPS-Systems bestimmt der Landwirt seine Position auf dem Feld und steuert seine Landmaschine mit einem Bordcomputer. Das System erfasst Standortunterschiede in einem Feld und wertet die Daten unter Berücksichtigung der Lagekoordinaten aus, um mit Hilfe von sog. Applikationskarten die Bodenbearbeitung an die Standortunterschiede anzupassen. Neben dem effizienten Einsatz der Ressourcen und verbesserten Betriebsergebnissen wird auch die Umwelt geschont.
Inwieweit diese Technik in der Praxis eingesetzt wird und welche Perspektiven sie hat, sollte beim BMBF-Verbundprojekt „preagro II“ per Langzeitstudie untersucht werden. Dabei wurden mit Hilfe eines digitalen, standardisierten Fragebogens und mit studentischer Unterstützung dreimal Besucher der Agrartechnikfachmesse Agritechnica befragt: 2001 (1.693 auswertbare Interviews), 2003 (2.596) und 2005 (2.094).

Besonders beliebt im Osten

Vorab lässt sich sagen: Precision Farming hat sich in Deutschland zwar langsam verbreitet, der Einsatz nimmt aber stetig zu. Der Anteil der Nutzer und der beginnenden Nutzer (die bisher erst eine Methode anwenden) ist zwischen 2001 und 2005 auf 12,5 % gewachsen (2001 waren es 10 %). Der Anteil der potentiellen Nutzer liegt 2005 bei 8,7 %. Diese Landwirte geben an, Precision Farming demnächst einzusetzen.
Ein weiteres spannendes Ergebnis zeigt, dass Precision Farming in Ostdeutschland wesentlich häufiger genutzt wird als im Westen. Die Ost-Betriebe sind meist aus LPG-Flächen (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften) hervorgegangen und weisen größere Betriebsflächen (durchschnittlich 188,4 Hektar) auf als im Westen (43,1 Hektar). Zum Vergleich: Die durchschnittliche Betriebsgröße von Precision Farming-Nutzern beträgt momentan 345 Hektar.
Andererseits steigt die Zahl der westdeutschen Landwirte unter den Nutzern zwischen 2001 und 2005. Zeitgleich ist der Anteil von Nutzern mit Betrieben unter 300 Hektar angestiegen. Hier liegt zugleich das größte Potential, denn die meisten der potentiellen Nutzer bewirtschaften „kleinere“ Betriebe.

Einstiegsschwierigkeiten

Am weitesten verbreitet sind Precision Farming-Methoden, die der Datenerfassung dienen: GPS-Flächenvermessung, GPS-Bodenbeprobung und GPS-Ertragkartierung. Erst wenige Landwirte setzen die gewonnenen Daten und Erkenntnisse um, z.B. durch differenzierte/n Aussaat, Stickstoff-Düngung oder Pflanzenschutz.
Viele potentielle Nutzer zögern mit dem Einstieg in Precision Farming. Hauptgründe sind die hohen Investitionskosten sowie die geringe Rentabilität bei kleinen Flächen. Zudem möchten viele abwarten, bis sich die neue Technik bewährt hat. Daher war in allen drei Umfragen eine Hauptvoraussetzung für einen Einstieg die Senkung der Anschaffungskosten und eine allgemeine Aussage zur Rentabilität von Precision Farming. Zusätzlich hoffen einige Landwirte auf eine finanzielle Förderung durch den Staat und eine bessere Beratung insbesondere während der Einstiegsphase.
Erste Ergebnisse der Studie wurden, dank eines Reisekostenzuschusses der Rheinisch-Westfälischen Gesellschaft für Landeskunde und Regionalforschung sowie der Gesellschaft der Freunde der RUB, im Sommer auf dem 4th World Congress on Computers in Agriculture (Orlando) sowie der 8th International Conference on Precision Agriculture (Minneapolis) vorgestellt. Die positive Resonanz verdeutlicht die Bedeutung der Studie. In puncto Stichproben-Größe und Tiefe der Befragung unterscheidet sie sich deutlich von anderen internationalen Studien zum Thema.

Maike Reichardt (Lehrstuhl Geographie)
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Letzte Änderung: 31.10.2006| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik