Ruhr-Universität Bochum zur Navigation zum Inhalt Startseite der RUB pix
Startseite UniStartseite
Überblick UniÜberblick
A-Z UniA-Z
Suche UniSuche
Kontakt UniKontakt

pix
 
Das Siegel
Naturwissenschaften Ingenieurwissenschaften Geisteswissenschaften Medizinische Einrichtungen Zentrale Einrichtungen
pix
RUBENS - Zeitschrift der RUB
RUBENS- Startseite

Lesen
Aktuelle Ausgabe
Archiv
¤Ausgabe Nr. 110
  ¤Artikel
pdf-Dateien

Service & Kontakt
Mediadaten
Redaktion
E-Mail Service
Kontakt

Volltextsuche
pix RUBENS - Zeitschrift der Ruhr-Universität
Nachrichten, Berichte und Meinungen
 
 
 
    
pix
Artikel » Ausgabe 110 »Archiv » RUBENS » Pressestelle » Ruhr-Universität
pix pix
RUBENS 110

1. November 2006

Nach dem Tsunami


Bochumer Geografen bilden Lehrer in Sri Lanka weiter



Von Bochum nach Sri Lanka – diesen ungewöhnlichen Weg gingen zwei Absolvent/innen der Ruhr-Uni. Aufgerüttelt durch die schockierenden Bilder der Tsunami-Katastrophe 2004 schloss sich im Juli 2005 der Geograf Thorsten Klose einem Hilfsprojekt in Sri Lanka an. Dort konzipierte er gemeinsam mit seiner Kollegin Sandra Laskowski eine eigene Lehrer-Fortbildung. Gerade wurde das Hilfsprojekt um ein halbes Jahr bis April 2007 verlängert. Michael Braun sprach mit den beiden über ihre Motivation und ihre Eindrücke.

RUBENS: Sie haben nach Ihrem Studium die heile Welt in Bochum gegen das vom Tsunami zerstörte Sri Lanka eingetauscht. Wie kam es dazu?
Thorsten Klose: Als Folge des Tsunami hatte die Organisation Inwent (Internationale Weiterbildung und Entwicklung) im Januar 2005 das Projekt „Tsunami Relief – Support & Report“ ausgeschrieben. Ich nahm daran teil und wollte anschließend unbedingt mit der Arbeit fortfahren. Also haben wir unser Tsunami Education Project (TEP) entworfen.
Sandra Laskowski: Ich bekam im November 2005 einen Anruf von Thorsten. Er fragte mich, ob ich als zweite Diplom-Geografin dabei sein möchte. Natürlich sagte ich „ja“. Viele Menschen dort wissen immer noch nicht, warum ihr Land von einem Tsunami getroffen wurde. Auch Lehrern fehlt dieses Wissen. Viele haben noch immer Angst, in ihre Umgebung zurück zu kehren, weil sie denken, dass ein neuer Tsunami kommen wird.
Thorsten Klose: Nach einem Workshop mit Betroffenen kann man spüren, wie wichtig Bildungsarbeit ist. Man kann einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass diese Menschen ein Leben nach dem Tsunami beginnen können. Aufgrund der Vollfinanzierung des Projektes auf Basis deutscher Spendeng
elder fühlte ich eine besondere Verantwortung und einen Erfolgsdruck, was aber auch motiviert.

Geografie-Set für die Lehrer

RUBENS: Was genau verbirgt sich hinter dem Tsunami Education Project?
Sandra Laskowski: Wir klären Lehrer über die Entstehung von Erdbeben und Tsunamis auf. Nach den Workshops werden die Lehrer mit einem Geografie-Set, bestehend aus Karten über Erdaufbau, Plattentektonik und Tsunamis, Globus, 3D-Karte zur Plattentektonik und einem Unterrichtsleitfaden, ausgestattet, so dass sie die Materialien für ihren Unterricht nutzen können.
Thorsten Klose: Außerdem bilden wir lokale Experten aus, die nach Abschluss des Projektes diese Art von Bildungsarbeit in Sri Lanka fortführen sollen. Somit liegt die Verantwortung nachhaltig in den Händen der Menschen vor Ort.

RUBENS: Gibt es ausreichend Unterstützung aus Deutschland?
Sandra Laskowski: Finanziell werden wir von der Bonner Initiative HELP – Hilfe zur Selbsthilfe – und mit lokal gesammelten Spendengeldern der Stadt Bochum unterstützt. Nicht zu unterschätzen ist der moralische Beistand durch Familie, Freunde und Bekannte, durch Emails und Anrufe.

RUBENS: Hat Sie das Studium auf so eine Aufgabe vorbereitet?
Sandra Laskowski: Jein. Ich habe im Hauptstudium ein viermonatiges Praktikum in der Dominikanischen Republik absolviert und dort eigenständig ein Umweltunterrichtsprojekt für Kinder geplant und durchgeführt. Das Studium hat mir eine gute Basis für Projektplanung und Projektmanagement vermittelt. Ich wollte beruflich weiter in der Entwicklungshilfe arbeiten. Wenn man emotional nicht hinter der Arbeit steht und sich nicht auf andere Länder und Kulturen einlässt, nutzt die beste theoretische Basis nichts. Aber die Dozenten haben mich mehr Offenheit und mehr Spaß am Reisen gelehrt!
Thorsten Klose: Ich denke, dass das Studium und die Dozenten eine sehr gute Basis vermitteln und einem eine gute Orientierungshilfe sein können. Vieles liegt an einem selbst. Das Geografie-Studium an der Ruhr-Uni hat es mir ermöglicht, einen Teil meiner Diplomarbeit in Namibia zu schreiben und Erfahrungen zu sammeln, die auch in Sri Lanka nützlich sind. Je praxisorientierter ein Studium ausgerichtet ist, desto mehr nützt es. Das Geografie-Studium war da die richtige Mischung.

Fachwissen absolut notwendig

RUBENS: In welchen Situationen können Sie auf Ihr Fachwissen zurückgreifen?
Thorsten Klose: Unsere Lehrer-Fortbildung könnten wir ohne das Fachwissen nicht durchführen. Es hilft, die politische Situation besser zu verstehen, wenn man sich mit den komplexen Problemen von Entwicklungsländern beschäftigt hat. Und wenn es aufgrund des Monsuns hier eine Woche am Stück regnet, dann denkt man automatisch an die Klimatologie-Vorlesung zurück.
Sandra Laskowski: Wir greifen hier also vor allem auf unser Fachwissen aus dem Grundstudium zurück – hauptsächlich auf Geomorphologiekenntnisse aus dem Bereich der Physischen Geografie. Also ganz klassisch auf die Lehre von der Gestalt und dem Aufbau der Erde.

RUBENS: Was empfehlen Sie Studierenden, die heute Geografie gewählt haben?
Sandra Laskowski: Wenn möglich, sollten sich die Studierenden Kenntnisse in Methoden der Sozialforschung und in der Projektplanung aneignen. Man wird im Berufsleben öfter darüber stolpern, als man denkt. Außerdem ist eine gute Organisation und Planung nie verkehrt. Man muss offen sein für Land und Leute, Dinge hinterfragen und an so vielen Exkursionen wie möglich teilnehmen.
Thorsten Klose: Man darf nicht nur darauf achten, viele Credit-Points in kurzer Zeit zu sammeln und das Studium so schnell wie möglich hinter sich zu bringen. Man sollte über den Tellerrand schauen, praktische Erfahrung sammeln und Englisch lernen. Hilfreich ist es, sich in Fachgebiete zu vertiefen, auch wenn es dafür keine Noten gibt und das Studium so länger dauert. In der Praxis fragt keiner danach, ob man in der Regelstudienzeit abgeschlossen hat.

Mehr fachbezogene Netzwerke

RUBENS: Haben Sie Tipps aus der Praxis an die Hochschule oder an die Lehrenden, in welchen Bereichen Schwerpunkte gesetzt werden sollten?
Sandra Laskowski: Ich finde, dass zu meiner Studienzeit das Angebot sehr breit gefächert war. Ich fände es sehr lobenswert, wenn Dozenten noch mehr Angebote zur Verbindung von Theorie und Praxis anbieten würden.
Thorsten Klose: Die Uni sollte Abgänger noch stärker mit Studierenden zusammen bringen und zum Beispiel gemeinsame Seminare abhalten. Viele Absolventen, die gut untergekommen sind, wären sicherlich dazu bereit. Das Angebot und die Vermittlung von Studien begleitenden Praktika könnte ausgebaut werden. Außerdem sollte die Hochschule beim Aufbau von fachbezogenen Netzwerken unterstützen.

RUBENS: Wie sieht die nächste Zukunft aus? Wie wird das Projekt vorangetrieben?
Thorsten Klose: Vor kurzem kam die Bestätigung von HELP, dass das Tsunami Education Project bis April 2007 verlängert wird. Der Fokus liegt auf der Ausbildung von lokalen Experten, die unsere Arbeit weiterführen sollen, wenn wir endgültig weg sind. Außerdem möchten wir evaluieren, in welcher Weise unsere neuen Lehrmaterialien tatsächlich an den Schulen genutzt werden und ob die Schulen weitere Unterstützung beim Gebrauch dieser Materialien benötigen.

RUBENS: Kann man Sie unterstützen? Wie kann man Ihr Projekt verfolgen?
Sandra Laskowski: Finanziell ist eine Spende an HELP e.V. für das Projekt möglich. Alle Infos kann man unter
www.srilankaproject.com einsehen.



Michael Braun
pfeil  voriger Artikel Themenübersicht nächster Artikel   pfeil
 
 
Zum Seitenanfang  Seitenanfang | Druckfassung dieser Seite
Letzte Änderung: 31.10.2006| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik