Schlüsselsätze
auf Russisch
Großer Erfolg für die Studiobühne beim
Theaterfestival in Minsk
Eine Woche lang war das bunt gemischte Ensemble
der Studiobühne in Weißrussland unterwegs.
Am 5. Oktober gastierte es beim studentischen Theaterfestival
„Theatralny Koufar“ mit dem Stück „Terrorismus“
an der Belorussischen Universität in Minsk. Arne
Dessaul sprach darüber mit der Leiterin der Studiobühne,
Karin Freymeyer.
Rubens: Frau Freymeyer, Sie kommen gerade aus Minsk
zurück. Wie lief es dort?
Karin Freymeyer: Super. Die Belarusen sind gastfreundliche
und herzliche Menschen. Wir haben viele neue gute Freunde
gefunden. Für Kultur gibt man dort enorm viel Geld
aus, als Westeuropäer kann man da nur staunen.
Unsere Aufführung wurde mit viel Enthusiasmus gefeiert.
Zum Abschluss hat uns die Internationale Jury und der
Minsker Rektor Professor Vaslily Strazhev ausgezeichnet
– „for the Taking of Contemporary Issues
with Intelligence and Artistry in the Performance Terrorism”.
Rubens: Herzlichen Glückwunsch dazu! Sie haben
ein russisches Stück in Weißrussland auf
Deutsch gespielt, das klingt ziemlich außergewöhnlich?
Karin Freymeyer: Die Auswahl von „Terrorismus“
der Brüder Presnjakow, die promovierte Philologen
sind und an der Moskauer Uni lehren, hatte einen Grund.
Das Stück ist in Russland sehr populär. In
Minsk hat sich noch keiner an eine Inszenierung gewagt.
Deshalb war man auf unsere Aufführung so gespannt.
Außerdem haben wir uns das russische Original
schicken lassen und haben manche Szenen, zumindest aber
die Schlüsselsätze auf Russisch gespielt.
Wir haben im Ensemble eine gebürtige Russin, die
mit uns die Sätze gepaukt hat. Sie selbst hat in
Russisch gespielt und alle anderen überwiegend
in Deutsch. Wir haben sie nur verstanden, weil wir den
deutschen Text kennen.
Rubens: Wie war es zu der Einladung gekommen?
Karin Freymeyer: Die Studiobühne ist Mitglied der
International University Theatre Association, kurz IUTA.
Ihr Präsident, Prof. Germay aus Lüttich, hat
uns empfohlen. Wir hatten schon für letztes Jahr
eine Einladung. Aus finanziellen Gründen konnten
wir aber erst dieses Jahr dorthin – dank der Unterstützung
der Gesellschaft der Freunde der Ruhr-Uni und des Kanzlers.
Einladungen aus aller Welt
Rubens: Sind weitere Gastspiele geplant?
Karin Freymeyer: Ja, die Einladung für nächstes
Jahr nach Minsk steht schon. Gleichzeitig habe ich aber
noch Einladungen zu anderen Festivals in andere Länder
und Kontinente auf dem Tisch liegen. Es ist eine Frage
der Finanzierung. Ein Universitätstheater muss
Reisekosten immer selbst tragen. Am wahrscheinlichsten
ist im Moment eine Einladung kommendes Jahr mit dem
Stück „Nacht“ nach Krakau. „Nacht“
handelt von dem deutsch-polnischen Verhältnis und
wurde vom polnischen Erfolgsromancier Andrzej Stasiuk
geschrieben. Das Stück haben wir auch in der polnischen
Originalausgabe und wiederum gibt es einen gebürtigen
Polen in unserer Gruppe, der mit uns polnische Sätze
einstudieren wird.
Rubens: Mit „Terrorismus“ und „Nacht“
mussten die beiden letzten Semesterproduktionen, wegen
des großen Zuschauerandrangs, in diesem Wintersemester
wieder ins Programm genommen werden. Besser könnte
es gar nicht laufen, oder?
Karin Freymeyer: Stimmt. Trotzdem ist es immer schade,
wenn Zuschauer nicht reinkommen, weil wir voll sind.
Wir haben letztes Semester bis zu 50 Personen wieder
heimschicken müssen. Deswegen wiederholen wir,
auch wenn es für mich ziemlich viel Aufwand ist.
Die Darstellerinnen und Darsteller freuen sich aber
riesig, noch mal zu spielen.
Rubens: Bleibt überhaupt noch Zeit für eine
neue Semesterproduktion?
Karin Freymeyer: Ja, es muss. Denn ich habe viele neue
Anmeldungen. Eigentlich müsste ich zwei oder drei
Ensembles gründen, aber das schaffe ich zeitlich
nicht. Also werde ich nach den Castings ein neues Ensemble
zusammenstellen und den „Urfaust“ bearbeiten.
ad
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