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RUBENS 110

1. November 2006

Schlüsselsätze auf Russisch


Großer Erfolg für die Studiobühne beim Theaterfestival in Minsk

Eine Woche lang war das bunt gemischte Ensemble der Studiobühne in Weißrussland unterwegs. Am 5. Oktober gastierte es beim studentischen Theaterfestival „Theatralny Koufar“ mit dem Stück „Terrorismus“ an der Belorussischen Universität in Minsk. Arne Dessaul sprach darüber mit der Leiterin der Studiobühne, Karin Freymeyer.

Rubens: Frau Freymeyer, Sie kommen gerade aus Minsk zurück. Wie lief es dort?
Karin Freymeyer: Super. Die Belarusen sind gastfreundliche und herzliche Menschen. Wir haben viele neue gute Freunde gefunden. Für Kultur gibt man dort enorm viel Geld aus, als Westeuropäer kann man da nur staunen. Unsere Aufführung wurde mit viel Enthusiasmus gefeiert. Zum Abschluss hat uns die Internationale Jury und der Minsker Rektor Professor Vaslily Strazhev ausgezeichnet – „for the Taking of Contemporary Issues with Intelligence and Artistry in the Performance Terrorism”.

Rubens: Herzlichen Glückwunsch dazu! Sie haben ein russisches Stück in Weißrussland auf Deutsch gespielt, das klingt ziemlich außergewöhnlich?
Karin Freymeyer: Die Auswahl von „Terrorismus“ der Brüder Presnjakow, die promovierte Philologen sind und an der Moskauer Uni lehren, hatte einen Grund. Das Stück ist in Russland sehr populär. In Minsk hat sich noch keiner an eine Inszenierung gewagt. Deshalb war man auf unsere Aufführung so gespannt. Außerdem haben wir uns das russische Original schicken lassen und haben manche Szenen, zumindest aber die Schlüsselsätze auf Russisch gespielt. Wir haben im Ensemble eine gebürtige Russin, die mit uns die Sätze gepaukt hat. Sie selbst hat in Russisch gespielt und alle anderen überwiegend in Deutsch. Wir haben sie nur verstanden, weil wir den deutschen Text kennen.

Rubens: Wie war es zu der Einladung gekommen?
Karin Freymeyer: Die Studiobühne ist Mitglied der International University Theatre Association, kurz IUTA. Ihr Präsident, Prof. Germay aus Lüttich, hat uns empfohlen. Wir hatten schon für letztes Jahr eine Einladung. Aus finanziellen Gründen konnten wir aber erst dieses Jahr dorthin – dank der Unterstützung der Gesellschaft der Freunde der Ruhr-Uni und des Kanzlers.

Einladungen aus aller Welt

Rubens: Sind weitere Gastspiele geplant?
Karin Freymeyer: Ja, die Einladung für nächstes Jahr nach Minsk steht schon. Gleichzeitig habe ich aber noch Einladungen zu anderen Festivals in andere Länder und Kontinente auf dem Tisch liegen. Es ist eine Frage der Finanzierung. Ein Universitätstheater muss Reisekosten immer selbst tragen. Am wahrscheinlichsten ist im Moment eine Einladung kommendes Jahr mit dem Stück „Nacht“ nach Krakau. „Nacht“ handelt von dem deutsch-polnischen Verhältnis und wurde vom polnischen Erfolgsromancier Andrzej Stasiuk geschrieben. Das Stück haben wir auch in der polnischen Originalausgabe und wiederum gibt es einen gebürtigen Polen in unserer Gruppe, der mit uns polnische Sätze einstudieren wird.

Rubens: Mit „Terrorismus“ und „Nacht“ mussten die beiden letzten Semesterproduktionen, wegen des großen Zuschauerandrangs, in diesem Wintersemester wieder ins Programm genommen werden. Besser könnte es gar nicht laufen, oder?
Karin Freymeyer: Stimmt. Trotzdem ist es immer schade, wenn Zuschauer nicht reinkommen, weil wir voll sind. Wir haben letztes Semester bis zu 50 Personen wieder heimschicken müssen. Deswegen wiederholen wir, auch wenn es für mich ziemlich viel Aufwand ist. Die Darstellerinnen und Darsteller freuen sich aber riesig, noch mal zu spielen.

Rubens: Bleibt überhaupt noch Zeit für eine neue Semesterproduktion?
Karin Freymeyer: Ja, es muss. Denn ich habe viele neue Anmeldungen. Eigentlich müsste ich zwei oder drei Ensembles gründen, aber das schaffe ich zeitlich nicht. Also werde ich nach den Castings ein neues Ensemble zusammenstellen und den „Urfaust“ bearbeiten.




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