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RUBENS 109

1. Oktober 2006

Kulturgaranten


20 Jahre – das Kulturbüro Boskop feiert Geburtstag


Kleingeister und Online-Lexika behaupten zwar, 20 Jahre wären gar kein Jubiläum. Im Kulturbereich allerdings kann man froh sein, wenn man fünf Jahre übersteht – geschweige denn 20, wie das Kulturbüro des Akafö: Boskop.

Kultur steht in dem schlechten Ruf, Unsummen an Geld zu verschlingen. Und wenn die bare Münze gegen etwas kulturell Neues und Unbekanntes steht, hat die Kultur meist schon verloren. Deswegen feiert Boskop sein 20-Jähriges wie ein richtiges Jubiläum. Denn vom ersten Tag an galt die erfolgreiche Devise: „Mit wenig Geld viel erreichen.“
Als Boskop 1986 mit Hilfe eines Modellversuchs von Bund und Ländern geboren wurde, hatte man die Aufgabe und das Bestreben, kulturelle Bedürfnisse der Studierenden zu befriedigen. Man wollte aber nicht nur Künstler an die Uni holen, damit Kultur konsumiert werden konnte. Nein, hier sollte selbst geschaffen werden. Es sollte um studentische Kultur gehen, um Förderung und um Ideen, die den Campus beleben. Diese Nuss war schwer zu knacken.
Aber sie wurde geknackt. Noch heute knackt das Büro, aber viel größere Nüsse. Vorbei sind die Zeiten des handgeklebten Programmheftes, der Kinderkrankheiten bei Konzert- und Theaterveranstaltungen, der ratlosen Gesichter, wenn es an Equipment fehlt. In zwei Jahrzehnten haben sich Qualitäts- und Angebotsroutinen eingespielt, die in Deutschland ihren Vergleich suchen. Regelmäßige Film- und Konzertabende von Studis für Studis, Video- und Theaterfestivals, Literaturwettbewerbe, Campusfeste, Newcomer Festivals usw. und zu guter Letzt Horizonterweiterung durch das Programmangebot in jedem Semester. Es werden Ideen geboren, sie lernen laufen und wenn sie alt genug sind, auch in die weite Welt hinausgelassen. Hennes Bender, die Hottenlotten, Hans-Peter Lenkheit, Christian Hirdes etc. – sie alle waren einst Teil der studentischen Kultur Bochums.

In guten studentischen Händen

Jeder und alles bezeichnet sich heute als kreativ, Reich an Visionen und Innovationen. Auch vor den Unis und der Bildungspolitik machen diese Ansprüche nicht halt. Mit der Studienreform wird versucht, die Einzelkämpfer- und Tunnelblickmentalität aus den Bildungseinrichtungen zu verbannen. Die jungen Leute sollen lernen, auch mal anzuhalten, über den Tellerrand zu schauen und im Team etwas Neues auf die Beine zu stellen. Oft wirken diese Vorsätze zu plakativ, aber in Bochum ist man näher an der Quelle als anderswo. Nirgendwo sonst vereint die studentische Kultur so viele Studierende aus den verschiedensten Fachbereichen. Da rappen Mediziner neben Ingenieuren und tanzen und basteln Natur- mit Geisteswissenschaftlern.
Selbst das Boskop-Büro strotzt vor studentischem Einfluss. Gut ein Drittel der festen Mitarbeiter sind Studierende. Das Büro hat seine Räume im Studierendenwohnheim Sumperkamp und geht nicht in den unendlichen Gängen irgendwelcher Verwaltungsgebäude unter. Es herrscht ein Spannungsfeld von kreativer Planung und Spontaneität. Das Rezept hat sich bewehrt, und wurde ständig mit Leidenschaft verfeinert. Auf dieser Basis wurde 20 Jahre lang studentische Kultur aufgebaut und Selbstvertrauen gesammelt. So stehen die Bosköppe dem rasanten Wandel an den Unis gelassen gegenüber. Egal, was in den nächsten Jahren kommt: Studentische Kultur wird es immer geben.

Infos zu Jubiläums- und sonstigen Veranstaltungen im Wintersemester unter www.akafoe.de/kultur


Janin Dworak
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Letzte Änderung: 29.9.2006| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik