Kulturgaranten
20 Jahre – das Kulturbüro Boskop
feiert Geburtstag
Kleingeister und Online-Lexika behaupten zwar,
20 Jahre wären gar kein Jubiläum. Im Kulturbereich
allerdings kann man froh sein, wenn man fünf Jahre
übersteht – geschweige denn 20, wie das Kulturbüro
des Akafö: Boskop.
Kultur steht in dem schlechten Ruf, Unsummen
an Geld zu verschlingen. Und wenn die bare Münze
gegen etwas kulturell Neues und Unbekanntes steht, hat
die Kultur meist schon verloren. Deswegen feiert Boskop
sein 20-Jähriges wie ein richtiges Jubiläum.
Denn vom ersten Tag an galt die erfolgreiche Devise:
„Mit wenig Geld viel erreichen.“
Als Boskop 1986 mit Hilfe eines Modellversuchs von Bund
und Ländern geboren wurde, hatte man die Aufgabe
und das Bestreben, kulturelle Bedürfnisse der Studierenden
zu befriedigen. Man wollte aber nicht nur Künstler
an die Uni holen, damit Kultur konsumiert werden konnte.
Nein, hier sollte selbst geschaffen werden. Es sollte
um studentische Kultur gehen, um Förderung und
um Ideen, die den Campus beleben. Diese Nuss war schwer
zu knacken.
Aber sie wurde geknackt. Noch heute knackt das Büro,
aber viel größere Nüsse. Vorbei sind
die Zeiten des handgeklebten Programmheftes, der Kinderkrankheiten
bei Konzert- und Theaterveranstaltungen, der ratlosen
Gesichter, wenn es an Equipment fehlt. In zwei Jahrzehnten
haben sich Qualitäts- und Angebotsroutinen eingespielt,
die in Deutschland ihren Vergleich suchen. Regelmäßige
Film- und Konzertabende von Studis für Studis,
Video- und Theaterfestivals, Literaturwettbewerbe, Campusfeste,
Newcomer Festivals usw. und zu guter Letzt Horizonterweiterung
durch das Programmangebot in jedem Semester. Es werden
Ideen geboren, sie lernen laufen und wenn sie alt genug
sind, auch in die weite Welt hinausgelassen. Hennes
Bender, die Hottenlotten, Hans-Peter Lenkheit, Christian
Hirdes etc. – sie alle waren einst Teil der studentischen
Kultur Bochums.
In guten studentischen Händen
Jeder und alles bezeichnet sich heute als kreativ,
Reich an Visionen und Innovationen. Auch vor den Unis
und der Bildungspolitik machen diese Ansprüche
nicht halt. Mit der Studienreform wird versucht, die
Einzelkämpfer- und Tunnelblickmentalität aus
den Bildungseinrichtungen zu verbannen. Die jungen Leute
sollen lernen, auch mal anzuhalten, über den Tellerrand
zu schauen und im Team etwas Neues auf die Beine zu
stellen. Oft wirken diese Vorsätze zu plakativ,
aber in Bochum ist man näher an der Quelle als
anderswo. Nirgendwo sonst vereint die studentische Kultur
so viele Studierende aus den verschiedensten Fachbereichen.
Da rappen Mediziner neben Ingenieuren und tanzen und
basteln Natur- mit Geisteswissenschaftlern.
Selbst das Boskop-Büro strotzt vor studentischem
Einfluss. Gut ein Drittel der festen Mitarbeiter sind
Studierende. Das Büro hat seine Räume im Studierendenwohnheim
Sumperkamp und geht nicht in den unendlichen Gängen
irgendwelcher Verwaltungsgebäude unter. Es herrscht
ein Spannungsfeld von kreativer Planung und Spontaneität.
Das Rezept hat sich bewehrt, und wurde ständig
mit Leidenschaft verfeinert. Auf dieser Basis wurde
20 Jahre lang studentische Kultur aufgebaut und Selbstvertrauen
gesammelt. So stehen die Bosköppe dem rasanten
Wandel an den Unis gelassen gegenüber. Egal, was
in den nächsten Jahren kommt: Studentische Kultur
wird es immer geben.
Infos zu Jubiläums- und sonstigen
Veranstaltungen im Wintersemester unter www.akafoe.de/kultur
Janin
Dworak
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