Präzisionsarbeit
Serie Ausbildungsberufe an der Ruhr-Uni: Feinwerkmechaniker
Wer hätte das gedacht: Mit 181 Auszubildenden ist
die Ruhr-Uni drittgrößter Ausbildungsbetrieb
in Bochum. Neben Studenten, Dozenten und Mitarbeitern
in Technik und Verwaltung sind die Azubis seit 1969
ein wichtiger Teil der Hochschule. Auch mit der Liste
der 18 Ausbildungsberufe überrascht die RUB: Sie
reicht von Feinwerkmechaniker und Fachinformatiker über
Tierpfleger und Physiklaborant bis hin zum Glasapparatebauer.
Doch was genau steckt hinter diesen Berufen? RUBENS
liefert die Antworten in einer neuen Serie. Dieses Mal
wird der Ausbildungsberuf Feinwerkmechaniker aus dem
Bereich Metallverarbeitung vorgestellt. Mit insgesamt
83 Lehrlingen ist er von allen am Stärksten vertreten.
Feinwerkmechaniker führen in erster Linie Präzisionsarbeiten
mit Metall aus: Bohren, Drehen, Fräsen und Schleifen.
Sie sind Fachleute für Präzisionsgeräte
im Werkzeug- und Maschinenbau und stellen Bauteile für
Maschinen und feinmechanische Geräte her, die sie
zu funktionsfähigen Einheiten montieren. Darunter
fallen beispielsweise Näh- und Waschmaschinen,
Messgeräte und Automaten. Aber auch das Einsetzen
von Einzelteilen, wie Zahnräder oder Getriebe,
gehört dazu.
Der Ausbildungsberuf Feinwerkmechaniker mit den beiden
Fachrichtungen Maschinenbau und Feinmechanik wird erst
seit 2002 an der RUB angeboten, da er seitdem vier Berufe
in einem zusammenfasst. Maschinenbau-, Fein- und Werkzeugmechaniker
sowie Dreher gab es früher als einzelne Berufsfelder.
Die Ausbildung umfasst dreieinhalb Jahre; die letzten
sechs Monate werden als viertes Lehrjahr angerechnet.
Werksunterricht als Ergänzung zur Berufsschule
gehört ebenfalls dazu.
Beim Schwerpunkt Feinmechanik geht es vor allem darum,
Metallbearbeitungsprozesse auf Tausendstel Millimeter
genau durchzuführen, z. B. bei der Herstellung
kleinerer Geräte wie Mikroskope, Bügel- und
Strickmaschinen. Die Qualität der Arbeit zeichnet
sich durch die unterschiedlichsten Messungen aus, die
immer wieder durchgeführt werden müssen. In
der Fachrichtung Maschinenbau stellen Feinwerkmechaniker
größere Geräte her: Automaten, Stanzwerkzeuge
oder Biegevorrichtungen für die maschinelle Metallverarbeitung.
Grundlagen beherrschen
„Im ersten Ausbildungsjahr lernen die Azubis
beider Fachrichtungen dasselbe“, erzählt
Ausbildungsleiter Franz Rous. Zunächst müssen
sie die Grundlagen beherrschen: Bohren, Schleifen, Fräßen
und Feilen von Metall. Im Schulungsraum im ICN-Gebäude
lernen sie, Einzelteile mit Schrauben, Muttern, Bolzen-
und Stiftverbindungen zusammen zu fügen, Werkstücke
manuell zu bearbeiten und umzuformen, Bauteile in Baugruppen
zu montieren usw.
Eine der ersten Übungen ist es, das Ende eines
flachen, langen Metallstücks rund zu biegen. Dazu
wird ein Gegenstück, ein kurzes, dickes Metallrohr,
benutzt, und das flache Metall mittels exakter Maßeinheit
darüber gehalten. Mit einem Hammer schlägt
man auf das Ende des Metallstücks, bis es das runde
Gegenstück zur Hälfte umschlossen hat. Neben
der Maßeinheit müssen die Lehrlinge auf Sauberkeit
des Metalls und glatte Kanten Acht geben. Die Übungen
werden von Zeit zu Zeit aufwändiger und komplizierter.
Meist stellen die Azubis kleine Fantasiegeräte
her.
In den Werkhallen fallen für die Azubis andere
Arbeiten an. Dort lernen sie, Modelle nachzubauen, u.
a. Dampflokomotiven und Schiffskanonen. Die Werkhallen
sind Einrichtungen der einzelnen Forschungsinstitute,
vor allem Biologie, Elektrotechnik, Physik, Chemie und
Maschinenbau. Wenn die Wissenschaftler experimentieren
wollen, brauchen sie entsprechende Geräte. Sie
werden in den Werkhallen von den Feinwerkmechanikern
hergestellt. „So wurde für die Biologen ein
großer Käfig aus Metall mit ganz bestimmten
Maßen gebaut“, berichtet Rous. Der Käfig
wurde später bei einer Forschungsfahrt auf den
Meeresgrund herabgelassen, um Tier- und Pflanzenarten
zu sammeln.
CNC-Technik sehr beliebt
Die Berufschancen für Feinwerkmechaniker sind
vielfältig. Sie können durch Weiterbildung
in die Bereiche Zahntechnik oder Lasertechnik einsteigen,
in Maschinentechnik und Industrie. Fortbildungskurse
sind an der RUB möglich. Auch Lehrgänge und
Seminare über Wärmebehandlung, Qualitätssicherung,
Werkstoff- und Maschinentechnik und CNC-Technik werden
angeboten. CNC steht für „Computerized Numerical
Control“. Dieses Verfahren lernen die Auszubildenden
im zweiten Lehrjahr. CNC ist eine computerunterstützte
numerische Maschinensteuerung. Die Lehrlinge können
das System so programmieren, dass die CNC-Maschine die
Metallteile selbst bearbeitet.
Gordon Kompholz (4. Lehrjahr) findet diese Arbeit am
Faszinierendsten. „Später möchte ich
mal im CNC-Bereich arbeiten“, sagte er. Im Schulungsraum,
zwei Etagen tiefer, feilt und bohrt Michaela Fleischer
an Übungsstücken. „Ich muss noch die
Grundlagen lernen, ehe ich an den größeren
Geräten arbeiten kann“, erzählt sie.
Die Auszubildende (1. Lehrjahr) freut sich bereits auf
die nahe Zukunft. Wenn sie die Basiskenntnisse beherrscht,
darf auch sie mit der CNC-Technik arbeiten.
Sheila
Patel
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