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RUBENS 109

1. Oktober 2006

Präzisionsarbeit


Serie Ausbildungsberufe an der Ruhr-Uni: Feinwerkmechaniker


Wer hätte das gedacht: Mit 181 Auszubildenden ist die Ruhr-Uni drittgrößter Ausbildungsbetrieb in Bochum. Neben Studenten, Dozenten und Mitarbeitern in Technik und Verwaltung sind die Azubis seit 1969 ein wichtiger Teil der Hochschule. Auch mit der Liste der 18 Ausbildungsberufe überrascht die RUB: Sie reicht von Feinwerkmechaniker und Fachinformatiker über Tierpfleger und Physiklaborant bis hin zum Glasapparatebauer. Doch was genau steckt hinter diesen Berufen? RUBENS liefert die Antworten in einer neuen Serie. Dieses Mal wird der Ausbildungsberuf Feinwerkmechaniker aus dem Bereich Metallverarbeitung vorgestellt. Mit insgesamt 83 Lehrlingen ist er von allen am Stärksten vertreten.


Feinwerkmechaniker führen in erster Linie Präzisionsarbeiten mit Metall aus: Bohren, Drehen, Fräsen und Schleifen. Sie sind Fachleute für Präzisionsgeräte im Werkzeug- und Maschinenbau und stellen Bauteile für Maschinen und feinmechanische Geräte her, die sie zu funktionsfähigen Einheiten montieren. Darunter fallen beispielsweise Näh- und Waschmaschinen, Messgeräte und Automaten. Aber auch das Einsetzen von Einzelteilen, wie Zahnräder oder Getriebe, gehört dazu.
Der Ausbildungsberuf Feinwerkmechaniker mit den beiden Fachrichtungen Maschinenbau und Feinmechanik wird erst seit 2002 an der RUB angeboten, da er seitdem vier Berufe in einem zusammenfasst. Maschinenbau-, Fein- und Werkzeugmechaniker sowie Dreher gab es früher als einzelne Berufsfelder. Die Ausbildung umfasst dreieinhalb Jahre; die letzten sechs Monate werden als viertes Lehrjahr angerechnet. Werksunterricht als Ergänzung zur Berufsschule gehört ebenfalls dazu.
Beim Schwerpunkt Feinmechanik geht es vor allem darum, Metallbearbeitungsprozesse auf Tausendstel Millimeter genau durchzuführen, z. B. bei der Herstellung kleinerer Geräte wie Mikroskope, Bügel- und Strickmaschinen. Die Qualität der Arbeit zeichnet sich durch die unterschiedlichsten Messungen aus, die immer wieder durchgeführt werden müssen. In der Fachrichtung Maschinenbau stellen Feinwerkmechaniker größere Geräte her: Automaten, Stanzwerkzeuge oder Biegevorrichtungen für die maschinelle Metallverarbeitung.

Grundlagen beherrschen

„Im ersten Ausbildungsjahr lernen die Azubis beider Fachrichtungen dasselbe“, erzählt Ausbildungsleiter Franz Rous. Zunächst müssen sie die Grundlagen beherrschen: Bohren, Schleifen, Fräßen und Feilen von Metall. Im Schulungsraum im ICN-Gebäude lernen sie, Einzelteile mit Schrauben, Muttern, Bolzen- und Stiftverbindungen zusammen zu fügen, Werkstücke manuell zu bearbeiten und umzuformen, Bauteile in Baugruppen zu montieren usw.
Eine der ersten Übungen ist es, das Ende eines flachen, langen Metallstücks rund zu biegen. Dazu wird ein Gegenstück, ein kurzes, dickes Metallrohr, benutzt, und das flache Metall mittels exakter Maßeinheit darüber gehalten. Mit einem Hammer schlägt man auf das Ende des Metallstücks, bis es das runde Gegenstück zur Hälfte umschlossen hat. Neben der Maßeinheit müssen die Lehrlinge auf Sauberkeit des Metalls und glatte Kanten Acht geben. Die Übungen werden von Zeit zu Zeit aufwändiger und komplizierter. Meist stellen die Azubis kleine Fantasiegeräte her.
In den Werkhallen fallen für die Azubis andere Arbeiten an. Dort lernen sie, Modelle nachzubauen, u. a. Dampflokomotiven und Schiffskanonen. Die Werkhallen sind Einrichtungen der einzelnen Forschungsinstitute, vor allem Biologie, Elektrotechnik, Physik, Chemie und Maschinenbau. Wenn die Wissenschaftler experimentieren wollen, brauchen sie entsprechende Geräte. Sie werden in den Werkhallen von den Feinwerkmechanikern hergestellt. „So wurde für die Biologen ein großer Käfig aus Metall mit ganz bestimmten Maßen gebaut“, berichtet Rous. Der Käfig wurde später bei einer Forschungsfahrt auf den Meeresgrund herabgelassen, um Tier- und Pflanzenarten zu sammeln.

CNC-Technik sehr beliebt

Die Berufschancen für Feinwerkmechaniker sind vielfältig. Sie können durch Weiterbildung in die Bereiche Zahntechnik oder Lasertechnik einsteigen, in Maschinentechnik und Industrie. Fortbildungskurse sind an der RUB möglich. Auch Lehrgänge und Seminare über Wärmebehandlung, Qualitätssicherung, Werkstoff- und Maschinentechnik und CNC-Technik werden angeboten. CNC steht für „Computerized Numerical Control“. Dieses Verfahren lernen die Auszubildenden im zweiten Lehrjahr. CNC ist eine computerunterstützte numerische Maschinensteuerung. Die Lehrlinge können das System so programmieren, dass die CNC-Maschine die Metallteile selbst bearbeitet.
Gordon Kompholz (4. Lehrjahr) findet diese Arbeit am Faszinierendsten. „Später möchte ich mal im CNC-Bereich arbeiten“, sagte er. Im Schulungsraum, zwei Etagen tiefer, feilt und bohrt Michaela Fleischer an Übungsstücken. „Ich muss noch die Grundlagen lernen, ehe ich an den größeren Geräten arbeiten kann“, erzählt sie. Die Auszubildende (1. Lehrjahr) freut sich bereits auf die nahe Zukunft. Wenn sie die Basiskenntnisse beherrscht, darf auch sie mit der CNC-Technik arbeiten.


Sheila Patel
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Letzte Änderung: 29.9.2006| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik