Noch nicht mal
ein Bolzplatz
Hochschulsport
benötigt dringend einen ordentlichen Fußballplatz
Natürlich waren nicht nur die Platzverhältnisse
schuld daran, dass die Professorenmannschaft beim letzten
Sommerfest eins zu sechs gegen das Team der Verwaltung
verloren hat. Fest steht jedoch: Der Platz am Botanischen
Garten ist in einem miserablen Zustand. Überall
liegen Steine, zum Teil sogar Scherben, Buckel und Krater
wechseln einander ab. Der Hochschulsport nimmt Fußball
deshalb erst gar nicht ins Programm auf. Das wird sich
erst dann ändern, wenn es an der Ruhr-Uni einen
ordentlichen Fußballplatz gibt.
„Von Aikido bis Yoga bieten wir den Studierenden
und Beschäftigten der Bochumer Hochschulen wirklich
alles an – nur keinen Fußball, und das ausgerechnet
mitten im fußballverrückten Ruhrgebiet.“
Gregor Kalender vom Hochschulsportbüro und zugleich
Hochschulsportbeauftragter schüttelt verständnislos
den Kopf. Er steht genau dort, wo man eigentlich Fußball
spielen sollte: auf dem Platz zwischen G-Reihe und Botanischem
Garten. Zwei Tore mit Netzen stehen hier, Fangzäune,
die etwas zu niedrig geraten sind, dazu ein sanfter,
mit Rasen bewachsener Hügel, wo Publikum stehen
oder sitzen kann, das wäre sozusagen die Nordtribüne;
die Linien müssten gezogen werden, egal, das geht
schnell; und zumindest an den äußersten Außenbahnen
liegt sogar etwas Rasen.
Hohes Verletzungsrisiko
Doch dort, wo das Spiel größtenteils stattfindet,
im zentralen Mittelfeld, in den Strafräumen, auf
den Halbpositionen, entdeckt das Auge nur wüstes
Erdreich, übersäht mit Steinen, Glasscherben
und Grillkohle, durchzogen von Löchern und Lehmbuckeln.
„Das hier ist noch nicht mal ein Bolzplatz, eher
ein Sturzacker, der bisweilen als Partywiese genutzt
wird“, wundert sich Gregor Kalender.
Versicherungstechnisch kann er es nicht verantworten,
diesen Ort als Fußballplatz für den Hochschulsport
auszuweisen. Die Verletzungsgefahr ist viel zu hoch.
Wer hier freiwillig in seiner Freizeit kickt, wie die
Professorenmannschaft und einzelne Gruppen von Studierenden,
der macht es auf eigenes Risiko. Und da die Rasenplätze
an der Markstraße hauptsächlich der Sportfakultät
und in erster Linie der Leichtathletik vorbehalten sind,
fehlt der Fußball im regulären Programm des
Hochschulsports, selbst im Jahr der WM.
Gregor Kalender schüttelt erneut frustriert den
Kopf, als er einen felsgroßen Stein im Boden entdeckt,
ungefähr am Elfmeterpunkt im westlichen Strafraum,
von wo aus man einen Blick auf die gepflegten Tennisplätze
erhaschen kann. Tennis ist fester Bestandteil im Sportprogramm.
Wenn es nach Kalender geht, steht dort der Fußball
auch bald wieder als reguläres Angebot. Da die
Nutzung der Plätze an der Markstraße mit
zu vielen Auflagen verbunden wäre (zu wenige Zeiten,
keine Stollenschuhe etc.), soll demnächst hier
gekickt werden.
Doch vorab muss aus dem Sturzacker ein Fußballplatz
werden. „Mit unserem Gesamtetat von 44.000 Euro
können wir das natürlich nicht stemmen“,
schränkt Kalender ein. Er hofft auf die Unterstützung
der Universitätskommission für Hochschulsport.
Die Kommission ist laut Satzung zuständig „für
die Erstellung und Durchführung der Semester- und
Ferienprogramme, den Umfang und die Förderung des
Wettkampfbetriebes sowie für die Entscheidungen
über Mittelvergabe und Kostenerhebungen.“
Kunstrasenplatz möglich
Zur Kommission gehören Vertreter/innen der Ruhr-Uni,
der Fachhochschule Bochum und der Evangelischen Fachhochschule
Bochum. Ihr Vorsitzender, Prof. Klaus Gerwert, ist selbst
passionierter Fußballer in der Professorenfußballmannschaft
der Ruhr-Uni. Er führte bereits Gespräche
mit dem Rektorat, bei denen es um die Finanzierung der
Runderneuerung des Fußballplatzes ging. „Man
hat mir zugesichert, sich darum zu kümmern“,
sagt der Biophysiker. Genau wie die Professoren suchen
auch die Verwaltungsangestellten händeringend nach
einem ordentlichen Platz, bestenfalls soll Fußball
als Betriebssport etabliert werden.
Gregor Kalender jedenfalls träumt bereits von einem
Kunstrasenplatz. „Ein normaler Rasenplatz wäre
bei der zu erwartenden Nutzung nach nur einem Semester
hinüber. Außerdem bergen die neuen Kunstrasen
längst nicht mehr so viel Verletzungsrisiko wie
die früheren“, erläutert er. Immerhin
könnte sogar die nächste Fußball-WM
in Südafrika auf Kunstrasen ausgetragen werden,
es gibt entsprechende Überlegungen des Weltfußballverbandes
Fifa. Bis 2010 sollen die fußballbegeisterten
Hochschulmitglieder in Bochum jedoch nicht warten müssen.
ad
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