Wer soll das
bezahlen?
Aktuelle
Infos zu Studienkrediten, Bafög und vielem mehr
Ob die Ruhr-Uni zu den Hochschulen in Nordrhein-Westfalen
zählt, die demnächst Studiengebühren
erheben, oder nicht, ist noch nicht entschieden. Tatsache
ist, dass die drohenden zusätzlichen Kosten von
500 Euro vielen Studierenden ernsthafte Sorgen bereiten.
Schließlich wollen auch Miete, Kleidung, Essen
und Bücher bezahlt werden. Wie das gehen soll,
was Eltern zahlen müssen, wie viel ein Darlehen
wirklich kostet und welche Möglichkeiten es sonst
noch gibt, um an Geld zu kommen: RUBENS gibt einen Überblick.
In letzter Zeit bieten immer mehr Kreditinstitute spezielle
Darlehen für Studenten an. Eines der ersten Angebote
kam von der Deutschen Bank (www.deutschebank.de),
die mit monatlich bis zu 800 Euro jeden Nebenjob überflüssig
macht, dafür aber auch genauestens über den
geplanten Studienverlauf informiert werden und Leistungsnachweise
sehen will. Maximal zwölf Monate nach Ende der
Auszahlung beginnt die Rückzahlung, wobei bei flexiblen
Zinsen (5,9 bis 9,9 Prozent) eine gehörige Summe
zusammenkommen kann.
Kredite sind umstritten
Ein Darlehen der KfW-Förderbank (www.kfw-foerderbank.de)
gibt's unabhängig von Noten und Studienplan: bis
zu 650 Euro monatlich zum Zinssatz von derzeit 5,1 Prozent,
allerdings sind halbjährliche Änderungen möglich.
Sechs bis 23 Monate nach der letzten Auszahlung hat
man Zeit, einen Job zu finden, der die dann beginnende
Rückzahlung ermöglicht. Und die kann happig
sein, wie das folgende Beispiel zeigt: Lässt man
sich neun Semester lang 500 Euro pro Monat auszahlen,
macht das in der Summe 27.000 Euro. Beginnt man mit
der Tilgung anderthalb Jahre nach dem Studium, muss
man inklusive Zinsen 31.799 Euro zurückzahlen.
Lässt man sich dafür zehn Jahre Zeit, ist
man bei stolzen 41.269 Euro, also gehen für die
Zinsen alleine 14.269 Euro drauf.
Aufgrund der hohen finanziellen Belastung gleich zu
Beginn des Berufslebens stehen viele Experten den Studienkrediten
kritisch gegenüber. Stefanie Laag, Kreditexpertin
der Verbraucherzentrale NRW, hält z. B. in vielen
Fällen die Zeit bis zu Beginn der Rückzahlung
für zu gering. „Zwölf Monate reichen
nicht für jeden aus, um eine ausreichend bezahlte
Arbeitsstelle zu finden.“ Zudem solle man sich
darüber klar sein, dass viele Anbieter (bisher
alle außer Deutsche Bank und Deutsche Kreditbank)
die Zinsen schon von den monatlichen Raten abziehen,
so dass diese umso niedriger würden, je länger
der Kredit laufe, also genau in der sensiblen Examensphase.
Auch die Stiftung Warentest rät Studierenden dazu,
einen Kredit nur im Notfall aufzunehmen und die Auszahlungssumme
so gering wie möglich zu halten. Zuvor solle man
alle anderen Alternativen ausgeschöpft haben.
Bafög und andere Alternativen
Zum Beispiel ein Studiengebühren-Darlehen, angeboten
von der jeweiligen Landesbank, also in hiesigen Fall
der NRW.Bank. Jeder Student kann bei Einschreibung oder
Rückmeldung entscheiden, ob er seinen Studienbeitrag
direkt entrichtet oder von der NRW.Bank vorfinanzieren
lässt. Entscheidet er sich für das Darlehen,
überweist die Bank den Betrag direkt an die Hochschule.
Die Rückzahlung beginnt zwei Jahre nach Ende des
Studiums, die Tilgungsraten betragen – nach Wahl
des Darlehensnehmers – 50, 100 oder 150 Euro pro
Monat. Der Nominalzins des Darlehens soll bis Mitte
2008 maximal 5,9 Prozent betragen (www.nrwbank.de).
Und: Per Gesetz ist festgeschrieben, dass die Schuldensumme
aus Landes-Darlehen und Bafög (s.u.) maximal 10.000
Euro betragen darf, um niemanden zu tief in die Schuldenfalle
zu locken.
Wer für kurze Zeit eine Geldspritze braucht, für
den ist vielleicht der Bildungskredit vom Bundesverwaltungsamt
(www.bundesverwaltungsamt.de)
die beste Lösung. Maximal zwei Jahre lang kann
man 300 Euro monatlich zu derzeit günstigen 4,1
Prozent Zinsen bekommen, die Rückzahlung beginnt
vier Jahre nach der ersten Auszahlungsrate.
Bei einem Bildungsfonds erhalten die Studierenden bis
zu 1.000 Euro für ihren monatlichen Lebensunterhalt
sowie Sonderzahlungen. Dafür verpflichten sie sich,
einen gewissen Prozentsatz des späteren Einkommens
an den Fonds zurückzuzahlen. Allerdings ist das
Auswahlverfahren streng, sehr gute Studienleistungen
sind Voraussetzung (www.bildungsfonds.de).
Bafög, die bekannteste Finanzspritze für Studenten,
ist abhängig vom Elterneinkommen, maximal werden
585 Euro pro Monat bewilligt. Nur die Hälfte des
Geldes muss zinslos zurückgezahlt werden. Der Anspruch
auf Bafög erlischt, wenn mehr als 350 Euro monatlich
dazuverdient werden (www.bafoeg.bmbf.de).
Eine Vielzahl von Stipendien mit unterschiedlichen Höhen
wird von Stiftungen, Parteien, Kirchen etc. vergeben.
Die einen fördern besonders begabte Studenten,
den anderen kommt es eher auf soziales oder politisches
Engagement an (RUBENS
107).
Gesetzlich sind Eltern verpflichtet, ihren Kindern bis
zur Vollendung des 27. Lebensjahres die Erstausbildung
zu finanzieren. Die „Düsseldorfer Tabelle“,
eine Richtlinie der Familiengerichte zur Bemessung des
Unterhalts, gibt als Empfehlung 640 Euro pro Monat an.
Allerdings hängt die Höhe der Unterstützung
natürlich von den Möglichkeiten der Eltern
ab. Viele lassen ihren Sprösslingen auch das Kindergeld
zukommen, derzeit 154 Euro im Monat. Achtung: Übersteigt
das Einkommen des Kindes 7.680 Euro (Stand 2005) im
Jahr, entfällt der Kindergeldanspruch.
Übrigens kann man beim Bafög-Amt einen Antrag
auf Vorausleistung stellen, wenn die Eltern nicht zahlen
wollen, obwohl sie es könnten. Das Amt kümmert
sich dann darum, das Geld wieder einzutreiben.
Infos: Die Stiftung Warentest hat 14 Studienkredite
getestet, das Ergebnis gibt es unter www.stiftung-warentest.de/online/bildung_soziales/meldung/1355348/1355348.html;
Infos zur Studienfinanzierung findet man auf der Internetseite
des Deutschen Studentenwerks: www.studentenwerke.de
Campus-Umfrage: Wie finanzieren Bochumer Studierende
ihr Studium?
Anna Geske (21), Geowissenschaften, 2. Semester:
„Meine Eltern unterstützen mich jeden
Monat mit zirka 400 Euro. Davon bezahle ich Miete, Essen
und so. Wenn nächstes Jahr 500 Euro Studiengebühren
fällig werden, muss ich wohl ein Darlehen aufnehmen.
Denn jetzt fängt auch meine Schwester ein Studium
an, das wird dann zuviel für meine Eltern.“
Thilo Dallmann (21), Geografie, 2. Semester:
„Alles, was ich brauche, bezahlen meine Eltern.
Egal ob die Miete für mein WG-Zimmer, Urlaub oder
Kleidung. Jobben musste ich bisher noch nie. Auch die
500 Euro Studiengebühren würden sie übernehmen.
Darüber bin ich natürlich sehr froh, denn
in die Schuldenfalle möchte ich nicht geraten.“
Lena Nitsch (22), Film- und Fernsehwissenschaften, 8.
Semester: „Ich komme aus Österreich,
da gibt es schon seit einiger Zeit Studiengebühren
von 370 Euro pro Semester. Ich bekomme 500 Euro Beihilfe,
so kann ich mir mein Studium und die beiden Auslandssemester
in Bochum leisten. Ich habe aber auch schon im Call
Center und bei H & M gearbeitet, wenn es nötig
war.“
Gerrit Naujoks (29), Jura, 2. Semester:
„Mit den 500 Euro, die ich pro Monat verdiene,
komme ich knapp über die Runden. Studiengebühren
würden für mich bedeuten: noch mehr an Konsumgütern
sparen. Zur Not würde ich ein Darlehen aufnehmen,
auch wenn ich von der inneren Einstellung her gegen
Verschuldung bin. Bis es soweit ist, verdränge
ich den Gedanken daran.“
Ann-Kathrin Schütt (20), Biologie & Erziehungswissenschaften,
2. Semester: „Ich wohne noch bei
meinen Eltern, daher habe ich keine regelmäßigen
hohen Ausgaben. Nur den Sprit für mein Auto erarbeite
ich mir in einem Café. Meine Eltern und Großeltern
geben mir monatlich ungefähr 80 Euro. Begeistert
sind die nicht davon, bald auch noch meine Studiengebühren
bezahlen zu müssen.“
Sandra Konitzer (20), Biologie & Germanistik, 2.
Semester: „Jeden Samstag arbeite
ich zehn Stunden in einem Supermarkt, außerdem
bekomme ich Bafög. So kommen rund 800 Euro zusammen,
von denen ich alles selbst bezahle. Ein Darlehen würde
ich wegen der Studiengebühren nicht aufnehmen,
eher noch mehr arbeiten gehen. Aber das verlängert
natürlich das Studium.“
Raffaela
Römer
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