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RUBENS 108

1. Juli 2006

Wer soll das bezahlen?

Aktuelle Infos zu Studienkrediten, Bafög und vielem mehr




Ob die Ruhr-Uni zu den Hochschulen in Nordrhein-Westfalen zählt, die demnächst Studiengebühren erheben, oder nicht, ist noch nicht entschieden. Tatsache ist, dass die drohenden zusätzlichen Kosten von 500 Euro vielen Studierenden ernsthafte Sorgen bereiten. Schließlich wollen auch Miete, Kleidung, Essen und Bücher bezahlt werden. Wie das gehen soll, was Eltern zahlen müssen, wie viel ein Darlehen wirklich kostet und welche Möglichkeiten es sonst noch gibt, um an Geld zu kommen: RUBENS gibt einen Überblick.


In letzter Zeit bieten immer mehr Kreditinstitute spezielle Darlehen für Studenten an. Eines der ersten Angebote kam von der Deutschen Bank (www.deutschebank.de), die mit monatlich bis zu 800 Euro jeden Nebenjob überflüssig macht, dafür aber auch genauestens über den geplanten Studienverlauf informiert werden und Leistungsnachweise sehen will. Maximal zwölf Monate nach Ende der Auszahlung beginnt die Rückzahlung, wobei bei flexiblen Zinsen (5,9 bis 9,9 Prozent) eine gehörige Summe zusammenkommen kann.

Kredite sind umstritten

Ein Darlehen der KfW-Förderbank (www.kfw-foerderbank.de) gibt's unabhängig von Noten und Studienplan: bis zu 650 Euro monatlich zum Zinssatz von derzeit 5,1 Prozent, allerdings sind halbjährliche Änderungen möglich. Sechs bis 23 Monate nach der letzten Auszahlung hat man Zeit, einen Job zu finden, der die dann beginnende Rückzahlung ermöglicht. Und die kann happig sein, wie das folgende Beispiel zeigt: Lässt man sich neun Semester lang 500 Euro pro Monat auszahlen, macht das in der Summe 27.000 Euro. Beginnt man mit der Tilgung anderthalb Jahre nach dem Studium, muss man inklusive Zinsen 31.799 Euro zurückzahlen. Lässt man sich dafür zehn Jahre Zeit, ist man bei stolzen 41.269 Euro, also gehen für die Zinsen alleine 14.269 Euro drauf.
Aufgrund der hohen finanziellen Belastung gleich zu Beginn des Berufslebens stehen viele Experten den Studienkrediten kritisch gegenüber. Stefanie Laag, Kreditexpertin der Verbraucherzentrale NRW, hält z. B. in vielen Fällen die Zeit bis zu Beginn der Rückzahlung für zu gering. „Zwölf Monate reichen nicht für jeden aus, um eine ausreichend bezahlte Arbeitsstelle zu finden.“ Zudem solle man sich darüber klar sein, dass viele Anbieter (bisher alle außer Deutsche Bank und Deutsche Kreditbank) die Zinsen schon von den monatlichen Raten abziehen, so dass diese umso niedriger würden, je länger der Kredit laufe, also genau in der sensiblen Examensphase. Auch die Stiftung Warentest rät Studierenden dazu, einen Kredit nur im Notfall aufzunehmen und die Auszahlungssumme so gering wie möglich zu halten. Zuvor solle man alle anderen Alternativen ausgeschöpft haben.

Bafög und andere Alternativen

Zum Beispiel ein Studiengebühren-Darlehen, angeboten von der jeweiligen Landesbank, also in hiesigen Fall der NRW.Bank. Jeder Student kann bei Einschreibung oder Rückmeldung entscheiden, ob er seinen Studienbeitrag direkt entrichtet oder von der NRW.Bank vorfinanzieren lässt. Entscheidet er sich für das Darlehen, überweist die Bank den Betrag direkt an die Hochschule. Die Rückzahlung beginnt zwei Jahre nach Ende des Studiums, die Tilgungsraten betragen – nach Wahl des Darlehensnehmers – 50, 100 oder 150 Euro pro Monat. Der Nominalzins des Darlehens soll bis Mitte 2008 maximal 5,9 Prozent betragen (www.nrwbank.de). Und: Per Gesetz ist festgeschrieben, dass die Schuldensumme aus Landes-Darlehen und Bafög (s.u.) maximal 10.000 Euro betragen darf, um niemanden zu tief in die Schuldenfalle zu locken.
Wer für kurze Zeit eine Geldspritze braucht, für den ist vielleicht der Bildungskredit vom Bundesverwaltungsamt (www.bundesverwaltungsamt.de) die beste Lösung. Maximal zwei Jahre lang kann man 300 Euro monatlich zu derzeit günstigen 4,1 Prozent Zinsen bekommen, die Rückzahlung beginnt vier Jahre nach der ersten Auszahlungsrate.
Bei einem Bildungsfonds erhalten die Studierenden bis zu 1.000 Euro für ihren monatlichen Lebensunterhalt sowie Sonderzahlungen. Dafür verpflichten sie sich, einen gewissen Prozentsatz des späteren Einkommens an den Fonds zurückzuzahlen. Allerdings ist das Auswahlverfahren streng, sehr gute Studienleistungen sind Voraussetzung (www.bildungsfonds.de).
Bafög, die bekannteste Finanzspritze für Studenten, ist abhängig vom Elterneinkommen, maximal werden 585 Euro pro Monat bewilligt. Nur die Hälfte des Geldes muss zinslos zurückgezahlt werden. Der Anspruch auf Bafög erlischt, wenn mehr als 350 Euro monatlich dazuverdient werden (www.bafoeg.bmbf.de).
Eine Vielzahl von Stipendien mit unterschiedlichen Höhen wird von Stiftungen, Parteien, Kirchen etc. vergeben. Die einen fördern besonders begabte Studenten, den anderen kommt es eher auf soziales oder politisches Engagement an (RUBENS 107).
Gesetzlich sind Eltern verpflichtet, ihren Kindern bis zur Vollendung des 27. Lebensjahres die Erstausbildung zu finanzieren. Die „Düsseldorfer Tabelle“, eine Richtlinie der Familiengerichte zur Bemessung des Unterhalts, gibt als Empfehlung 640 Euro pro Monat an. Allerdings hängt die Höhe der Unterstützung natürlich von den Möglichkeiten der Eltern ab. Viele lassen ihren Sprösslingen auch das Kindergeld zukommen, derzeit 154 Euro im Monat. Achtung: Übersteigt das Einkommen des Kindes 7.680 Euro (Stand 2005) im Jahr, entfällt der Kindergeldanspruch.
Übrigens kann man beim Bafög-Amt einen Antrag auf Vorausleistung stellen, wenn die Eltern nicht zahlen wollen, obwohl sie es könnten. Das Amt kümmert sich dann darum, das Geld wieder einzutreiben.
Infos: Die Stiftung Warentest hat 14 Studienkredite getestet, das Ergebnis gibt es unter www.stiftung-warentest.de/online/bildung_soziales/meldung/1355348/1355348.html; Infos zur Studienfinanzierung findet man auf der Internetseite des Deutschen Studentenwerks: www.studentenwerke.de


Campus-Umfrage: Wie finanzieren Bochumer Studierende ihr Studium?

Anna Geske (21), Geowissenschaften, 2. Semester: „Meine Eltern unterstützen mich jeden Monat mit zirka 400 Euro. Davon bezahle ich Miete, Essen und so. Wenn nächstes Jahr 500 Euro Studiengebühren fällig werden, muss ich wohl ein Darlehen aufnehmen. Denn jetzt fängt auch meine Schwester ein Studium an, das wird dann zuviel für meine Eltern.“

Thilo Dallmann (21), Geografie, 2. Semester:
„Alles, was ich brauche, bezahlen meine Eltern. Egal ob die Miete für mein WG-Zimmer, Urlaub oder Kleidung. Jobben musste ich bisher noch nie. Auch die 500 Euro Studiengebühren würden sie übernehmen. Darüber bin ich natürlich sehr froh, denn in die Schuldenfalle möchte ich nicht geraten.“

Lena Nitsch (22), Film- und Fernsehwissenschaften, 8. Semester:
„Ich komme aus Österreich, da gibt es schon seit einiger Zeit Studiengebühren von 370 Euro pro Semester. Ich bekomme 500 Euro Beihilfe, so kann ich mir mein Studium und die beiden Auslandssemester in Bochum leisten. Ich habe aber auch schon im Call Center und bei H & M gearbeitet, wenn es nötig war.“

Gerrit Naujoks (29), Jura, 2. Semester: „Mit den 500 Euro, die ich pro Monat verdiene, komme ich knapp über die Runden. Studiengebühren würden für mich bedeuten: noch mehr an Konsumgütern sparen. Zur Not würde ich ein Darlehen aufnehmen, auch wenn ich von der inneren Einstellung her gegen Verschuldung bin. Bis es soweit ist, verdränge ich den Gedanken daran.“

Ann-Kathrin Schütt (20), Biologie & Erziehungswissenschaften, 2. Semester:
„Ich wohne noch bei meinen Eltern, daher habe ich keine regelmäßigen hohen Ausgaben. Nur den Sprit für mein Auto erarbeite ich mir in einem Café. Meine Eltern und Großeltern geben mir monatlich ungefähr 80 Euro. Begeistert sind die nicht davon, bald auch noch meine Studiengebühren bezahlen zu müssen.“

Sandra Konitzer (20), Biologie & Germanistik, 2. Semester:
„Jeden Samstag arbeite ich zehn Stunden in einem Supermarkt, außerdem bekomme ich Bafög. So kommen rund 800 Euro zusammen, von denen ich alles selbst bezahle. Ein Darlehen würde ich wegen der Studiengebühren nicht aufnehmen, eher noch mehr arbeiten gehen. Aber das verlängert natürlich das Studium.“




Raffaela Römer
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Letzte Änderung: 30.6.2006| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik