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RUBENS 108

1. Juli 2006

Ab ins MOLAB


Gesucht: Biostudierende als Praktikanten im Schulunterricht



Biounterricht, das ist normalerweise Skelette gucken, Texte lesen, Bleistift kauen ... Am Dortmunder Heisenberg-Gymnasium ist alles anders: Im MOLAB, dem molekularbiologischen Labor, arbeiten Schüler mit dem Erbgut von Klatschmohn, Kartoffeln und Kanarienvögeln. CSI lässt grüßen. Mittendrin können Biostudierende der Ruhr-Uni sein. Für einen Tag in der Woche sucht die Schule studentische Praktikanten, die Schüler unterrichten.

„40 mg tierisches, gut zerkleinertes Material in ein 1,5 ml-Tube füllen. 400 ml Lysis-BufferG und 40 ml Protease zugeben. Mit dem Vortexer sorgfältig mischen.“ Agnes Zarzycki blickt stolz auf den Zettel in ihrer Hand. Von den 24 Punkten der Checkliste hat ihre Gruppe alle 24 weggekreuzt. Bis zum Punkt „Tubes etikettieren und einfrieren.“ Und was steht dann da in der Tiefkühltruhe? „DNA“, erklärt die 18-Jährige mit einem angedeuteten Schulterzucken. Eine ganz normale Biostunde.
Ist es aber nicht. Denn zur DNA-Extraktion braucht es weit mehr als eine Pipette, ein Reagenzglas und ein altes Schulmikroskop. Am Heisenberg-Gymnasium gibt es ganz eindeutig mehr: MOLAB, das molekularbiologische Labor. Brandaktuelle Technik, 70 000 Euro wert. „Wir arbeiten mit den gleichen Geräten, mit denen auch die großen Genetiker arbeiten“, erklärt Toralf Müller. Der Biolehrer hat das Labor aufgebaut, hat mit Sponsoren gerungen und viel Zeit investiert. Ein Fluoreszenz-Mikroskop habe sicher keine andere Schule in Deutschland, vermutet er.
Für die Heisenberg-Schüler gehört die Laborarbeit zum Schulalltag. Zurzeit möchten sie beispielsweise das Enzym finden, mit dem man aus DNA am besten einen Teil heraustrennen kann. Doch die Zeit im Labor ist beschränkt. „Bislang ist der Dienstag unser Labortag“, erklärt Müller. „Dann kommen schulfremde Gruppen aus ganz Nordrhein-Westfalen ins MOLAB.“ Die Warteliste ist lang. Locker könne er zwei Labortage in der Woche anbieten, oder drei. „Aber dafür brauche ich Praktikanten, die den Versuch anleiten – ich selbst werde nicht vom Unterricht freigestellt“, so Müller.

Leerstand mangels Personal

Der Leerstand mangels Personal tut dem Laborvater sichtlich weh. Die Idee, studentische Praktikanten der Ruhr-Uni zu holen, lässt ihn jedoch hoffen: Allein oder in Zweiergruppen würden die Studenten als eigenständige Lehrer mit den Schülern arbeiten. Vorher gäbe es ein Einführungsseminar. Mit Bio-Dekan Prof. Thomas Stützel ist das Angebot abgeklärt – das Tagespraktikum kann als Fachdidaktik-Seminar angerechnet werden. „Dafür muss ein Student zumindest an drei Tagen ins MOLAB“, so Stützel. „Nur dann kann er seine Fehler vom ersten Mal selbst korrigieren.“ Ginge es nach ihm, richte sich das Angebot vor allem an Lehramtsstudenten. „Wo sonst“, wirbt der Professor, „kann man ein Praktikum so nah an der Schulwirklichkeit machen?“

Infos zum Praktikum: Prof. Wolfgang Kirchner, Didaktik der Biologie, Tel. -29011, Raum NCDF 06/494




Katrin Figge
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Letzte Änderung: 30.6.2006| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik