Ab ins MOLAB
Gesucht: Biostudierende als Praktikanten im Schulunterricht
Biounterricht, das ist normalerweise Skelette
gucken, Texte lesen, Bleistift kauen ... Am Dortmunder
Heisenberg-Gymnasium ist alles anders: Im MOLAB, dem
molekularbiologischen Labor, arbeiten Schüler mit
dem Erbgut von Klatschmohn, Kartoffeln und Kanarienvögeln.
CSI lässt grüßen. Mittendrin können
Biostudierende der Ruhr-Uni sein. Für einen Tag
in der Woche sucht die Schule studentische Praktikanten,
die Schüler unterrichten.
„40 mg tierisches, gut zerkleinertes Material
in ein 1,5 ml-Tube füllen. 400 ml Lysis-BufferG
und 40 ml Protease zugeben. Mit dem Vortexer sorgfältig
mischen.“ Agnes Zarzycki blickt stolz auf den
Zettel in ihrer Hand. Von den 24 Punkten der Checkliste
hat ihre Gruppe alle 24 weggekreuzt. Bis zum Punkt „Tubes
etikettieren und einfrieren.“ Und was steht dann
da in der Tiefkühltruhe? „DNA“, erklärt
die 18-Jährige mit einem angedeuteten Schulterzucken.
Eine ganz normale Biostunde.
Ist es aber nicht. Denn zur DNA-Extraktion braucht es
weit mehr als eine Pipette, ein Reagenzglas und ein
altes Schulmikroskop. Am Heisenberg-Gymnasium gibt es
ganz eindeutig mehr: MOLAB, das molekularbiologische
Labor. Brandaktuelle Technik, 70 000 Euro wert. „Wir
arbeiten mit den gleichen Geräten, mit denen auch
die großen Genetiker arbeiten“, erklärt
Toralf Müller. Der Biolehrer hat das Labor aufgebaut,
hat mit Sponsoren gerungen und viel Zeit investiert.
Ein Fluoreszenz-Mikroskop habe sicher keine andere Schule
in Deutschland, vermutet er.
Für die Heisenberg-Schüler gehört die
Laborarbeit zum Schulalltag. Zurzeit möchten sie
beispielsweise das Enzym finden, mit dem man aus DNA
am besten einen Teil heraustrennen kann. Doch die Zeit
im Labor ist beschränkt. „Bislang ist der
Dienstag unser Labortag“, erklärt Müller.
„Dann kommen schulfremde Gruppen aus ganz Nordrhein-Westfalen
ins MOLAB.“ Die Warteliste ist lang. Locker könne
er zwei Labortage in der Woche anbieten, oder drei.
„Aber dafür brauche ich Praktikanten, die
den Versuch anleiten – ich selbst werde nicht
vom Unterricht freigestellt“, so Müller.
Leerstand mangels Personal
Der Leerstand mangels Personal tut dem Laborvater sichtlich
weh. Die Idee, studentische Praktikanten der Ruhr-Uni
zu holen, lässt ihn jedoch hoffen: Allein oder
in Zweiergruppen würden die Studenten als eigenständige
Lehrer mit den Schülern arbeiten. Vorher gäbe
es ein Einführungsseminar. Mit Bio-Dekan Prof.
Thomas Stützel ist das Angebot abgeklärt –
das Tagespraktikum kann als Fachdidaktik-Seminar angerechnet
werden. „Dafür muss ein Student zumindest
an drei Tagen ins MOLAB“, so Stützel. „Nur
dann kann er seine Fehler vom ersten Mal selbst korrigieren.“
Ginge es nach ihm, richte sich das Angebot vor allem
an Lehramtsstudenten. „Wo sonst“, wirbt
der Professor, „kann man ein Praktikum so nah
an der Schulwirklichkeit machen?“
Infos zum Praktikum: Prof. Wolfgang
Kirchner, Didaktik der Biologie, Tel. -29011, Raum NCDF
06/494
Katrin
Figge
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