In Rekordzeit
studiert
Stephanie Hold und Patrick Bök sind die „Turbo-Absolventen“
Gleich zwei Rekordleistungen ihrer Studierenden verzeichnet
die Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik
in diesen Tagen: Stephanie Hold (23) absolvierte den
Diplomstudiengang Elektro- und Informationstechnik in
sieben Semestern und einem Monat – die Regelstudienzeit
liegt bei neun Semestern, der „alte“ Rekord
von Sebastian Sinn aus dem Jahr 1998 lag bei knapp acht
Semestern. Im zweiten Absolventen-Jahrgang hat Patrick
Bök (23) den Bachelor-Studiengang Angewandte Informatik
in fünf statt sechs Semestern erfolgreich abgeschlossen.
Mit den „Turbo-Absolventen“ sprach Jens
Wylkop.
Stephanie Hold
RUBENS: Herzlichen Glückwunsch zum Studienabschluss
in neuer Rekordzeit, Frau Hold. Haben Sie das so geplant
oder hat es sich im Laufe des Studiums ergeben?
Hold: Während des Grundstudiums hatte ich geplant,
das Studium auf jeden Fall in neun Semestern abzuschließen.
Zwischenzeitlich habe ich jedoch gemerkt, dass ich es
auch schneller schaffen kann – das habe ich dann
so durchgezogen.
RUBENS: Haben Sie ausschließlich studiert oder
hatten Sie auch noch Jobs während des Studiums?
Hold: Im Grundstudium hatte ich parallel einen Job als
Werksstudentin bei einer Tochter der Telekom, T-Systems.
Im Hauptstudium war ich studentische Hilfskraft am Lehrstuhl
für Kommunikationsakustik.
RUBENS: Jetzt sind Sie nahtlos wissenschaftliche Mitarbeiterin
am Lehrstuhl für Medizintechnik geworden. Als Absolventin
mit 23 Jahren sind Sie bestimmt auch eine interessante
Kandidatin für potenzielle Arbeitgeber. Wie sieht
Ihre weitere Planung aus?
Hold: Ich will langfristig in der Forschung bleiben;
ob in der Industrie oder an der Hochschule, das weiß
ich noch nicht. Zunächst habe ich mich bewusst
für die Promotion entschieden – nicht wegen
des Titels, sondern weil ich mit einem eigenen Forschungsprojekt
ein paar Jahre lang richtig tief in die Materie eindringen
kann.
RUBENS: Welche Materie ist das?
Hold: Es geht um Navigationssysteme im intraoperativen
Einsatz.
RUBENS: Was muss der Laie sich darunter vorstellen?
Hold: Die intraoperative Navigation kann man sich in
etwa wie die GPS-Navigation vorstellen. Auf vorher aufgenommenen
Bildern lässt sich während der Operation zum
Beispiel die Bewegung des Instrumentes verfolgen, wodurch
man den operativen Eingriff reduzieren kann. Unsere
Aufgabe ist, Ultraschallaufnahmen während der OP
in bestehende Navigationssysteme einzubinden, um die
Positionen besser lokalisieren zu können.
RUBENS: Haben Sie darüber auch Ihre Diplomarbeit
geschrieben?
Hold: Nein, das war ein anderes Thema: wie sich die
roten Blutkörperchen im Blut anordnen. Ob sie gleich
verteilt sind oder zusammenklumpen. Die roten Blutkörperchen
haben die Eigenschaft, sich zu Geldrollen zusammenziehen
zu können. Dazu habe ich ein statistisches, theoretisches
Modell ihrer Ultraschalleigenschaften entwickelt, das
ich mit experimentellen Ergebnissen verglichen habe.
Anhand solcher statistischer Modelle könnte man
in Zukunft bessere Aussagen über die Gewebebeschaffenheit
treffen.
RUBENS: Was machen Sie in Ihrer Freizeit?
Hold: Ich spiele aktiv Tenorsaxophon im Orchester und
tanze Standard und Latein. Außerdem mache ich
gerne Sport, was während des Studiums jedoch oft
zu kurz gekommen ist.
Patrick Bök
RUBENS: Herr Bök, herzlichen Glückwunsch
zum Bachelor-Abschluss in Rekordzeit. Wie geht es jetzt
bei Ihnen weiter?
Bök: Ich bin bereits mitten im Masterstudium. Wenn
es weiter so läuft wie bisher, kann ich das Studium
im nächsten Sommersemester komplett abschließen.
RUBENS: Also weiter auf „Rekordkurs“?
Bök: Ja. Dann wäre ich in acht Semestern mit
allem fertig statt in zehn.
RUBENS: Worüber haben Sie Ihre Bachelor-Arbeit
geschrieben?
Bök: Ich habe ein Simulationsmodell ausgewählter
Komponenten einer Server-Anwendung entworfen und in
einem Simulationswerkzeug implementiert. Simulationswerkzeuge
– in Verbindung mit den Modellen – ermöglichen
zum Beispiel, die qualitative und quantitative Auslegung
von Komponenten in großen Netzinfrastrukturen
vor der Anschaffung zu überprüfen.
RUBENS: Haben Sie auch schon ein Thema für eine
Masterarbeit im Blick?
Bök: Ich habe bereits im Bachelor-Studium die Vertiefungsrichtung
Industrie- und Managementinformatik eingeschlagen, diesen
Weg gehe ich weiter. In meiner Masterarbeit werde ich
mich sicher wieder mit solchen Simulationsmodellen beschäftigen.
RUBENS: Und danach? Wollen Sie eher in der Wissenschaft
bleiben oder in der Industrie arbeiten?
Bök: Das ist im Moment noch alles offen. Die Option,
zu promovieren, eventuell auch in der Wirtschaft zu
promovieren, ist auf jeden Fall eine interessante Perspektive.
RUBENS: Hatten Sie nicht erwogen, mit dem Bachelor-Abschluss
in den Job zu gehen?
Bök: Das war für mich keine Alternative, ich
wollte von vornherein auch den Master machen. Ich denke
jedoch, dass das durchaus möglich gewesen wäre,
denn mit dem Bachelor-Abschluss ist man sicher nicht
unterqualifiziert.
RUBENS: Hatten Sie von Anfang an geplant, so schnell
zu studieren?
Bök: Nein, das hat sich so ergeben. Bereits im
zweiten Semester hatte ich zwei Prüfungen mehr
als nötig absolviert, im dritten Semester habe
ich dann noch eine Schippe draufgelegt. Ich hätte
nicht gedacht, dass alles so gut laufen würde.
RUBENS: Hatten oder haben Sie Jobs während des
Studiums?
Bök: Ja, zu Beginn habe ich bei der Diakonie gearbeitet,
seit Anfang 2005 als studentische Hilfskraft an der
Studiobühne im Musischen Zentrum und seit Mitte
letzten Jahres zusätzlich in der Arbeitsgruppe
Integrierte Informationssysteme. Ich arbeite rund 19
Stunden in der Woche nebenbei.
RUBENS: Das Stichwort Studiobühne deutet auch auf
Hobbys hin. Was machen Sie in Ihrer Freizeit?
Bök: Eigentlich beschäftige ich mich mehr
mit Fotografie, das mit dem Theater war bis dahin nicht
so meine Sache. Die Ausschreibung klang jedoch sehr
interessant, und die Arbeit hat auch mein Interesse
fürs Theater geweckt. Ansonsten interessiere ich
mich sehr für Sport, vor allem Fußball.
jw
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