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RUBENS 108

1. Juli 2006

In Rekordzeit studiert


Stephanie Hold und Patrick Bök sind die „Turbo-Absolventen“



Gleich zwei Rekordleistungen ihrer Studierenden verzeichnet die Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik in diesen Tagen: Stephanie Hold (23) absolvierte den Diplomstudiengang Elektro- und Informationstechnik in sieben Semestern und einem Monat – die Regelstudienzeit liegt bei neun Semestern, der „alte“ Rekord von Sebastian Sinn aus dem Jahr 1998 lag bei knapp acht Semestern. Im zweiten Absolventen-Jahrgang hat Patrick Bök (23) den Bachelor-Studiengang Angewandte Informatik in fünf statt sechs Semestern erfolgreich abgeschlossen. Mit den „Turbo-Absolventen“ sprach Jens Wylkop.

Stephanie Hold

RUBENS: Herzlichen Glückwunsch zum Studienabschluss in neuer Rekordzeit, Frau Hold. Haben Sie das so geplant oder hat es sich im Laufe des Studiums ergeben?
Hold: Während des Grundstudiums hatte ich geplant, das Studium auf jeden Fall in neun Semestern abzuschließen. Zwischenzeitlich habe ich jedoch gemerkt, dass ich es auch schneller schaffen kann – das habe ich dann so durchgezogen.

RUBENS: Haben Sie ausschließlich studiert oder hatten Sie auch noch Jobs während des Studiums?
Hold: Im Grundstudium hatte ich parallel einen Job als Werksstudentin bei einer Tochter der Telekom, T-Systems. Im Hauptstudium war ich studentische Hilfskraft am Lehrstuhl für Kommunikationsakustik.

RUBENS: Jetzt sind Sie nahtlos wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Medizintechnik geworden. Als Absolventin mit 23 Jahren sind Sie bestimmt auch eine interessante Kandidatin für potenzielle Arbeitgeber. Wie sieht Ihre weitere Planung aus?
Hold: Ich will langfristig in der Forschung bleiben; ob in der Industrie oder an der Hochschule, das weiß ich noch nicht. Zunächst habe ich mich bewusst für die Promotion entschieden – nicht wegen des Titels, sondern weil ich mit einem eigenen Forschungsprojekt ein paar Jahre lang richtig tief in die Materie eindringen kann.

RUBENS: Welche Materie ist das?
Hold: Es geht um Navigationssysteme im intraoperativen Einsatz.

RUBENS: Was muss der Laie sich darunter vorstellen?
Hold: Die intraoperative Navigation kann man sich in etwa wie die GPS-Navigation vorstellen. Auf vorher aufgenommenen Bildern lässt sich während der Operation zum Beispiel die Bewegung des Instrumentes verfolgen, wodurch man den operativen Eingriff reduzieren kann. Unsere Aufgabe ist, Ultraschallaufnahmen während der OP in bestehende Navigationssysteme einzubinden, um die Positionen besser lokalisieren zu können.

RUBENS: Haben Sie darüber auch Ihre Diplomarbeit geschrieben?
Hold: Nein, das war ein anderes Thema: wie sich die roten Blutkörperchen im Blut anordnen. Ob sie gleich verteilt sind oder zusammenklumpen. Die roten Blutkörperchen haben die Eigenschaft, sich zu Geldrollen zusammenziehen zu können. Dazu habe ich ein statistisches, theoretisches Modell ihrer Ultraschalleigenschaften entwickelt, das ich mit experimentellen Ergebnissen verglichen habe. Anhand solcher statistischer Modelle könnte man in Zukunft bessere Aussagen über die Gewebebeschaffenheit treffen.

RUBENS: Was machen Sie in Ihrer Freizeit?
Hold: Ich spiele aktiv Tenorsaxophon im Orchester und tanze Standard und Latein. Außerdem mache ich gerne Sport, was während des Studiums jedoch oft zu kurz gekommen ist.

Patrick Bök

RUBENS: Herr Bök, herzlichen Glückwunsch zum Bachelor-Abschluss in Rekordzeit. Wie geht es jetzt bei Ihnen weiter?
Bök: Ich bin bereits mitten im Masterstudium. Wenn es weiter so läuft wie bisher, kann ich das Studium im nächsten Sommersemester komplett abschließen.

RUBENS: Also weiter auf „Rekordkurs“?
Bök: Ja. Dann wäre ich in acht Semestern mit allem fertig statt in zehn.

RUBENS: Worüber haben Sie Ihre Bachelor-Arbeit geschrieben?
Bök: Ich habe ein Simulationsmodell ausgewählter Komponenten einer Server-Anwendung entworfen und in einem Simulationswerkzeug implementiert. Simulationswerkzeuge – in Verbindung mit den Modellen – ermöglichen zum Beispiel, die qualitative und quantitative Auslegung von Komponenten in großen Netzinfrastrukturen vor der Anschaffung zu überprüfen.

RUBENS: Haben Sie auch schon ein Thema für eine Masterarbeit im Blick?
Bök: Ich habe bereits im Bachelor-Studium die Vertiefungsrichtung Industrie- und Managementinformatik eingeschlagen, diesen Weg gehe ich weiter. In meiner Masterarbeit werde ich mich sicher wieder mit solchen Simulationsmodellen beschäftigen.

RUBENS: Und danach? Wollen Sie eher in der Wissenschaft bleiben oder in der Industrie arbeiten?
Bök: Das ist im Moment noch alles offen. Die Option, zu promovieren, eventuell auch in der Wirtschaft zu promovieren, ist auf jeden Fall eine interessante Perspektive.

RUBENS: Hatten Sie nicht erwogen, mit dem Bachelor-Abschluss in den Job zu gehen?
Bök: Das war für mich keine Alternative, ich wollte von vornherein auch den Master machen. Ich denke jedoch, dass das durchaus möglich gewesen wäre, denn mit dem Bachelor-Abschluss ist man sicher nicht unterqualifiziert.

RUBENS: Hatten Sie von Anfang an geplant, so schnell zu studieren?
Bök: Nein, das hat sich so ergeben. Bereits im zweiten Semester hatte ich zwei Prüfungen mehr als nötig absolviert, im dritten Semester habe ich dann noch eine Schippe draufgelegt. Ich hätte nicht gedacht, dass alles so gut laufen würde.

RUBENS: Hatten oder haben Sie Jobs während des Studiums?
Bök: Ja, zu Beginn habe ich bei der Diakonie gearbeitet, seit Anfang 2005 als studentische Hilfskraft an der Studiobühne im Musischen Zentrum und seit Mitte letzten Jahres zusätzlich in der Arbeitsgruppe Integrierte Informationssysteme. Ich arbeite rund 19 Stunden in der Woche nebenbei.

RUBENS: Das Stichwort Studiobühne deutet auch auf Hobbys hin. Was machen Sie in Ihrer Freizeit?
Bök: Eigentlich beschäftige ich mich mehr mit Fotografie, das mit dem Theater war bis dahin nicht so meine Sache. Die Ausschreibung klang jedoch sehr interessant, und die Arbeit hat auch mein Interesse fürs Theater geweckt. Ansonsten interessiere ich mich sehr für Sport, vor allem Fußball.




jw
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