Hybride Leistungsbündel
Neuer Sonderforschungsbereich an der Ruhr-Uni
Maschine verkaufen und vergessen? Weg von diesem Denken
wollen die Mitglieder vom Sonderforschungsbereich/Transregio
„Engineering hybrider Leistungsbündel –
Dynamische Wechselwirkungen von Sach- und Dienstleistungen
in der Produktion“. Er startet zum 1. Juli an
der Ruhr-Uni und der TU Berlin (Sprecher ist Prof. Dr.-Ing.
Horst Meier, Lehrstuhl für Produktionssysteme der
Ruhr-Uni). Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
fördert den SFB für zunächst vier Jahre
mit rund sieben Millionen Euro.
Mit der Auslieferung einer Maschine hat der Hersteller
heute meist seine Pflicht getan: Wie sie beim Kunden
optimal funktioniert, wie sich gewährleisten lässt,
dass sie stets verfügbar ist und jemand sie zu
bedienen und zu warten weiß, wird erst danach
bedacht. Mit dieser Politik vergeben sich deutsche Hersteller
entscheidende Wettbewerbsvorteile, auch wenn sie technisch
die Nase vorn haben: „Gelingt es dem Kunden nicht,
die technologischen Vorteile voll auszuschöpfen,
sind einfachere Maschinen aus Billiglohnländern
wirtschaftlicher“, erläutert Prof. Horst
Meier. Umfassendere und kundenorientierte Angebote sind
gefragt, die neben der reinen Sachleistung einen Mehrwert
durch abgestimmte Dienstleistungen beinhalten. Dazu
können etwa produktintegrierte Mitarbeiterschulungen,
Wartung, Instandhaltung oder Prozessoptimierung zählen.
Schon beim Entwurf eines neuen Produkts müssen
die Ingenieure vorausschauend denken und die Eventualitäten
im Lebenslauf einer Maschine berücksichtigen: „Das
kann heißen, dass die Maschine im Bedarfsfall
den bestmöglichen Service für sich automatisch
organisiert“, erklärt Dipl.-Ing. Daniel Kortmann
vom Lehrstuhl für Produktionssysteme.
Demonstrator in Berlin
Die Geschäftsmodelle hybrider Leistungsbündel
– bestehend aus Sach- und Dienstleistungen –
können unterschiedliche Ausprägungen annehmen.
So ist es möglich, dass statt der Maschine selbst
nur ihre Verfügbarkeit verkauft wird. Der Hersteller
bleibt in diesem Fall für die vereinbarte Nutzungsdauer
der Maschine dafür verantwortlich, dass sie z.B.
in 96 Prozent der Zeit einsatzbereit ist. Nur für
diese Einsatzbereitschaft wird er vergütet. In
noch weitergehenden Modellen kann der Hersteller auch
die komplette Verantwortung für den optimalen Betrieb
der Maschine übernehmen. In diesem Fall wird er
nur für die auf der Maschine produzierten Güter
bezahlt. Diese innovativen Geschäftsmodelle sind
nur durch hoch effiziente integrierte Dienstleistungen
in Form von hybriden Leistungsbündeln wettbewerbsfähig
zu vermarkten.
In zwölf Teilprojekten werden die Potenziale, Grenzen
und Umsetzungsmöglichkeiten eines erweiterten Produktbegriffs
für komplexe technische Produktionsmaschinen unter
dem Leitbild hybrider Leistungsbündel erforscht.
Die SFB-Mitglieder werden ihre Arbeiten zunächst
am Beispiel der Mikroproduktionstechnik konkretisieren.
Ein entsprechender Demonstrator wird an der TU Berlin
entwickelt.
PS: Ein anderer SFB der Ruhr-Uni, „Metall-Substrat-Wechselwirkungen
in der heterogenen Katalyse“, geht in die dritte
Förderperiode. Die DFG bewilligte 4,3 Mio. Euro
für die nächsten drei Jahre. Chemiker und
andere Wissenschaftler untersuchen Katalysatoren, die
aus nanometergroßen Metallpartikeln auf geeigneten
Trägern (Substraten) bestehen. Das Substrat aktiviert
die Metallteilchen. Den Forschern geht es darum, die
Natur dieser Aktivierung zu ergründen und die katalytischen
Eigenschaften verschiedener Chemikalien zu optimieren.
md
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