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RUBENS 108

1. Juli 2006

Hybride Leistungsbündel


Neuer Sonderforschungsbereich an der Ruhr-Uni



Maschine verkaufen und vergessen? Weg von diesem Denken wollen die Mitglieder vom Sonderforschungsbereich/Transregio „Engineering hybrider Leistungsbündel – Dynamische Wechselwirkungen von Sach- und Dienstleistungen in der Produktion“. Er startet zum 1. Juli an der Ruhr-Uni und der TU Berlin (Sprecher ist Prof. Dr.-Ing. Horst Meier, Lehrstuhl für Produktionssysteme der Ruhr-Uni). Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert den SFB für zunächst vier Jahre mit rund sieben Millionen Euro.

Mit der Auslieferung einer Maschine hat der Hersteller heute meist seine Pflicht getan: Wie sie beim Kunden optimal funktioniert, wie sich gewährleisten lässt, dass sie stets verfügbar ist und jemand sie zu bedienen und zu warten weiß, wird erst danach bedacht. Mit dieser Politik vergeben sich deutsche Hersteller entscheidende Wettbewerbsvorteile, auch wenn sie technisch die Nase vorn haben: „Gelingt es dem Kunden nicht, die technologischen Vorteile voll auszuschöpfen, sind einfachere Maschinen aus Billiglohnländern wirtschaftlicher“, erläutert Prof. Horst Meier. Umfassendere und kundenorientierte Angebote sind gefragt, die neben der reinen Sachleistung einen Mehrwert durch abgestimmte Dienstleistungen beinhalten. Dazu können etwa produktintegrierte Mitarbeiterschulungen, Wartung, Instandhaltung oder Prozessoptimierung zählen.
Schon beim Entwurf eines neuen Produkts müssen die Ingenieure vorausschauend denken und die Eventualitäten im Lebenslauf einer Maschine berücksichtigen: „Das kann heißen, dass die Maschine im Bedarfsfall den bestmöglichen Service für sich automatisch organisiert“, erklärt Dipl.-Ing. Daniel Kortmann vom Lehrstuhl für Produktionssysteme.

Demonstrator in Berlin

Die Geschäftsmodelle hybrider Leistungsbündel – bestehend aus Sach- und Dienstleistungen – können unterschiedliche Ausprägungen annehmen. So ist es möglich, dass statt der Maschine selbst nur ihre Verfügbarkeit verkauft wird. Der Hersteller bleibt in diesem Fall für die vereinbarte Nutzungsdauer der Maschine dafür verantwortlich, dass sie z.B. in 96 Prozent der Zeit einsatzbereit ist. Nur für diese Einsatzbereitschaft wird er vergütet. In noch weitergehenden Modellen kann der Hersteller auch die komplette Verantwortung für den optimalen Betrieb der Maschine übernehmen. In diesem Fall wird er nur für die auf der Maschine produzierten Güter bezahlt. Diese innovativen Geschäftsmodelle sind nur durch hoch effiziente integrierte Dienstleistungen in Form von hybriden Leistungsbündeln wettbewerbsfähig zu vermarkten.
In zwölf Teilprojekten werden die Potenziale, Grenzen und Umsetzungsmöglichkeiten eines erweiterten Produktbegriffs für komplexe technische Produktionsmaschinen unter dem Leitbild hybrider Leistungsbündel erforscht. Die SFB-Mitglieder werden ihre Arbeiten zunächst am Beispiel der Mikroproduktionstechnik konkretisieren. Ein entsprechender Demonstrator wird an der TU Berlin entwickelt.

PS: Ein anderer SFB der Ruhr-Uni, „Metall-Substrat-Wechselwirkungen in der heterogenen Katalyse“, geht in die dritte Förderperiode. Die DFG bewilligte 4,3 Mio. Euro für die nächsten drei Jahre. Chemiker und andere Wissenschaftler untersuchen Katalysatoren, die aus nanometergroßen Metallpartikeln auf geeigneten Trägern (Substraten) bestehen. Das Substrat aktiviert die Metallteilchen. Den Forschern geht es darum, die Natur dieser Aktivierung zu ergründen und die katalytischen Eigenschaften verschiedener Chemikalien zu optimieren.

 




md
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Letzte Änderung: 30.6.2006| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik