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RUBENS 107

1. Juni 2006


Zügiges Essen im Übergangsforum


Archivsplitter: Die allererste Mensa der Ruhr-Universität




Durchsaniert und in neuem Glanz präsentiert sich derzeit die Mensa nach zweieinhalbjähriger Bauzeit. Ziemlich genau 32 Jahre hatte sie bis dahin ihre Funktion erfüllt. Das Gebäude – seinerzeit als „Mensa II“ bezeichnet – war im Oktober 1971 fertig gestellt worden, zu einer Zeit also, als die 13 Institutsgebäude lange hochgezogen waren und der Lehrbetrieb seit sechs Jahren lief.

Diese auf den ersten Blick verwundernde Tatsache entsprach völlig dem Zeitplan des Baustabes, demzufolge die Gebäude auf der Mittelachse des Campus als letzte errichtet werden sollten. Um die hungrigen Münder stopfen zu können, musste also eine Übergangslösung geschaffen werden, ohne dass dafür ein provisorisches Ausweichen auf andere, leer stehende Gebäude, wie es für andere Bereiche durchaus praktiziert wurde, möglich gewesen wäre.
Ein Blick auf Orientierungspläne der Jahre 1965ff. zeigt, dass man gleich zu Baubeginn der Universität abseits des engeren Campus, in östlicher Verlängerung des „ingenieurwissenschaftlichen Quartiers“, das so genannte Übergangsforum eingerichtet hatte. Hier befand sich eine ganze Reihe mehr oder minder behelfsmäßiger Bauten sowohl für die Ingenieurteams der Baubüros als auch für Studentenschaft, evangelische und katholische Kirchengemeinde und eben eine Mensa: das Gebäude, das heute vis-à-vis der Fachhochschule liegt (die „Blue Box“) und vom dortigen Fachbereich Architektur belegt wird. Zusätzlich wurde 1967 noch ein Gebäude zur kommerziellen Nutzung (Buchhandel, „Konsum“) erbaut.

Bahnsteigsystem

Die Vorgabe, die der Sonderbaustab für den Bau der Mensa I gestellt hatte, war ehrgeizig: Sie sollte zum einen „in kürzester Frist“ errichtet werden und zum anderen sollte es möglich sein, sie später „ohne größeren Aufwand einem anderen Zweck zuzuführen“. Dabei dachte man an Kurzzeitsport oder Elektrotechnik und entschied sich schließlich sogar für eine Konstruktion, die es gestattete, „das gesamte Bauwerk als Halle an anderer Stelle wieder aufzubauen.“ Entsprechend war die Bauweise: Das Erdgeschoss wurde aus in der Feldfabrik hergestellten Stahlbetonteilen gefertigt, das Obergeschoss in Stahlkonstruktion ausgeführt. Auch die zeitliche Vorgabe wurde erfüllt. Nach drei Monaten war der Rohbau erstellt (November 1964), und im Mai 1965, gut einen Monat vor der Eröffnung der Uni, war die Mensa bezugsfertig.
Die zweigeschossige Bauweise war in den Augen der Architekten die Gewähr für einen reibungslosen Ablauf des Mensabetriebs: Das so genannte Bahnsteigsystem – getrennte Aufgänge für die zwei Wahlessen wie auch für die „à-la-carte-Räume“ und separate Abgangstreppen – sollte einen kreuzungsfreien Besucherstrom gewährleisten, wobei „die Eingangshalle … den Stauraum [bildete].“ Ausgelegt war die Mensa anfangs für die Ausgabe von täglich 4.000 Essen. Mit fortschreitendem Universitätsausbau musste jedoch mit mehr Studierenden gerechnet werden. Ein einfacher planerischer Trick ermöglichte es, die Versorgung einer größeren Anzahl von Personen sicherzustellen, ohne baulich etwas ändern zu müssen: „Durch Verringerung der Essenszeiten auf 20 Minuten und Verlängerung der Ausgabezeit kann die Kapazität jederzeit auf die im Höchstfall erforderliche Ausgabe von 6.500 Portionen gesteigert werden.“
Als Mensa diente das Gebäude bis zum Herbst 1971. Seine weitere Nutzung wich aber von den ursprünglichen Vorstellungen ab. Die Universitätsbibliothek, übergangsweise im Gebäude IB untergebracht, bezog hier für gut zwei Jahre Quartier; ihr eigentliches Gebäude am Hauptforum wurde erst 1974 fertig gestellt. Danach stand das Gebäude ein knappes Jahrzehnt leer – offiziell, denn, wie Zeitzeugen zu berichten wissen, haben sich zwischenzeitlich die „Blue White Punks“ aus Bochum sowie eine „autonome“ Kfz-Werkstatt hier niedergelassen. Auch um diesen Zustand zu beenden, forcierte man eine erneute Nutzung zu Bibliothekszwecken. Ab 1985 zog hier das Hochschulbibliothekszentrum Köln mit seinem Speichermagazin ein, bevor es 2003 an den Fachbereich Architektur der FH ging.

http://www.rub.de/archiv



 



Jörg Lorenz
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