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RUBENS 107

1. Juni 2006

Gestifteter Doktor

Parteinahe und andere Stiftungen: Der Weg zum Stipendium



Für viele ist das Studium zwar ein wichtiger Lebensabschnitt, jedoch meist nur eine Durchgangsstation auf dem Weg ins Arbeitsleben. Doch es gibt zahlreiche Studierende, die nach dem Abschluss die Uni nicht verlassen, weil sie auch hier Karriere machen können. Wie Kerstin Peeters, die ihre Promotion anstrebt – ermöglicht durch ein Stipendium.

Mit Erfolg hat die Dinslakenerin ihr Pädagogik-Studium an der Ruhr-Uni abgeschlossen. Die Nebenfächer Linguistik und Sozialpsychologie waren schnell erledigt, auch die Abschlussprüfungen im Hauptfach Pädagogik brachten ihr nur gute Noten ein – das sollte für sie noch von Vorteil sein.
„Ich habe schon während des Studiums erwogen, anschließend zu promovieren“, sagt die 26-Jährige. Das wissenschaftliche Arbeiten habe ihr großen Spaß bereitet, auch mit der Magisterarbeit kam sie gut zurecht. „Viele fragen, ob das Promovieren Sinn macht, aber ich habe mich an der Uni einfach zu wohl gefühlt, um schon aufzuhören“, sagt Peeters. An zwei Lehrstühlen des Instituts für Pädagogik hatte sie als studentische Hilfskraft gearbeitet – es lag nahe, auf der Karriereleiter der Hochschule die nächste Stufe zu erklimmen.

Praktikable Alternative

Doch der Abstand zur nächsten Stufe war größer als erwartet. Die Jobsituation am Institut ist nicht rosig, überall fehlt Geld. Ein Stipendium erschien Peeters eine praktikable Alternative. Natürlich hätte sie sich auch eine Arbeit abseits vom Campus suchen können, doch die Zeit für den Job hätte ihr bei der Arbeit am Promotionsthema gefehlt.
Also setzte sie sich mit ihrem Doktorvater Prof. Jürgen Wittpoth (Lehrstuhl für Erwachsenenbildung) zusammen, um über die mögliche Promotion samt Stipendium zu beraten. Wittpoth war vom Dissertationsthema begeistert und sagte seine Unterstützung zu. Eine Anschubfinanzierung gab es über die Stelle am Lehrstuhl, der Rest musste über ein Stipendium kommen. Nur wie?
Einen allgemeingültigen Weg zum Stipendium gibt es nicht, dazu sind die Bewerbungsverfahren bei den einzelnen Stiftungen zu unterschiedlich. Stets jedoch muss der Bewerber quasi in Vorleistung treten: sehr guter Hochschulabschluss, möglichst ehrenamtliches Engagement sowie jede Menge Formalia erledigen wie Lebenslauf, Zeugnisse, Praktikumsbescheinigungen, Arbeitsbelege, Gutachten des Doktorvaters sowie ein Exposé der geplanten Doktorarbeit.
Schon vor der Bewerbung muss man sich zudem genau überlegen, welche Stiftung in Frage kommt. Man kann wählen zwischen parteinahen, konfessionellen oder wirtschaftsnahen Organisationen (s. Kasten). „Bei parteinahen Stiftungen muss man nicht der jeweiligen Partei angehören, man sollte sich aber mit den Werten der jeweiligen Stiftung identifizieren können“, erklärt Peeters. Das versuchen die Stiftungen bei den Bewerbungsgesprächen zu ergründen. Unter Umständen muss man mehrere Durchgänge durchlaufen. Das kostet Zeit. Für die ganze Phase von der Vorbereitung der Bewerbung bis zur endgültigen Zusage sollte man ein halbes Jahr einplanen.
Darin steckt ein gewisses Risiko: Man kann sich nicht sicher sein, wirklich genommen zu werden. Wenn es nicht klappt, fängt man im schlimmsten Fall von vorne an. Denn man kann zwar bei mehreren Stiftungen Bewerbungen einreichen, aber Kerstin Peeters warnt: „Die Stiftungen fragen in der Regel ab, ob man sich schon woanders beworben hat, auch untereinander tauschen sich die Stiftungen aus“, sagt sie. Da man bei politischen Stiftungen hinter den jeweiligen Werten stehen sollte, verbietet sich eine parallele Bewerbung bei einer zweiten politischen Stiftung.

800 Euro im Monat

Kerstin Peeters hat letztlich mit ihrer Bewerbung bei der Konrad-Adenauer-Stiftung Erfolg gehabt. Sie kann sich nun auf eine monatliche finanzielle Unterstützung von über 900 Euro freuen – Geld, das sie nicht zurückzahlen muss. Aber die Stipendiaten werden auch ideell unterstützt. Bei der Konrad-Adenauer-Stiftung werden u. a. Seminare zu verschiedenen Themen angeboten. Die Stipendiaten sollen nicht nur im stillen Kämmerlein vor sich hinarbeiten, sondern sich auch weiterbilden und den Kontakt zu anderen pflegen.
Mit der Zusage zum Stipendium verkauft man übrigens nicht sofort seine Arbeit samt Forschungsergebnissen. Die Stiftungen werden in der Abschlussarbeit natürlich erwähnt, die Ergebnisse kann man aber selbst verwerten oder publizieren. Bei der Konrad-Adenauer-Stiftung geht die Betreuung nach dem Ende der Promotion weiter. Hilfen gibt es beispielsweise bei der Jobsuche. Darauf baut auch Kerstin Peeters – bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg.
Drei bis dreieinhalb Jahre will sie für ihre Promotion aufwenden. „Medien und Praxen der Bildung Erwachsener in der frühen Neuzeit“ lautet der Titel. In dieser Zeit wird sie nicht nur an ihrem Projekt arbeiten. Auch eine Lehrveranstaltung bietet sie an. Denn bei aller Arbeit am Thema will sie den Kontakt zur Uni nicht verlieren.

Stiftungen
Alle im Bundestag vertretenen Parteien haben Stiftungen gegründet, die Studierende fördern. Hinzu kommen u. a. kirchliche und gewerkschaftsnahe Studienwerke sowie die Möglichkeit eines Stipendiums der Ruhr-Uni.

Konrad-Adenauer-Stiftung (CDU), http://www.kas.de.
Friedrich-Ebert-Stiftung (SPD), http://www.fes.de.
Friedrich-Naumann-Stiftung (FDP), http://www.fnst.de.
Heinrich-Böll-Stiftung (Grüne), http://www.boell.de.
Rosa Luxemburg (PDS), http://www.rosalux.de.
Hans-Seidel-Stiftung (CSU), http://www.hss.de.
Evangelisches Studienwerk e.V., http://www.evstudienwerk.de.
Katholisches Cusanuswerk, http://www.cusanuswerk.de.
Studienstiftung des deutschen Volkes, http://www.studienstiftung.de
Hans-Böckler-Stiftung, http://www.boeckler.de.
Allgemeines Promotionskolleg der Ruhr-Uni, http://www.rub.de/promotionskolleg/.
Am 23.6. findet im Audimax der Aktionstag Stipendien statt, Infos: -28388.



Michael Braun
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Letzte Änderung: 31.5.2006| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik