Gestifteter
Doktor
Parteinahe
und andere Stiftungen: Der Weg zum Stipendium
Für viele ist das Studium zwar ein wichtiger Lebensabschnitt,
jedoch meist nur eine Durchgangsstation auf dem Weg
ins Arbeitsleben. Doch es gibt zahlreiche Studierende,
die nach dem Abschluss die Uni nicht verlassen, weil
sie auch hier Karriere machen können. Wie Kerstin
Peeters, die ihre Promotion anstrebt – ermöglicht
durch ein Stipendium.
Mit Erfolg hat die Dinslakenerin ihr Pädagogik-Studium
an der Ruhr-Uni abgeschlossen. Die Nebenfächer
Linguistik und Sozialpsychologie waren schnell erledigt,
auch die Abschlussprüfungen im Hauptfach Pädagogik
brachten ihr nur gute Noten ein – das sollte für
sie noch von Vorteil sein.
„Ich habe schon während des Studiums erwogen,
anschließend zu promovieren“, sagt die 26-Jährige.
Das wissenschaftliche Arbeiten habe ihr großen
Spaß bereitet, auch mit der Magisterarbeit kam
sie gut zurecht. „Viele fragen, ob das Promovieren
Sinn macht, aber ich habe mich an der Uni einfach zu
wohl gefühlt, um schon aufzuhören“,
sagt Peeters. An zwei Lehrstühlen des Instituts
für Pädagogik hatte sie als studentische Hilfskraft
gearbeitet – es lag nahe, auf der Karriereleiter
der Hochschule die nächste Stufe zu erklimmen.
Praktikable Alternative
Doch der Abstand zur nächsten Stufe war größer
als erwartet. Die Jobsituation am Institut ist nicht
rosig, überall fehlt Geld. Ein Stipendium erschien
Peeters eine praktikable Alternative. Natürlich
hätte sie sich auch eine Arbeit abseits vom Campus
suchen können, doch die Zeit für den Job hätte
ihr bei der Arbeit am Promotionsthema gefehlt.
Also setzte sie sich mit ihrem Doktorvater Prof. Jürgen
Wittpoth (Lehrstuhl für Erwachsenenbildung) zusammen,
um über die mögliche Promotion samt Stipendium
zu beraten. Wittpoth war vom Dissertationsthema begeistert
und sagte seine Unterstützung zu. Eine Anschubfinanzierung
gab es über die Stelle am Lehrstuhl, der Rest musste
über ein Stipendium kommen. Nur wie?
Einen allgemeingültigen Weg zum Stipendium gibt
es nicht, dazu sind die Bewerbungsverfahren bei den
einzelnen Stiftungen zu unterschiedlich. Stets jedoch
muss der Bewerber quasi in Vorleistung treten: sehr
guter Hochschulabschluss, möglichst ehrenamtliches
Engagement sowie jede Menge Formalia erledigen wie Lebenslauf,
Zeugnisse, Praktikumsbescheinigungen, Arbeitsbelege,
Gutachten des Doktorvaters sowie ein Exposé der
geplanten Doktorarbeit.
Schon vor der Bewerbung muss man sich zudem genau überlegen,
welche Stiftung in Frage kommt. Man kann wählen
zwischen parteinahen, konfessionellen oder wirtschaftsnahen
Organisationen (s. Kasten). „Bei parteinahen Stiftungen
muss man nicht der jeweiligen Partei angehören,
man sollte sich aber mit den Werten der jeweiligen Stiftung
identifizieren können“, erklärt Peeters.
Das versuchen die Stiftungen bei den Bewerbungsgesprächen
zu ergründen. Unter Umständen muss man mehrere
Durchgänge durchlaufen. Das kostet Zeit. Für
die ganze Phase von der Vorbereitung der Bewerbung bis
zur endgültigen Zusage sollte man ein halbes Jahr
einplanen.
Darin steckt ein gewisses Risiko: Man kann sich nicht
sicher sein, wirklich genommen zu werden. Wenn es nicht
klappt, fängt man im schlimmsten Fall von vorne
an. Denn man kann zwar bei mehreren Stiftungen Bewerbungen
einreichen, aber Kerstin Peeters warnt: „Die Stiftungen
fragen in der Regel ab, ob man sich schon woanders beworben
hat, auch untereinander tauschen sich die Stiftungen
aus“, sagt sie. Da man bei politischen Stiftungen
hinter den jeweiligen Werten stehen sollte, verbietet
sich eine parallele Bewerbung bei einer zweiten politischen
Stiftung.
800 Euro im Monat
Kerstin Peeters hat letztlich mit ihrer Bewerbung bei
der Konrad-Adenauer-Stiftung Erfolg gehabt. Sie kann
sich nun auf eine monatliche finanzielle Unterstützung
von über 900 Euro freuen – Geld, das sie
nicht zurückzahlen muss. Aber die Stipendiaten
werden auch ideell unterstützt. Bei der Konrad-Adenauer-Stiftung
werden u. a. Seminare zu verschiedenen Themen angeboten.
Die Stipendiaten sollen nicht nur im stillen Kämmerlein
vor sich hinarbeiten, sondern sich auch weiterbilden
und den Kontakt zu anderen pflegen.
Mit der Zusage zum Stipendium verkauft man übrigens
nicht sofort seine Arbeit samt Forschungsergebnissen.
Die Stiftungen werden in der Abschlussarbeit natürlich
erwähnt, die Ergebnisse kann man aber selbst verwerten
oder publizieren. Bei der Konrad-Adenauer-Stiftung geht
die Betreuung nach dem Ende der Promotion weiter. Hilfen
gibt es beispielsweise bei der Jobsuche. Darauf baut
auch Kerstin Peeters – bis dahin ist es aber noch
ein weiter Weg.
Drei bis dreieinhalb Jahre will sie für ihre Promotion
aufwenden. „Medien und Praxen der Bildung Erwachsener
in der frühen Neuzeit“ lautet der Titel.
In dieser Zeit wird sie nicht nur an ihrem Projekt arbeiten.
Auch eine Lehrveranstaltung bietet sie an. Denn bei
aller Arbeit am Thema will sie den Kontakt zur Uni nicht
verlieren.
Stiftungen
Alle im Bundestag vertretenen Parteien haben Stiftungen
gegründet, die Studierende fördern. Hinzu
kommen u. a. kirchliche und gewerkschaftsnahe Studienwerke
sowie die Möglichkeit eines Stipendiums der Ruhr-Uni.
Konrad-Adenauer-Stiftung (CDU), http://www.kas.de.
Friedrich-Ebert-Stiftung (SPD), http://www.fes.de.
Friedrich-Naumann-Stiftung (FDP), http://www.fnst.de.
Heinrich-Böll-Stiftung (Grüne), http://www.boell.de.
Rosa Luxemburg (PDS), http://www.rosalux.de.
Hans-Seidel-Stiftung (CSU), http://www.hss.de.
Evangelisches Studienwerk e.V., http://www.evstudienwerk.de.
Katholisches Cusanuswerk, http://www.cusanuswerk.de.
Studienstiftung des deutschen Volkes, http://www.studienstiftung.de
Hans-Böckler-Stiftung, http://www.boeckler.de.
Allgemeines Promotionskolleg der Ruhr-Uni, http://www.rub.de/promotionskolleg/.
Am 23.6. findet im Audimax der Aktionstag Stipendien
statt, Infos: -28388.
Michael
Braun
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