Bewegte Zeiten
Senat der Ruhr-Uni setzt Arbeitsgruppe zu Studiengebühren
ein
Eine Zeitlang sah es so, als sei die Ruhr-Uni zu einem
weitgehend unpolitischen Ort geworden. Das änderte
sich in diesem Frühjahr schlagartig: wochenlanger
Streik von Beschäftigten, Besetzung des Senatssaals
durch Studierende, Großdemo aller Statusgruppen
in Düsseldorf und zuletzt die bestbesuchte Senatssitzung
aller Zeiten – und das alles kurz vor der Wahl
eines neuen Rektors.
Über 1.800 Studierende versammelten sich am 22.
Mai im Audimax. Schließlich berieten dort die
Senatoren über die Einsetzung einer, die den Verbesserungsbedarf
der Studienqualität erheben und dem Senat bis Juli
2006 erste Modelle zur Verwendung von Studiengebühren
vorlegen soll; viele Studierende erkannten darin ein
eindeutiges Signal für die Gebühreneinführung
an der Ruhr-Uni. Das rege Interesse an der öffentlichen
Sitzung wurde auch dadurch ermöglicht, dass das
Rektorat die teilnehmenden Studierenden von ihren Lehrveranstaltungen
befreite.
Nach rund zwei Stunden Diskussion (an der auch das studentische
Auditorium rege beteiligt wurde) und einigen zwischenzeitlichen
Tumulten kam es zur Abstimmung. Mit 13 zu 9 Stimmen
(bei 2 Enthaltungen) nahm der Senat den Antrag der Fraktion
der Professoren an. Demnach setzt der Senat eine Arbeitsgruppe
ein, die zum einen eine Beitragssatzung entwerfen soll.
Zum anderen soll sie konkrete Vorschläge erarbeiten,
wo die Einnahmen aus den Studienbeiträgen am sinnvollsten
eingesetzt werden können.
Bereits zu Beginn der Senatssitzung wurde einstimmig
die Einsetzung einer weiteren Arbeitsgruppe beschlossen.
Sie soll Einsparpotenziale an der Ruhr-Uni ausloten.
Immerhin drohen der Ruhr-Uni in den nächsten Jahren
erhebliche Mehrkosten (u. a. Energie) und Mindereinnahmen
(u. a. hervorgerufen durch die schlechte Absolventenquote,
s. Rubens 106).
Eigentlich sollte der Senat bereits am 27. April über
die Arbeitsgruppe zur Gebührensatzung beraten.
Doch der Senatssaal erwies sich als viel zu klein, um
die vielen hundert Studierenden zu fassen, die an der
Sitzung teilnehmen wollten. Sie musste unterbrochen
werden. Als sich bis zuletzt knapp 100 Studierende weigerten,
den Senatssaal zu verlassen, wurden sie von der Polizei
nach draußen getragen.
Am selben Strang
Friedlicher ging es beim von der Gewerkschaft Verdi
organisierten Streik der Beschäftigten gegen Mehrarbeit
etc. zu. Er läuft seit Anfang April. Ab und an
ziehen die Streikenden mit Tröten und Pfeifen über
den Campus. Ansonsten versammeln sie sich auf dem Forum
zu Reden und einem bunten Programm mit Musik und Würstchen.
Die sichtbaren Folgen des Streiks halten sich in Grenzen:
Dozenten mussten sich zum Teil ihre Mikrophone selbst
besorgen, in manchen Gebäuden wurde das Toilettenpapier
knapp.
Während bei Studiengebühren oder Streik die
Meinungen teilweise weit auseinander gehen, zogen am
16. Mai alle Mitglieder der Ruhr-Uni an einem Strang:
Rektorat, Personalräte und Asta ermunterten Studierende,
Wissenschaftler und Beschäftigte, gemeinsam zu
einem Aktionstag nach Düsseldorf zu fahren. Vor
dem Landtag demonstrierten schließlich etwa 5.000
Menschen aus Nordrhein-Westfalen (die Mehrzahl aus Bochum)
für „eine bessere öffentliche Finanzierung
der Hochschulen“ und gegen das geplante Hochschulfreiheitsgesetz,
aber auch gegen Studiengebühren.
Sozusagen eingebettet in dieses hochschulpolitische
Geschehen ging an der Ruhr-Uni nicht nur das Sommerfest
über die Bühne(leider bei schlechtem Wetter),
es fand auch ein kurzer Wahlkampf um das Amt des Rektors
statt. Der amtierende Rektor Prof. Gerhard Wagner tritt
bei der Wahl am 1. Juni im Senat gegen Prorektor Prof.
Elmar W. Weiler (Planung, Struktur und Finanzen) an.
Die Amtszeit des neuen Rektors beginnt am 1. Dezember
2006.
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