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RUBENS 107

1. Juni 2006

Bewegte Zeiten


Senat der Ruhr-Uni setzt Arbeitsgruppe zu Studiengebühren ein

Eine Zeitlang sah es so, als sei die Ruhr-Uni zu einem weitgehend unpolitischen Ort geworden. Das änderte sich in diesem Frühjahr schlagartig: wochenlanger Streik von Beschäftigten, Besetzung des Senatssaals durch Studierende, Großdemo aller Statusgruppen in Düsseldorf und zuletzt die bestbesuchte Senatssitzung aller Zeiten – und das alles kurz vor der Wahl eines neuen Rektors.
Über 1.800 Studierende versammelten sich am 22. Mai im Audimax. Schließlich berieten dort die Senatoren über die Einsetzung einer, die den Verbesserungsbedarf der Studienqualität erheben und dem Senat bis Juli 2006 erste Modelle zur Verwendung von Studiengebühren vorlegen soll; viele Studierende erkannten darin ein eindeutiges Signal für die Gebühreneinführung an der Ruhr-Uni. Das rege Interesse an der öffentlichen Sitzung wurde auch dadurch ermöglicht, dass das Rektorat die teilnehmenden Studierenden von ihren Lehrveranstaltungen befreite.
Nach rund zwei Stunden Diskussion (an der auch das studentische Auditorium rege beteiligt wurde) und einigen zwischenzeitlichen Tumulten kam es zur Abstimmung. Mit 13 zu 9 Stimmen (bei 2 Enthaltungen) nahm der Senat den Antrag der Fraktion der Professoren an. Demnach setzt der Senat eine Arbeitsgruppe ein, die zum einen eine Beitragssatzung entwerfen soll. Zum anderen soll sie konkrete Vorschläge erarbeiten, wo die Einnahmen aus den Studienbeiträgen am sinnvollsten eingesetzt werden können.
Bereits zu Beginn der Senatssitzung wurde einstimmig die Einsetzung einer weiteren Arbeitsgruppe beschlossen. Sie soll Einsparpotenziale an der Ruhr-Uni ausloten. Immerhin drohen der Ruhr-Uni in den nächsten Jahren erhebliche Mehrkosten (u. a. Energie) und Mindereinnahmen (u. a. hervorgerufen durch die schlechte Absolventenquote, s. Rubens 106).
Eigentlich sollte der Senat bereits am 27. April über die Arbeitsgruppe zur Gebührensatzung beraten. Doch der Senatssaal erwies sich als viel zu klein, um die vielen hundert Studierenden zu fassen, die an der Sitzung teilnehmen wollten. Sie musste unterbrochen werden. Als sich bis zuletzt knapp 100 Studierende weigerten, den Senatssaal zu verlassen, wurden sie von der Polizei nach draußen getragen.

Am selben Strang

Friedlicher ging es beim von der Gewerkschaft Verdi organisierten Streik der Beschäftigten gegen Mehrarbeit etc. zu. Er läuft seit Anfang April. Ab und an ziehen die Streikenden mit Tröten und Pfeifen über den Campus. Ansonsten versammeln sie sich auf dem Forum zu Reden und einem bunten Programm mit Musik und Würstchen. Die sichtbaren Folgen des Streiks halten sich in Grenzen: Dozenten mussten sich zum Teil ihre Mikrophone selbst besorgen, in manchen Gebäuden wurde das Toilettenpapier knapp.
Während bei Studiengebühren oder Streik die Meinungen teilweise weit auseinander gehen, zogen am 16. Mai alle Mitglieder der Ruhr-Uni an einem Strang: Rektorat, Personalräte und Asta ermunterten Studierende, Wissenschaftler und Beschäftigte, gemeinsam zu einem Aktionstag nach Düsseldorf zu fahren. Vor dem Landtag demonstrierten schließlich etwa 5.000 Menschen aus Nordrhein-Westfalen (die Mehrzahl aus Bochum) für „eine bessere öffentliche Finanzierung der Hochschulen“ und gegen das geplante Hochschulfreiheitsgesetz, aber auch gegen Studiengebühren.
Sozusagen eingebettet in dieses hochschulpolitische Geschehen ging an der Ruhr-Uni nicht nur das Sommerfest über die Bühne(leider bei schlechtem Wetter), es fand auch ein kurzer Wahlkampf um das Amt des Rektors statt. Der amtierende Rektor Prof. Gerhard Wagner tritt bei der Wahl am 1. Juni im Senat gegen Prorektor Prof. Elmar W. Weiler (Planung, Struktur und Finanzen) an. Die Amtszeit des neuen Rektors beginnt am 1. Dezember 2006.



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Letzte Änderung: 31.5.2006| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik