Editorial
Pfiffe
für die Demagogen
Die öffentliche Senatssitzung am 22. Mai im Audimax
machte deutlich, dass das Thema Studiengebühren
die Ruhr-Uni in der Tat spaltet. Genau wie es diejenigen
Studierenden behaupteten, die nach der Sitzung das Uni-Café
im Querforum West besetzten und dort die „Freie
Universität Bochum“ ausriefen.
Allerdings wurde offensichtlich, dass gerade diese Studenten
nur eine Minderheit hinter sich wissen. Als sie versuchten,
die etwa 1.800 Studierenden auf die Bühne zu bewegen,
um die Abstimmung über die Einsetzung der Arbeitsgruppe
zu verhindern, die den Verbesserungsbedarf der Studienqualität
erheben und dem Senat bis Juli 2006 erste Modelle zur
Verwendung von Studiengebühren vorlegen soll, folgte
ihnen nur eine Handvoll. Im Gegenteil: Die lautesten
Demagogen wurden sogar ausgepfiffen.
Ausgepfiffen wurden jedoch auch diejenigen Senatsmitglieder,
die sich im Laufe der Sitzung für Gebühren
stark machten – selbst wenn sie schlagkräftige
Argumente ins Feld führten: bessere Studienbedingungen
(keine überfüllten Seminare, bessere Ausstattung
etc.), die ein schnelleres und attraktiveres Studium
ermöglichen sollen.
Es bleibt dabei: Die Studierenden sind gegen Gebühren.
Sie haben das in zwei Umfragen im letzten Herbst deutlich
artikuliert. Auch elf der 24 Senatsmitglieder haben
die o. g. Arbeitsgruppe nicht gewünscht. Allen
dürfte klar sein, dass diese AG einen ersten Schritt
auf dem Weg zu Studiengebühren darstellt.
Für die Einsetzung der Arbeitsgruppe waren hauptsächlich
die Professoren im Senat. Man kann allerdings ihnen
– sowie allen anderen Senatorinnen und Senatoren
– unterstellen, dass sie nicht mit ganzem Herzen
für Gebühren sind, sondern das Wohl der Ruhr-Uni
vor Augen haben. Außerdem dürften sie allesamt
gebührenfrei studiert haben. Doch die Zeiten haben
sich leider geändert. Es ist müßig,
die „Schuldigen“ für Haushaltslücken,
hohe Energiepreise oder eine unzureichende öffentliche
Ausfinanzierung der Hochschulen einzeln an den Pranger
zu stellen.
Dort sollen aber erst recht nicht die Senatorinnen und
Senatoren der Ruhr-Uni stehen – auch wenn sie
sich bei nächster Gelegenheit noch deutlicher für
Studiengebühren aussprechen müssten. Sie entscheiden
letztlich über die Zukunft der Ruhr-Universität
und deutlich zu verbessernde Studienbedingungen und
wissen, dass die wahrscheinlichste Alternative zu Studiengebühren
sehr harte Sparmaßnahmen wären. Schließlich
hat der Senat am 22. Mai die Einsetzung einer weiteren
Arbeitsgruppe beschlossen: Sie soll Einsparpotenziale
an der Ruhr-Uni ausloten und dem Senat darüber
ebenfalls bis Juli berichten.
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