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RUBENS 106

2. Mai 2006

Film und visuelle Kunst

MAGIS Spring School für europäische Filmwissenschaftler


In diesem Jahr fand sie zum vierten Mal statt: Die MAGIS Spring School im italienischen Gradisca d’Isonzo. Das Ziel: Doktoranden und jungen Forschern aus Europa den Austausch über Forschungen und aktuelle Debatten in der Filmwissenschaft zu ermöglichen. Neben der Pariser Sorbonne, den Unis Amsterdam, Prag, Mailand und Udine ist auch die Ruhr-Uni Partnerin der Schule.


Die Gradisca Spring School ist ein einwöchiger Intensivkurs mit Professoren und Dozenten aus verschiedenen europäischen Ländern (Frankreich, Deutschland, Spanien, Italien, Niederlande, Großbritannien). Anhand von Vorträgen werden im Plenum grundsätzliche Problemstellungen mit den Lehrenden diskutiert. Im Anschluss arbeiten die Dozenten und Studierenden in Workshops eigenständig zu spezifischeren Themen. Besonders dort, in kleinen Lerngruppen (vier bis acht Teilnehmer), bietet sich die sonst seltene Möglichkeit zum Austausch mit Doktoranden und Lehrenden unterschiedlichster Herkunft.
Die Spring School wurde in diesem Jahr zum zweiten Mal vom Institut für Medienwissenschaft der Ruhr-Uni mit ausgerichtet. Damit bietet sie auch für Bochumer Doktoranden die Gelegenheit, Lehrformen und Forschungsthemen anderer europäischer Länder kennen zu lernen und mit Studierenden anderer Institute und Unis in Kontakt zu treten, was unabdingbar für die Forschung im globalisierten Medienbereich ist.

Einflüsse des Films

Das übergreifende Thema 2006 lautete „Cinema and Contemporary Visual Arts“. Welche Rolle spielt der Film für die anderen Künste, welche aktuellen Tendenzen gibt es im Bereich der Videokunst, welche Konsequenzen hat die zunehmende Präsentation von Filmkunstarbeiten in den „white cubes“ und „black boxes“ der Museen? Dass diese Fragen nicht nur nicht leicht zu beantworten sind, sondern auch in höchst unterschiedlicher Weise angegangen werden können, zeigte sich in der Heterogenität der Forschungsansätze und der methodologischen Vielfalt der Vorträge und Workshops.
Das Programm präsentierte sich dicht gedrängt und hochklassig besetzt. Philippe Dubois (Paris) sprach über den Effekt des Kinos auf die zeitgenössische Kunst, indem er u. a. auf das Verhältnis von räumlichen Ordnungen und Bewegungen wie in Gus van Sants Film „Elephant“ und Installationen in Museen verwies. Auch der Direktor des Pariser Centre national des recherches scientifiques und Mitbegründer der Filmzeitschrift „Trafic“, Raymond Bellour, war in Gradisca. Er beschäftigte sich mit künstlerischen „Gesten“ am Beispiel von Werken von Marker, Mekas und Kawauchi. Jay David Bolter vom Georgia Institute of Technology, Atlanta, gestaltete ebenfalls einen Workshop. Als Experte für neue Medien arbeitete er mit den Studenten zu „Cyberphobia und Remediation of Cinema“ und setzte sich kritisch mit dem Verhältnis von Hollywood und den neuen Medien auseinander.
Nicht alle Dozenten waren Akademiker. So zählten auch die renommierten Film- und Videokünstler Mark Lewis und Anthony McCall zu den Gästen. McCall präsentierte – zum zweiten Mal überhaupt – die restaurierte Version seines 1978 entstandenen Experimentalfilms „Argument“ und stand in einem aufschlussreichen Gespräch Rede und Antwort.

Standortbestimmung

Nicht zuletzt konnten über die intensiven Diskussionsrunden und dank der angenehmen Atmosphäre viele Teilnehmer Kontakte knüpfen und Planungen zu Netzwerken aufnehmen. Sie gab es für Nachwuchswissenschaftler im Bereich der Filmwissenschaft auf internationalem Niveau bisher nicht. Die Spring School ermöglicht eine Standortbestimmung der eigenen Forschung und Projekte und erfüllt durch die internationale Auseinandersetzung eine zusätzlich anspornende Funktion.
Trotz der Anstrengungen einer Woche intensiven Lernens und Diskutierens in drei Sprachen möchten viele Teilnehmer im nächsten Jahr wieder dabei sein. Ob es jedoch eine Neuauflage geben kann, steht noch in den Sternen – die EU hat eine weitere Finanzierung noch nicht zugesagt.

MAGIS Spring School
Die MAGIS International Film Studies Spring School Gradisca findet jährlich im Anschluss an die Udine Conference, eine angesehene Tagung der Filmwissenschaft, statt. Sie richtet sich an Studierende am Ende des Masterstudiums, Doktoranden und junge Forscher der Filmwissenschaft der beteiligten Unis. Kooperationspartner an der Ruhr-Uni ist Prof. Vinzenz Hediger (Lehrstuhl für Industriefilm und visuelle Kultur). Finanziert wird MAGIS durch das Sokrates-Programm der EU. Die Teilnahme ist für eingeladene Studierenden kostenlos.

 

 

 


Franziska Heller/Thomas Waitz
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Letzte Änderung: 2.5.2006| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik