Film und visuelle
Kunst
MAGIS
Spring School für europäische Filmwissenschaftler
In diesem Jahr fand sie zum vierten Mal statt: Die MAGIS
Spring School im italienischen Gradisca d’Isonzo.
Das Ziel: Doktoranden und jungen Forschern aus Europa
den Austausch über Forschungen und aktuelle Debatten
in der Filmwissenschaft zu ermöglichen. Neben der
Pariser Sorbonne, den Unis Amsterdam, Prag, Mailand
und Udine ist auch die Ruhr-Uni Partnerin der Schule.
Die Gradisca Spring School ist ein einwöchiger
Intensivkurs mit Professoren und Dozenten aus verschiedenen
europäischen Ländern (Frankreich, Deutschland,
Spanien, Italien, Niederlande, Großbritannien).
Anhand von Vorträgen werden im Plenum grundsätzliche
Problemstellungen mit den Lehrenden diskutiert. Im Anschluss
arbeiten die Dozenten und Studierenden in Workshops
eigenständig zu spezifischeren Themen. Besonders
dort, in kleinen Lerngruppen (vier bis acht Teilnehmer),
bietet sich die sonst seltene Möglichkeit zum Austausch
mit Doktoranden und Lehrenden unterschiedlichster Herkunft.
Die Spring School wurde in diesem Jahr zum zweiten Mal
vom Institut für Medienwissenschaft der Ruhr-Uni
mit ausgerichtet. Damit bietet sie auch für Bochumer
Doktoranden die Gelegenheit, Lehrformen und Forschungsthemen
anderer europäischer Länder kennen zu lernen
und mit Studierenden anderer Institute und Unis in Kontakt
zu treten, was unabdingbar für die Forschung im
globalisierten Medienbereich ist.
Einflüsse des Films
Das übergreifende Thema 2006 lautete „Cinema
and Contemporary Visual Arts“. Welche Rolle spielt
der Film für die anderen Künste, welche aktuellen
Tendenzen gibt es im Bereich der Videokunst, welche
Konsequenzen hat die zunehmende Präsentation von
Filmkunstarbeiten in den „white cubes“ und
„black boxes“ der Museen? Dass diese Fragen
nicht nur nicht leicht zu beantworten sind, sondern
auch in höchst unterschiedlicher Weise angegangen
werden können, zeigte sich in der Heterogenität
der Forschungsansätze und der methodologischen
Vielfalt der Vorträge und Workshops.
Das Programm präsentierte sich dicht gedrängt
und hochklassig besetzt. Philippe Dubois (Paris) sprach
über den Effekt des Kinos auf die zeitgenössische
Kunst, indem er u. a. auf das Verhältnis von räumlichen
Ordnungen und Bewegungen wie in Gus van Sants Film „Elephant“
und Installationen in Museen verwies. Auch der Direktor
des Pariser Centre national des recherches scientifiques
und Mitbegründer der Filmzeitschrift „Trafic“,
Raymond Bellour, war in Gradisca. Er beschäftigte
sich mit künstlerischen „Gesten“ am
Beispiel von Werken von Marker, Mekas und Kawauchi.
Jay David Bolter vom Georgia Institute of Technology,
Atlanta, gestaltete ebenfalls einen Workshop. Als Experte
für neue Medien arbeitete er mit den Studenten
zu „Cyberphobia und Remediation of Cinema“
und setzte sich kritisch mit dem Verhältnis von
Hollywood und den neuen Medien auseinander.
Nicht alle Dozenten waren Akademiker. So zählten
auch die renommierten Film- und Videokünstler Mark
Lewis und Anthony McCall zu den Gästen. McCall
präsentierte – zum zweiten Mal überhaupt
– die restaurierte Version seines 1978 entstandenen
Experimentalfilms „Argument“ und stand in
einem aufschlussreichen Gespräch Rede und Antwort.
Standortbestimmung
Nicht zuletzt konnten über die intensiven Diskussionsrunden
und dank der angenehmen Atmosphäre viele Teilnehmer
Kontakte knüpfen und Planungen zu Netzwerken aufnehmen.
Sie gab es für Nachwuchswissenschaftler im Bereich
der Filmwissenschaft auf internationalem Niveau bisher
nicht. Die Spring School ermöglicht eine Standortbestimmung
der eigenen Forschung und Projekte und erfüllt
durch die internationale Auseinandersetzung eine zusätzlich
anspornende Funktion.
Trotz der Anstrengungen einer Woche intensiven Lernens
und Diskutierens in drei Sprachen möchten viele
Teilnehmer im nächsten Jahr wieder dabei sein.
Ob es jedoch eine Neuauflage geben kann, steht noch
in den Sternen – die EU hat eine weitere Finanzierung
noch nicht zugesagt.
MAGIS Spring School
Die MAGIS International Film Studies Spring School Gradisca
findet jährlich im Anschluss an die Udine Conference,
eine angesehene Tagung der Filmwissenschaft, statt.
Sie richtet sich an Studierende am Ende des Masterstudiums,
Doktoranden und junge Forscher der Filmwissenschaft
der beteiligten Unis. Kooperationspartner an der Ruhr-Uni
ist Prof. Vinzenz Hediger (Lehrstuhl für Industriefilm
und visuelle Kultur). Finanziert wird MAGIS durch das
Sokrates-Programm der EU. Die Teilnahme ist für
eingeladene Studierenden kostenlos.
Franziska
Heller/Thomas Waitz
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