Jenseits des Atlantiks
Serie Partneruniversitäten: Texas A &M
Seit die Texas A&M University (TAMU) am 4. Oktober
1876 ihre Tore für die ersten 40 Studenten öffnete,
hat sich hier viel verändert. Sie fing an als Militärhochschule
mit den beiden für Texas wichtigsten Disziplinen:
Landwirtschaft und Maschinenbau. Heute ist die TAMU
eine der Topunis der USA mit mehr als 150 Studiengängen
aus allen Bereichen. Aus 40 Studierenden sind über
46.000 geworden, die sich auf den 21 Quadratkilometer
großen Campus verteilen. Manche Studierende nutzen
die über 10.000 Betten der Uni, andere leben in
privaten Wohnheimen in College Station. Die Stadt entstand
zusammen mit der Hochschule und ist eigentlich nur ein
Gürtel um den Campus herum.
Klassischer Gegner
Ein Teil der militärischen Struktur der Schule,
die seit 1963 den Titel "Universität"
trägt und auch Frauen aufnimmt, ist erhalten geblieben:
Neben den „normalen“ Studierenden gibt es
rund 2.000 Cadetts – Studentinnen und Studenten
in Uniform. Auf sie gehen viele der TAMU-Traditionen
und Organisationen zurück, wie die Aggie-Band,
eine Militärkapelle, die in Halbzeitpausen von
Footballspielen das 82.000 Zuschauer fassende Kyle-Stadium
zum Toben bringt. Der Schlachtruf „Gig ’em’
Aggies’ soll besonders der University of Texas
in Austin das Fürchten lehren, dem klassischen
Gegner der TAMU.
Die Treue zur Alma mater bleibt auch bei Texanern nach
dem Abschluss bestehen. Dies äußert sich
in einem umfangreichen Mäzenatentum und Geldspenden
durch die Ehemaligen, die „old boys“. Bemerkbar
macht sich diese Großzügigkeit auch wissenschaftlich:
So besitzt die Uni z.B. einen Forschungstank zum Simulieren
von Strömungen, eine Zyklotron-Forschungseinrichtung
mit Teilchenbeschleuniger, Technologieparks und ein
komfortables „Memorial Student Center“ -
eine Einrichtung, die sowohl Gedenkstätte für
die gefallenen TAMU-Studenten als auch Begegnungszentrum
ist.
Von diesem Angebot profitierten auch die 145 Bochumer
Maschinenbau-Studierenden, die ein Semester in Texas
verbringen konnten. Der Austausch ist das Herzstück
der seit 1981 bestehenden Kooperation zwischen der TAMU
und der Ruhr-Uni (hier vor allem die Fakultäten
Philologie, Sozialwissenschaft und Maschinenbau). In
den letzten 25 Jahren gab es neben dem Studierendenaustausch
zahlreiche Forschungsaufenthalte an der jeweiligen Partneruni.
Einwandererbriefe gesammelt
Die erfolgreiche Forschungspartnerschaft zeigt sich
auch in 27 gemeinsamen Veröffentlichungen. Hervorzuheben
ist das Projekt „The US Civil War in the Eyes
of German Immigrants“, das zur größten
deutschen Sammlung von Einwandererbriefen geführt
hat (Nordamerika-Briefsammlung in Gotha, ehemals Bochumer
Auswandererbriefsammlung). Der Bochumer Partnerschaftsbeauftragte
ist Prof. Dr.-Ing. Viktor Scherer (Maschinenbau), an
der A&M betreut Prof. Taher Schobeiri (Department
of Mechanical Engineering) das Programm.
Zur Feier der 25-jährigen Partnerschaft lädt
die Ruhr-Uni am 12. und 13. Mai zu einer Veranstaltung
für ehemalige Stipendiaten des Austauschprogramms
ein. Die Teilnehmer erwartet ein ausgefülltes Programm
in den Tagungsräumen unter der neuen Mensa. Kooperationsbeteiligte
aus Bochum und Texas werden über Erfolge und Ziele
der Partnerschaft sprechen. Zudem berichten zwei ehemalige
deutsche Austauschstudenten über ihre Zeit in Texas.
Der Festakt am 12. Mai ist gleichzeitig eine Sondersitzung
des Senats der Ruhr-Uni, und Rektor Prof. Gerhard Wagner
wird die Gäste begrüßen. Der zweite
Tag ist der Besichtigung der Kokerei auf dem Weltkulturerbe
Zeche Zollverein vorbehalten. Diese erste zentral organisierte
Alumni-Veranstaltung hat vor allem ein Ziel: Sie soll
Ausgangspunkt eines Netwerkes der Ehemaligen des Austauschprogramms
sein.
Info: Texas A&M im Netz: www.tamu.edu
Milena
Kreft
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