Radioaktiv
Gebäudeserie:
RUBION
Jeder von uns kann sich noch an sein erstes Semester
an der Ruhr-Uni erinnern. Wer hat sich anfangs nicht
in den Kellerräumen verirrt und verzweifelt einen
Ausgang gesucht? Wieso liegt der mal auf 02 und mal
auf 01? Und warum gibt es nicht überall eine Cafeteria?
RUBENS liefert die Antworten – diesmal zum RUBION.
Als das Zentrale Isotopenlabor (ZIL) und das Dynamitron-Tandem-Laboratorium
(DTL) Anfang der 70er-Jahre zwischen dem Botanischen
Garten und den N-Gebäuden gebaut wurden, war ihr
Zweck klar: Das ZIL sollte – als zentrale Einrichtung
der Ruhr-Uni – der Forschung und Lehre an radioaktivem
Material dienen. Das DTL war als gemeinsame Einrichtungen
der Unis Bochum, Münster und Dortmund für
die Kernforschung mit Ionenstrahlen vorgesehen. Heute
stehen die Gebäude, die seit dem 10.01.06 offiziell
zu RUBION zusammengefasst sind, weiterhin den Forschern
der Ruhr-Uni und deren Kooperationspartnern zur Verfügung;
RUBION ist zudem wertvoller Partner vieler Firmen.
Man erreicht RUBION am besten, wenn man von ND/05 aus
die gelbe Brücke mit den Bullaugen benutzt, die
über die Südstraße führt. Vom angrenzenden
Vorraum des RUBION zweigen ein Sekretariat und das Büro
des Geschäftsführers Dr. Jan Meijer ab. Die
Wände schmücken Plakate über die Arbeit
des ZIL und eine Weltkarte mit den Standorten von RUBION-Partnern.
Dann steht man vor zwei verschlossenen Glastüren.
Die zweite ist mit Radioaktiv-Zeichen versehen, man
begreift: Das hier ist ernst, für Unbefugte kein
Zutritt.
Nicht ohne Dosimeter
Nur zugangsberechtigte Mitarbeiter und Nutzer können
die Türen öffnen. Bevor es weiter geht, müssen
in Umkleideräumen Kittel und Überschuhe angelegt
werden, sowie ein Dosimeter, das die Strahlungsmenge
misst, der der Körper ausgesetzt ist. Derart ausgestattet
betritt man den Bereich des ZIL, in dem mit offener
Radioaktivität gearbeitet wird.
Der erste Teil ist in drei Abschnitte gegliedert: Rechts
befinden sich Labore, die Forschern, Diplomanden und
Studierenden in Praktika vorbehalten sind. In der Mitte
und links sind sog. Sonderräume, z.B. Kühl-
oder Lagerräume. Hier wird auch der „Dackel“
aufbewahrt, eines von vielen speziell angefertigten
Geräten. Er dient dazu, Radioaktivität am
Boden zu messen.
Die Korridore zwischen den Abschnitten führen zum
zentralen Sammelpunkt, einem offenen Raum, der verschiedene
Exponate beherbergt. Dazu gehören Keramiken, die
mit uranhaltiger Farbe bemalt sind und deshalb die Messgeräte
bedrohlich ausschlagen lassen. Gefährlich ist es
aber nur, wenn man Uranstaub einatmet. Weiter geht es
in eine Abteilung, in der die Wände dicker sind.
Hier arbeitet man mit hoher Radioaktivität.
Durch eine Schleuse verlässt man den Kontrollbereich
und kann Kittel und Überschuhe wieder ablegen.
Ist alles gut gegangen, zeigt das Dosimeter keine Strahlung
an. Man befindet sich nun im DTL. Hier wird mit künstlich
erzeugten Ionenstrahlen gearbeitet, geladenen Atomen,
die mit elektrischen Feldern auf hohe Geschwindigkeiten
beschleunigt werden. Drei Beschleunigeranlagen sind
im DTL installiert. Der große Teilchenbeschleuniger
mit 4 Mio. Volt Spannung ist das Herzstück. Er
steht eine Etage tiefer, in einem Komplex, den man wegen
Strahlengefahr nur mit passendem Schlüssel betreten
kann. Zunächst sieht man einen großen Kontrollraum
mit Rechnern. In der Halle daneben befindet sich der
Beschleuniger innerhalb einer Ummantelung aus großen
Betonblöcken. Die dort erzeugten Ionenstrahlen
werden durch hohe Magnetfelder auf verschiedene Experimentierplätze
verteilt. Die Ionen dienen der Analyse und der Veränderung
von Materialien und werden von Forschern aus dem In-
und Ausland sowie der Industrie genutzt (RUBENS
80).
Keine Vorfälle
Zurück im Isotopenlabor, jetzt eine Etage tiefer.
Hier ist die Technik, die ein sicheres Arbeiten ermöglicht:
große Behälter für kontaminiertes Wasser
und andere Stoffe sowie ein komplexes System zum Filtern
der Luft in den Räumen. Lange Gänge mit bunten
Rohren an den Wänden sowie Filterelemente dominieren
diese Ebene. Die riesige Filteranlage besteht aus mehreren
Filtern, einem großen Ventilator und anderen Stationen.
Das Entscheidende an den Sicherheitsvorkehrungen ist:
Sie zahlen sich aus, noch nie ist es zu einem schwerwiegenden
Vorfall gekommen.
Milena
Kreft
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