Schlüsseltechnologie
Plasmaforschung:
Neuer Reaktor und internationale Kooperation
Zwei Ereignisse haben Mitte März die Bedeutung
der Plasmaforschung an der Ruhr-Uni untermauert. Zunächst
wurde ein neuer Plasmareaktor eingeweiht, tags drauf
fand auf dem Campus der erste Japanisch-Deutsche Tag
der Plasmatechnologie statt.
Er ist eine Weltneuheit und „hausgemacht“:
Einen neuen Plasmareaktor haben Forscher des Centers
for Plasma Science and Technology (CPST) der Ruhr-Uni
am 9. März eingeweiht. Damit lassen sich Bakterien
und Biomoleküle dekontaminieren und somit z.B.
medizinische Instrumente oder Implantate sterilisieren.
Im EU-Projekt BIODECON („Decontamination of biological
systems using plasma discharges“) ist er einer
von drei Reaktoren, mit denen Wissenschaftler die Wechselwirkung
von Plasmen mit biologischen Systemen untersuchen. Das
CPST koordiniert BIODECON und arbeitet mit Physikern,
Biologen und Medizinern aus Deutschland, Frankreich
und Italien zusammen.
„Einen solchen Reaktor für Dekontamination
und Sterilisation kann man nirgendwo kaufen“,
sagt Prof. Peter Awakowicz (Fakultät für Elektrotechnik
und Informationstechnik). „Zwar besteht er aus
herkömmlichen Komponenten, weltweit neu und einzigartig
sind jedoch die Idee, das Konzept und die Realisierung.“
Entstanden ist der Reaktor in enger Zusammenarbeit der
Fakultäten für Physik und Astronomie bzw.
Elektrotechnik und Informationstechnik: So wurden in
den Physik-Werkstätten die mechanischen Komponenten
gefertigt, die Elektro- und Informationstechniker brachten
ihr Know-how in der Entwicklung von Steuerungselektronik
und Software ein. „Da die Reaktoren in entsprechenden
Sicherheitslaboren der Biologen eingesetzt werden, bestand
die Herausforderung darin, ein robustes und fehlertolerantes
Forschungsinstrument zu entwickeln, das sich von Ingenieuren
sowie von Biologen und Medizinern gleichermaßen
einfach bedienen lässt“, erklärt Prof.
Achim von Keudell (Arbeitsgruppe Reaktive Plasmen),
„diese hervorragende technische Infrastruktur
ist eine der Stärken der Plasmaforschung an der
Ruhr-Uni.“
Während die Plasmaforscher sich mit der Charakterisierung
von Plasmen beschäftigen, untersuchen die an BIODECON
beteiligten Biologen und Mediziner die Wechselwirkung
dieser Plasmen mit pathogenen biologischen Systemen.
Das Hauptaugenmerk liegt auf der Dekontamination von
Bakterien, Viren bzw. Biomolekülen wie Prionen
(BSE-Erregern).
Internationale Netzwerke
Nur einen Tag später bestimmte erneut die Plasmaforschung
das Geschehen auf dem Campus: 14 japanische Firmenvertreter
besuchten beim ersten Japanisch-Deutschen Tag der Plasmatechnologie
am 10. März die Ruhr-Uni. Ziel war, den Kontakt
zwischen japanischen Firmen in Deutschland und der in
Bochum konzentrierten Kompetenz in der Plasmatechnologie
herzustellen. Veranstalter waren das CPST, das Landeswissenschaftsministerium
(MIWFT), das Japanische Generalkonsulat, die Japan External
Trade Organization und die Japanische Industrie- und
Handelskammer.
An der Ruhr-Uni ist in den vergangenen Jahren mit dem
fakultätsübergreifenden CPST eines der weltweit
größten universitären Zentren zur Plasmatechnologie
entstanden. Ausgehend von einer soliden Basis grundlagenorientierter
Spitzenforschung und modernster technischer Ausstattung
ist das Ziel die enge Kooperation mit der Industrie.
Mit einer Reihe deutscher Firmen wurde das Konzept bereits
umgesetzt. Der Einbindung in internationale Netzwerke
dient nicht zuletzt die intensive Kooperation mit japanischen
Forschergruppen.
Plasmen
Im Alltag werden sie oft nur bei Leuchtstofflampen wahrgenommen,
dabei haben Plasmen viele Hightech-Bereiche nicht nur
durchdrungen, sondern sie häufig erst ermöglicht.
Die Einsatzgebiete der Plasmatechnik reichen vom Mikrochip
bis zur Gefäßstütze, vom Plasmabildschirm
bis zur Abgasreinigung und vom sterilen Katheder bis
zum Beamer. So lassen sich mit Hilfe von Plasmen z.B.
funktionale Beschichtungen mit maßgeschneiderten
Eigenschaften auf praktisch beliebigen Oberflächen
vom Silizium-Wafer bis zu Textilien erzeugen. Oberflächen
lassen sich sterilisieren, funktionalisieren oder strukturieren.
Gase können umweltfreundlich zersetzt und neu zusammenfügt
werden. Lichtquellen höchster Effizienz lassen
sich für ein breites Anwendungsspektrum optimieren.
md/jw
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