„Ist das nicht schön?“
Kurz vor dem Hochschulball: Zu Besuch beim Asta-Tanzkurs
Wenn die Mensa am 8. April ihre Pforten wieder öffnet,
werden die Gäste – statt wie sonst Turnschuhe
und Jeans – elegante Abendkleider oder Anzüge
tragen. Anlass ist der Hochschulball. Getanzt wird an
der Uni schon viel länger: Seit fast drei Jahrzehnten
gibt es den Asta-Tanzkurs, der bereits vielen hundert
Studenten zu mehr Taktgefühl und einem lässigen
Hüftschwung verholfen hat. Einen Abend lang waren
wir dabei und beobachteten, wie die Paare bei Jive oder
Rumba ins Schwitzen kamen.
Bernd Bruns steht in der Mitte der NA-Cafete. 18 Augenpaare
beobachten aufmerksam jede seiner Bewegungen. „Bei
der Rumba ist die Hüftbewegung ganz wichtig. Seht
mal her, ich zeige es euch“, sagt der Tanzlehrer
und beginnt, sich mit einer scheinbaren Mühelosigkeit
im Takt der Musik zu bewegen. Auf das Kommando „So,
jetzt ihr!“, kommt Bewegung in die Anfängergruppe.
Ganz so elegant wie bei Bruns wirkt das noch nicht,
doch der ist zuversichtlich. „Zu Beginn ist alles
noch sehr mechanisch. Mein Ziel ist, dass die Tänzer
mit der Zeit einen gewissen Swing bekommen“, sagt
er und schwebt schon wieder davon, um einem der Paare
zu helfen, bei dem es gerade ein wenig „hakt“.
Salsa im Wohnheimflur
Die meisten Teilnehmer, fast alle Studierende, sind
auch privat ein Paar. So wie Julia und Fjodor, die eigentlich
schon im Fortgeschrittenenkurs sind. „Tanzen macht
uns unheimlich viel Spaß. Am meisten Samba und
Tango. Damit wir die schwierigen Schritte nicht vergessen,
üben wir auch oft im Wohnheim auf dem Flur“,
sagen die beiden WiWi-Studenten. Für solch eifrige
Schüler bietet der Asta auch Wochenend-Workshops
an, bei denen Gaststudenten aus Argentinien und Spanien
den Tanzschülern die absolut angesagten Tänze
aus ihrer Heimat, Tango-Argentino und Salsa beibringen.
An allen Kursen können aber nicht nur Pärchen
wie Julia und Fjodor teilnehmen, auch Singles werden
ausdrücklich willkommen geheißen. Zu Beginn
jedes Semesters gibt es zwei Abende, bei denen sich
Paare finden können. „Wir sind aber kein
Anmachschuppen“, betont Bruns, der allzu aufdringliche
Herren auch schon mal vor die Tür setzt, wenn ihr
Balzverhalten nicht auf Gegenliebe stößt.
Trotzdem sind aus seinen Kursen schon mehrere Hochzeitspaare
hervorgegangen. Tanzen ist halt eine der wenigen Sportarten,
bei denen praktisch geflirtet werden muss, heißt
doch schon eine Figur beim Jive bezeichnenderweise „Flirt“.
Auch wenn Bruns es „herrlich“ findet, jede
Woche junge, verliebte Menschen zu sehen, hatte er eine
ganz andere Absicht, als er vor 28 Jahren mit Unterstützung
des Asta und des Akafö den Tanzkurs ins Leben rief.
„Die Ruhr-Uni war von Anfang an eine Pendler-Uni.
Die Leute kamen zu den Lehrveranstaltungen und verschwanden
danach wieder. Es gab praktisch kein kulturelles Studentenleben
auf dem Campus.“ Das wollte der Sozialwissenschaftler,
der inzwischen als Dozent an der Evangelischen Fachhochschule
arbeitet, ändern.
Weil er selbst seit seinem sechsten Lebensjahr begeisterter
Tänzer ist und es sogar bis zur Turnierreife brachte,
lag die Idee nahe, einen Tanzkurs anzubieten. Im Mittelpunkt
stand damals wie heute nicht der sportliche Ehrgeiz,
sondern vielmehr die Förderung des Gemeinschaftsgefühls
und der Eigeninitiative der Teilnehmer. Wichtige Bestandteile
der Kurse sind daher die regelmäßigen Tanzabende
und die viermal jährlich stattfindenden Bälle.
Dafür basteln die Studenten die Dekoration, üben
Sketche ein, sorgen für Essen und Getränke
und übernehmen auch sonst alle Arbeiten.
Zurück ins Stammdomizil
Inzwischen sind die Tänzer beim Wiener Walzer
angekommen. Und haben eine Zuschauerin bekommen: Hinter
der Theke steht eine Reinemachfrau, die noch die letzten
Krümel vom Boden fegen will. Verträumt stützt
sie Hände und Kinn am Besenstiel auf. „Ist
das nicht schön?“, fragt sie und erzählt,
dass sie selbst nur ein paar griechische Tänze
beherrscht. „Das sind meine liebsten Schichten,
wenn hier Tanzkurs ist. Wenn Zeit ist, sehe ich gerne
ein bisschen zu.“
Bis Ende April hat sie dazu noch Gelegenheit. Dann zieht
der Tanzkurs wieder in sein Stammdomizil, das Hardenberghaus,
zurück. Weil der dortige Saal renoviert werden
muss, ist Bruns mit den Studenten in die Cafeteria gezogen.
„Das ist aber nicht optimal. Wir müssen jedes
Mal Tische und Stühle verschieben und zudem ist
der Raum etwas zu lang und schmal zum Tanzen.“
Am Ende der Stunde steht der allseits beliebte Jive
auf dem Programm. „Ein wenig müssen wir noch
üben, aber das wird schon noch“, beurteilt
Bruns das mehr oder wenig taktsichere Treiben auf dem
Parkett. „Tanzen lernen kann wirklich jeder.“
Und sollte es doch mal so gar nicht klappen, gibt der
Tanzlehrer vor oder nach der Stunde noch ein wenig Einzelunterricht.
So gut werden seine Schüler, dass einige von ihnen
selbst nachkommende Studentengenerationen unterrichten.
Und was die am 8. April machen, ist wohl klar: Runde
um Runde durch die Mensa „schwofen“.
Aktuelle Kurse
Die neuen Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene
beginnen am Mittwoch, 5. April. Am 4. April haben alle
Singles ohne Vorkenntnisse zwei Stunden lang die Möglichkeit,
einen Tanzpartner für den Anfängerkurs zu
finden. Eine Woche später, 11. April, besteht diese
Möglichkeit für Teilnehmer des Fortgeschrittenenkurses.
Beide Veranstaltungen beginnen um 19 h. Anmeldungen
für alle Kurse unter www.asta-bochum.de/tanz.
Raffaela
Römer
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