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RUBENS 105

1. April 2006


„Ist das nicht schön?“



Kurz vor dem Hochschulball: Zu Besuch beim Asta-Tanzkurs



Wenn die Mensa am 8. April ihre Pforten wieder öffnet, werden die Gäste – statt wie sonst Turnschuhe und Jeans – elegante Abendkleider oder Anzüge tragen. Anlass ist der Hochschulball. Getanzt wird an der Uni schon viel länger: Seit fast drei Jahrzehnten gibt es den Asta-Tanzkurs, der bereits vielen hundert Studenten zu mehr Taktgefühl und einem lässigen Hüftschwung verholfen hat. Einen Abend lang waren wir dabei und beobachteten, wie die Paare bei Jive oder Rumba ins Schwitzen kamen.


Bernd Bruns steht in der Mitte der NA-Cafete. 18 Augenpaare beobachten aufmerksam jede seiner Bewegungen. „Bei der Rumba ist die Hüftbewegung ganz wichtig. Seht mal her, ich zeige es euch“, sagt der Tanzlehrer und beginnt, sich mit einer scheinbaren Mühelosigkeit im Takt der Musik zu bewegen. Auf das Kommando „So, jetzt ihr!“, kommt Bewegung in die Anfängergruppe. Ganz so elegant wie bei Bruns wirkt das noch nicht, doch der ist zuversichtlich. „Zu Beginn ist alles noch sehr mechanisch. Mein Ziel ist, dass die Tänzer mit der Zeit einen gewissen Swing bekommen“, sagt er und schwebt schon wieder davon, um einem der Paare zu helfen, bei dem es gerade ein wenig „hakt“.

Salsa im Wohnheimflur

Die meisten Teilnehmer, fast alle Studierende, sind auch privat ein Paar. So wie Julia und Fjodor, die eigentlich schon im Fortgeschrittenenkurs sind. „Tanzen macht uns unheimlich viel Spaß. Am meisten Samba und Tango. Damit wir die schwierigen Schritte nicht vergessen, üben wir auch oft im Wohnheim auf dem Flur“, sagen die beiden WiWi-Studenten. Für solch eifrige Schüler bietet der Asta auch Wochenend-Workshops an, bei denen Gaststudenten aus Argentinien und Spanien den Tanzschülern die absolut angesagten Tänze aus ihrer Heimat, Tango-Argentino und Salsa beibringen.
An allen Kursen können aber nicht nur Pärchen wie Julia und Fjodor teilnehmen, auch Singles werden ausdrücklich willkommen geheißen. Zu Beginn jedes Semesters gibt es zwei Abende, bei denen sich Paare finden können. „Wir sind aber kein Anmachschuppen“, betont Bruns, der allzu aufdringliche Herren auch schon mal vor die Tür setzt, wenn ihr Balzverhalten nicht auf Gegenliebe stößt. Trotzdem sind aus seinen Kursen schon mehrere Hochzeitspaare hervorgegangen. Tanzen ist halt eine der wenigen Sportarten, bei denen praktisch geflirtet werden muss, heißt doch schon eine Figur beim Jive bezeichnenderweise „Flirt“.
Auch wenn Bruns es „herrlich“ findet, jede Woche junge, verliebte Menschen zu sehen, hatte er eine ganz andere Absicht, als er vor 28 Jahren mit Unterstützung des Asta und des Akafö den Tanzkurs ins Leben rief. „Die Ruhr-Uni war von Anfang an eine Pendler-Uni. Die Leute kamen zu den Lehrveranstaltungen und verschwanden danach wieder. Es gab praktisch kein kulturelles Studentenleben auf dem Campus.“ Das wollte der Sozialwissenschaftler, der inzwischen als Dozent an der Evangelischen Fachhochschule arbeitet, ändern.
Weil er selbst seit seinem sechsten Lebensjahr begeisterter Tänzer ist und es sogar bis zur Turnierreife brachte, lag die Idee nahe, einen Tanzkurs anzubieten. Im Mittelpunkt stand damals wie heute nicht der sportliche Ehrgeiz, sondern vielmehr die Förderung des Gemeinschaftsgefühls und der Eigeninitiative der Teilnehmer. Wichtige Bestandteile der Kurse sind daher die regelmäßigen Tanzabende und die viermal jährlich stattfindenden Bälle. Dafür basteln die Studenten die Dekoration, üben Sketche ein, sorgen für Essen und Getränke und übernehmen auch sonst alle Arbeiten.

Zurück ins Stammdomizil

Inzwischen sind die Tänzer beim Wiener Walzer angekommen. Und haben eine Zuschauerin bekommen: Hinter der Theke steht eine Reinemachfrau, die noch die letzten Krümel vom Boden fegen will. Verträumt stützt sie Hände und Kinn am Besenstiel auf. „Ist das nicht schön?“, fragt sie und erzählt, dass sie selbst nur ein paar griechische Tänze beherrscht. „Das sind meine liebsten Schichten, wenn hier Tanzkurs ist. Wenn Zeit ist, sehe ich gerne ein bisschen zu.“
Bis Ende April hat sie dazu noch Gelegenheit. Dann zieht der Tanzkurs wieder in sein Stammdomizil, das Hardenberghaus, zurück. Weil der dortige Saal renoviert werden muss, ist Bruns mit den Studenten in die Cafeteria gezogen. „Das ist aber nicht optimal. Wir müssen jedes Mal Tische und Stühle verschieben und zudem ist der Raum etwas zu lang und schmal zum Tanzen.“
Am Ende der Stunde steht der allseits beliebte Jive auf dem Programm. „Ein wenig müssen wir noch üben, aber das wird schon noch“, beurteilt Bruns das mehr oder wenig taktsichere Treiben auf dem Parkett. „Tanzen lernen kann wirklich jeder.“ Und sollte es doch mal so gar nicht klappen, gibt der Tanzlehrer vor oder nach der Stunde noch ein wenig Einzelunterricht. So gut werden seine Schüler, dass einige von ihnen selbst nachkommende Studentengenerationen unterrichten. Und was die am 8. April machen, ist wohl klar: Runde um Runde durch die Mensa „schwofen“.

Aktuelle Kurse
Die neuen Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene beginnen am Mittwoch, 5. April. Am 4. April haben alle Singles ohne Vorkenntnisse zwei Stunden lang die Möglichkeit, einen Tanzpartner für den Anfängerkurs zu finden. Eine Woche später, 11. April, besteht diese Möglichkeit für Teilnehmer des Fortgeschrittenenkurses. Beide Veranstaltungen beginnen um 19 h. Anmeldungen für alle Kurse unter www.asta-bochum.de/tanz.


Raffaela Römer
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Letzte Änderung: 31.3.2006| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik