Kulturgärtner
20 Jahre boSKop: immer am Puls der Zeit
Ob nun 40 Semester oder 20 Jahre, die Zeitrechnung
ist einerlei. Wichtig ist, das Kulturbüro boSKop
des Akademischen Förderungswerkes (Akafö)
feiert in diesem Jahr sein 20. Jubiläum und blickt
zurück auf eine Entwicklung vom Provisorium zum
innovativen Dienstleistungsunternehmen.
1986 erhielt der deutsche Physiker Gerd Binnig zusammen
mit zwei Kollegen den Nobelpreis für Physik. Auf
seine Hochschulzeit angesprochen, betonte er, dass er
sein Studium wohl abgebrochen hätte, wäre
da nicht gleichzeitig die kreative Möglichkeit
des Komponierens und Musizierens gewesen; er war Rock-Musiker.
Im selben Jahr wurde – neben vier anderen Städten
in der Bundesrepublik – in Bochum ein Modellversuch
zur „Anregung, Förderung und Begleitung studentischer
Kulturarbeitsgemeinschaften“ ins Leben gerufen.
Der Versuch ist aus einem Forschungsprojekt des Deutschen
Studentenwerkes im Auftrag des Bundesbildungsministeriums
hervorgegangen. Die Beteiligten betonten damals, wie
wichtig das „Training des Kreativitätsmuskels“
ist.
Das Modell bekam den Namen boSKop; bochumer Studentische
Kulturoperative. Nicht nur Ministerium und Rektorat,
auch die Studierenden erkannten den Erfolg – und
stimmten einem finanziellen Beitrag zu. Ab 1990 wurde
das Büro als feste Institution ins Akafö eingegliedert.
Es durchlief speziell in diesen vier und in den folgenden
Jahren eine Entwicklung vom Provisorium zum innovativen
Dienstleistungsunternehmen, ständig von inhaltlichen
Neuorientierungen geprägt. Denn Kulturarbeit soll
keine „Sozialarbeit“ sein, sondern hat das
Ziel, Verstand und Emotionalität anzusprechen und
somit einen Beitrag zur Entfaltung der Kreativität
– und damit zur Identitätsbildung –
der Studierenden zu leisten. Und das kulturelle Interesse
wie das Engagement der Studierenden ist vielseitig und
anspruchsvoll.
Zwischen Hierarchie und Chaos
Das passt ausgezeichnet zu den heutigen Anforderungen
der Wirtschaft: Unternehmen erwarten und fordern Schlüsselqualifikationen
wie Kreativität, soziale Kompetenz, Verantwortungs-
und Leistungsbereitschaft sowie Teamfähigkeit,
ganz nach dem Humboldt’schen Bildungsideal. Diese
Forderungen fallen genauso in den Bereich der Hochschule
wie die Vermittlung von Fachwissen. Denn die Hochschule
ist auch Kulturraum. Unis waren und sind traditionell
Orte der kulturellen Bildung und Eigenaktivitäten.
Die Ruhr-Uni selbst mobilisiert durch Musisches Zentrum,
Kunstsammlungen, Radio c.t., Studienkreis Film und Asta-Kulturreferat
großes Potential auf diesem Gebiet.
Die Uni muss dabei mit anderen Lebensfeldern konkurrieren,
die Studierenden suchen sich ihre persönliche Weiterbildung
auch woanders. Um wettbewerbsfähig zu bleiben,
muss die Hochschule der studentischen Kultur einen festen
und vor allen Dingen nicht zu geringen Platz garantieren.
Kultur war damals wie heute Innovation.
Unter diesen Anforderungen ist das 20-jährige Jubiläum
boSKops in der Kulturszene nicht selbstverständlich.
Die Konkurrenzfähigkeit wurde in all den Jahren
zum einen durch eine Meisterschaft im Gratwandern zwischen
Hierarchie und Chaos, zwischen Planen und Spontanem
und zum andern durch das Bemühen des direkten Kontaktes
mit der Studentenschaft gewährleistet.
Für die nächsten 20 Jahre wünschen wir,
dass boSKop weiter voller Energie jung und frisch bleibt
und nicht als eingelegter Apfel im Keller verschwindet.
Janin
Dworak
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