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RUBENS 105

1. April 2006


Kulturgärtner


20 Jahre boSKop: immer am Puls der Zeit


Ob nun 40 Semester oder 20 Jahre, die Zeitrechnung ist einerlei. Wichtig ist, das Kulturbüro boSKop des Akademischen Förderungswerkes (Akafö) feiert in diesem Jahr sein 20. Jubiläum und blickt zurück auf eine Entwicklung vom Provisorium zum innovativen Dienstleistungsunternehmen.

1986 erhielt der deutsche Physiker Gerd Binnig zusammen mit zwei Kollegen den Nobelpreis für Physik. Auf seine Hochschulzeit angesprochen, betonte er, dass er sein Studium wohl abgebrochen hätte, wäre da nicht gleichzeitig die kreative Möglichkeit des Komponierens und Musizierens gewesen; er war Rock-Musiker. Im selben Jahr wurde – neben vier anderen Städten in der Bundesrepublik – in Bochum ein Modellversuch zur „Anregung, Förderung und Begleitung studentischer Kulturarbeitsgemeinschaften“ ins Leben gerufen. Der Versuch ist aus einem Forschungsprojekt des Deutschen Studentenwerkes im Auftrag des Bundesbildungsministeriums hervorgegangen. Die Beteiligten betonten damals, wie wichtig das „Training des Kreativitätsmuskels“ ist.
Das Modell bekam den Namen boSKop; bochumer Studentische Kulturoperative. Nicht nur Ministerium und Rektorat, auch die Studierenden erkannten den Erfolg – und stimmten einem finanziellen Beitrag zu. Ab 1990 wurde das Büro als feste Institution ins Akafö eingegliedert. Es durchlief speziell in diesen vier und in den folgenden Jahren eine Entwicklung vom Provisorium zum innovativen Dienstleistungsunternehmen, ständig von inhaltlichen Neuorientierungen geprägt. Denn Kulturarbeit soll keine „Sozialarbeit“ sein, sondern hat das Ziel, Verstand und Emotionalität anzusprechen und somit einen Beitrag zur Entfaltung der Kreativität – und damit zur Identitätsbildung – der Studierenden zu leisten. Und das kulturelle Interesse wie das Engagement der Studierenden ist vielseitig und anspruchsvoll.

Zwischen Hierarchie und Chaos

Das passt ausgezeichnet zu den heutigen Anforderungen der Wirtschaft: Unternehmen erwarten und fordern Schlüsselqualifikationen wie Kreativität, soziale Kompetenz, Verantwortungs- und Leistungsbereitschaft sowie Teamfähigkeit, ganz nach dem Humboldt’schen Bildungsideal. Diese Forderungen fallen genauso in den Bereich der Hochschule wie die Vermittlung von Fachwissen. Denn die Hochschule ist auch Kulturraum. Unis waren und sind traditionell Orte der kulturellen Bildung und Eigenaktivitäten. Die Ruhr-Uni selbst mobilisiert durch Musisches Zentrum, Kunstsammlungen, Radio c.t., Studienkreis Film und Asta-Kulturreferat großes Potential auf diesem Gebiet.
Die Uni muss dabei mit anderen Lebensfeldern konkurrieren, die Studierenden suchen sich ihre persönliche Weiterbildung auch woanders. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, muss die Hochschule der studentischen Kultur einen festen und vor allen Dingen nicht zu geringen Platz garantieren. Kultur war damals wie heute Innovation.
Unter diesen Anforderungen ist das 20-jährige Jubiläum boSKops in der Kulturszene nicht selbstverständlich. Die Konkurrenzfähigkeit wurde in all den Jahren zum einen durch eine Meisterschaft im Gratwandern zwischen Hierarchie und Chaos, zwischen Planen und Spontanem und zum andern durch das Bemühen des direkten Kontaktes mit der Studentenschaft gewährleistet.
Für die nächsten 20 Jahre wünschen wir, dass boSKop weiter voller Energie jung und frisch bleibt und nicht als eingelegter Apfel im Keller verschwindet.

Janin Dworak
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Letzte Änderung: 31.3.2006| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik