Editorial
Wechselbäder
Ein Wechselbad der Gefühle erlebte die Ruhr-Uni
im Januar: Zuerst (9.1.) schied die Bewerbung der „Metropole
Ruhr“ beim Wettbewerb des Stifterverbandes für
die deutsche Wissenschaft „Stadt der Wissenschaft
2007“ aus: „Zuviel Masse, zu wenig Klasse.“
Einen Tag später (10.1.) kam Freude auf, als der
„Lenkungsausschuss Campussanierung“ grünes
Licht für den Standortentwicklungsplan gab, so
dass schon in diesem Jahr ein Gebäude „ID“
geplant werden kann. Läuft alles gut, könnte
es nächstes Jahr gebaut werden.
Die Freude stieg, als die Nachrichten über die
Akquisition eines weiteren internationalen Graduiertenkollegs
und einer neuen DFG-Forschergruppe in der organischen
Chemie (19.1.) eintrafen.
Doch nur einen Tag später (20.1) folgte die kalte
Dusche: Beim Exzellenzwettbewerb kam die Ruhr-Uni nur
in der untersten Förderlinie durch. Sie ist darf
zwar den Vollantrag für eine Graduiertenschule
„Ruhr-University Reseach School“ stellen,
aber die beiden hoffnungsvollen Exzellenzcluster „Plasmaforschung“
und „Sensory Life Science“ blieben auf der
Strecke.
Bedenkt man, dass die Ruhr-Uni zu den 15 drittmittelstärksten
Universitäten Deutschlands gehört, ebenso
zu den Unis mit den meisten von der DFG geförderten
Sonderforschungsbereichen, Forschergruppen und Graduiertenkollegs,
und bedenkt man, dass 41 Exzellenzcluster von 28 Unis
in die nächste Runde gekommen sind, so muss man
sich die Augen reiben und fragen, warum wir nicht zu
diesem illustren Kreis gehören? Überschätzen
wir uns? Stellen wir uns falsch dar? Lag es an der Qualität
der Anträge? Waren die anderen schlicht besser?
Bei der Bewertung dieser Nachrichten muss man eine weitere
schlechte in Betracht ziehen: Die Ruhr-Uni verliert
2006 erneut rund 1,9 Mio. Euro bei der landesweiten
Verteilung der Mittel für Forschung und Lehre nach
Leistungskriterien. Fast genauso soviel gewinnt z.B.
die Uni Münster hinzu. Der Grund: Wir haben zuviel
Personal und dieses bildet, etwa im Vergleich zu Münster,
zu wenig Doktoranden und zu wenig Absolventen aus; außerdem
studieren unsere Absolventen länger als anderswo.
Mag sein, dass sie mehr als andere für ihren Lebensunterhalt
nebenbei arbeiten müssen, aber das allein kann
die Diskrepanz nicht erklären, obwohl alle Unis
im Revier zu den Verlierern gehören.
In dieser Situation hilft kein Lamentieren. Wir müssen
besser werden, vielleicht sogar schlanker und wendiger,
und mehr aus unseren Möglichkeiten machen. Das
gilt gleichermaßen für die Ruhr-Uni wie für
das Ruhrgebiet, das auf dem besten Weg ist, zum neuen
Armenhaus der Nation zu werden. Wie wir in der Ruhr-Uni
uns nicht damit trösten dürfen, als einzige
Hochschule des Reviers immerhin noch einen Fuß
in der Tür der Exzelleninitiative zu haben, darf
das Ruhrgebiet nicht die Augen davor verschließen,
dass es wirtschaftlich immer weiter zurückfällt.
Hier ist ebenso Bürgersinn gefragt wie der Mut
zu deutlichen Veränderungen, um von der Verliererstraße
wegzukommen.
jk
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