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RUBENS 104

1. Februar 2006

Editorial

Wechselbäder



Ein Wechselbad der Gefühle erlebte die Ruhr-Uni im Januar: Zuerst (9.1.) schied die Bewerbung der „Metropole Ruhr“ beim Wettbewerb des Stifterverbandes für die deutsche Wissenschaft „Stadt der Wissenschaft 2007“ aus: „Zuviel Masse, zu wenig Klasse.“
Einen Tag später (10.1.) kam Freude auf, als der „Lenkungsausschuss Campussanierung“ grünes Licht für den Standortentwicklungsplan gab, so dass schon in diesem Jahr ein Gebäude „ID“ geplant werden kann. Läuft alles gut, könnte es nächstes Jahr gebaut werden.
Die Freude stieg, als die Nachrichten über die Akquisition eines weiteren internationalen Graduiertenkollegs und einer neuen DFG-Forschergruppe in der organischen Chemie (19.1.) eintrafen.
Doch nur einen Tag später (20.1) folgte die kalte Dusche: Beim Exzellenzwettbewerb kam die Ruhr-Uni nur in der untersten Förderlinie durch. Sie ist darf zwar den Vollantrag für eine Graduiertenschule „Ruhr-University Reseach School“ stellen, aber die beiden hoffnungsvollen Exzellenzcluster „Plasmaforschung“ und „Sensory Life Science“ blieben auf der Strecke.
Bedenkt man, dass die Ruhr-Uni zu den 15 drittmittelstärksten Universitäten Deutschlands gehört, ebenso zu den Unis mit den meisten von der DFG geförderten Sonderforschungsbereichen, Forschergruppen und Graduiertenkollegs, und bedenkt man, dass 41 Exzellenzcluster von 28 Unis in die nächste Runde gekommen sind, so muss man sich die Augen reiben und fragen, warum wir nicht zu diesem illustren Kreis gehören? Überschätzen wir uns? Stellen wir uns falsch dar? Lag es an der Qualität der Anträge? Waren die anderen schlicht besser?
Bei der Bewertung dieser Nachrichten muss man eine weitere schlechte in Betracht ziehen: Die Ruhr-Uni verliert 2006 erneut rund 1,9 Mio. Euro bei der landesweiten Verteilung der Mittel für Forschung und Lehre nach Leistungskriterien. Fast genauso soviel gewinnt z.B. die Uni Münster hinzu. Der Grund: Wir haben zuviel Personal und dieses bildet, etwa im Vergleich zu Münster, zu wenig Doktoranden und zu wenig Absolventen aus; außerdem studieren unsere Absolventen länger als anderswo. Mag sein, dass sie mehr als andere für ihren Lebensunterhalt nebenbei arbeiten müssen, aber das allein kann die Diskrepanz nicht erklären, obwohl alle Unis im Revier zu den Verlierern gehören.
In dieser Situation hilft kein Lamentieren. Wir müssen besser werden, vielleicht sogar schlanker und wendiger, und mehr aus unseren Möglichkeiten machen. Das gilt gleichermaßen für die Ruhr-Uni wie für das Ruhrgebiet, das auf dem besten Weg ist, zum neuen Armenhaus der Nation zu werden. Wie wir in der Ruhr-Uni uns nicht damit trösten dürfen, als einzige Hochschule des Reviers immerhin noch einen Fuß in der Tür der Exzelleninitiative zu haben, darf das Ruhrgebiet nicht die Augen davor verschließen, dass es wirtschaftlich immer weiter zurückfällt. Hier ist ebenso Bürgersinn gefragt wie der Mut zu deutlichen Veränderungen, um von der Verliererstraße wegzukommen.



jk
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Letzte Änderung: 31.1.2006| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik