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RUBENS 103

2. Januar 2006

Beobachtet


Weiße Weihnacht



Neulich im November, als der viele Schnee lag, träumten einige automatisch von einer weißen Weihnacht. Ist ja auch schön, durch den Schnee zur Christmette zu stampfen, begleitet von sanft tänzelnden Schneeflocken. Überall Stille, der weiße, reine Schnee, klingende Glöckchen, Kerzenlichter und so.
Doch kaum begannen die ersten zu träumen, meldeten sich die Wetterstatistiker zu Wort und klärten auf, wie unwahrscheinlich eine weiße Weihnacht bei uns ist. In München, da mag das alle drei Jahre oder so möglich sein, aber in Hamburg, Köln oder im Ruhrgebiet: rein statistisch und wenn überhaupt vielleicht alle sieben, acht Jahre, und das letzte Mal, als hier an einem 24. Dezember Schnee lag, das war …, keine Ahnung, Kohl war wohl noch Kanzler, oder der andere Helmut.
Praktisch gleichzeitig klärten uns die Wetterstatistiker darüber auf, wie unwahrscheinlich, ja im Grunde genommen unmöglich es eigentlich sei, dass sich einige Tausend Wolken derart hartnäckig über einem Landstrich halten und sich so richtig ausschneien, dass der Landstrich nicht nur im Schnee, sondern auch gleich im Chaos versinkt.
Im Münsterland, wo die Schneewolken bekanntlich der Meteorologie ein Schnippchen schlagen konnten und Strommasten brachen, hält sich das Gerücht, der viele Schnee sei eigentlich für die lieben Nachbarn in den Niederlanden bestimmt gewesen. Was die Münsterländer dabei außer Acht lassen: Auch um sie herum ist Ende November 2005 viel Schnee gefallen, ob nun in Holland oder in Bochum. Die ersten acht Schneeflocken setzten wie üblich den Bahnverkehr lahm. Auch Autos, Linienbusse und Lkw bekamen dank vieler Sommerreifen ihre gewohnten Schwierigkeiten.
Wer es seinerzeit trotzdem bis zur Ruhr-Uni schaffte, konnte staunen, wie viele Wege und Schneisen hier sozusagen über Nacht freigelegt worden waren. Der Fußgängerverkehr funktionierte, wenn auch zwangsweise im Gänsemarsch. Jedenfalls gelangte man von GC nach IB oder von HZO nach QFW, ohne im Schnee zu versinken.
Man kam sogar trockenen Fußes bis zum Musischen Zentrum. Doch danach hörten die Wege und Schneisen mit einem Mal auf, da gab es nur noch tiefen Schnee und später Eis und Schneematsch. Wer zur U 35 oder zu den Bussen im Uni-Center gehen musste, behielt keine trockenen Füße. Rutschig war es außerdem, bisweilen gefährlich.
Nun ja, die sog. Unibrücke gehört nicht mehr zum Campus, deshalb fühlt die Ruhr-Uni sich dafür nicht zuständig. Die Betreiber des Uni-Centers lassen zwar ihr Einkaufsparadies von Eis und Schnee befreien, nicht aber die Brücke, sie sind dafür nicht zuständig. Die Stadt ist für die Brücke zuständig, schickt aber niemanden zum Räumen.
Das ist wie bei uns allen in der Nachbarschaft. Die von Hausnummer 32 fegen vor ihrem Haus den Schnee weg, auch die von 36 räumen ihn weg. Und doch bleibt der Gehweg insgesamt unpassierbar, weil die Leute von Nummer 34 ihren Schnee einfach liegen lassen. Auf die Straße auszuweichen geht auch nicht, denn die Stadt hat die Straße nicht geräumt. Wie auch, wo doch die Räumfahrzeuge gerade erfolgreich nach Osteuropa verscherbelt worden sind?
Was also bleibt zu tun? Müssen die von 36 auch vor 34 räumen? Im Wechsel mit denen aus 32? Oder sollte man bei 34 noch mal freundlich nachfragen? Oder könnten nicht am Beginn der Straße Schneeschieber und Straßenbesen bereit stehen, damit jeder, der den Fußweg (und die Straße) benutzen möchte, sich den Weg selbst freischaufelt? Oder träumen wir lieber von einer grauen Weihnacht und einem komplett grauen Winter?

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Letzte Änderung: 2.1.2006| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik