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RUBENS 103

2. Januar 2006

Hypotheken


Michael Dohlen hat Schadstoffe in Bochums Wäldern gemessen

Vor drei Jahren (RUBENS 69) haben wir das Dissertationsprojekt des Bochumer Diplomgeographen Michael Dohlen (Physische Geographie und Geoökologie) vorgestellt. In drei Bochumer Stadtwäldern (Langendreer, Bergen und Werne) hat er den Eintrag und Austrag an (Schad-)Stoffen gemessen: Was kommt aus der Atmosphäre, dringt in den Waldboden ein – und schädigt schlimmstenfalls Bäume und Grundwasser. Mittlerweile ist das Projekt abgeschlossen. Mit dem frisch promovierten Dr. rer. nat. Michael Dohlen sprach Arne Dessaul.

RUBENS: Herr Dohlen, wie geht es dem Bochumer Stadtwald?
Dohlen: Zum Teil geht es ihm, wie dem Deutschen Wald insgesamt, nicht gut. Von den untersuchten Standorten sieht es am schlimmsten im ältesten Wald in Langendreer aus. Ich würde die Lage aber nicht dramatisieren. Mittelfristig werden die Stadtwälder ihre Funktion als Schadstoffspeicher weiterhin wahrnehmen können. Sie filtern beispielsweise Schadstoffe wie Schwermetalle aus der Luft und speichern sie vor allem im Waldboden. Das heißt, der Wald fungiert hier noch als eine Senke, weil der atmosphärische Stoffeintrag größer ist als der Austrag. Gefährlich kann es dann werden, wenn sich dieses Verhältnis umdreht. Dann wird aus dem Wald eine Quelle, Schadstoffe dringen tiefer in den Boden ein, gefährden die Gesundheit der Bäume oder können das Grundwasser belasten.

RUBENS: Wie könnte es dazu kommen?
Dohlen: Durch die fortschreitende starke Versauerung des Waldbodens können verschiedene Schwermetalle, die ansonsten im Boden wenig mobil sind, leichter vertikal verlagert werden. Diese Gefahr besteht hauptsächlich bei den älteren Wäldern, die oft höhere Schwermetallgehalte aufweisen. Das liegt an den früher beträchtlichen Stoffeinträgen durch die Industrie. Hier könnte die Forstwirtschaft präventiv eingreifen, sie könnte zum Beispiel den Waldboden kalken. Allerdings werden klassische Stadtwälder häufig von der Forstwirtschaft vernachlässigt, weil sie so gut wie keinen ökonomischen Nutzen haben und gleichzeitig teuer in der Unterhaltung sind. Die urbanen Wälder werden auch hinsichtlich ihrer Speicherfunktion wissenschaftlich kaum untersucht. Dabei darf man eines nicht vergessen: Was an Schadstoffen einmal in den Boden eingedrungen ist, das wird man nicht mehr los.

Keine Gefahr für Spaziergänger

RUBENS: Ist es dann nicht auch schon jetzt gefährlich, im Stadtwald spazieren zu gehen?
Dohlen: Aus meiner Sicht nicht. Dort wo ich gemessen habe, liegen die Schadstoffwerte im Boden allesamt unter den jeweiligen Grenzwerten, bei denen Gesundheitsgefährdungen für Waldbesucher oder das Grundwasser möglich sind.

RUBENS: Welche Stoffe dringen hauptsächlich in den Waldboden ein und woher kommen Sie?
Dohlen: Neben ungefährlichen Stoffen wie zum Beispiel Calcium sind es auch Schwermetalle, die aus unterschiedlichen Quellen des städtischen Umfeldes stammen. Im Vergleich mit ähnlichen Untersuchungen in deutschen Wäldern lagen beispielsweise die von mir in Bochum gemessenen Mengen für Cadmium und Blei deutlich höher. Bei den im Waldboden gespeicherten Schwermetallen handelt es sich zum einen um Hypotheken der industriellen Vergangenheit der Ruhrgebiets. Damals wurden die Schornsteine noch nicht so hoch gebaut wie heute und die ausgestoßenen Stoffe kamen in der unmittelbaren Nähe nieder. Deshalb ist von meinen untersuchten Wäldern derjenige in Langendreer stärker davon betroffen, die anderen beiden sind zu jung. Zum anderen sind industrielle Prozesse und der Kfz-Verkehr verantwortlich. Das gilt besonders für den Werner Stadtwald, durch den die A 40 führt. Dies ist ohnehin ein besonderer Standort, da er auf einer für das Ruhrgebiet typischen Bergehalde des Steinkohlenbergbaus angepflanzt wurde, wo besondere Bodenbedingungen herrschen. Speziell hier tritt noch ein anderes Problem auf. Stadtwälder dienen nicht nur als Schadstofffilter, sondern natürlich auch zur Naherholung. Und gerade in Werne wird viel durch Menschen zerstört. Sie fahren dort Motorrad, machen Feuer oder fällen Bäume, ganz zu schweigen vom Müll. Dadurch werden die positiven Wirkungen des Waldes beeinträchtigt.

RUBENS: Hatten Sie nicht auch Probleme mit den Waldnutzern?
Dohlen: Richtig, die Depositionssammler, mit denen ich den Stoffeintrag gemessen habe, und andere Klimamessgeräte wurden regelmäßig gestohlen oder zerstört.

RUBENS: Wie geht es mit Ihnen persönlich weiter?
Dohlen: Jetzt im Januar wird erst einmal meine Arbeit veröffentlicht. Und in den nächsten beiden Jahren bleibe ich dem Lehrstuhl von Prof. Thomas Schmitt noch erhalten. Ich habe auch einige meiner Saugkerzen in den drei Wäldern gelassen, um gelegentlich zu schauen, wie sich die Stoffverlagerung im Boden weiter entwickelt.


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