Ruhr-Universität Bochum zur Navigation zum Inhalt Startseite der RUB pix
Startseite UniStartseite
Überblick UniÜberblick
A-Z UniA-Z
Suche UniSuche
Kontakt UniKontakt

pix
 
Das Siegel
Naturwissenschaften Ingenieurwissenschaften Geisteswissenschaften Medizinische Einrichtungen Zentrale Einrichtungen
pix
RUBENS - Zeitschrift der RUB
RUBENS- Startseite

Lesen
Aktuelle Ausgabe
Archiv
¤Ausgabe Nr. 103
  ¤Artikel
pdf-Dateien

Service & Kontakt
Mediadaten
Redaktion
E-Mail Service
Kontakt

Volltextsuche
pix RUBENS - Zeitschrift der Ruhr-Universität
Nachrichten, Berichte und Meinungen
 
 
 
    
pix
Artikel » Ausgabe 103 »Archiv » RUBENS » Pressestelle » Ruhr-Universität
pix pix
RUBENS 103

2. Januar 2006

Wenn es quietscht und kracht

Ein ganz normaler Arbeitstag mit Hausmeister Klaus Kunzer




Seit November arbeiten die Hausmeister der Ruhr-Uni im Zwei-Schichten-Dienst. Neu ist auch ihr Arbeitsplatz: Statt wie früher in den einzelnen Gebäuden, sind sie jetzt in den so genannten Info-Punkten zu erreichen. Gruppenhausmeister Klaus Kunzer erzählt uns, wie er mit den Neuerungen klarkommt. Einen Tag lang durften wir ihn bei seiner Arbeit begleiten.


Menschenleer ist es an der Uni, und stockdunkel. Nur im Fenster des Info-Punkts im Hörsaalzentrum Ost (HZO) scheint Licht. Es ist kurz nach halb sieben und vor wenigen Minuten hat für Hausmeister Klaus Kunzer die Frühschicht begonnen. Der 50-Jährige, der zusammen mit mehreren Kollegen für das HZO, das Forum Nord-Ost (FNO) und die Gebäude der Ingenieurwissenschaften zuständig ist, sitzt an seinem Schreibtisch. Hier ist er oft zu finden, wie er sagt, denn als Gruppenhausmeister koordiniert er die anfallenden Arbeiten und ist Ansprechpartner für Hausmeister und Hausarbeiter.

Freundschaften fürs Leben

Gummistiefel und mehrere Kabelrollen stehen in einer Ecke des Büros, an der Wand hängen Bilder von Motorrädern und Fotos von Studenten. Papierstapel, Schrauben und eine riesige silberne Schale mit Äpfeln, Süßigkeiten und Nüssen bedecken den Schreibtisch. „Ein Geschenk von der Fachschaft der Bauingenieure“, sagt Kunzer und deutet auf die Schale. Während er am Computer überprüft, welcher Kollege heute welche Aufgaben übernimmt, erzählt er von dem guten Verhältnis, das er zu „seinen“ Studenten hat. „Alle Bauingenieur-Erstis werden von der Fachschaft erst mal bei mir vorbei geschickt. Zu vielen entwickelt sich dann im Laufe der Zeit eine richtige Freundschaft, die auch noch nach dem Studium anhält.“ Lächelnd ergänzt er: „Bei mir können die Studenten sich auch mal richtig ausheulen, wenn wieder mal alles nicht so klappt wie es sollte.“
Das war nicht immer so, denn als der gelernte Kraftfahrzeugschlosser vor 20 Jahren an die Uni kam, fand er die jungen Leute hier einfach nur chaotisch. „Ich sah alle Klischees bestätigt. Faul, unordentlich und ohne Plan, das war mein Eindruck von den Studenten.“ Obwohl er ursprünglich nur zwei Jahre bleiben wollte, kann Kunzer sich einen anderen Arbeitsplatz heute nicht mehr vorstellen. „Jetzt kenne ich ja meine Pappenheimer und weiß, wie ich mit ihnen umgehen muss. Außerdem bleibt man bei dem Umfeld auch selber jung“, sagt er.

Morgendliche Routine

Das Telefon klingelt. Ein Blick auf das Display zeigt Kunzer, dass der Anruf von der Parkplatzschranke an den I-Gebäuden kommt. Besucher, die keinen Schlüssel dafür haben, werden per Knopfdruck automatisch mit dem Info-Punkt verbunden. „Zwischen halb acht und neun Uhr klingelt das Telefon praktisch ständig“, sagt Kunzer. Wie das Öffnen der Schranke, gehört auch die Ausgabe der Mikrofone und Beamer-Fernbedienungen an Dozenten zu seinen morgendlichen Routine-Aufgaben. „Bevor die Info-Punkte eingerichtet wurden, gab es in jedem Gebäude einen Hausmeister, der vor jeder Vorlesung den Dozenten mit der nötigen Technik ausstattete und gegebenenfalls zur Stelle war, wenn zum Beispiel mal ein Mikro ausfiel.“ Wer jetzt eine Vorlesung halten will, muss sich die Sachen erst im Info-Punkt abholen.
Schon wieder klingelt das Telefon. Der für die N-Reihe zuständige Gruppenhausmeister, Heinz-Jürgen Böhmer, hat einen Wasserrohrbruch entdeckt und fragt, ob Kunzer ihm einen Kollegen zur Unterstützung vorbei schicken kann. „Nee, tut mir leid, aber wir sind selbst nur knapp besetzt“, antwortet der. Seit im November der Schichtdienst eingeführt wurde, mangelt es den Hausmeistern oft an Mitarbeitern. „Früher waren den ganzen Tag vier Hausmeister und acht Hausarbeiter für die I-Gebäude zuständig. Die wurden jetzt auf zwei Schichten verteilt, so dass morgens und nachmittags jeweils nur die Hälfte der Leute da ist.“
Da im Hausmeisterdienst aus Kostengründen gleichzeitig Personalstellen und zahlreiche Überstunden abgebaut werden, wissen die Hausmeister an manchen Tagen nicht, wo ihnen der Kopf steht. Zum Beispiel, wenn es nachts geschneit hat und bis sieben Uhr alle Wege geräumt sein müssen. Dann muss Kunzer statt um halb sechs schon um halb vier aufstehen, um alles zu schaffen. Wenn dann auch noch ein Rohr platzt, die Heizung leckt oder jemand im Aufzug stecken geblieben ist, ist das Chaos perfekt.

Kreideschlamm im Hörsaal

Kunzer schüttet sich erst einmal einen Kaffee ein. Kühlschrank und Kaffeemaschine gehören zum Inventar seines Büros, das hinter dem für Besucher zugänglichen Bereich liegt. Das Frühstück erledigt er meist nebenbei, im Stehen. „Eine richtige Mittagspause kenne ich nicht“, sagt er. Vorne an der Infotheke hat inzwischen Hausmeister Michael Danders Stellung bezogen. Er ist gerade fertig mit seiner Runde durch das HZO, wo er die Hörsäle aufgeschlossen und kontrolliert hat. „In Hörsaal 40 sieht es aus wie Sau“, meldet er Kunzer. Der macht sich auf den Weg, um selbst nachzuschauen. Vor der Tafel und rund um das Pult ist der ganze Boden feucht. Wischwasser und Kreide haben sich zu einem unappetitlichen Matsch vermischt. „Überall wird gespart. Auch an den Reinigungskräften. Die haben immer weniger Zeit, um einen Raum sauber zu machen“, sagt Kunzer. Trotz allem Verständnis kann er den Hörsaal nicht so lassen. Zurück im Büro ruft er bei der zuständigen Reinigungsfirma an. Die will noch mal jemanden vorbeischicken, der den Dreck weg wischt.
So geht es Kunzer häufig. An der Uni gibt es eine Vielzahl von Zuständigkeitsbereichen. Es gibt Leute, die sich um die Reinigung der Gebäude kümmern, andere sind für die Heizungen zuständig, wieder andere für den Sanitärbereich oder die Elektrik, und so weiter. Doch Kunzer hat keine Zeit, mehr davon zu erzählen. An der Infotheke steht ein neuer Besucher. Der Handwerker hat den Auftrag, an der Unistraße 150 Reparaturen durchzuführen. Das ist so ziemlich die ungenaueste Adresse, die es gibt, und daher ist jetzt guter Rat teuer. Doch Kunzer kann schnell helfen und schickt den Mann zum gewünschten Einsatzort.
Auch er selbst muss noch mal vor die Tür, im Gebäude IA schließt eine Tür nicht richtig. Bewaffnet mit Schmieröl und Schraubenzieher macht Kunzer sich auf den Weg. Unterwegs hebt er eine leere Bierflasche auf, die auf der Straße liegt, und wirft sie weg. Dabei trifft er einen anderen Kollegen, der gerade den eingesammelten Papiermüll zur Presse bringt. „Zwei sind morgens immer für den Müll zuständig“, erklärt Kunzer, der diese Aufgabe auch regelmäßig übernimmt. Dann heißt es für ihn, sämtliche Mülltonnen leeren, Papier pressen und Elektroschrott einsammeln.
In IA angekommen, ölt der Hausmeister auch gleich noch alle anderen quietschenden Türen, an denen er vorbeikommt. „Eigentlich könnten wir auch gleich einen Rundgang durch die I-Reihe machen, wo wir schon mal hier sind“, sagt er und erklärt, dass er solche Kontrollen ein- bis zweimal in der Woche durchführt. Dabei fallen ihm viele Sachen auf, so auch Schäden, die durch Vandalismus hervorgerufen wurden. Am Wochenende haben Unbekannte zum Beispiel eine der Parkplatzschranken und eine Laterne zerstört „Die kräftigen Burschen haben eben Langeweile“, sagt Kunzer ironisch.

Einsatz in der Nacht

Wenn er Bereitschaftsdienst hat, wird er wegen solcher Vorkommnisse auch mal aus dem Bett geholt. Oder wenn mal wieder eingebrochen wurde, was in letzter Zeit immer häufiger passiert. Auch wenn die Fachschaft eine Party schmeißt, muss Kunzer sich die eine oder andere Nacht um die Ohren schlagen, damit „alles in geordneten Bahnen abläuft“. So wie letzte Woche, als er erst um sechs Uhr morgens nach Hause kam, nachdem er einen der trinkfreudigen Gäste mit Alkoholvergiftung ins Krankenhaus einliefern lassen musste.
Zurück im Info-Punkt wartet die nächste Überraschung auf Kunzer. Lautes Hämmern dröhnt durch das ganze HZO, und das, obwohl in wenigen Minuten die ersten Vorlesungen anfangen. Also wieder raus und schauen, woher der Lärm kommt. Der Krachmacher ist schnell gefunden: Handwerker tauschen auf einem der Übergänge zur I-Reihe alte Gehwegplatten gegen neue aus. „Ich muss die ausführende Firma anrufen. Die sollen ihre Leute zurückpfeifen, bevor sich die ersten Professoren beschweren, weil sie bei dem Lärm keine Vorlesung halten können.“ Denn: „Der Lehrbetrieb hat absoluten Vorrang.“
So geht es praktisch den ganzen Tag weiter. Immer wieder wird Kunzer nach draußen gerufen, er muss Schäden begutachten, Arbeitsaufträge schreiben, Material anfordern, Fragen beantworten. „Das ist ja das schöne an dem Job. Man weiß morgens nie, was der Tag so alles bringt“, sagt Kunzer, als er um 14.30 Uhr in den wohlverdienten Feierabend aufbricht. Denn das, so Kunzer, ist das Gute an dem neuen Schichtdienst: Er hat jetzt mehr Zeit für sein großes Hobby: sein Motorrad.

 


Raffaela Römer
pfeil  voriger Artikel Themenübersicht nächster Artikel   pfeil
 
 
Zum Seitenanfang  Seitenanfang | Druckfassung dieser Seite
Letzte Änderung: 2.1.2006| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik